Homer: Die europäische Bibel, Teil 3 von 3

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John William Waterhouse: „Penelope and the Suitors“

Von Dominique Venner, ins Englische übersetzt von Greg Johnson; deutsche Übersetzung dieser englischen Fassung von Deep Roots. Das Original Homer: The European Bible, Part 3 erschien am 11. September 2010 bei Counter-Currents Publishing/North American New Right.

Zuvor erschienen: Teil 1 und Teil 2

Die Odyssee: Der Platz des Menschen im Kosmos

Das zweite große Epos erzählt in 12.000 Versen und 24 Büchern die schwierige Rückkehr des Odysseus in sein Vaterland. Eine Rückkehr, der sich tausend furchterregende Hindernisse in den Weg stellen. Die Odyssee ist daher ein Epos von Heimkehr und gerechtfertigter Rache.

Aber die Odyssee ist mehr als das. Unter erzählerischen Vorwänden, die sich von der Ilias unterscheiden, empfiehlt das zweite Epos die für Hellenen angemessene „Weltsicht“. Es zeigt den Platz des Menschen in der Natur und in Relation zu den mysteriösen Kräften, die sie ordnen.

Sterbliche in Harmonie mit der kosmischen Ordnung zu bringen, liegt den homerischen Epen am Herzen. Aber Homers Himmel liegt jenseits der primitiven Zeiten der Gründung des Kosmos, die von den alten Mythen beschworen werden, deren Inhalt in Hesiods „Theogonie“ formalisiert wurde: die Konfrontation von Uranos und Kronos, der Kampf der olympischen Götter und ihr Sieg über die Titanen. Von all dem behält der Poet nur das olympische Licht, ohne sich um die Schaffung eines kohärenten Systems Sorgen zu machen. Bei Homer liegt die Kohärenz nicht im Diskurs. Sie liegt in ihm selbst.

Das Verlassen der kosmischen Ordnung und die Rückkehr zu ihr bilden den Rahmen der Odyssee. Odysseus provoziert unabsichtlich Poseidons Zorn, indem er seinen Sohn blendet, den Zyklopen Polyphem. Dies ist der Lauf des menschlichen Schicksals. Unabsichtlich provozieren wir den Zorn und die Strafe der Götter (Repräsentationen der Kräfte der Natur). Daher müssen wir kämpfen und ihre Martern ertragen, um zu der Harmonie zurückzukehren, die wir verloren haben.

Dies ist das Schicksal des Odysseus. Angesichts der furchterregenden Prüfungen, die ihm von Poseidon auferlegt werden, der ihn in eine Welt des Chaos, der Monster (Skylla und Charybdis) und besitzergreifender oder perverser Nymphen (Calypso, Circe, die Sirenen) stürzt – ganz zu schweigen von einem Besuch im Reich der Toten – kämpft der Seefahrer unermüdlich, um den Fallen zu entgehen und seinen Platz in der Ordnung der Welt zu finden. In tödliche Gefahren geschleudert, wird Odysseus zehn Jahre für seine Heimkehr brauchen.

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Homer: Die europäische Bibel, Teil 2

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Von Dominique Venner, ins Englische übersetzt von Greg Johnson; deutsche Übersetzung dieser englischen Fassung von Deep Roots. Das Original Homer: The European Bible, Part 2 erschien am 8. September 2010 bei Counter-Currents Publishing/North American New Right.

Zuvor erschienen: Teil 1

Zorn und Reue des Achilles

Nach zehn Jahren einer sehr langen Belagerung, zusammen mit Raubzügen in dem Gebiet, brachte ein Streit Agamemnon, den Anführer der achäischen Koalition, und Achilles, den berühmtesten Helden seines Lagers, gegeneinander auf. Seine Macht mißbrauchend, nimmt Agamemnon sich Briseis „mit den lieblichen Wangen“, die von Achilles geliebte junge Gefangene. So lautet die Einleitung und der Beginn des Gedichtes: „Singe, Göttin, von Achilles’ katastrophalem Zorn…“

Diese Göttin, welche das Epos singt, ist die Muse, deren Interpret der Poet ist, was die Bindungen mit der göttlichen Welt unterstreicht.

