Zum Jahreswechsel: Was die Pummerin uns sagt

Stefanimorgen 4

Von Deep Roots (Erstveröffentlichung am 31. Dezember 2009 auf „As der Schwerter“)

Vor einem Jahr gab es auf Eisvogels Blog „Acht der Schwerter“ ein kleines Silvestertreffen. Thatcher war da, Submarine, Lepanto1 und meine Wenigkeit.

Anläßlich des heutigen Jahreswechsels sei dieser Gedankenaustausch hier im folgenden wiedergegeben:

  • 97) Kommentar von submarine1

30. Dezember 2008 @ 22:10

Thatcher, schauen Sie einmal, was Ludwig Uhland schrieb vor fast zweihundert Jahren.

Neujahrswunsch 1817

Wer redlich hält zu seinem Volke,
der wünsch’ ihm ein gesegnet Jahr!
Vor Mißwachs, Frost und Hagelwolke
behüt’ uns aller Engel Schar!
Und mit dem bang ersehnten Korne
und mit dem lang entbehrten Wein
bring’ uns dies Jahr in seinem Horne
DAS ALTE, GUTE RECHT HEREIN!

Man kann in Wünschen sich vergessen,
man wünschet leicht zum Überfluß,
wir aber wünschen nicht vermessen,
wir wünschen, was man wünschen muß.
Denn soll der Mensch im Leibe leben,
so brauchet er sein täglich Brot,
und soll er sich zum Geist erheben,
SO IST IHM SEINE FREIHEIT NOT.

Es wirkt nur auf den ersten Blick antiquiert.
Nichts dauert ewig, am allerwenigstens Menschenwerk.
Und denken Sie daran: Die Freiheit des Geistes wird siegen. Immer.
Ihnen ein gesundes und positives Neues Jahr von submarine

  • 98) Kommentar von Thatcher

31. Dezember 2008 @ 10:00

Vielen Dank, submarine.

Das Gedicht ist tatsächlich in einer Situation bitterer materieller Not geschrieben worden. Erst 1815 war die napoleonische Ära in Mitteleuropa zu Ende gegangen. 1816 ging zusätzlich in die Geschichte ein als “Das Jahr ohne Sommer”. Beim Ausbruch des Vulkans Tambora (Indonesien) im April 1815 war fünfzehnmal soviel Asche ausgestoßen worden wie bei der des Pinatubo 1991, was während der folgenden Jahre zu einer globalen Abkühlung um mehrere Grad Celsius führte. In Nordamerika schneite es in jenem Jahr bis in den Juli. In ganz Mitteleuropa fielen die Ernten so schlecht aus, daß der Getreidepreis im Alpenraum bis auf das Vierfache anstieg. Hungersnot und eine Auswanderungswelle nach Amerika waren die Folgen.

Daß in dieser Notlage Uhland zugleich an Brot UND Freiheit dachte, ist die eigentlich wichtige Aussage und wäre in der heutigen Zeit gänzlich unpassend, denn wenn es morgen in den Läden nichts zu kaufen gäbe, würden die Millionen gleichgeschalteten Fernsehkonsumenten liebend gern ihre restliche Freiheit gegen Fast Food und billige Flachbildschirme eintauschen wollen. Sich da als einzelner Versprengter auf das Gedichtgut vergangener Zeiten zu besinnen, dessen politische Sprengkraft wirklich häufig genug noch bis heute reicht, ist eine zwar erbauliche, aber wenig tröstliche Sache. Es hat seinen Grund, daß heute in der Schule statt Uhland, Arndt oder Hölderlin Rap-Texte von Bushido durchgenommen werden. Denn das ist die krass konkrete Lebenswelt der Kids in der NWO-Postdemokratie. 1816/17, war das nicht das Finstere Mittelalter, in dem die Menschen ja sooo rückständig waren, daß sie weder Fernsehen noch die Tiefkühlpizza, geschweige denn die vielen Vorteile von Mültikülti (z.B. höhere Dönerbudendichte) kannten? Und moralisch so verkommen waren, daß sie nicht nur dauernd sinnlose Kriege führten, sondern auch noch Jungen und Mädchen geschlechtsspezifisch erzogen?

Ewig um sich selbst und das gar nicht so goldene Kalb des eigenen Bessermenschentums kreisend, strudelt die postmoderne Welt immer schneller auf den Ausguß der Geschichte zu, die wenigen mental Gesunden (sprich: braune Soße) erbarmungslos mitreißend. Sieg im Kampf gegen Rechts, alhamdulillah.

Und jetzt soll Schluß sein mit dem Sarkasmus. Versprochen!

