Warum ist der Sozialismus nicht tot?

Acht-der-Schwerter Titel

Übersetzt von Eisvogel, gepostet um 19:11 am 17. April 2008 auf ihrem nicht mehr existierenden Blog „Acht der Schwerter“.

Rote Barbarellas

Vorwort von Eisvogel:

Den unten stehenden Artikel von Lee Harris habe ich schon vor einiger Zeit in einem Link in einem der Fjordman-Artikel gefunden und gespeichert. Weil kürzlich in der Diskussion mehr und mehr das Thema aufkam, dass erstaunlicherweise die internationalistischen Bestrebungen großer Firmen und ihrer politischen Unterstützer einerseits und ausgemachte Sozialisten andererseits die Masseneinwanderung und die political Correctness fördern und daher beide zu einer Entwicklung beitragen, die vielen bedrohlich erscheint, habe ich ihn jetzt vollkommen übersetzt.

Sozialisten beantworten Kritik, die sich auf das hoffnungslose Scheitern ihrer Ideologie bezieht, bekanntermaßen damit, dass dies (z.B. in der Sowjetunion) ja keineswegs der wahre Sozialismus gewesen sei, dieser erst noch verwirklicht werden müsse, dann aber tatsächlich eine gute Sache sei. Man neigt dazu, nur noch den Kopf über so viel Dummheit zu schütteln. Allerdings ist mir durch den untenstehenden Artikel erstmals aufgefallen, dass sie vielleicht nicht vollkommen unrecht haben.

Unrecht haben sie darin, dass der Sozialismus wünschenswert ist, recht haben sie aber damit, dass der Sozialismus nach Marx – der so genannte wissenschaftliche Sozialismus – tatsächlich noch nicht realisiert worden ist. Marx war der Ansicht, Kapitalismus sei eine wünschenswerte und notwendige Vorstufe zum Sozialismus, und dieser könne erst erfolgreich eingeführt werden, wenn der Kapitalismus seinen maximalen Reifegrad erreicht hat und innerlich von selber zusammenbricht. Er fand es daher möglich, dass der Sozialismus aus der Demokratie ohne Revolution entstehen kann, wenn – wie ich es verstanden habe – der Kapitalismus zum Exzess getrieben wird. Insbesondere die USA schienen ihm für eine solche Entwicklung geeignet, allerdings wurde die Idee auch von Europäern übernommen. Harris sieht die Sozialdemokratie, insbesondere die deutsche vor dem 1. Weltkrieg (aber möglicherweise auch die heutige, die schon weit in die CDU hineingewuchert ist), als Vertreterin dieser Schule.

Sorel hingegen verwarf diesen Ansatz und vertrat den utopischen Sozialismus, der religionsähnliche Züge hat und von einem Mythos lebt, dessen Verwirklichung irrelevant ist – Hauptsache revolutionäre Gesinnung. Diese Sorte Sozialisten sind uns wohlbekannt. Lee Harris geht zwar vorwiegend auf ihre Ausprägung in Ländern der Dritten Welt insbesondere Südamerika ein, wo ich noch nachvollziehen kann, warum die dort lebenden bitter armen Menschen auf Rattenfänger reinfallen, die ihnen schnelle Auswege aus ihrer Not versprechen. Aber es gibt sie auch hier und sie werden mehr anstatt weniger. Warum?

Sehen wir, wenn linke Chaoten gegen den G8-Gipfel demonstrieren, in Wirklichkeit einen Kampf utopischer Sozialisten gegen wissenschaftliche Sozialisten, die – sicher zum Teil nicht vorsätzlich – den Kapitalismus zum Exzess treiben und damit dem reinen Marxismus näher kommen als diejenigen, die an den Mythos glauben und steinewerfend den schnellen revolutionären Weg gehen wollen?

Was ist mit der EU-Gorbatschow-Connection, die schon vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion bestand, insbesondere in Gestalt italienischer Sozialisten und deutscher Sozialdemokraten? War der Zusammenbruch der Sowjetunion vielleicht gar keine Abkehr vom Sozialismus sondern nur die Rückbesinnung auf die reine Lehre von Marx und dessen Ansicht, dass funktionierender Sozialismus die “Ochsentour” über einen Kapitalismus gehen muss, der keine Grenzen mehr kennt und sich schließlich selbst vernichtet, um im Sozialismus zu enden?

Harris geht auf diese Fragen nicht ein, er befasst sich ausschließlich mit dem viel auffälligeren utopischen Sozialismus und wie man ihm entgegentreten kann. Aber ich finde sie hochinteressant. Insbesondere der von Freie Welt und Serbian Girl verlinkten Artikel von John Laughland, in dem dieser seinen eigenen Meinungswandel der letzten zehn Jahre beschreibt, beschreibt auch eine merkwürdige und ihm unangenehme Nähe der totalitären Rücksichtslosigkeit des globalen Kapitalismus und Sozialismus. Ich sympathisiere keineswegs mit den so genannten “Globalisierungsgegnern”, ich frage mich nur: Sind das nur ungeduldige utopistische Revolutionäre, die letztendlich exakt jene bekämpfen, die (manche vorsätzlich, manche unwissentlich) auf dasselbe Ziel zusteuern wie sie selber – und nur einen langsameren Weg wählen? Einen Weg, den Marx persönlich als den einzig erfolgversprechenden zum Sozialismus ausgeführt hat?

Hier ist der ganze Artikel:

Warum ist der Sozialismus nicht tot?
von Lee Harris

Original vom 6. Mai 2006: Why Isn’t Socialism Dead?

Der Präsident Boliviens Evo Morales feierte den 1. Mai [2006], indem er Truppen sandte, um die natürlichen Erdgasfelder des Landes zu besetzen. Der Zweck dieser Übung war nicht militärischer, sondern ökonomischer Natur: Morales hatte gefordert, dass alle ausländischen Firmen, die auf diesen Gasfeldern fördern, einen Vertrag mit Bolivien unterzeichnen müssen, in dem ihnen zugestanden wird, 18% ihrer Produktion zu behalten, während der Rest an die staatliche Ölgesellschaft Boliviens fallen soll. Das 18-Prozent-Zugeständnis an die ausländischen Firmen war keine Großzügigkeit seitens Morales, sondern schlicht und einfach Pragmatismus: Bolivien braucht diese Firmen, um seine natürlichen Gasvorkommen zu fördern, weil es zumindest derzeit unfähig ist, es selber zu tun.

Morales, ein feuriger Populist, der in einem erdrutschartigen Sieg gewählt wurde, folgt ganz offensichtlich den Fußspuren von Venezuelas hitzköpfig populistischem Präsidenten Hugo Chavez. Darüber hinaus trafen sich Morales und Chavez letzte Woche mit Fidel Castro, wobei sie eine Art sozialistisches Love-Festival feierten, im Rahmen dessen sie ein Partnerschaftsabkommen unterzeichneten, das darauf abzielt, ein Netz von Allianzen in Südamerika aufzubauen, um den tückischen Verlockungen des freien Handels amerikanischen Stils zu widerstehen – sein ultimatives Ziel soll die ökonomische Autarkie der Region sein, frei von ausländischer Kontrolle.

Zusätzlich zum Einsatz von Truppen, setzt Morales auch eine ganze Menge flammender Rhetorik ein. Wenn er von den ausländischen Firmen spricht, die Boliviens natürliche Rohstoffe fördern, bezeichnet er das als “Ausplünderung”, und dass er seine Truppen am 1. Mai, dem traditionellen sozialistischen Feiertag, losschickte, war sicher kein Zufall. In einer ähnlichen Stimmung predigte Morales’ Mentor Hugo Chavez, dass Reichtum Niedertracht bedeute und Armut Tugend – und wenn er auch die Heilige Schrift zur Unterstützung seiner Argumente zitieren mag, kann doch kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, dass der Populismus in der Art von Chavez schlicht und einfach Sozialismus mit südamerikanischem Akzent ist.

Und das führt mich zu der Frage, auf die ich eingehen will: Warum ist der Sozialismus nicht tot?

Der peruanische Wirtschaftswissenschaftler Hernando de Soto hat in seinem Buch The Mystery of Capital ausgeführt, dass die Fehlschläge der verschiedenen sozialistischen Experimente des 20. Jahrhunderts die Menschheit mit nur einer einzigen rationalen Wahlmöglichkeit für das Wirtschaftssystem zurückgelassen hat, und das ist der Kapitalismus. Sozialismus ist, wie er ausführt, dermaßen diskreditiert worden, dass jeglicher weitere Versuch, ihn wieder zu beleben, pure Irrationalität bedeuten würde. Doch wenn das der Fall ist – und ich persönlich denke, das ist so – warum werden wir dann Zeuge von etwas, das ganz offensichtlich ein Wiederaufleben sozialistischer Rhetorik und sogar sozialistischer Pseudolösungen ist, wie zum Beispiel die Verstaatlichung ausländischer Firmen?

Man sollte festhalten, dass de Soto nicht behauptet, dass nach den sozialistischen Fehlschlägen des 20. Jahrhunderts der Kapitalismus historisch unvermeidbar geworden ist und dass er sich daher wie ein imaginäres Panzerschiff ohne die Notwendigkeit einzugreifen selbst seinen Weg zur Verbreitung schaffen würde. Im Gegenteil: De Soto ist sich der enormen Hindernisse bei der Verbreitung des Kapitalismus insbesondere in Regionen wie Südamerika vollkommen bewusst, und sein Buch ist voll von trostlosen Statistiken, in denen der mühselige Kampf gegen das rote Klebeband der Bürokratie aufgezeigt wird, wenn man in vielen Drittweltländern einen Gewerbeschein haben möchte oder auch nur ein Haus kaufen will. Aber auch hier kommt wieder die Frage auf: Wenn der Kapitalismus die einzige vernünftige Alternative für die Menschheit ist, warum machen es dann die Regierungen von Drittweltländern Privatpersonen so außerordentlich schwer, die ersten kleinen Schritte auf dem Weg zum freien Unternehmertum zu gehen?

Für de Soto liegt die Lösung darin, das Kapital zu demokratisieren. Die staatliche Intervention zu minimieren. Das rote Klebeband abzureißen. Es einfach zu machen, eine Firma zu gründen. Wege zu finden, wie es den Armen möglich wird, aus ihrem bescheidenen Hab und Gut Kapital zu schlagen. Wenn jemand in den USA für sein 200.000 Dollar teures Haus eine Hypothek bekommen kann, warum sollte dann ein viel ärmerer Mensch keine anteilsmäßige Hypothek auf seine 2.000 Dollar Hütte bekommen?

Das alles sind vernünftige Ideen; sie basieren alle auf de Sotos Glauben daran, dass der einzige Weg, den Armen in der Dritten Welt zu helfen, der ist, ihnen den aufgeblähten bürokratischen Staat vom Hals zu schaffen und es ihnen zu ermöglichen, ihre eigene kreative Initiative so einzusetzen, wie das in unserer Vergangenheit so viele arme Einwanderer in den USA getan haben – als Kleinstunternehmer anfangen und sich zu Wohlstand und manchmal sogar märchenhaftem Reichtum hocharbeiten. Aber wir kommen wieder auf dieselbe Frage zurück, wenn auch in etwas anderer Form: Warum hören die Menschen in Bolivien und Venezuela so begeistert auf den sozialistischen Sirenengesang von Evo Morales und Hugo Chavez anstatt die ausgezeichneten und vernünftigen Ratschläge von Hernando de Soto zu beherzigen? Warum schreien sie danach, dem Staat immer noch mehr Macht und Kontrolle zu geben anstatt danach zu streben, sich selber von exakt dem Hindernis zu befreien, das den Weg zu jedem echten wirtschaftlichen Fortschritt versperrt?

Wenn Hernando de Soto sagt, dass der Kapitalismus die einzige vernünftige Alternative ist, die der Menschheit bleibt, dann meint er damit, dass Kapitalismus die Alternative ist, die Menschen annehmen sollten, weil es rational ist, das zu tun. Aber was Menschen tun sollten und was sie tatsächlich tun, sind oft zwei grundverschiedene Dinge. Denn Menschen handeln oft sehr irrational und ohne jegliche Beachtung dessen, was Wirtschaftswissenschaftler ihr “aufgeklärtes Eigeninteresse” nennen. Und in diesem Licht müssen wir das Problem angehen: Warum ist der Sozialismus nicht tot?

Die Rolle von Mythen

Um die Antwort zu dieser Frage zu finden, möchte ich auf Georges Sorel zurückgreifen.

Jonah Goldberg vom National Review brachte in seiner Antwort auf meinen früheren Artikel über Sorel den ausgezeichneten Punkt auf, dass ich in meiner Abhandlung etwas ausgelassen habe, was zweifellos das Herzstück von Sorels Denken war, nämlich sein Konzept der Mythen und dabei insbesondere seine Vorstellung des revolutionären Mythos’. Darüber hinaus führte Jonah aus, dass Sorels Mythos eine Zurückweisung dessen war, was Marx “wissenschaftlichen Sozialismus” genannt hatte.

Für Marx hatte wissenschaftlicher Sozialismus nichts mit dem zu tun, was er utopischen Sozialismus nannte; tatsächlich rühmte sich Marx sogar, dass er der erste sozialistische Denker sei, der den Verlockungen der Fantasie entronnen ist, die vor ihm als sozialistisches Denken galt. Utopische Sozialisten lieben es, sich ideale Schemata zu erträumen, nach denen sie das menschliche Leben organisieren; sie ergehen sich in einer Politik des Wunschdenkens und entwerfen allerlei äußerst unpraktikable wenn auch theoretisch perfekte Gesellschaftssysteme, von denen keines auch nur den Hauch einer Chance hat, jemals in der Realität verwirklicht zu werden. Marx hingegen sah die Notwendigkeit, den Sozialismus aus seinem Wolkenkuckucksheim heraus zu holen und ihn fest am Boden zu verankern. Somit widmete sich Marx anstatt über imaginäre Utopias zu schreiben dem Versuch, zu beweisen – und zwar nichts weniger als wissenschaftlich – dass der Sozialismus nicht nur wünschenswert sondern historisch unvermeidbar sei. Der Kapitalismus, so argumentierte er, sei eine gute Sache gewesen; ein notwendiger Schritt, den die Menschheit machen musste, um vorwärts zu kommen; jedoch – so Marx – würde der Kapitalismus letztendlich einen inneren Zusammenbruch erleiden. Er würde schlicht und einfach aufhören, Waren zu produzieren. Wie der Feudalismus zuvor sei der Kapitalismus unausweichlich dazu verdammt, als lebensfähiges Gesellschaftssystem zu vergehen, und dann, und zwar nur dann, würde der Sozialismus triumphieren.
Doch was für eine Rolle spielt in dem Fall der Revolutionär? Für Marx ergab es keinen Sinn für Revolutionäre, den Kapitalismus zu stürzen, bevor er sein historisches Schicksal erfüllt hat; ganz im Gegenteil erachtete er es als kontraproduktiv, den Kapitalismus zu stürzen, bevor er nicht intern kollabiert ist: die Vorbedingung für einen lebensfähigen Sozialismus war daher ein voll ausgereiftes kapitalistisches System, das die Welt durch seine erstaunliche Fähigkeit, die Arbeitskraft zu organisieren, Rohstoffe optimal einzusetzen, Industrie und Handel zu internationalisieren und enormen Wohlstand zu schaffen, bereits revolutionär verändert hat. Daher sah Marx keinerlei Sinn in einer Revolution als Selbstzweck. Stattdessen sollte der Möchtegern-Revolutionär lernen, Geduld zu haben; er sollte warten, bis das kapitalistische System von selber ausgespielt hat, und nur dann würde er in der Lage sein, seine historische Rolle zu spielen.

Und selbst hier wäre die Rolle des Revolutionärs eng begrenzt; es würde nur dann eine Notwendigkeit zu revolutionärer Gewalt bestehen, wenn die dahinschwindende Klasse der Kapitalisten selber bereit wäre, Gewalt anzuwenden, um ihre eigene politische Vorherrschaft zu verteidigen. Das erklärt, warum Marx gegen Ende seines Lebens die Ansicht vertrat, dass in den USA, die er als die fortschrittlichste Nation der Welt sah, der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus tatsächlich ohne jegliche Notwendigkeit einer gewaltsamen Revolution vonstatten gehen könnte – der ganze Prozess, so sagte er, könnte demokratisch und ohne Blutvergießen herbeigeführt werden.