Von gerechter Empörung ergriffen, beschließt Achilles, nachdem er Agamemnon reichlich beschimpft hat, den Kampf abzubrechen und „sich in sein Zelt zurückzuziehen“ (eine viel imitierte Redewendung), wie es auch seine Gefolgsleute taten (die Myrmidonen).

Dieser Zorn des Achilles, des Haupthelden der Ilias zusammen mit dem Trojaner Hektor, ist der Angelpunkt des Epos. Sein Rückzug mit seinen Männern hatte sehr ernste Konsequenzen für die Achäer. Der Sieg ist ausgesetzt. Auf der Ebene unter den Mauern Trojas erleiden sie drei zunehmend katastrophale Niederlagen. Die Angreifer werden in die Defensive gedrängt. Sie müssen sogar ein befestigtes Lager um ihre Schiffe bauen. Dieser Rückzugsbereich wurde dann von den Trojanern angegriffen, geführt von Hektor, dem berühmtesten Sohn des Priamos. Es gelang dem Feind, die Schiffe der Griechen in Brand zu setzen und sie aufs Meer hinauszuschieben.

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Homer: Die europäische Bibel, Teil 1

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Von Dominique Venner, ins Englische übersetzt von Greg Johnson; deutsche Übersetzung dieser englischen Fassung von Deep Roots. Das Original Homer: The European Bible, Part 1 erschien am 7. September 2010 bei Counter-Currents Publishing/North American New Right.

François Julien, einer der scharfsinnigsten Geister unserer Zeit, erinnerte sich:

„Als ich zur Schule ging, nannten die Leute mich und einen Freund ‚die Homeristen’ . . . Und ich war mehr und mehr davon überzeugt, daß man, wenn man die entscheidenden Kategorien des europäischen Denkens sucht (Kategorien des ‚Handelns“ wie auch des ‚Wissens’), weit eher zu Homer oder Hesiod gehen sollte als zu Plato . . . Vereinigt [die Ilias und die Odyssee], und ihr erhaltet die fundamentalen Umrisse der griechischen Philosophie.“ [1]

Wer war Homer? Lassen wir die gelehrten Debatten beiseite. Alles, was zählt, ist was die Alten dachten. Für sie gab es keinen Zweifel an der Realität des göttlichen Poeten. Gleichermaßen zweifelten sie nie an seiner doppelten Vaterschaft an der Ilias und der Odyssee.[2]

Die Relevanz und Überlieferung von Homer

Die Relevanz Homers wurde 2007 in einer Ausstellung hervorgehoben, die von der Bibliothèque Nationale de France organisiert wurde. [3] Sie präsentierte zum ersten Mal die reiche Sammlung ihres Cabinet des médailles. Wie Patrick Morantin, der Organisator der Ausstellung, schrieb:

„… zuerst müssen wir die Tatsache würdigen, daß ein Werk dieser Größe 3.000 Jahre überlebt hat. Welche Verehrung muß das Werk des Poeten begleitet haben, wie auch immer die Zeiten waren, daß dieses Opus die Kriege, Vandalismen, Unfälle, Zensoren und Ignoranz überlebt hat! Wie viele Werke der Spätantike gingen verloren, während wir heute die Ilias und die Odyssee in ihrer Gesamtheit lesen können!“

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Die Gedanken-Falle

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Von Clifford D. Simak. Das Original „Junkyard“ erschien im Mai 1953 in GALAXY SCIENCE FICTION; deutsche Übersetzung von Lothar Heinecke aus Ullstein Science-Fiction-Stories 66, 1977 (ISBN 3-548-03323-7). (Online-Quelle hier:  Die Gedanken-Falle)