Für dieses Jahr.

Statt dessen schenke ich dir und allen anderen zwei weitere damals hochbeliebte Volkslieder, zu singen unter dem hoffentlich noch leuchtenden Weihnachtsbaum:

_____________________________

Der Gott, der Eisen wachsen ließ

Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
Der wollte keine Knechte,
Drum gab er Säbel, Schwert und Spieß
Dem Mann in seine Rechte;
Drum gab er ihm den kühnen Mut,
Den Zorn der freien Rede,

||: Daß er bestände bis aufs Blut,
Bis in den Tod die Fehde! : ||

So wollen wir, was Gott gewollt
Mit rechter Treue halten
Und nimmer im Tyrannensold
Die Menschenschädel spalten.
Doch wer für Tand und Schande ficht,
Den hauen wir zu Scherben,
||: Der soll im deutschen Lande nicht
Mit deutschen Männern erben! : ||

O Deutschland, heil’ges Vaterland!
O deutsche Lieb’ und Treue!
Du hohes Land, du schönes Land!
Dir schwören wir aufs neue:
Dem Buben und dem Knecht die Acht!
Der fütt’re Krähn und Raben.
||: So ziehn wir aus zur Hermansschlacht
und wollen Rache haben!
: ||

Laßt brausen, was nur brausen kann
in hellen, lichten Flammen!
Ihr Deutschen alle, Mann für Mann
fürs Vaterland zusammen!
Und hebt die Herzen himmelan
Und himmelan die Hände,
||: Und rufet alle, Mann für Mann
Die Knechtschaft hat ein Ende! : ||

Laßt klingen, was nur klingen kann,
Trompeten, Trommeln, Flöten.
Wir wollen heute Mann für Mann
Mit Blut das Eisen röten.
Mit Henker- und mit Knechteblut,
O süßer Tag der Rache!
||: Das klinget allen Deutschen gut
Das ist die große Sache! : ||

Laßt wehen nur, was wehen kann,
Standarten wehn und Fahnen!
Wir wollen heut uns Mann für Mann
Zum Heldentode mahnen:
Auf, fliege, stolzes Siegspanier
Voran dem kühnen Reihen!
||: Wir siegen oder sterben hier
Den süßen Tod der Freien! : ||

Text: Ernst Moritz Arndt, 1812

__________________________

Wenn alle untreu werden

1. Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu,
Daß immer noch auf Erden für euch ein Fähnlein sei.
||: Gefährten unsrer Jugend, ihr Bilder beßrer Zeit,
Die uns zu Männertugend und Liebestod geweiht. : ||

2. Wollt nimmer von uns weichen, uns immer nahe sein,
Treu wie die deutschen Eichen, wie Mond und Sonnenschein!
||: Einst wird es wieder helle in aller Brüder Sinn,
Sie kehren zu der Quelle in Lieb und Reue hin.
: ||

3. Es haben wohl gerungen die Helden dieser Frist,
Und nun der Sieg gelungen, übt Satan neue List.
||: Doch wie sich auch gestalten, im Leben mag die Zeit,
Du sollst uns nicht veralten, o Traum der Herrlichkeit. : ||

4. Ihr Sterne seid uns Zeugen, die ruhig niederschaun,
Wenn alle Brüder schweigen und falschen Götzen traun.

||: Wir woll’n das Wort nicht brechen, nicht Buben werden gleich,
Woll’n predigen und sprechen vom heil’gen deutschen Reich!
: ||

Text: Max von Schenkendorf, 1814

31. Dezember 2008 @ 14:46

Hallo, Thatcher, Submarine und alle (und ganz besonders Dir, Eisvogel, falls Du anläßlich des Jahreswechsels doch mal wieder reinschauen solltest)!

Danke für die Gedichtzitate; ich bringe euch hier auch etwas, das ich schon länger zum heutigen Anlaß posten wollte:

Als die Türken 1683 vor Wien zurückgeschlagen worden waren, hatten sie etwa 300 bronzene Kanonen zurückgelassen. Aus 208 Stück davon wurde im Jahr 1711 eine 22,5 Tonnen schwere Glocke gegossen und im Südturm des Stephansdoms aufgehängt, die offiziell „Josephinische Glocke“ hieß, vom Volk aber bald wegen ihres tiefen Schlagtons „Pummerin“ genannt wurde.
Am 11. April 1945 geriet der Stephansdom während der Kämpfe um Wien in Brand; in weiterer Folge brach der hölzerne Glockenstuhl ein, die Pummerin stürzte ab und zerschellte am Steinboden des Turmes.