Die marxistische Schule, die von Eduard Bernstein vertreten wurde, übernahm diese Herangehensweise bezüglich aller fortschrittlichen kapitalistischen Nationen Europas, insbesondere Deutschland. Bekannt geworden unter dem Begriff “Revisionismus” begann diese Form des Marxismus alle sozialistischen Parteien Europas vor dem 1. Weltkrieg zu dominieren, insbesondere die deutschen Sozialdemokraten, die ihre Ablehnung revolutionärer Gewalt damit unter Beweis stellten, dass sie im deutschen Parlament vertreten waren, in dem sie einen enormen Block bildeten. Für sie existierte ein friedlicher und demokratischer Weg zum Sozialismus. Der Sozialismus war für sie nicht nur in sich selbst rational, er würde sich auch auf rationale Weise entwickeln, und zwar ohne jegliche Notwendigkeit, auf die Barrikaden zu gehen oder den Staatsapparat gewaltsam zu übernehmen.

Es war genau diese Herangehensweise, die Sorel vollständig verwarf. Jonah Goldberg schreibt: “Sorel empfand Verachtung für Sozialisten, die ihre Sache mit Fakten und Vernunft vertreten wollten. Sorel nannte den bekannten italienischen Sozialisten Enrico Ferri ‘einen jener zurückgebliebenen Leute, die an die unumschränkte Macht der Wissenschaft glauben’ und die glauben, der Sozialismus könne bewiesen werden, wie ‘man das Gesetz des hydrostatischen Gleichgewichts beweist’. Wahre Revolutionäre sollten ‘rationalistische Vorurteile’ zugunsten der Macht von Mythen aufgeben.”

Doch warum verwarf Sorel, der ein ausgebildeter Ingenieur war und wissenschaftliche Kenntnisse hatte, den wissenschaftlichen Sozialismus? Ich vermute, die Antwort ist, dass Sorel argwöhnte, dass Sozialismus in der Praxis ganz einfach niemals funktionieren würde. Jonah Goldberg führt aus, dass Sorel gegenüber der Frage, ob ein Generalstreik zum Sozialismus führen würde, “bestenfalls agnostisch” blieb; aber ich würde noch weiter gehen: Sorel selbst war nicht nur skeptisch, was die Frage der Effizienz eines Generalstreiks anging, sondern auch was den Sozialismus als lebensfähiges Wirtschaftssystem anging.

Zum Beispiel schreibt Sorel im Vorwort zu Reflections on Violence, dass der französische Denker Renan “sehr überrascht darüber war, dass Sozialisten weit entfernt davon sind, entmutigt zu sein.” Dann zitiert er Renans Äußerungen über die unermüdliche Beharrlichkeit der Sozialisten: “Nach jedem gescheiterten Experiment fangen sie mit ihrer Arbeit von vorne an: Die Lösung wurde bis jetzt noch nicht gefunden, aber sie wird gefunden werden. Die Idee, dass überhaupt keine Lösung existieren könnte, kommt ihnen niemals in den Sinn, und darin liegt ihre Stärke.” (Kursive Hervorhebung von Lee Harris)

Sorels Antwort auf Renans Äußerungen ist nicht: “Renan hat unrecht; es gibt eine sozialistische Lösung und eines Tages werden wir sie finden.” Stattdessen richtet er seinen Fokus auf die Tatsache, dass Sozialisten ihre Stärke exakt aus ihrer Weigerung gewinnen, anzuerkennen, dass es keine sozialistische Lösung gibt. “Kein Fehlschlag ist irgendein Beweis gegen den Sozialismus, weil dieser ein Werk der Vorbereitung (für die Revolution) ist; wenn man es genau untersucht, dann ist es nur ein Beweis dafür, dass die Lehrzeit noch unvollständig ist; sie müssen sich mit noch mehr Mut, Ausdauer und Zuversicht an die Arbeit machen als zuvor…” Aber was ist der Grund, aus dem Sorel sich weigert, die wiederholten historischen Fehlschläge des Sozialismus zu akzeptieren? Auch hier weigert sich Sorel wieder einmal, die orthodoxe Position sozialistischen Optimismus’ einzunehmen; er sagt nicht: “Versucht es wieder und wieder und wieder, denn eines Tages wird der Sozialismus obsiegen.” Stattdessen argumentiert er, dass man nur dadurch zu einem “wahren Revolutionär” werden kann, indem man sich weigert, die Fehlschläge des Sozialismus zu akzeptieren. In der Tat besteht für Sorel der Mythos der sozialistischen Revolution nicht darin, dass die menschliche Gesellschaft eines Tages in ferner Zukunft umgestaltet wird, sondern darin, dass Individuen, die ihr Leben diesem Mythos widmen, in der Gegenwart zu Genossen und Revolutionären umgewandelt werden. Kurz gesagt, die Revolution ist für ihn kein Mittel, um ein Ziel zu erreichen, sondern vielmehr ist der Mythos des Sozialismus eine nützliche Illusion, die normale Menschen zu Genossen und Revolutionären macht – zu einer Bruderschaft sozusagen.

Sorel, für den die Religion bedeutsam war, zog einen Vergleich zwischen einem Christen und einem sozialistischen Revolutionär. Das Leben des Christen wird dadurch verändert, dass er den Mythos akzeptiert, dass Christus eines Tages wiederkehren und das Ende der Zeit einleiten wird; das Leben des sozialistischen Revolutionärs wird dadurch verändert, dass er den Mythos akzeptiert, dass der Sozialismus eines Tages triumphieren wird und dass Gerechtigkeit für alle herrscht. Was Sorel in beiden Fällen bedeutsam fand, war nicht, ob der Mythos, an den jemand glaubt, wissenschaftlich gesehen wahr oder falsch ist, sondern das, was der Mythos im Leben dessen bewirkt, der ihn akzeptiert und sich weigert, sich von den wiederholten Fehlschlägen seiner apokalyptischen Erwartungen beirren zu lassen. Wie oft waren Christen in den vergangenen zweitausend Jahren überzeugt, dass die Wiederkunft Christi kurz bevor stand, nur um bitter enttäuscht zu sein – und doch hat keine dieser Enttäuschungen sie jemals davon abgebracht, an ihrem großen Mythos festzuhalten. Und so, argumentiert Sorel, wird auch der Mythos des Sozialismus so lange trotz zahlloser Fehlschläge sozialistischer Experimente Macht haben, wie Revolutionäre unwillig sind, ihren großen Mythos preiszugeben. Deshalb lehnte er den wissenschaftlichen Sozialismus ab – wenn es nur um Wissenschaft ginge, dann würde die Macht einer Religion fehlen, die das Leben von Individuen verändert. Daher gab es für Sorel “eine … Analogie zwischen Religion und revolutionärem Sozialismus, dessen Ziel die Lehrzeit und die Vorbereitung ist, und sogar die Neuformung des Individuums – eine gigantische Aufgabe.”

Man sollte hier betonen, dass sich Renan, wenn er von den Fehlschlägen sozialistischer Experimente sprach, auf die ziemlich bescheidenen und in kleinem Umfang realisierten Experimente bezog, die von verschiedenen utopistischen Sozialisten des 19. Jahrhunderts unternommen worden waren. 1906 konnten weder er noch Sorel wissen, dass es in dem anbrechenden Jahrhundert Experimente geben würde, die weit über das Maß der Brook Farm oder der Owenschen Kommunen hinausgehen sollten. Sie konnten sich kaum vorstellen, dass ganze Nationen in die Hand der Menschen fallen sollten, die sich selber als engagierte Revolutionäre sahen – erklärte Kommunisten wie Lenin, Trotzki, Stalin, Mao und Ho Chi Minh, aber auch erklärte Faschisten wie Mussolini und Hitler. Die Nazis sahen sich selber als echte Revolutionäre, und sie nannten sich auch Revolutionäre, wie sie auch ihre Übernahme des deutschen Staates immer als ihre Revolution bezeichneten: für die Nazis stellte ihre Revolution und nicht die bolschewistische Revolution den wahren Sozialismus dar – den Nationalsozialismus.

Kann der Sozialismus sterben?

Im Lichte des Horrors, den der revolutionäre Mythos des Sozialismus im 20. Jahrhundert über die Welt brachte, ist es leicht, mit jenen zu sympathisieren, die glauben, dass die Menschheit unmöglich versucht sein könnte, das sozialistische Experiment ein weiteres Mal auszuprobieren. Wenn der liberale Rationalist Renan schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstaunt darüber war, dass Sozialisten “weit davon entfernt sind, entmutigt zu sein”, um wie viel mehr erstaunt müssen seine heutigen Gegenstücke erstaunt sein, zu erkennen, dass der Sozialismus auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch weit davon entfernt ist, entmutigt zu sein. Und doch scheinen Evo Morales und Hugo Chavez unter der Führung ihres Mentors Fidel Castro entschlossen zu sein, uns diese Lektion zu lehren.

Es mag sehr gut möglich sein, dass der Sozialismus deshalb nicht tot ist, weil er nicht sterben kann. Wie Sorel ausführt, gedeiht der revolutionäre Mythos ähnlich der Religion in den “tieferen Regionen unseres geistigen Lebens”, in jenen Gefilden, die der reinen Vernunft und Argumentation nicht zugänglich sind, und wo selbst hundert Beweise für Fehlschläge nicht ausreichen, uns von jenen urtümlichen Illusionen zu entwöhnen, von denen wir so verzweifelt wünschen, sie mögen wahr sein. Wer möchte nicht sehen, wie die Niederträchtigen und Arroganten auf ihren Platz verwiesen werden? Wer von den Geknechteten und Habenichtsen kann der Versuchung widerstehen, sich von der Verheißung einer Welt, in der alle Menschen gleich sind und jeder das hat, was er braucht, aufhetzen zu lassen?

Hier haben wir das Problem, dem jene gegenüberstehen, die wie Hernando de Soto glauben, dass der Kapitalismus die einzige rationale Alternative ist, die nach dem desaströsen Zusammenbruch so vieler sozialistischer Experimente bleibt. Ja, der Kapitalismus ist die einzige Methode, voranzukommen; aber reicht der bloße Appell an die Vernunft aus, die große Masse der Männer und Frauen und dabei insbesondere diejenigen, die arm und ausgestoßen sind, dazu zu bringen, ihre Ohren gegenüber jenen zu verschließen, die ihnen die sozialistische Apokalypse versprechen, insbesondere wenn die Menschen, die diese Versprechungen machen, charismatisch und verführerisch sind und sich bereit zeigen, in revolutionärem Trotz gegen ihre Unterdrücker aufzustehen?

Der kluge und realistische florentinische Staatsmann und Denker Guicciardini gab einmal den Rat: “Kämpfe niemals gegen die Religion … dieses Konzept hat zu viel Macht über die Köpfe der Menschen.” Und wenn man das dahingehend ausweitet, dass auch Sozialismus eine Religion ist, dann könnten diejenigen, die ihn mit reiner Vernunft und Argumentation bekämpfen wollen, sich schnell in einer verlorenen Schlacht wiederfinden. Darüber hinaus ist es, da Populismus überhand nimmt, unvermeidlich, dass der Mythos des Sozialismus unter denjenigen Menschen an Stärke gewinnen wird, die am wenigsten Veranlassung haben, mit ihrem Platz in der kapitalistischen Weltordnung glücklich zu sein, und die naturgemäß hocherfreut ihren Glauben auf diejenigen richten werden, die ihnen eine schnelle Lösung für ihre Armut und ein Ende ihres Leidens versprechen.

So werden sich im kommenden Jahrhundert diejenigen, die für den Kapitalismus eintreten, möglicherweise mit einer “Mythos-Lücke” konfrontiert sehen. Diejenigen, die wie Chavez, Morales und Castro die alte Religion des Sozialismus predigen, könnten sehr wohl in der Lage sein, auf etwas Tieferes und Urtümlicheres als reine Vernunft und Argumentation zuzugreifen, während diejenigen, die den rationaleren Weg des Kapitalismus vertreten, feststellen werden, dass sie unter denen, die sie am meisten erreichen müssen, nur sehr wenige Zuhörer finden – dem Volk. Schlimmer noch, das Volk hat historisch gesehen bewiesen, dass es in einer populistischen Demokratie die Neigung hat, diejenigen als Führer zu wählen, die am besten und effizientesten an ihrer Vernunft vorbeiargumentieren können – Demagogen, die tiefe urtümliche und leider oft auch ganz und gar irrationale Instinkte ansprechen können. Das war schließlich der dienstbare Geist jedes großen populistischen Führers der Vergangenheit, und es beweist sich auch als der dienstbare Geist jener populistischen Führer, die zur Zeit überall auf der Welt, von Bolivien bis in den Iran aus dem Boden sprießen.

Deshalb ist der Sozialismus nicht tot und deshalb kann er in diesem unserem Jahrhundert sehr wohl machtvoll und vital zurück ins Leben springen und diejenigen schockieren, die ihn aus gutem Grund als nicht mehr lebensfähig bezeichnet haben. Das ist auch der Grund, aus dem Georges Sorel heutzutage vielleicht relevanter ist als vor hundert Jahren. Er wusste, dass es hoffnungslos ist, die Menschen alleine mit Vernunft und Argumenten zu leiten. Menschen brauchen Mythen – und solange der Kapitalismus nicht mit einem eigenen Umgestaltungsmythos herauskommt, kann es sehr gut möglich sein, dass viele Menschen es vorziehen werden, ihre Mythen da zu suchen und zu finden, wo sie sie schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts suchten und fanden – im Mythos des revolutionären Sozialismus.

Das ist die Herausforderung, der sich der Kapitalismus in der heutigen Welt gegenübersieht – ob er sich der Herausforderung gewachsen sieht, ist die dringlichste Frage unserer Zeit, und jene, die sich weigern, sich dieser Herausforderung zu stellen, tun der Vernunft, der Menschenwürde und der Freiheit keinen Gefallen. Schlechte Mythen können nur mit besseren Mythen ausgetrieben werden, und wenn der Kapitalismus keinen besseren Mythos liefern kann als der Sozialismus, wird der letztere wieder obsiegen.

(Lee Harris ist der Autor von Civilization and Its Enemies )

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73 ausgewählte Kommentare aus dem Originalstrang:

• 1) Friedel B Kommentar von Friedel B.
17. April 2008 @ 23:27

Menschen brauchen Mythen – die Wahrheit dieses Satzes ist nicht nur auf der politischen Ebene, sondern auch im Alltag in allen Richtungen zu beobachten, in die sich der Blick wenden mag. Leute schicken ihre Kinder in Waldorfschulen, obgleich das ihnen dort vermittelte faktische Wissen völlig unzureichend ist; sie vertrauen der Homöopathie oft mehr als der verachteten (aber rationalen) “Schulmedizin”; sie lassen sich für viel Geld Nadeln in “Kreuzungspunkte von Energieströmen” pieksen; sie bezahlen Unsummen für völlig wirkungslose psychotherapeutische Scharlatanerien; sie glauben, sie könnten durch den Gebrauch von Quecksilberdampflampen oder durch die Verwendung von Biosprit das globale Klima (das bekanntlich ein reines Abstraktum ist) beeinflussen; sie halten völlig absurde Weltanschauungen für realistischer als die Anschauung der Welt selbst. Dagegen ist kein Kraut gewachsen; jemand, der an etwas glaubt, ist gegenüber Argumenten völlig gefeit. Und ich weiß nur zu genau, daß ich auch selbst immer wieder in die Mythenfalle stolpere, ja, mich oft nur allzu gern von ihrem Zauber gefangen nehmen lasse. Es ist eine bittere Erkenntnis für alle, die sich der Rationalität verschrieben haben, daß sich eine Idee, ein Glaube nicht durch Argumente, sondern offenbar nur durch eine andere Idee bekämpfen läßt.

• 2) Kommentar von Thatcher
18. April 2008 @ 4:29

Mir will diese Idee absolut nicht einleuchten. Marx hat geschrieben, daß die Geschichte notwendig im Sozialismus endet. Seine Apologeten hören seither nicht auf, alles Bestehende als Vorform des Sozialismus und Ausgangsbasis für eine Revolution zu interpretieren.
Ich werde dabei stets mißtrauisch, genau wie ich bei dem Wortgeklingel von Soziologen und Psychoanalytikern mißtrauisch werde: es gibt anscheinend gar keinen Sachverhalt und keine Form menschlichen Verhaltens, das sich nicht auf irgendeine Weise ins Begriffsraster dieser Lehren einpassen ließe. Die “Erklärkraft” von Soziologie und Psychoanalyse sind unbegrenzt. Doch genau dadurch hören sie auf, wissenschaftlich zu sein, denn sie machen gar keine Hypothesen mehr, die auf rationale Art widerlegt werden könnten. Solcherart pseudowissenschaftliches Wortgeklingel hat wenig Substanz, beeindruckt aber die Menschen und verführt sie – genau wie jene findige Kampagne, die Bürger davor warnte, daß Obstbäume mit Dihydrogenmonoxid* gespritzt werden.