1

Sie glaubten, das Geheimnis enträtselt zu haben. Sie hatten ein paar scharfsinnige Überlegungen angestellt, die entsprechenden Schlüsse gezogen – aber sicher waren sie sich ihrer Sache nicht. Es war dies zwar nicht die Art, in der üblicherweise eine Abteilung des Vermessungsdienstes ihre Arbeit tat. Für gewöhnlich griffen sie ein Problem auf, schüttelten es kräftig durch und ließen nicht locker, bis sie herausgeholt hatten, was herauszuholen war, und konnten abschließend immer mit einer eindrucksvollen Liste von Tatsachen aufwarten. Hier jedoch gab es keine einzige greifbare Tatsache außer der einen, die selbst einem zwölfjährigen Kind als solche erschienen wäre.

Commander Ira Warren machte sich deshalb Sorgen, und er äußerte sich auch in diesem Sinne, als er sich mit Schlappohr Brady, dem Schiffskoch und etwas anrüchigen Kumpan seiner Jugendzeit unterhielt. Die beiden fuhren jetzt schon seit mehr als dreißig Jahren zusammen und konnten, obwohl oder weil sie an entgegengesetzten Enden der Rangliste standen, sich gegenseitig doch Dinge sagen, die sie keinem anderen an Bord sagen konnten oder einem anderen Mann hätten erlauben können zu sagen.

„Schlappohr“, sagte Warren, „ich mach mir Sorgen.“

„Du machst dir immer Sorgen“, gab Schlappohr zurück. „Das gehört nun mal zu deinem Job.“

„Die Sache mit dem Schrottplatz…“

„Du wolltest schließlich was werden“, sagte Schlappohr, „und ich hab dir gesagt, was dann passieren würde. Ich hab dich gewarnt. Autorität – das heißt Verantwortung, und das heißt Sorgen. Damit mußt du dich abfinden. Hm, also es geht um diese Schrottplatz-Geschichte? Ich hab da noch irgendwo eine Flasche stehen. Wie wär’s denn mit einem kleinen Schluck?“

Warren wies den Gedanken weit von sich. „Eines Tages werde ich es dir schon mal besorgen. Ich kann mir nicht denken, wo du das Zeug immer versteckt hältst, aber auf jeder Fahrt…“

„Aber Ira! Nun reg dich bloß nicht unnütz auf.“

„Aber auf jeder Fahrt schleppst du genug totes Gewicht an Alkohol mit, um immer halb beduselt herumlaufen zu können.“

„Es ist Gepäck“, meinte Schlappohr störrisch. „Schließlich darf man doch wohl sein Reisegepäck mitnehmen. Ich hab sonst nicht viel anderes. Ich bringe eben meine Getränke mit.“

„Eines Tages“, sagte Warren heftig, „wirst du erleben, daß man dich deshalb fünf Lichtjahre von Nirgendwo aus dem Schiff hinauswirft.“

Die Drohung war nicht neu und konnte deshalb Schlappohr auch nicht weiter aufregen.

„Diese Sorgen machen dich noch ganz krank“, sagte Schlappohr, „und sie bringen dich auch nicht weiter.“

„Aber unser wissenschaftliches Team hat versagt“, widersprach Warren. „Begreifst du denn nicht, was das heißt? Zum ersten Mal in mehr als hundert Jahren Vermessungsarbeit haben wir Anzeichen gefunden, die darauf hindeuten, daß noch eine andere Rasse außer der menschlichen die Raumfahrt kennt. Und wir wissen nichts darüber. Aber wir sollten es. Bei der Menge des Plunders, der da draußen herumliegt, sollten wir inzwischen ein dickes Buch darüber schreiben können.“

Schlappohr spuckte verächtlich aus. „Du meinst, diese Wissenschaftler sollten es.“

Auf die Art und Weise, wie er „Wissenschaftler“ aussprach, klang es wie ein unanständiges Wort.