Aus ihren Trümmern wurde 1951 eine neue Glocke gegossen, mit 21,5 Tonnen etwas kleiner als die alte Pummerin, aber immer noch die drittschwerste Glocke Europas (nach dem „Dicken Pitter“ des Kölner Doms und Maria Dolens im italienischen Rovereto) und die fünftgrößte der Welt.

Diese neue Pummerin wird unter anderem auch zum Jahreswechsel geläutet, und zwar Schlag Mitternacht; dies wird auch im ORF übertragen.
Man steht im Familienkreis vor dem Fernseher, die Sektgläser in der Hand, und wartet darauf, daß die Pummerin das neue Jahr einläutet. Beim Erscheinen der Glocke wird angestoßen, draußen pfeifen die ersten Raketen hoch, dann kommt die Überblendung auf das ORF-Neujahrsballett, das den Donauwalzer tanzt.

Seit ich diese Hintergründe kenne, hat das für mich eine besondere, sentimental-besinnlich-patriotische Bedeutung: der tiefe Schlag dieser mächtigen Glocke, mit allem, was sie symbolisiert – an Österreichs Rolle in der Geschichte, auch als Bollwerk gegen den Islam; an Wiederaufstieg nach tiefem Fall – gefolgt vom Donauwalzer, der das Schöne symbolisiert, das Österreich der Welt gegeben hat (und Österreich kann man hier im einen wie im anderen Sinne auch stellvertretend für die europäischstämmige Zivilisation als Ganzes sehen) – all das ergreift mich jedesmal in einem Maße, daß ich aufpassen muß, mir neben meinen prosaischeren Mitmenschen nicht allzuviel davon anmerken zu lassen.

Und dazu kommt noch, daß das beides Dinge sind, welche die Musels so gar nicht abkönnen: Glocken und Musik (noch dazu klassische)…

A.E.I.O.U. (Allen Ernstes Ist Österreich Unverzichtbar )
Zu diesem in seiner Bedeutung nicht eindeutig geklärten Motto des Habsburgerkaisers Friedrich III gibt es neben dieser aber noch weitere volkstümliche Deutungen:

Aller Ehrgeiz Ist Österreich Unbekannt
Aber Eigentlich Ist’s Ohnehin Unwichtig
Am End’ Is’ Ollas Umasunst
Alte Esel Iubeln Ohne Unterlaß
Aerarisches Essen Ist Oft Ungenießbar
(meinen die Kadetten der Militärakademie; ärarisch = staatlich)
Allzuviel Einwanderung Ist Österreichs Untergang (meine Version, auf 8dS auch schon erwähnt).

In diesem Sinne ein gutes neues Jahr,

Deep Roots

(und falls es doch nicht so gut werden sollte, sondern eher den düsteren Vorahnungen entspricht, die viele von uns hegen, so hoffe ich, ihr habt entsprechend vorgesorgt…)

  • 100) Kommentar von Lepanto1

1. Januar 2009 @ 4:51

Liebe Mitleser/-kommentatoren, ganz besonders: Liebe Eisvogel: Dir, Euch und uns allen ein gesegnetes, gutes Neues Jahr.

Niemand weiß, was 2009 uns bringen wird, aber ich hoffe, daß Mut und Zuversicht stärker werden. Es ist so schön, die längst vergangenen Dichter zu lesen, deren Worte heutzutage in das Vergessen oder schlimmer noch in die Lächerlichkeit verdrängt worden sind. Aber die Geschichte lehrt uns so vieles, nicht zuletzt, daß das Streben nach allumfassender Herrschaft eitel ist und nicht zum Erfolg führt (wenn es auch bisweilen 800 Jahre dauert, bis das Unrecht gebrochen wird, wie Spanien zeigt). Man muß sich nur daran erinnern. Dem Gefühl, man sei ganz allein und es habe niemals vorher eine vergleichbare Bedrohung gegeben, darf nicht Raum gegeben werden.

Vielleicht ist das die Krankheit unserer Tage überhaupt: Nicht zu wissen, daß wir nicht allein sind, sondern nur ein Glied in einer Kette, die nicht nur weit in die Vergangenheit reicht, sondern gleichermaßen auch in die Zukunft.

Am Ende dieses Jahrhunderts wird Europa sicher anders aussehen, als wir glauben. Aber ich bin sooo sicher: Es wird auch ganz anders aussehen, als es sich die heutigen Islamprogagandisten und -apologeten vorstellen können.

Frohes Neues Jahr! Gott mit uns!

Pummerin 1

Euch allen ein glückliches, gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2010!

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