Warum sollen ausgerechnet diejenigen, die den größten Nutzen aus der kapitalistischen Weltordnung ziehen, in Wirklichkeit Protagonisten einer schleichenden Umsetzung des wissenschaftlichen Sozialismus sein, der ja trotz seines Wissenschaftlichkeitsanspruchs weiterhin die “Vergesellschaftung”, also Enteignung der Produktionsmittel zur Absicht hat? Wenn Du da mal nicht zu tief in verschwörungstheoretisches Denken eingestiegen bist, Eisvogel!

Meiner Auffassung zufolge ist der Hauptgrund für den immer zeitgleich mit der Einführung der sozialistischen Gesellschaftsordnung erfolgenden wirtschaftlichen Niedergang im Sozialismus folgender: Nicht mehr die selbstinteressierten, auf Gewinnsteigerung zielenden Praktiker, sondern politische Utopisten ohne nennenswerte betriebswirtschaftliche Kenntnis wirtschaften die Betriebe ganz banal herunter. Jemand, der einen Betrieb erfolgreich leiten kann, so daß nicht nur er, sondern auch seine Arbeiter Wohlstand erlangen können, weiß, warum der Sozialismus nicht funktioniert, und lehnt ihn deshalb ab. Die immer wiederkehrenden Krisen des Kapitalismus zeigen lediglich, daß die Umkehrung dieses Satzes nicht gilt.

Ich habe selbst einmal, als ich durch Schulkameraden kurzzeitig “sozialistisch verführt” war, mit dem Gedanken gespielt, daß die Chefs der großen Konzerne mit ihrer radikal utilitaristischen und nutzenmaximierenden Rationalität eigentlich die wahren Marxisten seien. Seitdem bezweifle ich den Zwang, der von marxistischer Weltsicht zu revolutionären Absichten führen soll. Die marxistische Weltsicht ist pragmatisch, materialistisch, schnörkellos – und auch für Kapitalisten nützlich. Irgendwelche Imperative ergeben sich aus ihr aber nur, wenn man selber einer der Elenden, Zukurzgekommenen, Besitzlosen oder politisch Verführten ist – oder über die Verführung der Massen an die politische Macht will.

Und der Grund für die fortdauernde Begeisterungsfähigkeit für sozialistische Ideen ist auch ganz banal: Sozialisten machen utopische Versprechungen, ohne sie einlösen zu müssen, denn wenn sie erst einmal, dank der verführten “elenden Massen”, an der Macht sind, können sie die (in Wahrheit von ihnen selbst zu verantwortenden) Mißstände ganz schlicht dem “Klassenfeind”, dem “Konterrevolutionär” oder dem “Agenten der Bourgeoisie” in die Schuhe schieben.

Genau wie die Prediger der Religionen sind Sozialisten Obskurantisten, die nicht aufhören, absichtlich schlecht definierte Schlagworte wie “Gerechtigkeit”, “Menschenrechte”, “strukturelle Gewalt”, “Verantwortung gesellschaftliche Zustände” u. Ä. unter die Menschen zu werfen, von denen die meisten notwendigerweise nicht über die rationale Disziplin und die wirtschaftlichen Kenntnisse verfügen, diese Schwarzkunst als das zu entlarven, was sie ist. Es ist dabei bedeutungslos, ob die Sozialisten selbst an ihre Utopie glauben oder ob sie in Wahrheit wissen, daß sie Humbug ist, der Weg zur Macht in der Demokratie aber nur über die Verführung der ungebildeten Mehrheit führt. Die Neigung und Fähigkeit von Menschen, an irgend etwas zu glauben, ist als Motivations-quelle für die Anführer diverser Machtbewegungen definitiv von höherem pragmatischen Nutzen als ihr Intellekt oder ihr Freiheitsdrang, welche bei vielen offensichtlich unterentwickelt sind. Ob das in Aussicht gestellte Endziel ein jenseitiges oder ein diesseitiges Paradies ist, das “gerechte Gesellschaftsordnung” genannt wird, ist doch völlig egal, da seine Erreichung irrelevant wird, sobald die Sozialisten an der Macht sind.

Der Sozialismus ist, egal ob utopisch oder mit wissenschaftlichem Mäntelchen, in etwa dasselbe wie der Islam: eine Machtbewegung skrupelloser und fanatischer Obskurantisten, die sich auf die ungebildeten und/oder elenden, die persönliche Freiheit gering achtenden Massen berufen und vorgeblich in deren Interesse handeln, um, wenn sie erst an der Macht sind, alle Verantwortlichkeit von sich auf das Feindbild abzuwälzen. Wenn aber die ganze Welt sozialistisch werden würde, müßte sich der sozialistische Staat in Ermangelung der Sündenböcke auf die schiere Gewalt stützen, um sich zu halten (wie dies das chinesische Regime praktiziert), oder er würde vollends zur Religion werden.
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*Falls der Leser jetzt in Panik ist: Dihydrogenmonoxid ist auch unter dem Trivialnamen “Wasser” bekannt.

• 3) Kommentar von Dox
18. April 2008 @ 5:43

Das wird eine interessante Diskussion. Wollen wir doch gleich erst einmal festhalten, was Kapitalismus ist. Er ist nichts anderes als Marktwirtschaft. Er funktioniert wie der Wochenmarkt, Bauernmarkt, Jahrmarkt und er funktioniert am besten unter folgenden drei Bedingungen.
1. Schutz des Eigentums – Ein Bauer kann seine Kartoffeln nur dann zum Verkauf auf dem Wochenmarkt bringen, wenn sie ihm nicht geklaut werden, also sein Eigentum geschützt wird.
2. Gewerbefreiheit – Jeder muß jede Ware herstellen und zum Verkauf anbieten dürfen, so daß es einen Wettbewerb um die besten und preiswertesten Waren gibt.
3. Vertragsfreiheit – Ein Bauer braucht Landarbeiter, mit denen er Arbeitsverträge abschließt und es muß ihm überlassen sein, wen er zu welchem Lohn anstellt.
Das ist Kapitalismus, nichts anderes. Einfach nur Marktwirtschaft. Aber es gibt sie nirgendwo und es gab sie noch nie. Es gab schon immer Kräfte, die sich ihr entgegenstellten. Da sind beispielsweise die Zünfte, die sich gegen die Gewerbefreiheit stemmen. Da sind die Gewerkschaften, die Vertragsfreiheit behindern. Und da ist der Staat mit seinen Steuern, der das Eigentum der Bürger nicht schützt sondern raubt. Andererseits gibt es einen weltweiten Wettbewerb auch unter den Märkten, so daß dort am meisten investiert wird, wo die drei Marktregeln am weitesten umgesetzt werden. Denn dort ist am meisten zu verdienen. Noch nie ging das so schnell wie heute durch das Internet. Es ist das Ende der Mythen. Völker, die an Chavez, Castro, Morales, Mugabe oder an andere Marktfeinde glauben, werden verarmen, dann noch mehr an Marktfeinde glauben, noch mehr verarmen und entweder irgendwann die Kurve kriegen oder wie die Moslems in Elend verharren. Der größte Marktfeind ist der Islam. Der Koran setzt alle Marktregeln außer Kraft. Hätten die Moslems nicht das Glück gehabt, daß man unter ihren Wüsten Erdöl fand, wären ihre Scheichs nicht Milliardäre, sondern Kameltreiber und ihre Mullahs Tagelöhner in Israel.

Daß Lee Harris eine Wiederbelebung der Mythen erkennt, ist mir angesichts der weltweiten Entwicklung unverständlich. Das Christentum schrumpft katastrophal und dem Sozialismus brachen ganze Erdteile weg.

Friedel B.

Menschen brauchen Mythen? Du meinst Einfaltspinsel oder? Sie bestimmen aber nicht den Verlauf der Geschichte. Und mag ihre Anzahl den Schlitzohren auch tausendfach überlegen sein. Die lateinamerikanischen Indios befinden sich genauso wie die europäischen Sozialisten auf einem aussichtslosen Kriegspfad. Mit den Moslems, die sich mittels ihrer Ölmilliarden an die Spitze der Bewegung stellen, geht es nur umso schneller bergab. Chavez und Ahmadinedschad werden von den gerade erwachten Chinesen im Handstreich hinweggefegt. Ihr Ein-Parteien-System verkündet, werdet reich und läßt dem Markt in noch nie dagewesenem Maße freien Lauf. Die Mönche von Tibet protestieren unter dem Beifall des Westens. Es wird beiden nichts nützen. Da helfen alle Heilpraktiker nichts, Friedel. Das Kapital ist die Moral. Und das ist gut so, weil sie sonst beliebig wäre.

• 4) MKH Kommentar von Manfred
19. April 2008 @ 22:08

Möglicherweise sind Kapitalismus und Sozialismus gar nicht die Gegensätze, für die wir sie halten. Marx’ Argumentation lautete ja ungefähr so: Wenn die gesellschaftliche Arbeitsteilung nur weit genug fortgeschritten ist, wenn die ganze Welt in das kapitalistische Marktsystem einbezogen und alle nicht- oder vorkapitalistischen Bindungen zerstört sind, dann wird Produktion in jeder Hinsicht zur gesellschaftlichen Produktion; man muß dann nur noch die funktionslos gewordenen Kapitalisten enteignen, und schon hat man den Sozialismus. Daß man sich damit zugleich einen totalitären Staat einhandelt, konnte und wollte er nicht sehen.

Die logische Konsequenz, die freilich kein Sozialist ziehen wollte, mußte lauten, daß eine sozialistische Revolution Unfug ist, daß es vielmehr darauf ankommen muß, den Kapitalismus in Reinkultur zu verwirklichen.

Genau dies ist aber Inhalt eines radikal auf die Spitze getriebenen Neoliberalismus. Wenn die typische linke Argumentationskette, durch die man sie als linke erkennen kann, lautet, daß der Mensch eigentlich gut ist, daß er nur durch die Strukturen und gesellschaftlichen Verhältnisse böse gemacht wird, und daß deswegen die Zerstörung dieser Verhältnisse den Weg zum irdischen Paradies weist, dann ist der Neoliberalismus (immer in seiner radikalen Variante der Zerstörung aller nichtmarktwirtschaftlichen Strukturen) eine LINKE und keine RECHTE Utopie.

Sogar strukturell ist diese Ideologie dem Sozialismus verwandt: So wie die Sozialisten ihr regelmäßiges Scheitern damit erklären, daß es eben nicht der “wahre” Sozialismus gewesen sei, so erklärte der IWF jahrzehntelang das Scheitern etlicher seiner marktradikalen Roßkuren damit, daß sie eben nicht radikal genug gewesen seien, weil ja nicht die Gesamtheit aller gesellschaftlichen Strukturen auf das Marktprinzip umgestellt wurde. Eine solche Theorie, die von einer Utopie ausgeht, die gar nicht verwirklicht werden kann, ist gegen jede rationale Widerlegung strukturell gefeit und gerade daran als totalitäre Ideologie erkennbar.

Diese Ideologie läuft auf die vollständige Vernichtung aller bestehenden gesellschaft-lichen Solidaritätsbeziehungen hinaus und ähnelt darin dem Kommunismus (zu dessen Programm ja ebenfalls die Zerstörung vorrevolutionärer Bindungen an Familie, Nation und Religion gehörte, die Zerstörung überkommener Produktionsstrukturen sowieso). Da eine Gesellschaft auf dieser Basis nicht existieren kann, wird die Rekonstruktion des gesellschaftlichen Zusammenhangs von oben, das heißt mit den Mitteln der Diktatur, und somit die Errichtung eines totalitären Regimes zur Notwendigkeit.

Es könnte sein, daß Marx mehr Recht hatte, als er selbst ahnte.

• 5) Time Kommentar von Time
21. April 2008 @ 11:57

Hallo allerseits,
der Papst rechtfertigte (FAZ-Titel/190408) vor der UNO “humanitäre INTERVENTIONEN”:

“… hat am Freitag in einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen die universale und absolute Geltung der Menschenrechte sowie, daraus abgeleitet, das Recht der Vereinten Nationen zu humanitären Interventionen verteidigt…/…/… heißt es, die Menschenrechte seien “gültig für alle Zeiten und für alle Völker” und müßten gegen ideologische Relativierung und Schwächung aus politischen Gründen geschützt werden. Das Gemeinwohl der internationalen Völkerfamilie im friedlichen Zusammenleben der Nationen und die Würde und Freiheit des Einzelnen in der Gesellschaft und in der Familie seien unverletzliche Prinzipien… Jeder Staat”, sagte der Papst, “hat zuerst die Pflicht, die eigene Bevölkerung vor schweren und dauernden Verletzungen der Menschenrechte zu schützen, wie auch vor den Folgen humanitärer Krisen, mögen sie von der Natur oder vom Menschen hervorgerufen worden sein.” Wenn jedoch – so begründete Benedikt ein internationales Interventionsrecht “die Staaten nicht imstande sind, diesen Schutz zu garantieren, muß die internationale Gemeinschaft mit den rechtlichen Mitteln eingreifen, die in der UN-Charta und anderen internationalen Dokumenten niedergelegt sind”. Dies stelle keine Einmischung oder Verletzung der Souveränität dar; Gleichgültigkeit sei vielmehr schädlich. Vor den Delegierten von 192 Staaten knüpfte Benedikt an die Reden seiner Vorgänger vor den Vereinten Nationen an, Pauls Vl. im Oktober 1965 sowie Johannes Pauls 11. 1979 und 1995. Es gelte nach wie vor, was der Völkerrechtler Francisco de Vitoria im 16. Jahrhundert aus dem “lus gentium” als “Schutzverantwortung der Regierenden gegenüber den Regierten” abgeleitet und was der Kirchenlehrer Augustinus in der Antike gelehrt habe: “Tue nichts anderen, was Du nicht willst, daß es Dir getan wird.” Diese Maxime könne “in KEINER Weise variieren, je nachdem, wie man es jeweils und in verschiedenen Kulturen verstehen will”.”

Heute verdeutlicht ein Kommentar von Matthias Rüb (Titel) die große Sympathie, die der katholische Papst im überwiegend evangelischen Amerika erfährt:

“Im Garten des Weißen Hauses bezeugte Benedikt XVI. seine Freundschaft mit Amerika, seinen Respekt vor der “großen pluralistischen Gesellschaft” der Vereinigten Staaten und seine Hochachtung für jene ungezählten Amerikaner, die “ihr LEBEN für die Verteidigung der Freiheit daheim und im Ausland GEOPFERT haben”. In der wachsenden paneuropäischen Säkularkirche muß solche Huldigung an das “Land der Freien” als Häresie gelten. Daß der Papst und Präsident Bush in nahezu identischer Diktion die Freiheit als Geschenk des Schöpfers an alle Menschenkinder beschreiben, daß sie sich gemeinsam zum Platz des Glaubens in der Öffentlichkeit bekennen, daß sie die Möglichkeit der Harmonie von Glaube und Vernunft bekräftigen – das macht sie im zunehmend gottfernen Europa gleichermaßen zu Außenseitern. Nicht in den Vereinigten Staaten, ”dem innovativsten, kreativsten und dynamischsten Land der Erde – das zugleich zu den religiösesten gehört” (Bush). Tatsächlich schien sich der Papst bei seiner Visite in Amerika daheim zu fühlen. Sichtlich genoß er Respekt und Zuneigung. Das eine wie das andere wurde ihm auch vom nichtkatholischen Amerika entgegengebracht: Das evangelische Amerika, also die Mehrheit der Bevölkerung, empfing den Papst mit offenem Herzen.”

Auf PI gibt es ein Video vom Besuch des Papstes ( http://www.pi-news.net/2008/04/video-des-tages-papst-benedikt-am-ground-zero/ ). Es ist so gesehen ziemlich langweilig, aber grade das ist m. E. das Gute daran, die Ruhe, Unaufgeregtheit, Uninszeniertheit, Nüchternheit.