„Die sind schon in Ordnung“, sagte Warren. „Die besten, die es gibt.“

„Erinnerst du dich noch an die alten Tage, Ira?“ fragte Schlappohr. „Damals, als du noch ein kleiner Leutnant warst und wir uns ab und zu einen hinter die Binde gossen und…“

„Was hat das mit dieser Sache zu tun?“

„Damals hatten wir noch richtige Männer an Bord. Wir haben uns einen Knüppel gegriffen, uns ein paar Eingeborene geschnappt und ihnen mit dem Knüppel ein bißchen nachgeholfen. Und auf diese Weise haben wir in ein paar Stunden mehr in Erfahrung gebracht als diese Wissenschaftler mit ihren Methoden in einem Monat.“

„Du übersiehst eine Kleinigkeit“, sagte Warren. „Hier gibt es keine Eingeborenen.“

Tatsache war, daß es auf diesem Planeten weder Eingeborene gab noch sonst was zu holen war. Es war ein ausgesprochen armseliger Planet, und er würde auch die nächste Milliarde Jahre nicht viel ansehnlicher werden. Verständlicherweise war der Vermessungsdienst nicht allzu sehr an Planeten interessiert, die erst in einer Milliarde Jahren etwas darstellen würden.

Seine Oberfläche bestand zum größten Teil aus gewachsenem Fels und herumliegenden Gesteinstrümmern. Während der letzten halben Million Jahre waren die ersten primitiven Pflanzen aufgetaucht. Moose und Flechten füllten die Felsspalten und krochen über das Gestein, aber davon abgesehen schien kein anderes Leben vorhanden zu sein. Obwohl, um genau zu sein, man dessen nicht sicher sein konnte, denn keiner hatte sich eingehender für den Planeten interessiert. Sie hatten ihn weder genauer untersucht noch nach Leben geforscht. Dafür war jedermann viel zu sehr an dem Schrottplatz interessiert gewesen.

Ursprünglich hatten sie nicht einmal die Absicht gehabt, hier zu landen. Sie hatten den Planeten umkreist, die üblichen Messungen vorgenommen und die üblichen Angaben in das Logbuch eingetragen.

Dann hatte jemand, der hinter einem Teleskop saß, den Schrottplatz entdeckt, und sie waren gelandet, um ihn sich näher anzusehen, und hatten ein Vexierspiel vorgefunden, das sie fast an den Rand des Wahnsinns trieb.

Sie hatten die Stelle Schrottplatz getauft, und etwas anderes war sie auch nicht. Ringsherum verstreut lag ein Haufen Zeug, das allem Anschein nach Maschinenteile waren, obwohl niemand etwas Bestimmtes sagen konnte. Pollard, der Ingenieur, war über der Aufgabe, einige von ihnen zusammenzubauen, bald verrückt geworden. Schließlich hatte er drei Stücke irgendwie zusammenbekommen, aber klüger war er dadurch auch nicht geworden. Deshalb wollte er sie wieder auseinandernehmen, schon um zu sehen, wie er sie zusammenbekommen hatte. Er bekam sie nicht wieder auseinander. Das war der Moment, wo Pollards Nerven mit ihm durchgingen.

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Heute vor 69 Jahren: Dresden, ein echter Holocaust

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Von Kevin Alfred Strom, übersetzt von Deep Roots. Das Original It Began 66 Years Ago Today . . .Dresden: A Real Holocaust erschien am 13. Februar 2011 bei Counter-Currents Publishing. (inzwischen unter dem Titel It Began 69 Years Ago Today . . .Dresden: A Real Holocaust wiederveröffentlicht).

März 1995

Die Nacht vom 13. auf den 14. Februar, den Valentinstag, markiert einen ominösen Jahrestag in der Geschichte der westlichen Zivilisation. Denn beginnend mit der Nacht des 13. Februar 1945 geschah die Zerstörung Dresdens.

