Von Glückspilzen und Narrenschwämmen

Glückspilze und Narrenschwämme

Von Miriam Wiegele (Illustrationen: Andreas Posselt), aus „Servus in Stadt & Land“, Ausgabe Oktober 2014.

Nicht Tier und nicht Pflanze: Um keine Bewohner des Waldes ranken sich so viele Mythen wie um die Pilze Miriam Wiegele über Schwammuhren, Fliegenfallen und Hexenmehl.

Im steirischen Volksglauben war man überzeugt, dass das Wachstum der Pilze von Geistern beeinflusst wird: den „Schwammazwergeln“ beziehungsweise „Schwammamandeln“. Auch glaubte man, dass die Schwammgeister vor allem jenen Menschen hold waren, die nicht „richtig getauft“ waren, weil der Geistliche etwas übersehen hatte, und die somit noch teilweise Heiden waren. Die fanden viele Schwämme.

Vorausgesetzt, sie wurden nicht von Frauen begleitet. Die nämlich, so hieß es in Pöllau, sollten besser nicht dabei sein. Weil sie nicht still sein können: Damirkt a Weib an Schwamm, so schreit’s glei auf: „Jessas, a Schwamm!“ Bei dem Wort „Jessas“ vasteckn sich die Schwamm, daher nur ja kein Weib zum Schwammsuchen mitnehmen.

Um mit reicher Beute nach Haus zu kommen, wurde auch empfohlen, die ersten drei gefundenen Pilze in einen hohlen Baum zu stecken oder den ersten hinter sich zu werfen. Es sind Rituale, die immer noch dem Glauben an Waldgeister geschuldet sind, denen man besser ein Opfer bringen sollte.

Mythen gibt es zuhauf. So soll man auch viele Pilze finden, wenn man ungewaschen und schlecht angezogen ist oder zumindest die Schürze verkehrt umgebunden hat oder barfuß den Wald betritt.

Nützt das alles nichts, dann hilft ganz sicher die „Schwammuhr“. Dafür reißt man von einem Grashalm ein Stück ab, das etwas länger als der Nagel des linken Daumens ist. Dann benetzt man den Fingernagel ordentlich mit Speichel, legt den Grashalm darauf, und schon zeigt dieser die Richtung an, in der die meisten Schwämme stehen. Wer sich dann auch noch mit dem ersten gefundenen Schwamm die Augen auswischt, schärft seinen Blick für weitere Funde.

Die Schwammzeit begann übrigens immer, wenn der erste Donner im Jahr vernommen wurde, auch auf die Suche ging man am besten donnerstags.

Als „Schwammheilige“ galten St. Veit und Petrus. Von Ersterem sagte man, er würde in der Nacht des 15. Juni auf einem blinden weißen Ross ausreiten und Schwammsamen säen. In Oberbayern hieß es: „St. Veit baut die Recherl (Eierschwammerl) an.“

Von Zweiterem, Petrus, wird folgende Geschichte erzählt: Als er einmal mit Jesus unerkannt in ein Dorf kam, schenkte ihnen eine Bäuerin einen frischen Brotwecken. Petrus konnte nicht widerstehen und biss ab in der Hoffnung, dass Jesus dies nicht bemerken würde. Doch dieser fragte ihn dies und das, und Petrus, der mit vollem Mund nicht antworten konnte, spuckte das Stück Brot aus. Das wiederholte sich einige Male, bis er das ganze Brot ausgespuckt hatte.

Damit aber diese zerkauten Brotstücke noch einen Nutzen hatten, verwandelte sie Jesus in Pilze. Aus den ersten Bissen entstanden Steinpilze und Eierschwammerl. Aus denen aber, bei denen Petrus im Zorn geflucht hatte, entstanden Satanspilze und Fliegenpilze (siehe Schluß des Artikels), die Mensch und Tier vergiften.

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Zum österreichischen Nationalfeiertag 2014: „A Land zum Lebn“, trotz Patriotismusvernaderern

Plätte auf Hallstättersee

Von Deep Roots (Original am 26. Oktober 2014 auf As der Schwerter“ erschienen).