Bleibt mir noch, mich als Verehrer von George W. Bush wie auch Papst Benedikt XVI. zu outen.

Mit freundlichen Grüßen

vom evangelischen Time

• 6) Deeprootsgrav Kommentar von Deep Roots
21. April 2008 @ 18:59

Eine Erklärung für die Wiederbelebung des Sozialismus im 21. Jahrhundert kann man auch darin sehen, daß die Mentalität bzw. kulturelle Prägung vieler – wenn nicht aller – Dritte-Welt-Völker proto-sozialistische Züge hat – siehe dazu auch den von Eisvogel übersetzten Artikel „Neid und die Angst vor Neid“ von Jack Wheeler.

In solchen von Neiddenken geprägten Gesellschaften ist es naheliegend, die Schuld an der eigenen Armut auf „die Reichen“ zu schieben und sich eine „höhere Macht“ zu wünschen, die den Reichen ihren Reichtum nimmt und ihn „gerecht“ auf alle verteilt.
Ob diese Macht jetzt die Schwarze Magie ist, an die z.B. Afrikaner glauben, oder die Scharia oder eine marxistische Gesellschaftsordnung – ihre Verkünder finden leicht Anhänger unter solchen Leuten, wenn sie nur dreist genug auftreten und möglichst viel versprechen.

Daß die Armut solcher Gesellschaften gerade aus dieser Erwartungshaltung resultiert, „die anderen“ mögen gefälligst etwas abgeben (bei Zurückhaltung hinsichtlich eigener Leistungserbringung), sowie aus anderen, in der Dritten Welt verbreiteten Faktoren, als da wären:

– die volkswirtschaftsschädigende Neigung zur Korruption
– die in jahrtausendelang praktizierter Sklaverei begründete Verachtung für Arbeit
– die einstellungsmäßige Bildungsferne
– der Sippen- und Stammesegoismus, etc.,

das will man nicht wahrhaben, und das sagt ihnen klugerweise auch niemand, der ihre Unterstützung will.

Und der heutige PC-UNO-NGO-Zirkus fördert all das, was die Drittweltler wollen, wertet deren Bedürfnisse zu Weltanliegen auf und schürt Schuldgefühle auf unserer Seite.
Ein Beispiel dafür ist die neueste Sau, die durchs globale Dorf getrieben wird: die Beschwörung der „globalen Hungerkrise“.

Da heißt es, „wir tanken den Ärmsten der Armen die Nahrung weg“, oder „wir füllen den Regenwald in unsere Tanks“, oder „wir sind (wegen des durch uns verursachten Klimawandels) schuld an Ernteeinbußen in der Dritten Welt“, und was es da noch so alles an PC-Mea-Culpa gibt.

Abgesehen davon, daß der Klimakatastrophismus sowieso Mumpitz ist:

1) Erst redet man uns ein, daß die Klimakatastrophe droht und daß wir unbedingt was dagegen unternehmen müssen (vorzugsweise Zahlungen an Drittweltländer sowie Maßnahmen, die unsere wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit zugunsten von Schwellenländern beeinträchtigen), und wenn dann tatsächlich die Biotreibstoffproduktion angekurbelt wird, sind wir angeblich wieder schuld, wenn die Nahrung knapp und teuer wird;

2) Wer hat sich denn seit der Mitte des 20. Jahrhunderts so stark vermehrt, daß die Weltbevölkerung sich seitdem mehr als verdoppelt hat? Das waren alles nicht wir!
Wenn die Weltbevölkerung heute noch bei 3 – 3,5 Milliarden läge, ginge sich leicht Nahrung und Biosprit aus. Und der stark steigende Nachfragedruck vor allem aus China, Indien und Südostasien trägt viel mehr zum Preisanstieg bei Nahrungsmitteln bei als das (vergleichsweise) bißchen Biospriterzeugung;

3) Warum sind die Reispreise in Haiti um 50 % gestiegen – aber nicht in der benachbarten Dominikanischen Republik, oder bei uns?
Warum sind die Brotpreise in Ägypten um 35 % gestiegen – aber nicht in Libyen oder Tunesien – oder bei uns?
Da werden wohl eher einheimische Ursachen vorliegen – aber die linke globale Politmafia nutzt das sofort, um uns ein schlechtes Gewissen einzureden.

Leider fällt auch auf, daß bei uns selbst akademisch gebildete Wirtschaftstreibende zwar aus wirtschaftlichem Eigeninteresse keinen Sozialismus wollen, aber davon abgesehen doch Kulturlinke sind und die ganze Gutmenschelei unterstützen.
Das liegt wohl einerseits daran, daß so ziemlich jeder, der in den letzten Jahrzehnten irgend etwas studiert hat, besonders lange der 68er-Indoktrination ausgesetzt war (und daß selbst die nunmehrigen Geschäftsleute darunter oft noch mit „linken“ Studienkollegen befreundet sind, vor denen sie nicht als solche dastehen wollen, die „dumpf-populistischen“ Ansichten anhängen).
Zum anderen liefert auch dieser Absatz aus Jack Wheelers „Neid und die Angst vor Neid“ eine gute Erklärung:

„Das kann man am einfachsten an den Kindern wohlhabender Eltern erkennen. Erfolgreiche Geschäftsleute zum Beispiel, die ihren Wohlstand selbst erarbeitet haben, haben normalerweise einen gewissen Respekt für ihre eigenen Anstrengungen und das Wirtschaftssystem, das Erfolg ermöglicht.
Ihre Kinder, die nicht dafür arbeiten mussten, sind einfachere Zielscheiben für die Schuldeinredereien der Neidischen. Somit nehmen sie eine Haltung gutmenschlichen Mitgefühls als Neidabwehrschild ein: ‚Bitte beneidet mich nicht wegen des Geldes meines Vaters – schaut doch all die linken Anliegen und sozialen Regierungsprogramme an, die ich unterstütze!’”

Und all das gibt einem „Weltsozialismus“ Auftrieb, der danach trachtet, Neid gegen uns zu schüren und unseren wohlverdienten Reichtum zugunsten der globalen Minderleister bzw. Leistungsverweigerer „umzuverteilen“.
Ob hierbei eher die Ideologie von Marx das Rennen macht, oder doch die von Mohammed – das wird die Zukunft zeigen.

Und wenn wir keinen „Reboot“ unserer westlichen Zivilisation schaffen – in Form einer erneuerten Demokratie, ohne den ganzen Ballast von PC und Multikulti – dann sieht’s finster aus.

Deep Roots

• 7) Bokito Kommentar von Bokito
21. April 2008 @ 21:39

das trifft wohl gut zu, Deeproots, wenn ich über den Sozialismus nachdenke, kommt mir auch zunächst der Artikel ”Neid und die Angst vor Neid” in den Sinn.

Zu Marx kann ich nicht viel sagen, ich habe von ihm nichts gelesen. Was ich über Marx gelesen habe, deutet darauf hin, daß er ja heute fast ein Vordenker der Ultra-Wirtschaftsliberalen sein könnte

Aber man kann nur Angst haben, vor dem, was aus Neid erwächst.
Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Genozid in Ruanda 1994. Eine der Hauptursachen war der Neid der Hutu-Volksgruppe auf die Minderheit der Tutsi, die, warum auch immer, besser gebildet war und die bessern Jobs hatte.

hier ein Trailer zu dem Film “shooting Dogs”, der gestern auch auf ARTE lief:

und hier eine der schrecklichste Szenen:

Der Film ist sehr gut gemacht, ohne die üblichen Erklärungsmuster der Gutmenschen, aber mir standen die Tränen in den Augen, als ich das gesehen habe.

Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit und Zeugenaussagen sowie originalem Filmmaterial.

Ich weiß nicht, was man tun kann, um so etwas in Europa künftig zu verhindern..

• 8) Kommentar von Dox
22. April 2008 @ 1:34

Time 5,

Sie finden es also toll, daß die UNO, deren Vertreter zu 75 % aus menschenrechts-verachtenden Diktaturen kommen, vom Papst ermutigt wird, zugunsten der Menschenrechte weltweit einzugreifen, während er dasselbe Recht den USA verweigert? Bush wurde von ihm nämlich wegen des Irakkrieges vor der gesamten Weltöffentlichkeit getadelt. ARD und ZDF haben diesen Teil seiner Rede genüßlich zitiert. Time, Sie zerspringen förmlich vor Freude, daß die UNO, welche pausenlos perfide Resolutionen gegen Israel verfaßt, vom Papst als kompetenter in Sachen Menschenrechte erachtet wird als die USA.
Time, ich bin über Ihren Mangel an Vernunft entsetzt. Genau das, was Sie am Papst loben, kritisiere ich an ihm. Ohne die USA gäbe es keinen Papst mehr. Er wäre schon in den 50-er Jahren von der Mehrheit der Kommunisten in der UN-Weltgemeinschaft zum Teufel gejagt worden und er würde heute von der Mehrheit der UN-Moslems zum Teufel gejagt, wenn es die USA nicht gäbe. Sich dann vor das Weiße Haus zu stellen, den Präsidenten der Vereinigten Staaten vor aller Welt wie einen dummen Jungen abzuwatschen und die Heuchler in der UNO über den grünen Klee zu loben, werde ich ihm nie verzeihen. Daß er den Koran geküßt hat, war schon ein Schock für mich. Aber das, was er sich in den USA geleistet hat, diesen Verrat eines Freundes und Beschützers, war zutiefst niederträchtig und macht ihn für mich verabscheuenswürdig.
Dieser Papst wird Europa beim Kampf gegen den Islam keine Hilfe sein. Und Sie, Time, würden sich als deutscher Christ in US-Kirchen befremdlich fühlen. Sie predigen dort den Kapitalismus. Sie ermuntern ihre Gläubigen Unternehmer zu werden, Gewinn zu machen und sich vor Reichtum nicht zu scheuen. Ganz anders in Deutschland. Hier predigen die Pfaffen Demut und bei jeder Gelegenheit kommen sie mit der Warnung: Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher!
Time, es tut mir leid. Sie sind bei mir ähnlich durchgefallen wie der Papst. Trotz meiner Skepsis gebe ich Ihnen und Benedikt noch eine Chance zur Wiedergutmachung. Aber glauben Sie mir, einfach wird es für Sie beide nicht werden.
• 9) Eisvogel Kommentar von Eisvogel
22. April 2008 @ 11:27

Ich wollte hier keine Verschwörungstheorie verbreiten. Beim Übersetzen des Artikels kam mir nur plötzlich der Gedanke in den Kopf, dass Kapitalismus zum Extrem getrieben (vor allem international) möglicherweise tatsächlich zwangsläufig sozialistische Züge annehmen könnte, so wie Manfred (#4) das erklärt hat.

Im Grunde ist doch eine sozialistische Gesellschaft eine, in der es nur ein großes “Unternehmen” gibt – den Staat. Dieser Staat ist ja von der Absicht her auch bestrebt, so gut wie möglich zu wirtschaften – dass es nicht klappt, liegt ja nicht daran, dass die Sozialisten das nicht wollen, sondern dass sie es nicht hinkriegen.

Jetzt agieren große Firmen doch zunehmend wie Staaten, beeinflussen die Politik bestehender Staaten und führen “Kriege” gegen Konkurrenzunternehmen. AGs sind eine Art “Vergesellschaftung” des Kapitals, oder?

Umgekehrt agieren Staaten zunehmend wie Wirtschaftsunternehmen, d.h. sie betrachten die Bevölkerung als Personal. Wenn Personalmangel herrscht, versucht man “Fachkräfte” von anderen Unternehmen (Staaten) abzuwerben. Andererseits sind die Steuern in den so genannten kapitalistischen Systemen extrem hoch.

Ich überblicke das noch nicht, das ist noch sehr chaotisch in meinem Kopf, aber mir kam tatsächlich der Gedanke, dass Marx in dem Punkt recht haben könnte. Nicht, dass ich seine Vision wünsche oder auch nur glaube, dass es auf eine Weise funktioniert, dass die Menschen frei sind und Wohlstand schaffen können. Nein, das nicht. Sondern nur dahingehend, dass Kapitalismus ab einem gewissen Punkt automatisch in Sozialismus übergeht…?

Wenn wir mal gar nicht Südamerika betrachten, sondern uns auf hierzulande konzentrieren, auch hier wird alles linker, und es liegt nicht nur an einem deutschen Sozialismus-Gen, es ist in allen Industriestaaten ungefähr dasselbe: Hohe Steuern, hohe Staatsabhängigkeit, Rückgang von Kleinfirmen und Tendenz hin zu international agierenden Riesenfirmen, die letztendlich fast die Größe von Staaten haben.

Ich stimme auch Friedel B. absolut zu. Es kann einem gefallen oder nicht gefallen, man kann die Mehrheit der Menschheit als Schwachköpfe sehen oder nicht: Die Sehnsucht nach Mythen ist einfach da. Die ganz große Mehrheit interessiert sich nunmal eher für “Gerechtigkeit”, “Menschenrechte” und den “Weltfrieden”, als für staubtrockene kapitalistische Abhandlungen über Volkswirtschaftslehre. Das ist ein Problem der (kapitalistischen) Rationalen: Sie haben recht, aber sie werden nicht gehört, weil sie die Begeisterungsfähigkeit nicht ansprechen.

Eine Religion deckt diese Sehnsucht. Auch allerlei privater Unsinn kann diese Sehnsucht erfüllen, allerdings vermutlich viel weniger, weil das Element des gemeinschaftlichen Mythos (wie bei einer großen Religion) fehlt. Gefährlich wird es nur, wenn politische Mythen aufkommen. Der Islam ist einer, aber der Klimahype ist auch einer, das Gutmenschentum ist ebenfalls einer.

• 10) Kommentar von Dox
22. April 2008 @ 19:21

Eisvogel,

“Beim Übersetzen des Artikels kam mir nur plötzlich der Gedanke in den Kopf, dass Kapitalismus zum Extrem getrieben (vor allem international)…”

Die extremste Form des Kapitalismus wäre der totale Markt, also Gewerbefreiheit, Vertragsfreiheit und Eigentumsschutz in höchster Vollendung. Dieser Zustand wäre wünschenswert, weil er die Schöpferkraft des Menschen in noch nie dagewesener Weise fördern würde.

Mir scheint, daß du unter Kapitalismus etwas anderes verstehst als die Wirtschafts-wissenschaft. Richtig ist, daß es viele perverse Wirtschaftsformen gibt. Aber mit Kapitalismus haben die ebenso wenig zu tun wie das obige Bild mit dem Kommunismus. Wenn er solche Genossinnen hervorbrächte, wäre ich ein Linker und würde ich fast alles tun, um Parteisekretär zu werden.

• 11) Eisvogel Kommentar von Eisvogel
22. April 2008 @ 20:38

@Dox: Ja, ich gebe Dir vollkommen Recht. Das, was ich meinte, ist wohl nicht die “extremste Form des Kapitalismus” – das wäre der totale Markt.

Mir fehlt ein Wort dafür … es ist der Zustand, dass gigantische Unternehmen zunehmend wie Staaten agieren und Staaten zunehmend wie große Unternehmen. Ich meinte das Wirtschaftssystem, das wir zur Zeit sich entwickeln sehen und das den Marktzugang für kleine Unternehmer zunehmend schwieriger macht. DAS hat gewisse Ähnlichkeiten mit Sozialismus und könnte – wenn es weiter getrieben wird – ihm am Ende de facto gleichen, obwohl man es dann immer noch “kapitalistisch” nennt.

Das Bild habe ich vorsätzlich gewählt, um den Mythos zu verdeutlichen, Sozialismus wäre was Schönes. Ich wollte es zunächst noch mit diesem hier:

Schild CAPITALISM
zu einer Fotomontage zusammenbauen, um klarzumachen, welches Problem vernünftige Kapitalisten wie de Soto gegenüber Rattenfängern wie Morales haben.

Dann dachte ich aber doch: Lass es besser! Neue Leser könnten denken, wir wären ein Kommunistenhaufen und erschreckt wieder verschwinden.