Am Vorabend des Valentinstags 1945 war der Zweite Weltkrieg in Europa nahezu vorbei. In der Praxis war Deutschland bereits besiegt. Italien und Deutschlands andere europäische Verbündete waren auf der Strecke geblieben. Die Rote Armee besetzte eilig die weiten Gebiete dessen, was Ostdeutschland gewesen war, während die Verbündeten der Sowjets, die Briten und Amerikaner, in die Nichtexistenz bombten, was von Deutschlands Verteidigung und Nahrungsmittel- und Verkehrsinfrastruktur noch übrig war.

Und was war Dresden? Die meisten von Ihnen werden wahrscheinlich von Dresdner Porzellan gehört haben, und dieses grazil ausgeführte und sorgfältig detaillierte Porzellan ist wirklich ein perfektes Symbol für diese Stadt. Jahrhundertelang war Dresden ein Zentrum von Kunst und Kultur und der verfeinerten Freizeit und Erholung gewesen. Es war eine Stadt der Kunstmuseen und Theater, der Zirkusse und Sportstadien, eine Stadt alter, halb aus Holz bestehender Gebäude, die für die ganze Welt wie jene des mittelalterlichen Englands aussahen, mit ehrwürdigen Kirchen und jahrhundertealten Kathedralen, die seine Silhouette zierten. Es war eine Stadt der Künstler und Handwerker, der Schauspieler und Tänzer, der Touristen und der Kaufleute und Hotels, die sie bedienten. Vor allem wurde Dresden während des Krieges durch das definiert, was es nicht war. Es hatte keine bedeutenden militärischen oder industriellen Einrichtungen. Deswegen war Dresden vor allem anderen zu einer Stadt der Kinder, Frauen und Flüchtlinge geworden, und der Verwundeten und Versehrten, die sich in seinen vielen Krankenhäusern von ihren Wunden erholten.

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Ins Herz des Kometen

Komet

Von Arthur Charles Clarke, übersetzt von Deep Roots (von dem es hier auch noch einen ergänzenden Anhang gibt). Das Original „Into the Comet“ erschien 1960 bei Fantasy & Science Fiction. Quelle der Übersetzung hier: Ins Herz des Kometen

„Ich weiß nicht, warum ich dies aufzeichne“, sagte George Takeo Pickett langsam in das schwebende Mikrofon. „Es besteht keine Chance, daß irgend jemand es jemals hören wird. Sie sagen, daß der Komet uns in etwa zwei Millionen Jahren wieder in die Nähe der Erde bringen wird, wenn er seine nächste Runde um die Sonne macht. Ich frage mich, ob die Menschheit dann noch immer existieren wird, und ob der Komet unseren Nachkommen so ein gutes Schauspiel bieten wird, wie er es für uns tat? Vielleicht werden sie eine Expedition starten, so wie wir es getan haben, um zu sehen, was es zu finden gibt. Und sie werden uns finden…

Denn das Schiff wird immer noch in perfektem Zustand sein, selbst nach all diesen Zeitaltern. Es wird Treibstoff in den Tanks sein, vielleicht sogar reichlich Luft, denn unsere Nahrung wird als erstes ausgehen, und wir werden verhungern, bevor wir ersticken. Aber ich schätze, wir werden nicht darauf warten; es wird schneller gehen, die Luftschleuse zu öffnen und es hinter uns zu bringen.

Als ich ein Junge war, las ich ein Buch über eine Polarexpedition mit dem Titel Winter Amid the Ice. Nun, das steht uns jetzt bevor. Rund um uns gibt es Eis, das in großen, porösen Eisbergen schwebt. Die Challenger befindet sich in der Mitte eines Schwarms, wo sie so langsam umeinander kreisen, daß man mehrere Minuten warten muß, bevor man sicher ist, daß sie sich bewegt haben. Aber keine Expedition zu den Polen der Erde hatte es je mit unserem Winter zu tun. Während des Großteils dieser zwei Millionen Jahre wird die Temperatur zweihundertfünfundsechzig Grad unter Null betragen. Wir werden so weit von der Sonne entfernt sein, daß sie ungefähr so viel Wärme spenden wird wie die Sterne. Und wer hat jemals versucht, sich in einer kalten Winternacht die Hände am Sirius zu wärmen?“

