Überlegenheit

Von Arthur Charles Clarke (Original: „Superiority“, 1951 in The Magazine of Fantasy and Science Fiction erschienen). Übersetzung und Bildauswahl: Lichtschwert

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Im Zuge dieser Stellungnahme – die ich aus eigenem freiem Willen abgebe – möchte ich in aller Deutlichkeit klarstellen, dass ich in keiner Weise versuche, Sympathien zu gewinnen, noch irgendeine Milderung jeglichen Urteils erwarte, welches das Gericht verkünden mag. Ich schreibe dies im Versuch, manche der verlogenen Berichte zu widerlegen, die in den Zeitungen veröffentlicht wurden, die ich sehen durfte, und die im Gefängnisradio gesendet wurden. Sie haben ein völlig falsches Bild von der wahren Ursache unserer Niederlage vermittelt, und als Führer der Streitkräfte meiner Rasse bei Einstellung der Feindseligkeiten halte ich es für meine Pflicht, gegen solche Verleumdungen jener zu protestieren, die unter mir dienten.

Ich hoffe auch, dass diese Stellungnahme die Gründe für die Beschwerde erläutern kann, die ich zweimal bei dem Gericht eingebracht habe, und dieses jetzt zur Gewährung eines Gefallens bewegen wird, für dessen Verweigerung ich keinen möglichen Grund erkennen kann.

Die letztendliche Ursache unserer Niederlage war eine einfache: Trotz aller gegenteiligen Aussagen lag sie nicht an mangelnder Tapferkeit unserer Männer oder an irgendeinem Verschulden der Flotte. Wir wurden von nur einer Sache besiegt – durch die unterlegene Wissenschaft unserer Feinde. Ich wiederhole – durch die unterlegene Wissenschaft unserer Feinde.

Als der Krieg begann, hegten wir keine Zweifel an unserem letztendlichen Sieg. Die kombinierten Flotten unserer Verbündeten übertrafen an Zahl und Bewaffnung bei weitem jene, die der Feind gegen uns aufbieten konnte, und in fast allen Sparten der militärischen Wissenschaft waren wir ihm überlegen. Wir waren sicher, dass wir diese Überlegenheit behalten konnten. Unser Glaube stellte sich leider als nur zu begründet heraus.

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Duell im All

Von Fredric Brown (Original: „Arena“, erschienen 1944; letztes Bild aus der deutschen Veröffentlichung dieser Geschichte in Reader’s Digest Nr. 5-1982, andere Bilder von mir hinzugefügt)

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Carson öffnete die Augen und bemerkte, daß er im Sand lag. Er blickte auf und sah in eine flimmernde, trübe Bläue.

Ich bin wohl verrückt, dachte er. Verrückt – oder tot. Der Sand war leuchtend blau. Und das gab es doch nirgendwo auf der Erde oder sonst einem Planeten: leuchtend blauen Sand! Er nahm eine Handvoll auf und ließ die Körner über den bloßen Fuß rieseln. Ein bloßer Fuß? Nicht nur das; er war von oben bis unten nackt, und von seinem Körper troff der Schweiß! Von allen Planeten besaß nur der Merkur eine solche Hitze, und der lag ungefähr sechs Milliarden Kilometer entfernt von…

Da fiel es ihm wieder ein, wo er sich zuletzt befunden hatte: in dem Einmannaufklärungsraumschiff jenseits der Umlaufbahn des Planeten Pluto. Und sein Auftrag war die Überwachung eines knapp anderthalb Millionen Kilometer umfassenden Raumes an der Flanke der terrestrischen Raumflotte, die die außerirdischen Angreifer abfangen sollte.

Niemand wußte, wer die Angreifer waren, aus welcher fernen Galaxis sie kamen. Bisher hatte es nur vereinzelte Überfälle auf Erdsatelliten gegeben, an sich noch keine kritische Bedrohung. Dennoch hatte die Erde sich zum Entscheidungskampf gerüstet und die größte Raumflotte aller Zeiten aufgeboten. Aufklärer 30 Milliarden Kilometer weit draußen im Raum hatten die Annäherung einer mächtigen Flotte der Angreifer gemeldet. Und nun stand die terrestrische Armada mit 10.000 Raumschiffen und einer halben Million Raumkämpfern bereit, um die Angreifer aufzuhalten und um die letzte Überlebenschance der Erde zu kämpfen.

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