• 12) Deeprootsgrav Kommentar von Deep Roots
22. April 2008 @ 23:00

@ Bokito: Der Genozid in Ruanda war auch ein erschreckendes Beispiel dafür, wie leicht innerhalb weniger Wochen eine Million Menschen oder mehr umgebracht werden können – und das im Wesentlichen nur mit Messern, Knüppeln und Macheten statt der vielgeschmähten „small arms“, welche UNO und die EU allen, also auch uns, verbieten wollen mit dem Vorwand, damit u. a. solche Massaker zu verhindern. Von wegen!
Ich erinnere mich auch an eine Stelle in einem Buch von Peter Scholl-Latour, wo von einem Vorläufer dieser Ereignisse irgendwann in den Sechzigern die Rede ist. Da heißt es unter anderem, daß die Hutu den Größenunterschied zwischen ihnen und den sehr hochgewachsenen Tutsi „korrigierten“, indem sie jedem Tutsi, den sie erwischten, die Unterschenkel absägten…
In einem Lexikon von ca. 1975 habe ich über Ruanda gelesen, daß es damals schon eines der dichtestbesiedelten Länder Afrikas war. Aus einem „neueren“ Buch von Anfang der 90er geht hervor, daß die Bevölkerung des kleinen Ruanda seither mindestens um eine Million gewachsen ist, was bedeutet, daß sie selbst nach den Massakern von 1994 immer noch mindestens auf dem hohen Niveau von Mitte der 70er lag. Da ist es nur eine Frage der Zeit, wann es wieder losgeht.

@ Time: daß der Papst sich für das „internationale Interventionsrecht“ ausgesprochen hat, paßt mir leider auch nicht. Das ist eine zweischneidige Sache, die sehr leicht auch gegen uns gekehrt werden kann. Wer bestimmt denn, was die „universalen Menschenrechte“ sind, deren anhaltende Verletzung eine militärische Intervention rechtfertigt? Die UNO? Na, danke!
Wenn ich mir ansehe, wie dieser Haufen sich zunehmend islamischen Wünschen und Vorstellungen beugt, muß ich für die Zukunft ziemlich unerfreuliche Entwicklungen befürchten. Aber letztlich ist das mit dem „internationalen Recht“ sowieso eine reine Machtfrage. Da paßt dieses Zitat sehr gut:

„Internationales Recht ist das, was der Übeltäter mißachtet,
während der Rechtschaffene ablehnt, es mit Gewalt durchzusetzen.“
Leon Uris, amerikanischer Schriftsteller (geb. 1924)

@ Eisvogel: Dein Kommentar # 9 hat mich zu dieser Rilke-Abwandlung inspiriert:

„Wir alle fallen, dieses Land da fällt,
und sieh dir andere an – es ist in allen,
und da ist keiner, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.“

Deine Ausführungen zu den Staaten, die sich wie Wirtschaftsunternehmen verhalten, und den transnationalen Großkonzernen, die wie Staaten agieren, haben etwas angesprochen, das mich seit längerem beschäftigt und wozu mir erst vor kurzem noch das eingefallen ist:

Analog zur Trennung von Kirche und Staat sollte unsere westliche Zivilisation auch endlich die Trennung von Wirtschaft und Staat schaffen.
Der Staat soll sich nicht als Wirtschaftstreibender betätigen, sondern sich auf die Rolle als Handlungsrahmen beschränken, innerhalb dessen die Wirtschaft agiert und der Gesetze hierfür erläßt und durchsetzt (und mit dieser Rollenteilung auch Interessenkonflikte vermeiden, d. h. nicht gleichzeitig Bock und Gärtner sein wollen).
Davon ausgenommen wären nur Bereiche, wo ein – wenn auch nur örtliches – Monopol von der Natur der Sache her nicht zu vermeiden ist, etwa Infrastruktursparten wie Verkehrswege oder leitungsgebundene Dienste (Wasser, Kanalisation etc.), wo man schlecht zur Konkurrenz wechseln kann, wenn man mit dem Preis-Leistungsverhältnis des einen Anbieters nicht zufrieden ist. Ein Monopol in öffentlicher Hand ist gegenüber einem nur seinem eigenen Profitstreben verpflichteten Privatmonopolisten immer noch das kleinere Übel.

Gleichermaßen soll sich die Wirtschaft keine staatlichen Aufgaben anmaßen. Das fängt schon mit den privaten Parksheriffs an, setzt sich über die zunehmend aufstrebenden Söldnerfirmen fort und führt irgendwann womöglich so weit, daß Großkonzerne auf eigene Faust Kriege führen.
Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Betriebe eigene Sicherheitsdienste haben, um ihre Liegenschaften oder auch ihre Werttransporte bzw. Personal unterwegs zu schützen, so wie auch der einzelne Bürger das Recht hat (bzw. haben sollte), sich und seine Angehörigen zu schützen. Aber hoheitliche Aufgaben sollte der Staat auf keinen Fall an gewerbliche Dienste delegieren – so kostengünstig können die gar nicht sein, daß es das wert ist. Und ich glaube auch gar nicht, daß die wirklich so viel günstiger kommen; das wird wohl nur so dargestellt, weil man aus anderen (politischen!) Gründen kein staatliches Personal riskieren will.

Eine sozialistische Gesellschaft sehe ich als einen einzigen gigantischen Monopolbetrieb. Es gibt letztendlich nur einen Anbieter von Waren und Dienstleistungen, der gleichzeitig auch der einzige Arbeitgeber ist, und der darüber hinaus auch die Gesetze macht und die Polizei kontrolliert. Was die normalen Bürger (pardon, „Genossen“) von so einem System zu erwarten haben, kann sich jeder denken.
Ich weiß aber nicht, ob die Annäherung an diesen Zustand auch von der „kapitalistischen“ Seite her denkbar ist – das überblicke ich auch nicht, und historische Beispiele hierfür gibt es auch keine. TIME (nein, nicht „unserer“) will tell…

Und ja, ihr habt recht: das Bedürfnis nach Mythen ist tatsächlich weit verbreitet, so blöd man auch vieles findet, was da so Zuspruch findet. Ein Gegenmythos fällt mir aber auch noch nicht ein.

@ Time: ja, ich meine ebenfalls, daß die Moslems nicht nur durch das Vorbild von PissBeUponHim, sondern wohl auch schon aus vorislamischer Tradition eher privatwirtschaftlich orientiert sind. Die in einer jahrtausendealten Sklavenhaltergesellschaft unvermeidliche Geringschätzung der Arbeit als etwas, das nur der Niedrige macht (Sklaven, Arme, die keine Sklaven besitzen, oder Frauen) sorgt aber für ein sehr niedriges Produktivitätsniveau, das durch fünfmaliges Beten pro Tag nicht eben gefördert wird und im Ramadan noch weiter sinkt.
Mit dem Sozialismus verbindet sie der Neid auf Produktivere, Kreativere, Reichere sowie das Vorhandensein einer Rechtfertigungsideologie zu Enteignung eben jener.
Und christliche Drittweltlersozialisten verbindet der Neid und Hass auf uns Westler mit moslemischen Drittweltlern, ungeachtet sonstiger Differenzen.

Wäre interessant, wenn wir uns alle mal für ein Jahrhundert nach Alpha Centauri zurückziehen könnten und dann wiederkämen, um nachzusehen, wer noch aufrecht steht…

@ Eisvogel: Deine “Roten Barbarellas” finde ich süß!

Semper fidelis,

Deep Roots

• 13) Gubbelgobbel Kommentar von gubbelgobbel
22. April 2008 @ 23:07

@Eisvogel, #11:

Die Hegemonialstellung vieler großer Konzerne ist meines Erachtens eher ein Symptom mangelnder Marktwirtschaft denn deren “Endstadium”.

Konzerne einer gewissen Größe versuchen Markteintrittsbarrieren aufzubauen und lobbyieren politisch für Gesetze, die sie begünstigen – mit dem Argument der Arbeitsplätze. Welche Dimensionen das annehmen kann, sieht man z.B. am Umfang der “Subventionitis” der EU: Würden wir komplett auf Subventionen verzichten, müßten wir alle keine Lohnsteuer zahlen.
Als Nokia beschloß, seine Handyfertigung aus Deutschland abzuziehen, gab es großes Geheul unter Politikern, und gewisse CSU-Größen meinten gar vor Kameras publikumswirksam ihr Nokia-Handy in den Mülleimer werfen zu müssen. Dabei hat Nokia im Rahmen seiner betriebswirtschaftlichen Kalkulation sinnvoll gehandelt.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist natürlich idiotisch, wenn die EU einer Firma zunächst Subventionen für die Ansiedlung von Betrieben in Deutschland zahlt und dann für deren Umzug nach Rumänien neue Subventionen springen läßt, die diesen Umzug überhaupt erst motivieren. Aber solange es betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, wird das eine Firma natürlich tun. Die Frage, die wir uns stellen sollten, ist also nicht, ob Nokia moralisch richtig gehandelt hat, sondern wie wir unsere Gesetze so formulieren, daß das volkswirtschaftlich Sinnvolle auch das betriebswirtschaftlich Sinnvolle ist.

In diesem Sinne sind praktisch alle Subventionen schädlich, von seltenen Ausnahmen, wo so große Anschubfinanzierungen benötigt werden, daß sie nur von Staaten aufgebracht werden können (Airbus) einmal abgesehen. Denn das Geld, das (nicht nur) Nokia auf diese Weise abschöpft, muß natürlich von Europas Steuerzahlern erwirtschaftet werden. Und weil nur große Konzerne genug Lobbyarbeit betreiben können, um in großem Stil Subventionen abzugreifen, entsteht hierdurch eine Wettbewerbsverzerrung.

Ohne Subventionen wird letztlich in einem komplett liberalisierten Weltmarkt jedes Produkt dort hergestellt, wo es am günstigsten, d.h. mit am wenigsten menschlichem Arbeitsaufwand, hergestellt werden kann. Unterm Strich profitieren wir davon alle. Wenn z.B. die Förderung von Kohle im Saarland wegen dünnerer Flöze teurer ist als in anderen Regionen der Welt, würde sie in einem gewinnorientierten Markt eingestellt. (In der Praxis des deutschen Staates wird hingegen jeder Kohlekumpel-Arbeitsplatz mit 500.000 EUR im Jahr subventioniert – wenn man jedem Arbeitnehmer dort für Nichtstun 100.000 EUR im Jahr in die Hand drücken würde, kämen wir also deutlich günstiger weg.)

Protektionismus ist langfristig immer schädlich, dafür gibt es genug historische Beispiele. Nichts hat die wirtschaftliche Entwicklung des Mittelalters stärker behindert als die Tatsache, daß im in unzählige Fürstentümer aufgesplitteten Deutschland an jeder Grenze alle paar Kilometer neuer Zoll fällig wurde. Ein protektionistischer Staat beraubt sich auf Dauer seiner Wettbewerbsfähigkeit, und die Aufrechterhaltung von Wirtschaftsbereichen, die nicht konkurrenzfähig sind, muß immer von anderen, produktiveren und Devisen erwirtschaftenden Betrieben quersubventioniert werden. Es ist einfach volkswirtschaftlich nicht sinnvoll, in den USA Socken herzustellen, wenn das in China für den halben Preis geht – was natürlich amerikanische Gewerkschaften (ja, die gibt es) nicht daran gehindert hat, in Washington massiv für eine Abschottung des Marktes gegenüber der Einfuhr chinesischer Textilien zu intervenieren.

Es dürfte deshalb auch kein Zufall sein, daß die größten Verfechter des Protektionismus an Extremen des politischen Spektrums zu finden sind: Kommunisten und Nazis sind sich bemerkenswert einig darin, Deutschland aus dem Weltmarkt ausklinken zu wollen. Dabei sollten wir eigentlich genug Erfahrungen mit solchen Maßnahmen haben: Genau das hat die DDR schließlich 40 Jahre lang praktiziert.

Ich sehe das Problem vielmehr darin, daß es großen Konzernen immer wieder gelingt, politische Maßnahmen, die für einen transparenten Markt sorgen sollen, zu behindern. Nehmen wir doch einmal als Beispiel die IT-Industrie, in der ich sozusagen “zu Hause” bin: Microsoft hat bei PC-Betriebssystemen einen Marktanteil von über 90%. Versagen des Marktes? Mitnichten. Aber: Einen funktionierenden Markt für Glühbirnen gibt es nur, wenn jeder Glühbirnen für die Fassungen produzieren darf, die in den Haushalten üblich sind. Und einen funktionierenden Markt für Betriebssysteme gibt es nur, wenn jeder Betriebssysteme schreiben darf, die die Schnittstellen implementieren, für die die üblichen Anwendungen geschrieben wurden.

Die EU hat aus diesem Grund mehrfach Microsoft dazu gedrängt, die Schnittstellen von Windows offenzulegen. Inzwischen hat Microsoft allerdings eine neue Schnittstelle (.NET CLR) definiert, die offen liegt, standardisiert wurde und von jedem implementiert werden kann. Nicht auf Druck der EU, sondern weil der Markt es verlangt und Microsofts Konkurrenten (z.B. Sun) ebenfalls an solchen Lösungen arbeiteten. Das gleiche Phänomen findet man überall in der IT, etwa bei Netzwerkkomponenten, die inzwischen fast alle weg von proprietären Herstellerlösungen hin zu IP vereinheitlicht werden. Es ist erstaunlich, wieviel sich da “von selbst” zum Positiven entwickelt, wenn man dem Markt freie Hand läßt.

Denn daß man das tut, ist keineswegs die Regel: Große Projekte wie das Mautsystem wurden von vornherein deutschen Konzernen zugeschustert, ohne daß es eine faire Ausschreibung unter weltweiten Interessenten gegeben hätte. Dabei ließen sich die im Namen des deutschen Volkes handelnden verantwortlichen Politiker bezüglich der Kosten und den Konventionalstrafen bei den absichtlich viel zu optimistisch angesetzten Realisierungsfristen gnadenlos über den Tisch ziehen.

Vielleicht drifte ich gerade argumentativ etwas ab, doch mein Punkt ist folgendes: Korruption (ja, es ist Korruption, wenn ein Auftrag etwa der Telekom gegeben wird, weil sie die Telekom ist), Subventionen und Marktbarrieren (z.B.: Patentierte Glühbirnensockel in 95% der Haushalte) sind Gift für die Wirtschaft. Doch die großen Konzerne sind nicht immer für das, was gut für die Wirtschaft als Ganzes ist. Wenn sie zuviel politischen Einfluß geltend machen können, dann entfalten sie unter Umständen ähnlich destruktive Macht wie etwa die Zünfte, deren Einfluß noch heute den Markt behindert (man denke nur an die Handwerkskammern: Ohne Elektriker-Meisterbrief dürfte ich theoretisch nicht mal eine Steckdose in meiner eigenen Wohnung installieren!).
Man könnte beispielsweise versucht sein, die hohen Mobilfunkpreise und die geringe Zahl von Wettbewerbern, die ihre Preise offensichtlich absprechen, für ein Versagen des Marktes zu halten. Doch tatsächlich sind es die hohen Kosten für neue Mobilfunklizenzen, die den Markteintritt innovativer, kleinerer Wettbewerber behindern. Dabei ist eine Mobilfunklizenz nichts anderes als die Erlaubnis des Staates, bestimmte Frequenzen nutzen zu dürfen – und die läßt sich der Staat (zu) teuer bezahlen.

Das Problem ist also, wie gesagt, nicht, daß die großen Konzerne volkswirtschaftlich fragwürdige Dinge tun. Das Problem ist, daß es in der EU oft genug betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, volkswirtschaftlich fragwürdige Dinge zu tun – und daß es großen Konzernen nicht selten gelingt, Politiker zu korrumpieren und die Schaffung fairer Rahmenbedingungen für transparente Märkte zu behindern. Das aber kann nicht der Wirtschaft, sondern vielmehr der Politik angelastet werden.

Ich glaube, das, was Du meinst, Eisvogel, ist in Wirklichkeit Korruption, nicht “extremer Kapitalismus”. Vor Korruption sind auch Länder mit eigentlich fähiger Bevölkerung wie China nicht gefeit, und deshalb sollten wir aufpassen, nicht zu sehr in diese Richtung abzudriften.

Und was das Hin- und Herschieben von Menschen wie Waren betrifft: Ja, das ist furchtbar, und ja, eine ganz erhebliche Mitverantwortung für die aktuelle Situation in Deutschland trifft deutsche Konzerne in der Zeit der 60er und 70er Jahre. Aber wir sollten uns fragen, warum diese Konzerne das tun konnten, warum wir es ihnen erlaubt haben. Vielleicht haben in Japan Riesen wie Sony ja auch schon in den 80ern auf den Massenimport billiger Arbeitskräfte aus Thailand gedrängt, aber die Regierung hat das einfach ignoriert, wohlwissend, daß sie nicht die Interessen des Volkes, in denen zu handeln sie verpflichtet war, kurzfristigen Wirtschaftsinteressen unterordnen durfte?