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Die helfende Hand

Terra & Sol

Von Poul Anderson. Das Original „The Helping Hand“ erschien im Mai 1950 in ASTOUNDING SCIENCE FICTION (deutsche Übersetzung von Bodo Baumann, erschienen in einem alten SF-Taschenbuch). Online-Quelle hier: Die helfende Hand

Der melodische Glockenklang wurde begleitet von der sachlichen Stimme des Roboters im Vorzimmer: „Seine Exzellenz, Valka Vahino, Sonderbotschafter der Liga von Cundaloa bei der Regierung des Solaren Commonwealth.“

Die Irdischen erhoben sich höflich, als der Botschafter eintrat. Trotz der Schwerkraft und der trockenen Kälte – so mußten ihm die irdischen Verhältnisse erscheinen – trat der Botschafter mit der typischen Anmut seiner Rasse auf, und wieder einmal waren die Irdischen beeindruckt von der Schönheit dieser Geschöpfe.

Geschöpfe – nun, die Bevölkerung von Cundaloa war ziemlich menschenähnlich, sowohl geistig wie auch physisch, um mit irdischen Maßstäben gemessen zu werden. Ihre Unterschiede im Vergleich zu den Menschen waren nicht bedeutend. Ein gewisser Charme, eben das „Anderssein“, das immer romantische Betrachtungen auslöst, umgab diese Fremdlinge, so daß man bei ihrem Anblick mit Genugtuung feststellte, daß nichts Unheimliches diese Rasse von den Menschen unterschied.

Ralph Dalton betrachtete den Botschafter von Kopf bis Fuß. Valka Vahino war ein typischer Vertreter seines Volkes – menschenähnlicher Zweifüßler mit einem Gesicht, das männlich wirkte, doch dessen Züge feiner, hübscher waren als bei einem irdischen Mann. Die Wangenknochen waren kräftig, die Augen groß und dunkel. Die Statur war kleiner und zierlicher als die eines Erdenbewohners, und die katzenhafte Geschmeidigkeit der Glieder verband sich mit der Anmut der schlanken Gestalt. Langes blauschimmerndes Haar fiel auf die Schultern herab, bildete einen Kontrast zu der hohen Stirn und der goldfarbenen Haut. Der Botschafter trug die uralte zeremonielle Kleidung von Cundaloa – Tunika aus Silber, Mantel aus purpurfarbenem Material, hier und dort mit Metall durchwirkt, das wie Sterne am Abendhimmel aufblitzte – und dazu mit Gold besetzte Stiefel aus weichem Leder. Die eine schlanke Hand mit den sechs Fingern hielt den kunstvoll geschnitzten Stab, der als Beglaubigung seines Planeten angesehen werden mußte, während er die andere Hand feierlich zum Gruß hob.

Er verbeugte sich – doch nichts Serviles lag in dieser Geste, nur Anmut. Dann sprach er in fehlerloser irdischer Sprache: „Friede sei mit eurem Haus! Das Große Haus von Cundaloa schickt seine besten Grüße und Wünsche für Euer Wohlergehen! Ich, das unwürdige Mitglied seines Haushaltes, komme zu seinen solaren Brüdern und erbitte ihre Freundschaft!“

Ein paar Irdische bewegten sich ein bißchen verlegen. In der Übersetzung klang das alles ein wenig gespreizt, dachte Dalton. Aber die Sprache von Cundaloa war trotzdem eine der schönsten in der Milchstraße.

Dalton erwiderte mit der gleichen Feierlichkeit: „Grüße und Willkommen. Das Solare Commonwealth empfängt den Abgesandten der Liga von Cundaloa mit aufrichtiger Freundschaft. Ralph Dalton, Premierminister des Commonwealth, spricht für alle Bewohner des Sonnensystems.“

Er stellte dann die anderen Anwesenden vor – die Minister, die technischen Berater, die Mitglieder der militärischen Stäbe. Es war eine imponierende Versammlung. Ein beträchtlicher Teil von denen, die im Sonnensystem Rang und Macht besaßen, war heute hier im Raum anwesend.