Am Freitag, dem 24. Oktober 2014 erschien in der „Kronen-Zeitung“ eine Kolumne von Mathias Grilj, der mir schon länger als gutmenschelnder, feministischer Vielfaltspinsel verhasst ist. Titel: „Heimatkitsch? Und wie gern!“

Gleich im ersten Absatz lieferte Grilj eine Aussage, die meinem Frühstückskaffee beim Blutdrucksteigern geholfen hat und zum bevorstehenden Nationaltag ungefähr so paßte wie Eselpisse zu Sachertorte:

„Bei jedem kollektiven Stolz kann ich nur den Kopf schütteln. Stolz kann man nur auf Leistung sein. Herkunft ist Zufall. Aber wenn du es hinkriegst, dass es Menschen, die dir lieb sind, gut geht, Frau und Kind und Alten und den anderen, dann sei gern stolz darauf! Wenn es dir gelingt, ein Mensch zu sein. Natürlich auch auf einen Salto rückwärts, hepp! Aber auf Nationalität sind nur Versager stolz.“

Zum Beweis füge ich dieses Stück Zersetzungspropaganda als Scan an:

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Was leisten Kleinkaliberpatronen?

Kleinkaliberpatronen

Die getesteten Kleinkaliberpatronen, von links nach rechts: Eley Standard, Remington Standard, RWS Match, RWS High Velocity (HP), Winchester Super (HP), CCI Stinger (HP), Remington Yellow Jacket (HP), Winchester Xpediter (HP)

Von Marcel Geering, aus Heft 10-1984 des „Schweizer Waffen-Magazins“. [Online-Quelle hier]

Bei der Bezeichnung von 22er Randfeuerpatronen herrscht einige Verwirrung. Im schweizerischen Sprachgebrauch werden Kleinkaliberpatronen im allgemeinen als „Flobertpatronen“ bezeichnet. Das ist aber falsch. Daher zuerst ein paar kurze Anmerkungen zur Geschichte der Kleinkaliberpatronen.

Erfinder der KK-Patronen ist ein Franzose, Nicholas Flobert (1819 – 1894), der 1845 eine 6-mm-Randfeuerpatrone mit Rundkugelgeschoss patentieren ließ. Diese Patrone wurde in der Folge in kleinen Pistolen und Gewehren, hauptsächlich in Schießbuden, verwendet. Sie wird heute noch gefertigt unter der Bezeichnung Flobert-Rundkugelpatrone.

Durch Verlängerung der Hülse und Beifügung einer Treibladung wurde aus der Flobert-Patrone die Patrone .22 short, welche u. a. im S&W-Revolver Mod. I (1857) Verwendung fand.

.22 long rifle

Um 1888 kam bereits die Patrone .22 long rifle oder auf deutsch .22 lfB (lang für Büchse) auf den Markt. Als erste produzierte die Firma Remington 1930 eine Hochgeschwindigkeitspatrone .22 LR HV (Long Rifle High Velocity).

1959 kam die Winchester Rimfire Magnum dazu, die bei weitem stärkste .22er-Randfeuerpatrone. Sie wird hauptsächlich von Jägern für den Abschuss von Kleinwild verwendet und soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht näher behandelt werden.

Als letzte Entwicklung auf dem Gebiet der Kleinkaliberpatronen kam 1977 die CCI-Stinger-Patrone auf den Markt. In der Gesamtlänge entspricht sie der .22 LR. Die Hülse ist rund 2 mm länger, das Geschoss dafür etwas kürzer und leichter. Gemäß Fabrikangaben soll sie eine um ca. 25 % höhere Geschoßgeschwindigkeit und ca. 20 % mehr Energie als die .22 LR-Hochgeschwindigkeitspatronen bringen. Remington und Winchester folgten mit ähnlichen Entwicklungen (Yellow Jacket und Xpediter), wobei das Winchesterprodukt bereits wieder aus dem Sortiment genommen wurde.

Die oben erwähnten Patronen sind heute im Fachhandel erhältlich. Im Verlaufe der Zeit sind aber noch weitere .22er-Randfeuerpatronen entwickelt worden. Im Buch „Cartridges of the World“ von Frank Barnes, aus welchem die aufgeführten geschichtlichen Daten stammen, sind elf verschiedene .22er-Randfeuerpatronen aufgeführt.