Wenn Konzerne Politiker dazu bringen können, gegen die Interessen derjenigen zu handeln, die sie gewählt haben, dann ist das nicht mehr demokratisch und Ausdruck von Korruption. Und ich halte eine solche Entwicklung keineswegs für das zwangsläufige Endstadium einer marktwirtschaftsfreundlichen Politik – siehe Japan. Was die deutsche Politik letztlich bewogen hat, dem Massenimport von gewalttätigen und unterqualifizierten Anatoliern zuzustimmen, weiß ich nicht. Aber ich vermute, daß für sie einfach die daraus heute resultierenden Folgen unvorstellbar waren. Man muß nicht böse sein, um Böses zu tun; vielleicht ja nur ein wenig korrupt, in einem Ausmaß, das in westlichen Industriestaaten leider zunehmend für normal gehalten wird.

Soweit meine Gedanken zum Thema – aber wie erwähnt, ich bin nicht vom Fach.

• 14) Eisvogel Kommentar von Eisvogel
23. April 2008 @ 0:21

Vielen Dank für die sehr interessanten Ausführungen. Ich bin bei dem Thema sehr unerfahren und habe vor allem erstmal etwas ins Unreine geschrieben, was mir aufgefallen ist und was – wie Deep Roots es so treffend ausdrückte – wohl eine mangelnde Trennung zwischen Staat und Wirtschaft ist (analog zur Trennung zwischen Staat und Kirche).

Ich möchte wirklich klarstellen, dass ich keineswegs zur antikapitalistischen Rotfront übergelaufen bin.

Mit “extremem Kapitalismus” habe ich nur das gemeint, was sich aus irgendwelchen Gründen in den kapitalistischen Ländern des Westens entwickelt hat und was viele hier so gut beschrieben haben, wie ich es nie könnte.

Als Gründe dafür kommen – grob eingeteilt – doch eigentlich nur zwei in Frage:

1. Die Verschwörungsvariante (jemand betreibt das absichtlich)
2. Die Selbstläufervariante (das entwickelt sich automatisch so)

Gut, es gibt noch die Dussligkeitsvariante, die gubbelgobbel favorisiert (?). Da Menschen aber bekanntermaßen Dussel sind (und man das auch nicht ändern kann), gehört die fast voll unter 2. Und 2. hat mich – als ich das von Marx gelesen habe – erschreckt auf die Idee gebracht, dass er vielleicht in DEM Punkt Recht haben könnte. Das würde dann bedeuten, dass Japan nur ein bisschen hinterherhinkt und das ist nicht vollkommen von der Hand zu weisen. Irgendwann kriegen die Internationalisten die Japaner auch. Sie brauchen nur eine Zeitlang ein paar Dussel an der Regierung – oder sie werden unter internationalen Druck gesetzt, was dann wieder die Verschwörungsvariante wäre.

Ich beschuldige auch die Wirtschaft nicht dafür, dass sie nach billigen ausländischen Arbeitskräften kreischt. Die Wirschaft muss betriebswirtschaftlich handeln. Es ist die Aufgabe des Staates, der Wirtschaft zwar so viel Spielraum wie möglich zu lassen, aber eben dennoch die Welt nicht als großes Arbeitsamt zu sehen und die eigene Bevölkerung als Personal, das man von außen aufstockt, wann immer Bedarf danach besteht.
Die Vorstellung des Menschen als kulturloser homo oeconomicus, den man beliebig verpflanzen kann, ist Sozialisten und Wirtschaftslibertären gemeinsam. Deshalb wird die uneingeschränkte Einwanderung ja auch von Großkonzernen und Linken gleichermaßen verherrlicht. Globalisierung bezüglich Kapital und Gütern ist eine Sache. Menschen sollte man m. E. nur mäßig hin- und herschieben. Und es sollten nur Menschen sein, die das selber planen und gut überlegen.

Ich weiß von einem Hotelbetrieb, der in den 70er (oder 60er?) Jahren mit einem Bus in die Türkei fuhr und dort die Leute von der Straße weg aufgesammelt hat. Das ist Wildwuchs und Verantwortungslosigkeit. Diese Menschen waren keine richtigen “Auswanderer”, sie haben nicht überlegt, dass sie in dem neuen Land anecken, wenn sie ihre traditionelle Lebensweise behalten. Und auch nicht, dass ihre Kinder in diesem Land keine Zukunft haben, wenn der Bedarf an billigen ungelernten Kräften nachlässt, und auch nicht, dass ihre Kinder sich diskriminiert fühlen, wenn sie merken, dass sie die anspruchsvolleren Tätigkeiten in diesem Land nicht ausführen können. Sie sind intellektuell dazu nicht in der Lage, glauben aber (und werden darin bestärkt), sie wären es prinzipiell und schieben den Misserfolg auf Ausgrenzung. Wenn der Hochmut des Islam noch dazu kommt, ist das natürlich eine Katastrophe.

Es war aber die Schuld des Staates, der diesen Irrsinn zugelassen hat, nicht die der Betriebe, die nur betriebswirtschaftlich denken, und das auch dürfen!

Allerdings wird auf der Schiene weitergemacht, wenn man 20 Millionen “Fachkräfte aus Asien und Afrika” holen will.

Das glauben die doch selber nicht, dass wir die brauchen! Das kann doch inzwischen nicht mehr nur Dussligkeit sein.

• 15) Gubbelgobbel Kommentar von gubbelgobbel
23. April 2008 @ 1:34

@Eisvogel, #14:

“Allerdings wird auf der Schiene weitergemacht, wenn man 20 Millionen “Fachkräfte aus Asien und Afrika” holen will.
Das glauben die doch selber nicht, dass wir die brauchen! Das kann doch inzwischen nicht mehr nur Dussligkeit sein.”

Vielleicht ist es einfach nur die Einsicht, daß eine schrumpfende EU gegenüber den stagnierenden USA und dem wachsenden Indien zwangsläufig in Zukunft in der Weltwirtschaft kleinere Brötchen backen wird als bisher. Wenn man jetzt wirklich ernsthaft vom Gleichheitsdogma überzeugt ist, könnte man da schon auf die Idee kommen, sich einfach genug Nachschub-Menschenmaterial aus Ländern, die zuviel davon haben und es loswerden wollen, zu holen. Schließlich haben EUrokraten nur soviel zu melden wie die Budgets, die sie verwalten, und die Bevölkerung, die sie kontrollieren.

Ich glaube nicht einmal, daß die Japaner so etwas nicht tun würden, wenn sie ernsthaft davon überzeugt wären, daß Siamesen gleichwertige Arbeitskräfte seien. Der Grund, warum sie es nicht tun, muß darin liegen, daß sie (zum Beispiel) Siamesen eben nicht für gleichwertige Arbeitskräfte halten.

Was Japan mehr als alles andere bislang vor der ethnischen Heterogenisierung bewahrt hat, könnte durchaus die Herablassung sein, mit der sie vielen anderen asiatischen Völkern begegnen.

Ich will damit nicht sagen, daß man die anderen automatisch für Untermenschen halten muß (noch, daß die Japaner dies täten), um der Ansicht zu sein, daß der Massenimport von ausländischen Arbeitskräften keine besonders gute Idee ist. Aber etwas mehr Skepsis gegenüber fremden Kulturen, die ja eigentlich ein angeborener Überlebensinstinkt ist, als wir sie vertreten, ist vielleicht notwendig, damit eine Kultur Bestand haben kann.

Ich weiß wirklich nicht, was in Herrn Frattinis Hirn vorgeht. Ich würde es gerne wissen. Eigentlich kann ich mir kaum ernsthaft vorstellen, daß er Afrikaner für einen gleichwertigen Ersatz für europäische Mittelschichtskinder hält. Vielleicht sagt er das auch nur, um der politischen Etikette zu genügen, der sich die EU ja leider bis zum Exzess verpflichtet sieht. Vielleicht ist es wie bei “Des Kaisers neue Kleider”, und alle tun etwas, was sie eigentlich selbst nicht für richtig halten, um der Etikette zu entsprechen.

Um diesen Gleichmachermist ernsthaft zu glauben, muß man sich durch eine schier unglaubliche Realitätsblindheit auszeichnen, die ich Politikern – mal abgesehen von Claudia Roth – so eher nicht unterstellen würde. Vielleicht machen sie sich auch einfach keine Gedanken über so etwas. Wenn ich postuliere, daß alle Menschen zu Gleichem befähigt und beliebig zwischen den Kulturen austauschbar sind, dann ist es durchaus folgerichtig, dem Geburtenschwund in Europa mit verstärkter Einwanderung zu begegnen. Dieses Postulat gibt es in der politischen Etikette schon so lange, vielleicht prägt es inzwischen tatsächlich das Denken – eher implizit als explizit.

Ich gehe nur davon aus, daß solche Ansichten im allgemeinen eher wenig mit der Bevorzugung oder Mißbilligung eines bestimmten Wirtschaftssystems zu tun haben. Hitler war eher Kapitalist als Sozialist, China ist zutiefst kapitalistisch, aber alles andere als von westlichen Toleranz- und Gleichwertigkeitsvorstellungen durchdrungen, wie man nicht nur beim Thema Tibet sehen kann. Deshalb sind die Chinesen ja auch bisher nicht auf die Idee gekommen, ihrem Wirtschaftsboom mit ein paar Indern auf die Sprünge zu helfen. (Auch wenn es auf den ersten Blick lachhaft klingt angesichts einer Milliarde Chinesen, China hat tatsächlich bald ein Geburtenproblem!)

Klar, man könnte sagen, Japan ist eine Ausnahme, und warte ab, in 50 Jahren importiert auch China Vietnamesen oder Indonesier (die eine Art “Türken Südostasiens” sind). Vielleicht ist das so. Aber ich glaube, eine Kultur, die von ihren eigenen Qualitäten überzeugt ist, würde so etwas niemals tun, selbst als Hardcorekapitalisten nicht.

Man könnte versucht sein, einen Staat wie Singapur für das Endstadium des Kapitalismus zu halten: Heterogene, hedonistische Bevölkerung, niedrige Geburtenrate, eines der am meisten liberalisierten Wirtschaftssysteme der Welt. Aber Singapur hat immer die Leistungsfähigen importiert, nicht die Versager. Der Stadtstaat hat einen Durchschnitts-IQ von 114, einen extrem hohen Technisierungsgrad und eine außerordentlich niedrige Kriminalitätsrate. Mit vernünftigen Leuten kann sogar Multikulti funktionieren. Es kann schon sein, daß Frattini eine Art europäisches Singapur schaffen will, doch so richtig glaube ich nicht daran. Und Singapur hat doch eigentlich das Umgekehrte versucht: Die eher unproduktive Urbevölkerung der Malayen ist inzwischen durch die hereingeholten Chinesen und auch Europäer minorisiert worden.

Und selbst wenn es stimmt, wenn eine rein wirtschaftlich orientierte Betrachtungsweise zu solchen Entscheidungen wie Ideen eines Frattini führt, ist doch offensichtlich, daß nur kurzfristig wirtschaftlich positive Effekte zu erwarten sind, ganz unabhängig von den sozialen Verwerfungen, die daraus resultieren. Es ist wirtschaftlich einfach nicht sinnvoll, Europa “ethnisch zu verdünnen”, wie Joschka Fischer das vorhatte. Dieser Aspekt taucht nur natürlich nicht auf in den Theorien, die an den wirtschaftlichen Fakultäten unserer Universitäten gelehrt werden.

Das ist, wenn man so will, eine Schwäche des Kapitalismus, wenn man darunter einige sich so nennende Wirtschaftstheorien subsummieren möchte. Es ist aber keine Schwäche der Idee, daß grundsätzlich Maßnahmen zu bevorzugen sind, die zu wirtschaftlichem Erfolg führen, weil sie das Recht auf Privateigentum, freien Handel und unterschiedliche Wohlstandsniveaus als anthropologisch begründete Voraussetzungen effizienten Wirtschaftens wahrnehmen – was in meinen Augen die Essenz des Kapitalismus ausmacht.

Eigentlich überflüssig zu erwähnen, daß gerade das Gleichheitsdogma in scharfem Kontrast zum Kapitalismus steht, der ja die Ungleichheit der Menschen nicht nur postuliert, sondern sogar einkalkuliert und zu seinem Vorteil auszunutzen versucht. Aber ein Kapitalist, der “radikal” genug ist, das Gleichheitsdogma offen abzulehnen, wird im Westen Rassist genannt. Vielleicht liegt ja dort die Wurzel des Problems. Vielleicht sind wir in dieser Hinsicht noch nicht kapitalistisch genug.

Ich glaube, Frattini und seine ähnlich denkenden Kollegen sind vor allem eines: Ignoranten, die sich keine allzu großen Sorgen um ihre Zukunft oder die ihres Kontinents machen und auf kurzfristige Vorteile bedacht sind. Wie meinte doch schon Ockham: Warum komplizierte Verschwörungstheorien für etwas ersinnen, was man mit so Naheliegendem erklären kann?

• 16) Time Kommentar von Time
23. April 2008 @ 10:53

Hallo allerseits,

ich muß Sie mit der Nachricht schockieren, daß nunmehr gar Hillary Clinton für mich FAST WÄHLBAR geworden ist:

Clinton: Wir könnten Iran völlig vernichten
– Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat am Tag der Vorwahlen im Bundesstaat Pennsylvania Iran im Falle eines atomaren Angriffs gegen Israel vor “völliger Vernichtung” gewarnt. Sollte sie die innerparteiliche Vorausscheidung gegen Barack Obama gewinnen und im November zur Präsidentin gewählt werden, würde sie im Falle eines iranischen Atomschlags gegen Israel umfassende nukleare Vergeltung befehlen. “Ich will, daß die Iraner wissen, daß ich als Präsidentin in einem solchen Fall Iran angreifen würde”, sagte Frau Clinton dem Fernsehsender ABC. Sollten die Iraner “in den kommenden zehn Jahren unklugerweise einen Angriff gegen Israel in Betracht ziehen, würden wir in der Lage sein, sie völlig zu vernichten”. Man müsse die Machthaber in Teheran mit einer solch furchtbaren Drohung konfrontieren, um sie von jeglichem Gedanken an einen Angriff gegen Israel abzuhalten. Obama wies in einem Gespräch mit dem gleichen Sender die Äußerung Frau Clintons als “Säbelgerassel” zurück, das “nicht wirklich zu guten Ergebnissen” führe. Obama bekennt sich einerseits zur amerikanischen Sicherheitsgarantie für Israel, hat aber mehrfach bekräftigt, er wäre im Falle seiner Wahl zu Gesprächen mit der iranischen Führung ohne Vorbedingungen bereit. (FAZ230408)

Deep Roots, in #12 schreiben Sie, “daß der Papst sich für das „internationale Interventionsrecht“ ausgesprochen hat, paßt mir leider auch nicht. Das ist eine zweischneidige Sache, die sehr leicht auch gegen uns gekehrt werden kann.” Ich meine, wir sind die stärkste Macht aller Zeiten auf dem Planeten, wir haben großartige Freunde (z. B. Japan) und unsere Probleme sind m. E. allein Uneinigkeit und Unentschlossenheit. Ich bin, wie bereits ausgeführt, für eine Neubewertung von Begriffen wie “Imperialismus”, “Kolonialismus”, Asymmetrischer Krieg” oder “Intervention” (uvm). Ich bin schon der Meinung, daß man nicht Millionen Menschen einem elenden Tod überlassen sollte, es trifft eh vor allem die eher Unschuldigen. Wir sollten schon gestalten, nur nicht allein aus einem sozialdemokratischen Sozialarbeiter- und Geldverschwenderhintergrund heraus. In diesem Sinne verstehe ich Benedikts Rede (er sagt sinngemäß “die Menschenrechte sind universell – ALLE MÜSSEN sich daran halten – und das kann auch gewaltsam durchgesetzt werden”) als weiteren Schritt dahin, die Entscheidung möglich zu machen. Ihre negative Bewertung der UNO teile ich. Über den Menschenrechtsrat heißt es bei Wiki: “Gegenüber der früheren Kommission, die für die Wahl vom SUDAN als ihren Vorsitz wegen des Darfur-Konflikts kritisiert wurde, werden den MITGLIEDERN (nun, T.) die „HÖCHSTEN Standards“ bei Menschenrechten abverlangt. Weiter müssen sie sich periodisch überprüfen lassen.” Mitglieder sind (Mai 2007): Algerien, Argentinien, Aserbaidschan, Bangladesch, Bahrain, Brasilien, China, Deutschland, Dschibuti, Ecuador, Finnland, Frankreich, Gabun, Ghana, Guatemala, Indien, Indonesien, Japan, Jordanien, Kamerun, Kanada, Kuba, Malaysia, Mali, Marokko, Mauritius, Mexiko, Niederlande, Nigeria, Pakistan, Peru, Philippinen, Polen, Rumänien, Russland, Sambia, Saudi-Arabien, Schweiz, Senegal, Südafrika, Südkorea, Sri Lanka, Tschechien, Tunesien, Ukraine, Uruguay, Vereinigtes Königreich. Da sollte man doch jetzt gleich Iran noch den Ehrenvorsitz antragen sowie dazu die Leitung der Atomenergiebehörde…

Mit freundlichen Grüßen

von Time

PS: Ihren Hinweis auf den mohammedanistischen SKLAVENhandel fand ich sehr treffend, Deep Roots. Hier nochmal eine diesbezügliche Linksammlung:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei
http://www.scaruffi.com/politics/slavetra.html
http://www.fordham.edu/halsall/med/lewis1.html
http://africanhistory.about.com/library/weekly/aa040201a.htm
http://frontpagemagazine.com/Articles/Read.aspx?GUID=2E8FEEC5-1ED1-4EE8-A030-0A65B596F94C
http://www.newenglishreview.org/custpage.cfm?frm=5794&sec_id=5794
http://www.frontpagemag.com/Articles/Read.aspx?GUID=16027ED9-FFFE-4E3C-B9B6-30E0F0D980FC

• 17) Kommentar von Dox
23. April 2008 @ 15:14

Gubbelgobbel 13:

“Einen funktionierenden Markt für Glühbirnen gibt es nur, wenn jeder Glühbirnen für die Fassungen produzieren darf, die in den Haushalten üblich sind.”