Er schloß seine Rede mit den Worten: „Dies ist eine vorbereitende Konferenz über die wirtschaftlichen Maßnahmen, die wir vor kurzem Ihrem Regime, dem Großen Haus von Cundaloa vorgeschlagen haben. Diese Konferenz hat noch keine gesetzlich verbindlichen Beschlüsse gefaßt. Doch sie wird über alle Kanäle ausgestrahlt, und somit wird die Solare Generalversammlung auf der Grundlage dieser und ähnlicher Konferenzen ihre Entscheidung treffen.“

„Ich verstehe. Das ist eine löbliche Einstellung.“

Vahino wartete, bis alle wieder Platz genommen hatten, und ließ sich dann ebenfalls nieder.

Jetzt folgte eine Pause. Alle Augen blickten immer wieder hinauf zur Wanduhr. Vahino war pünktlich erschienen, doch Skorrogan von Skontar verspätete sich. Taktlos, dachte Dalton, aber das war man von diesen Geschöpfen gewöhnt. Ihre Sitten waren eben barbarisch – ganz und gar nicht mit der liebenswürdigen Ehrerbietung der Cundaloaner zu vergleichen, die man nicht als Schwäche mißdeuten durfte.

Man füllte die Wartezeit mit höflichen Floskeln. „Wie gefällt es Ihnen bei uns?“ und so fort. Vahino, wie sich herausstellte, hatte in den verflossenen zehn Jahren das Sonnensystem schon oft besucht. Das war kein Wunder, wenn man die immer enger werdenden Handelsbeziehungen zwischen seinem Planeten und dem Solaren Commonwealth in Betracht zog. Eine stattliche Anzahl von cundaloanischen Studenten bildete sich auf irdischen Universitäten, und vor dem Krieg hatte auch ein lebhafter Touristenverkehr zwischen Sol und Avaiki bestanden. Wahrscheinlich würde er sich wieder beleben – bald sogar, sofern die Verwüstungen rasch beseitigt werden konnten…

„Oh, ja“, lächelte Vahino, „es ist der Ehrgeiz aller jungen anamai – der Männer von Cundaloa, die Erde zu besuchen, und wenn es auch nur zu einem kurzen Aufenthalt reicht. Es ist keine Schmeichelei, wenn ich behaupte, daß unsere Bewunderung für die Irdischen und ihre Errungenschaften geradezu grenzenlos ist.“

„Die Bewunderung ist gegenseitig“, beeilte sich Dalton zu versichern. „Ihre Kultur, die cundaloanische Kunst und Musik, die Literatur – all das findet hier im solaren System begeisterte Bewunderer und Nachahmer. Viele Menschen – und nicht bloß Gelehrte – lernen die Sprache von Luaia nur, um das Dvanagoa-Epos im Original lesen zu können. Cundaloanische Sänger und Sängerinnen bekommen mehr Applaus als die einheimischen Künstler.“ Er lächelte. „Ihre jungen Studenten an unseren Universitäten können sich kaum vor Verehrerinnen retten, und Ihre wenigen weiblichen Vertreter an den Stätten der Gelehrsamkeit sind wegen der zahlreichen Einladungen wohl kaum in der Lage, einem geregelten Studium nachzugehen. Ich glaube, nur der Umstand, daß eine Verbindung zwischen ihnen und irdischen Männern unfruchtbar bleibt, hat bisher die Zahl der Eheschließungen von Einwohnern beider Planetensysteme so niedrig gehalten.“