Die Auswahl der für die nachfolgenden Tests verwendeten Patronen bereitete einiges Kopfzerbrechen. Alle Fabrikate in allen Ausführungen konnten beim besten Willen nicht getestet werden. Falls Sie deshalb Ihre bevorzugte Patrone nicht aufgelistet finden, heißt dies keineswegs, dass diese schlechter als andere ist. Berücksichtigt wurden bei der Auswahl hauptsächlich Patronen, die in größeren Fachgeschäften stets auf Lager sind.

Bei der Auswahl der Testwaffen wurde darauf geachtet, dass alle üblichen Lauflängen vertreten sind. Die Geschoßgeschwindigkeit wurde auf eine mittlere Distanz von 3 Metern mit 10-Schuss-Serien ermittelt. Zum Präzisionstest wurden mit allen Patronen 10-Schuss-Schussbilder auf 25 Meter mit einer Pistole Ruger Mk 1 ab Schießmaschine geschossen.

Testergebnisse

Im Verlaufe der Tests wurden einige interessante Feststellungen gemacht:

● Während der Prüfungen wurden rund 500 Schuss der von uns ausgewählten Patronen aus sieben verschiedenen Waffen verschossen. Es trat kein einziger Zündversager durch fehlerhafte Munition auf. Dies deckt sich mit der Erfahrung von Sportschützen, die –zigtausend KK-Patronen aus ihren Sportpistolen verschossen haben. Insbesondere deutsche Patronen weisen einen Qualitätsstandard auf, der nahe an den von Zentralfeuermunition herankommt.

● Die Patrone heißt nicht von ungefähr „lang für Büchse“. Volle Leistung wird nur in langen Läufen entwickelt. Unter 6“ resp. 150 mm Lauflänge nimmt die V0 massiv ab. Ebenso wird die Pulververbrennung unregelmäßig (große Geschwindigkeitsdifferenzen), und der Rückstoßimpuls ist dadurch Schwankungen unterworfen. Das kann bei kleinen Selbstladepistolen leicht zu Störungen führen.

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Der Schuss durch die Tasche

H-J Signer Manteltaschenschuss

Hans-Jörg Signer bei unseren Versuchen mit Schüssen durch die Manteltasche.

Von Peter Ernst Grimm und Hans-Jörg Signer, aus Heft 7-1984 des „Schweizer Waffen-Magazins“.  [Online-Quelle hier]

In Filmen und Kriminalromanen gehört der Schuss durch die Mantel- oder Jackentasche zum Stamminventar. Doch wie funktioniert das in Wirklichkeit? Wir haben es ausprobiert.

Eine Erkenntnis: Die Szene, in welcher der Bösewicht sein Opfer mit ein paar Schüssen durch die Mantel- oder Veston- (zu deutsch: Jackett-, österreichisch: Sakko-)tasche abknallt und dann unauffällig weggeht, ist absoluter Blödsinn. Der Mantel oder Veston, durch dessen Tasche geschossen wurde, sieht nach dem Schuss aus, als ob der Besitzer sein Kleidungsstück aus einem Bärengraben zurückerobert hätte. Anstelle des erwarteten kalibergroßen Löchleins klafft nach einem einzigen Schuss ein handflächengroßes, mit heraushängenden Futter- und Einlagefetzen garniertes Loch im Gewand, das den Eindruck erweckt, dem Schützen wäre der Tascheninhalt explodiert.

Jackentaschenschuss

Ein Schuss durch die Tasche eines Manchester-Vestons.

Um mit einem Schuss durch die Tasche zu treffen, muss man den Lauf zumindest in die Horizontale bringen und aus der Hüfte schießen. Das geht höchstens bei einem Schuss durch eine Vestontasche unauffällig. Probiert man es aus einer Manteltasche, sieht man aus wie ein Batman-Verschnitt, der zum Start die Flügel lüftet.

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„Racist“ Charlie Brown

Cernunnos' Insel

Charlie Brown blackwhite

„Ich bin gern schwarz.“  –  „Das ist schön.“

„Ich bin gern weiß.“

„Rassist.“

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