Das ist richtig. Aber von einem Erfinder zu verlangen, daß er sein Geheimnis preis gibt, welches ihm ermöglicht, der einzige Hersteller eines bestimmten Produkts zu sein, ist Erpressung und Diebstahl. Nach deiner Rechtsauffassung müßte man auch Coca Cola zwingen dürfen, das Rezept zu veröffentlichen, weil es den Coca-Trinkern natürlich zugute käme, wenn mehrere Produzenten um die preiswerteste Cola kämpfen würden. Dann könnte man auch gleich den Patentschutz verbieten. Um auf dein Beispiel mit den Glühbirnen zurückzukommen: “Warum nicht ein Wettbewerb um Glühbirnen UND Fassungen? Sind denn Fassungen nicht verbesserungsbedürftig?

Eisvogel,
ich fürchte, die Welt kann mit so spannenden Bösewichtern wie globalen Verschwörern nicht dienen. Klar, wäre das interessanter. Vor allem wäre das Ringen um Vernunft dann einfacher. Man brauchte nur die Verschwörer beseitigen und die Macht der Dummheit wäre gebrochen.

• 18) Deeprootsgrav Kommentar von Deep Roots
23. April 2008 @ 19:07

@ Eisvogel: Der Eindruck, Du wärst zur Rotfront übergelaufen, ist bestimmt nicht entstanden!
Bei den von Dir angeführten Gründen für die negative Entwicklung halte ich eine Kombination beider Varianten – Verschwörung (bzw. Bestechung durch unsere Feinde) und Selbstläuferprinzip für denkbar.

@ Gubbelgobbel: In Ergänzung zu Deinen Ausführungen bezüglich Korruption:

Interessant, daß es einen offensichtlichen Zusammenhang gibt zwischen niedrigem Korruptionsniveau und hohem Lebensstandard für eine breite Bevölkerungsmehrheit!
Ich kann mich übrigens an eine Version dieser Karte erinnern, wo Deutschland genauso grün eingefärbt ist wie Österreich.

Ein gewisser Rassismus wird den Japanern wohl tatsächlich zu eigen sein – man liest immer wieder von Lokalen mit der Aufschrift „Japanese only“ (man stelle sich Analoges bei uns vor!) sowie davon, daß die japanischen Schulmädchen, die sich das Geld für ihr aufwendiges Konsumverhalten auf Tokios Lustmeilen verdienen, einen Bogen um einen „Gaijin“ machen. Offenbar sind sie sich zu gut für einen von uns.
Diese Einstellung wird ihnen sicher auch eine Hilfe sein beim Abblocken transnationalistischer Entwicklungen.

@ Time: Für eine Neubewertung von Begriffen wie “Imperialismus”, “Kolonialismus”, „Asymmetrischer Krieg” oder “Intervention” bin ich ebenfalls – ich habe nur ein Problem damit, daß man das Prinzip eines allgemeinen internationalen Interventionsrechts stärkt bzw. legitimiert, das eine beliebige Mehrheit der angeblichen „internationalen Staatengemeinschaft“ (ha!) nach Gutdünken ausüben kann.
Dieser heutige Artikel bei „Gates of Vienna“ über die moslemischen Unabhängigkeitsbestrebungen des philippinischen Sulu-Archipels hat mir wieder einen Denkanstoß gegeben:

http://gatesofvienna.blogspot.com/2008/04/muslim-separatism-in-philippines.html#readfurther

und zwar vor allem dieser Kommentar:

“Pretty soon you will see this happening all over the world. It is part of the Islamic domination plan. Destroy free nations by carving them up into separate Islamic states, each having a voice in the UN.”

Fällt da jemandem der Kosovo ein? Ich dachte mir da jedenfalls: „ha, also so spielen die das! Einen unabhängigen Mini-Muselstaat nach dem anderen schaffen, der in der UnNötigenOrganisation dasselbe Stimmrecht hat wie Deutschland, die USA oder Japan, bis sie diesen Verein völlig majorisiert haben.“

Aber ich glaube wir können uns auf folgendes Prinzip einigen:
WIR, der Westen, erteilen uns selbst das Recht auf Intervention – nicht weil uns irgendeine nebulöse „internationale Staatengemeinschaft“ das zubilligt, sondern weil WIR dazu in der Lage sind, weil WIR die Guten sind, die beste, produktivste und humanste Zivilisation, die je existiert hat – und WIR behalten uns vor, auch mal NICHT zu intervenieren, wo es weder in unserem Interesse noch aus sonstigen, von UNS abzuwägenden Gründen geboten ist.

Und wenn wir, der Westen, uns einig sind und darüber hinaus positive Beziehungen zu solchen nichtwestlichen (zivilisierten) Ländern haben, die eine konstruktive Partnerschaft mit uns wünschen und sich auf unserer Seite besser aufgehoben fühlen als irgendwo anders, dann werden wir auch allen Bestrebungen seitens des Weltprekariats aller Schattierungen widerstehen, sich uns gegenüber ein solches Interventionsrecht anzumaßen.

Was mich zu meinem Thema der „Westlichen Allianz“ bringt: der Gastartikel, zu dem Eisvogel mich freundlicherweise eingeladen hat, liegt bereits „auf der Helling“. Der Kiel ist gestreckt, das Vorschiff gibt’s schon, weiter nach achtern steht das Spantengerippe, und der Achtersteven (préfabriqué en France) ist auch schon dran. Der Innenausbau läuft ebenfalls, und wenn Eisvogel dann ihre Schampusflasche an den Bug geknallt hat, kann der Kahn vom Stapel rauschen. Heute abend bin ich wieder in der Werft…

@ Dox: Die Unantastbarkeit des Patentschutzes und überhaupt des Urheberrechts halte ich auch für unverzichtbar. Wie man allerdings mit einem nahezu vollständigen Monopol wie im Fall von Microsoft umgeht – da bin ich unschlüssig. Ein Monopol (speziell in einem Bereich, wo man nicht einfach sagen kann: „na gut, dann verzichte ich eben auf das Zeug“) setzt doch in der jeweiligen Sparte die Marktwirtschaft außer Kraft.
Ideen?

Deep Roots

• 19) Kommentar von Dox
24. April 2008 @ 4:04

Deep Roots 18:

“Wie man allerdings mit einem nahezu vollständigen Monopol wie im Fall von Microsoft umgeht – da bin ich unschlüssig. Ein Monopol setzt doch die Marktwirtschaft außer Kraft.”

Microsoft ist kein Monopol. Bill Gates und seine tüchtigen Mitarbeiter haben einen sensationellen Erfolg auf dem Weltmarkt hingelegt. Aber sie haben nicht die Macht und möchten diese sicher auch gar nicht haben, jegliche Konkurrenz zu verbieten. Sie verbitten sich lediglich, dass Schlaumeier von ihrem Erfolg profitieren möchten, ohne Microsoft zu nützen, also Angestellte zu sein. Ich weiß nicht, worum es im Detail geht, weil ich von dieser Technik nichts verstehe. Ich weiß nur, daß man von Microsoft etwas fordert. Das reicht mir schon. Denn von einem Marktteilnehmer hat man nichts zu fordern. Man hat sich auf dem Wochenmarkt nicht vor einen Bäckerstand zu stellen und Forderungen zu erheben. Wenn jemanden die Ware und der Preis nicht paßt, dann hat er sich gefälligst nach einem besseren Bäcker umzuschauen oder selbst eine Bäckerei zu eröffnen, wenn er meint, dass er es besser kann. Er hat kein Recht, etwas zu fordern. Und wenn die EU Forderungen an Microsoft stellt, zeigt sich nur wieder einmal, daß sie eine kriminelle Organisation ist, die nicht vor Erpressung und Raub zurückschreckt.
Auf dem Weltmarkt gibt es überhaupt kein Monopol, nicht ein einziges. Das Kapital ist viel zu sehr verteilt. Es wächst und wächst, aber verteilt sich auf immer mehr Marktteilnehmer. In einer Kleinstadt kann man ein Monopolist sein, wenn man den Bürgermeister in der Hand hat, der die Gewerbefreiheit aushebelt. Mein Großvater, der alte Gauner, Gott habe ihn selig, hat das getan. Aber schon mein Vater mußte sich etwas besseres einfallen lassen, weil der nächste Bürgermeister keine Leiche im Keller hatte. Er expandierte und hatte es, je weiter er expandierte, mit immer mehr Konkurrenten zu tun. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß riesige international agierende und weltbekannte Firmen wie Toyota, Nokia oder Microsoft unantastbarer sind als der Änderungsschneider um die Ecke. Ganz im Gegenteil. Je weiter sich ein Unternehmen in die Welt hinaus wagt, umso mehr Konkurrenten hat es. Daher sind Konzerne auch die einfallsreichsten Unternehmen mit den meisten Patenten. Ihre Direktoren wissen, was in der Welt los ist und daß man einpacken kann, wenn man nicht innovativ ist. Falls sie es nicht wissen, was zuweilen vorkommt, haben ihre Aktionäre und Angestellten Pech gehabt. Die Einen verlieren ihre Geld und die anderen ihre Arbeit. Die Arbeitsplatzverlierer sind in der Marktwirtschaft besser dran, weil es im Markt unendlich viel Arbeit gibt. Es gibt sie nur leider in Deutschland nicht, weil wir keinen freien Markt haben. In Irland sieht es zur Zeit schon besser aus und Singapur hat ihn fast verwirklicht. Dort habe ich noch nie einen Moslem im Nachthemd mit mehreren Schleiereulen im Gefolge gesehen.

• 20) Kommentar von Dox
24. April 2008 @ 4:32

Eisvogel,

du gibst zu, von Wirtschaft wenig Ahnung zu haben. Das sollten wir ändern. Ich sende ich dir alles, was man über Wirtschaft wissen muß. Es steht auf einer einzigen DIN A 4 Seite. Irgendwo habe ich das aufgeschrieben. Sobald ich es gefunden habe, kriegst du es. Zugegeben, ich habe es von meinem Vater und ich habe jahrelang versucht ihn zu widerlegen. Es war erfolglos und dem Himmel sei Dank dafür. Denn es gibt dem Leben einen Sinn, ohne einen Gott bemühen zu müssen.

• 21) Kommentar von kelly
24. April 2008 @ 10:02

Apropos Cola. ich boykottiere Coca Cola, da der Konzern
gewerkschafter in Guatemala ermorden lässt. Unter Anderem.

• 22) Kommentar von Dox
24. April 2008 @ 12:21

Eisvogel,

hier der angekündigte Beitrag:

Kleine Wirtschaftslehre

Der Sinn des Lebens… ist der Tausch

Die Fähigkeit, Güter zu tauschen, besitzen nur Menschen. Tiere können sprechen, Häuser bauen, Staaten errichten und arbeitsteilig produzieren, aber nicht tauschen. Diese Gabe besitzen nur Menschen und sie hat dazu geführt, daß in allen Kulturen Raub geächtet wird. Denn Tausch setzt Eigentum voraus. Der gegenseitige Vorteil ist der Sinn des Tauschs. Er zielt darauf ab Eigentum zu mehren, weil es schützt und befreit. Dies führt zu allgemeinem Wohlstand und dazu, daß Kulturen nicht beliebige Formen annehmen können. Die reichste Kultur wird die innovativste und friedlichste sein, die ärmste hingegen die einfallsloseste und aggressivste. Für alle Lebewesen gelten Grundregeln, die über Fortbestand und Untergang entscheiden. Die menschliche Grundregel lautet: Tauschen und fortbestehen oder rauben und untergehen.

Beispiel:

In der Geschichte gab es viele Imperien. Doch keines entstand so schnell und war so kurzlebig wie der Kommunismus. 1917 in Russland geboren, beherrschte er schon dreißig Jahren später ein Drittel der Erde und ging 1991 unter. Er dauerte kein Jahrhundert, aber hinterließ 100 Millionen Opfer, verhungert, erschlagen und in Arbeitslagern vernichtet. Auch dies ein Weltrekord. Die Ursache hierfür war eine dritte Weltbestleistung. Noch nie zuvor hat eine Kultur so radikal Völker enteignet und den Tausch so stark behindert wie der Kommunismus.

Merke:

Eine Kultur wird umso freiheitlicher sein,
je mehr sie folgende Prinzipien beherzigt:

1. Eigentumsschutz
2. Gewerbefreiheit
3. Vertragsfreiheit
4. Handelsfreiheit
5. Abschaffung von Privilegien

Auswendig lernen! Denn das Schicksal
jedes Staates hängt davon ab, wie viele
Bürger für diese Prinzipien kämpfen.
Wer die wenigsten hat, ist am ärmsten,
am dümmsten und am gewalttätigsten.

* * *

Kelly 21,

Gewerkschaftler sind Erpresser, die gegen das Prinzip der Vertragsfreiheit verstoßen. Sie besitzen meine Sympathie genauso wenig wie Friedenskämpfer. Beide sind verleumderisch und hetzen kellymäßig mit Lügen auf.

• 23) Gubbelgobbel Kommentar von gubbelgobbel
24. April 2008 @ 20:20

@Dox, #19:

Ich habe bestimmt eine deutlich positivere Meinung von Microsoft als geschätzte 95% meiner Kommilitonen – nicht zuletzt, weil ich Teilnehmer eines von Microsoft finanzierten Förderprogramms für ausgesuchte Studenten bin, also sozusagen für den Laden arbeite. Davon abgesehen, verkaufe ich selbst kommerzielle Software in kleineren Stückzahlen. Also keine Sorge, ich bin nicht zu den Kommunisten übergelaufen.

Deine Argumentation bezüglich Patenten greift allerdings etwas ins Leere, denn Software war bis vor kurzem überhaupt nicht patentierbar. Es war auch tatsächlich nie verboten, einen Windows-Klon zu schreiben, der die Windows-Programmierschnittstelle (Win32-API) implementiert. Die Spezifikation dieser Schnittstelle hat Microsoft ja sogar veröffentlicht (logisch, sonst könnten Entwickler keine Anwendungen dafür schreiben). WINE ist der Versuch einer solchen Neuimplementierung. Daß WINE nie so richtig funktioniert, liegt daran, daß sich Windows eben des öfteren anders verhält, als in Microsofts eigener Spezifikation steht, die zudem unvollständig ist.