„Vielleicht“, erwiderte Vahino. „Trotzdem sind wir uns auf meinem Planeten bewußt, daß Ihre Zivilisation in der uns bekannten Milchstraße den Ton angibt. Nicht allein, daß die Zivilisation des Sonnensystems technisch am weitesten fortgeschritten ist – natürlich ist das auch ein wichtiger Faktor – sondern auch die Tatsache ist entscheidend, daß ihr zu uns gekommen seid – mit euren Raumschiffen, eurer Atomenergie, eurer Medizin und so fort. Doch das läßt sich lernen und aufholen. Nicht aufholen oder überbieten können wir jedoch eure Großzügigkeit, mit der ihr uns – nun, eure Unterstützung anbietet: Ihr baut zerstörte Welten wieder auf, die Lichtjahre von euch entfernt sind. Ihr pumpt euren Reichtum und euer technisches Wissen in unsere Heimstätten und Länder, obwohl wir doch nur Bescheidenes als Gegengabe anzubieten haben. Das ist es, was euch zur führenden Rasse der Milchstraße macht!“

„Nun, wir haben auch eigensüchtige Motive, die wir mit unserer Hilfe verbinden“, erwiderte Dalton. „Viele eigensüchtige Gründe. Natürlich gibt es auch humanitäre Erwägungen. Wir können nicht Rassen, die uns verwandt sind, in Not und Bedürftigkeit verkommen lassen, wenn unser Sonnensystem und seine Kolonien mehr Reichtum besitzen, als sie verbrauchen können. Aus unserer eigenen blutigen Vergangenheit wissen wir sehr wohl, daß wirtschaftliche Hilfsmaßnahmen meist zum Nutzen des Wohltäters geraten. Wenn wir Cundaloa und Skontar wieder aufgebaut haben, ihre rückständigen Industrien modernisiert, ihre Ernteerträge gesteigert und ihre wissenschaftlichen Methoden verbessert haben, werden beide mit uns Handel treiben. Und unsere Wirtschaft ist immer noch – trotz ihres hohen Alters – vorwiegend auf Gewinn und Geldvermehrung aufgebaut. Und dann werden beide Planeten zu sehr aufeinander angewiesen sein, um sich noch einmal in so verheerendem Zwiespalt zu zerfleischen wie in dem Krieg, der kürzlich erst endete. Und von da an werden sie unsere Verbündeten in einem Kampf sein, der sich gegen Kulturen richtet, die uns tatsächlich fremd und gefährlich sind – Reiche und Planeten, die wir eines Tages in der Milchstraße entdecken werden und gegen die wir uns dann behaupten müssen.“

„Möge der Göttliche verhindern, daß der Friede der Milchstraße erneut gebrochen wird“, erwiderte Vahino ernst. „Wir haben genug vom Krieg.“

In diesem Augenblick läutete die Glocke zum zweitenmal, und der Roboter verkündete: „Seine Exzellenz, Skorrogan Valthaks Sohn, der Herzog von Kraakahaym, Sonderbotschafter des Skontarischen Reiches beim Commonwealth!“

Die Irdischen erhoben sich wieder – diesmal etwas langsamer -, und Dalton sah den Ausdruck von Ablehnung auf den Gesichtern vieler, die hier versammelt waren. Natürlich verflog dieser Ausdruck sofort, als der Botschafter eintrat, wurde durch die Miene neutraler Sachlichkeit ersetzt. Aber es bestand gar kein Zweifel, daß die Skontaraner im Sonnensystem keine Popularität genossen. Das war natürlich zum Teil ihre eigene Schuld. Eine Schuld, die sich wohl gar nicht vermeiden ließ.

Auf den ersten Blick sah es so aus, als wären die Skontaraner für den Ausbruch des Krieges verantwortlich gewesen. Das war ein Irrtum. Das Mißgeschick wollte es, daß die Sonnen Skang und Avaiki, die ein halbes Lichtjahr voneinander entfernt ihr Planetensystem um sich scharten, noch ein drittes System in der Nähe hatten. Dieses System – nach seinem irdischen Entdecker, Captain Allan, der dort mit einer irdischen Raumflotte gelandet war, meist Allan-System genannt – war unbewohnt.

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