Den Grund dafür, daß Microsoft bislang trotz der Strafandrohungen der EU keine vollständige Dokumentation der Spezifikation vorlegen konnte, sehe ich übrigens nichtmal in grundsätzlichem Unwillen (wie gesagt, davon profitieren auch Anwendungs-entwickler und damit indirekt Microsoft), sondern schlicht darin, daß es keine Dokumentation gibt. Ich hab eine Weile in den USA für einen großen Softwarekonzern gearbeitet und kann aus Erfahrung berichten, daß niemand gerne Dokumentation erstellt. Und da die Win32-API und die darauf aufsetzenden MFC in absehbarer Zukunft sowieso immer unwichtiger werden werden, sieht MS nicht so die Notwendigkeit, daran noch etwas zu ändern.

Langfristig schadet es einem Betriebssystemhersteller eher, keine vollständige Spezifikation der Schnittstelle zu veröffentlichen, weil ein Betriebssystem eben nur so gut ist wie die dafür veröffentlichten Anwendungen. Microsoft hat daraus gelernt und .NET als ECMA-Standard zertifizieren lassen. Tatsächlich könnte jeder, der es möchte, eine eigene Implementierung des .NET-Frameworks zusammenzimmern, ohne an Microsoft Lizenzgebühren zahlen zu müssen (Mono ist z.B. eine von Microsoft unabhängige .NET-1.1-Implementierung für Linux). Faktisch macht es doch so gut wie niemand außer Microsoft, weil man dafür enorme Ressourcen braucht.

Was Microsoft zur Standardisierung von .NET bewogen hat, dürfte vor allem die damit verbundene hohe Attraktivität für Unternehmenskunden wegen der hohen Investitions-sicherheit sein. Übrigens sind große Teile des Frameworks seit Januar dieses Jahres sogar als Open Source verfügbar.

Zu dem Glühbirnenfassungs-Beispiel: Ich wollte damit vor allem aufzeigen, daß Standardisierungen einen Markt beflügeln und ihn nicht selten überhaupt erst schaffen. Stell Dir vor, es gäbe nicht einen Standard für 54-Mbit/s-WLAN, sondern zwanzig verschiedene, jeder mit einem kleinen Marktanteil, und alle würden auf verschiedenen Frequenzen mit verschiedenen Modulationsverfahren etc. funken. Dann wäre ein Notebook, das sich in jedes WLAN einklinken könnte, fast unbezahlbar und vielleicht auch gar nicht kompakt realisierbar, weil es Chipsätze und Antennen für alle 20 Standards an Bord haben müßte. Daß man sich bei HD-Video nicht auf einen Standard einigen konnte, hat den Markt dafür bestimmt um zwei Jahre zurückgeworfen.

Das Plattformangebot ist in den letzten Jahren deutlich vielfältiger geworden, nicht zuletzt durch die Verbreitung von Mobilgeräten (Pocket PCs, Navigationssystemen, Smartphones..), eingebetteten Systemen und dergleichen mehr. Win32 war schon immer problematisch, weil es organisch entstanden ist und weil es Altlasten mit sich herumträgt, die bis zurück in die 80er Jahre reichen. Wenn man auf vielen Plattformen erfolgreich und konkurrenzfähig mitmischen möchte, braucht man offene Standards. Die meisten Unternehmen, die auf proprietäre Eigenlösungen setzten, sind damit in den letzten Jahren auf die Schnauze geflogen – schau Dir z.B. mal den Marktanteil von Sonys Memory Sticks an und vergleiche ihn mit der SD-Karte. Das ergibt sich allerdings i.d.R. ganz von alleine und ohne daß eine autokratische EU dafür regulierend eingreifen müßte oder sollte. Wenn ich eine Sony-Kamera kaufe, weiß ich ja, daß da nur Memory Sticks reingehen.

Was Patente betrifft, so gibt es ja nicht ohne Grund den juristischen Begriff der “Schöpfungshöhe”. Die wäre meines Erachtens zum Beispiel bei einer Tintenpatrone, deren schöpferische Leistung des Konstrukteurs nur darin besteht, mittels eines Zählers das Nachfüllen mit Billigtinte zu verhindern, nicht unbedingt erfüllt – und ob ein speziell geformter Glühbirnensockel diesem Anspruch genügen würde, darf bezweifelt werden. Das ist übrigens auch in der Kunst so: Der Nachdruck des Rapgestammels gewisser Nachwuchs-”Musiker” unter Verweis auf die für die Geltendmachung von Urheberrechten nicht ausreichende Schöpfungshöhe hätte durchaus Aussichten auf Erfolg in einem daraus resultierenden Rechtsstreit. Nicht jedes Schimpfwort ist gleich ein schützenswertes Gedicht. Und analog ist eben auch nicht jeder Glühbirnensockel gleich ein technisches Meisterwerk oder jede Iteration über ein Array gleich ein nobelpreisverdächtiger, patentwürdiger Algorithmus.

Ich glaube, daß sowohl zu wenig als auch zuviel Patentschutz die Innovation behindert. Zum Beispiel in der Medizin: Zu langwieriger Patentschutz hemmt eher die Innovation, denn Forschung kostet sehr viel Geld, und forschende Pharmakonzerne könnten sich auf dem Erfolg eines Produktes ausruhen, wenn es über einen sehr langen Patentschutz verfügt. Auf der anderen Seite blockiert auch zu kurzer Patentschutz die Forschung, weil jede Forschungstätigkeit mit hohem unternehmerischem Risiko verbunden ist und sich bei zu geringen dafür in Aussicht stehenden Profiten nur noch die Produktion von Generika lohnt. Man muß die richtige Balance finden: So wenig Patentschutz, daß die Unternehmen forschen müssen, und so viel, daß sie es können.

• 24) Kommentar von Dox
24. April 2008 @ 22:43
Gubbelgobbel 23,
die Microsoft-Problematik verstehe ich leider nicht. Ich weiß nicht einmal, was Win 32 ist. Aber solche Sätze wie diesen hier verstehe ich: “Pharmakonzerne könnten sich auf dem Erfolg eines Produktes ausruhen, wenn es über einen sehr langen Patentschutz verfügt.” Und dazu kann ich nur sagen, daß Forscher umso mehr forschen, je mehr sie durch Patentschutz verdienen. Denn Forschung kostet Geld. Je mehr Geld, umso mehr Forschung. Schöpfertum neigt nicht dazu, sich nach einem Erfolg auf die faule Haut zu legen, wofür ich übrigens größtes Verständnis hätte. Einem genialen Erfinder sollte es schon gestattet sein, den Rest des Lebens im Sektrausch zu verbringen. Was Standards angeht, glaube ich, daß sie auf dem Markt von selbst entstehen und keiner Behörden bedürfen. Die vielen verschiedenen Glühlampenfassungen bedurften auch keiner normierenden Beamten. So etwas ensteht einfach und setzt sich durch oder verschwindet recht schnell. Wichtig sind sie, keine Frage. Sie sind die Basis für Innovationsschübe. Also, wir liegen schon ziemlich dicht beieinander. Für einen Überläufer habe ich Sie sowieso nicht gehalten.
Jedes Mal, wenn ich mich hier einklinke, muß ich über das Titelbild schmunzeln. Eine bessere Kommi-Werbung habe ich noch nicht gesehen. Weiber, Panzer, Luftschiffe. Das hätte Stalin über den deutschen Soldaten als Flugblatt abwerfen sollen. Echt wehrkraftzersetzend. Woher ist das, Eisvogel?

• 25) Gubbelgobbel Kommentar von gubbelgobbel
25. April 2008 @ 0:22

@Deep Roots, #18

Danke für den Link! Interessanterweise sind genau die Länder tiefgrün eingefärbt, die ich für die interessantesten Auswanderungsziele halte. Zufall?

Wobei man vorsichtig sein muß, denn die Karte zeigt ja die Selbsteinschätzung der Korruption durch die jeweilige Landesbevölkerung an. Vielleicht sind Deutsche da schon kritischer als etwa Araber. Was allerdings nichts daran ändert, daß offenbar auch Iraker und Afghanen selbst ihr Land für durch und durch korrupt halten.

Ich finde solche Daten interessant, weil Korruption einerseits ein Maß für Wohlstand (niedrige Korruption kann es nicht geben ohne Wohlstand), andererseits für die Ehrlichkeit und die moralische Integrität einer Bevölkerung ist.

Den Apologeten einer Weltregierung sollte man dieses knallige Rot vor die Nase halten, das die Weltkarte dominiert – und gegen welches das satte Grün von Island, Neuseeland, Schweden, Dänemark, Finnland, Holland und der Schweiz sich fast verliert. Wohlstandsinseln im tobenden Ozean des Chaos, der uns mit der nächsten Sturmflut zu verschlingen droht, während wir von innen die Dämme einreißen, weil unsere Toleranzprediger darauf bestehen, daß Meerwasser gesund sein soll.

Die UN hat ein Menschenrecht in ihrer Charta vergessen: Das Recht der Anständigen darauf, unter sich zu sein und zu bleiben.

• 26) Gubbelgobbel Kommentar von gubbelgobbel
25. April 2008 @ 0:51

@Dox, #24

Kurz zu Win32: Wenn man Anwendungen für ein Betriebssystem schreiben möchte, muß man dafür die Schnittstellen verwenden, die dieses Betriebssystem bietet, ähnlich wie ich eine Nockenwelle aus einem VW nicht einfach in einen Mercedes einbauen kann, sie muß schon die vorgesehenen Maße erfüllen. Ein amerikanischer Netzstecker paßt ja auch nur auf amerikanische Steckdosen und nicht auf deutsche.

Win32 ist die “alte” Schnittstelle für Windows-Anwendungen und immer noch die, die die meisten Anwendungen verwenden. Microsoft hat später zunächst eine Abstraktion bzw. Objektkapselung (wenn man so will, Verbesserung/Vereinfachung) dieser Schnittstelle namens MFC (Microsoft Foundation Classes) herausgebracht, dann alles über Bord geworfen und eine komplett neue Schnittstelle entworfen – .NET eben. Diese neue Schnittstelle ist aus technischen Gründen für Anwendungsentwickler wesentlich besser. Für Anwender ändert sich dadurch erstmal wenig, außer daß in Zukunft stabilere Anwendungen zu erwarten sind als bisher.

Man muß sich das so vorstellen, daß eine Anwendung quasi über die Programmierschnittstelle an das Betriebssystem “andockt”, ähnlich wie ich einen Motor, den ich in ein Auto eingebaut habe, ja auch komplett mit allen Zuleitungen (Kraftstoff, Luftfilter, Ölpumpe, Abgas und so weiter) verbinden muß, bevor er seine Arbeit aufnehmen kann. Wie der Motor ohne das Auto drumrum nicht funktioniert, kann auch eine Softwareanwendung ohne das sie umgebende Betriebssystem nicht starten.

Falls Sie mathematisch interessiert sind: Programmierschnittstellen werden typischerweise in Form von Strukturen definiert, wobei hier mit “Struktur” der modelltheoretische Fachbegriff gemeint ist, nach dem eine Struktur gegeben ist durch ein Tupel bestehend aus einer Menge (dem “Universum”) sowie darauf operierenden Relationen und Funktionen (und Konstanten, aber eine Konstante ist nur eine nullstellige Funktion, insofern ist diese Bemerkung redundant). Falls Sie nicht mathematisch interessiert sind: Ignorieren Sie diesen Absatz.

Ansonsten: Es wäre vielleicht moralisch zu vertreten, daß ein genialer Erfinder den Rest seines Lebens auf der faulen Haut liegen darf, aber besser für die Gesellschaft wäre es doch, er müßte ständig etwas neues Geniales erfinden. Daß er das auch so ohne finanzielle Verlockungen weiterhin tut, halte ich nicht unbedingt für wahrscheinlich. Wieviele erfolgreiche neue Alben haben die verbleibenden Ex-Beatles von 1990 bis heute veröffentlicht?

Ich bin überzeugt davon, den meisten Leuten geht es so: Wenn sie die Möglichkeit haben, den ganzen Tag lang auf der faulen Haut zu liegen, dann werden sie genau das tun.

• 27) Kommentar von steppenwolf
25. April 2008 @ 0:59

Ich muß mich immer wieder über Träumer wundern.

1. Eigentumsschutz
2. Gewerbefreiheit
3. Vertragsfreiheit
4. Handelsfreiheit
5. Abschaffung von Privilegien

Sehr schön.

Im Namen der “sozialen Gerechtigkeit” und jetzt ist auch noch der “Klimaschutz” dazugekommen werden diese hehren Begriffe verkommen, um eine “gutmenschen-sozialistische” Gesellschaft zu gründen.

• 28) Kommentar von Dox
25. April 2008 @ 4:15

gubbelgobbel 26,
danke für die Erklärung. Ein Veto nur zu Ihrem Menschenbild im Schlußsatz: “Ich bin überzeugt davon, den meisten Leuten geht es so: Wenn sie die Möglichkeit haben, den ganzen Tag lang auf der faulen Haut zu liegen, dann werden sie genau das tun.”
Wenn das so wäre, würden die Reichen sich ja so verhalten. Denn sie könnten es sich leisten. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ausgerechnet die Reichen sind am fleißigsten. Warum ist das so? Die Antwort gebe ich in meiner Kleinen Wirtschaftslehre, Kommentar 22. Menschen sind notorische Tauschhänder wie Bienen notorische Nektarsammler sind. Wir tauschen gerne alles Mögliche, Arbeit gegen Lohn, Können gegen Honorar, Geld gegen Ware usw. Die Natur hat uns darin genauso festgelegt wie sie die Biber dazu verdonnert hat, Bäume zu fällen und Staudämme zu bauen. Wir sind geborene Händler. Es erfüllt uns mit Freude, einen guten Tausch zu machen. Aus dieser Eigenart erklärt sich, daß die Reichen am fleißigsten sind. Denn sie haben am meisten Tauschmaterial. Sie haben Wissen, Kapital und Arbeitskraft. Das wird überall gebraucht und gut bezahlt. Daher tauschen sie von früh bis abends was das Zeug hält und versuchen noch auf dem Sterbebett ein gutes Geschäft mit Gott zu machen, indem sie der Kirche ein Waisenhaus spenden. Die Armen haben nichts, keine Bildung, kein Geld und kein Geschick, nur ihre Muskelkraft, die immer weniger gefragt ist. Daß ihnen die Lust an der schlecht bezahlten Arbeit vergeht, ist verständlich. Wer nichts hat und nichts kann, ist auf der faulen Haut gut aufgehoben, wenn er in einem Sozialstaat lebt. Wissenschaftler hingegen haben viel zum Tausch anzubieten. Sie sind wie das Kapital am schnellsten außer Landes, wenn sie das Gefühl haben, nicht geschätzt zu werden.

Steppenwolf 27,

Sie täten besser daran, diese 5 Prinzipien zu verbreiten als sich über mich zu wundern und zu glauben, dass ich ein Träumer bin. Selbst wenn ich verliebt war, hielt sich mein Realitätsverlust in Grenzen. Alle meine Ehefrauen unterstellten mir Berechnung und hatten recht. Wer mir nichts gibt, kriegt auch nichts. Es sei denn, er ist in Not. Also belehren Sie mich nicht über Deutschlands gegenwärtige Entgleisung. Glauben Sie etwa, es ist mir entgangen?
Als Steppenwolf kommt man doch viel herum in der Welt und müßte eigentlich wissen, daß wir gar keine andere Wahl haben als unterzugehen oder die fünf Prinzipien zu beherzigen. Was unsere Unternehmer angeht, haben sie sich weltweit so gut aufgestellt, daß sie auf ein sozialistisches Eurabia verzichten können. Ich auch. Es gibt keinen Grund mich zu bedauern. Sie unterstellen mir ein Träumer zu sein? Tun Sie lieber etwas gegen ihre Alpträume und kämpfen Sie anstatt zu schwätzen! Altklug reden kann jeder Grünschnabel.

• 29) Kommentar von Ratio
25. April 2008 @ 4:44

Naja, habe hier nach Monaten doch mal wieder reingeschaut.

Eisvogel ist so klug als wie zuvor. Sie kann nicht einmal Liberalismus und Sozialismus unterscheiden. Das Vögelchen ist nicht lernfähig.

Gubbelgobbel hat Ahnung von EDV. Ehrenwert, aber auch darin kenne ich mich vermutlich besser aus. Gubbelgobbel weiß in seiner Diskussion mit Dox nicht einmal Betriebsgeheimnisse von Patenten zu unterscheiden.

Dox hat völlig recht.

Kluge Leute sind leider rar gesät.

Wer in diesem Blog außer Thatcher, Zott und Ratio noch Format hat ist vor allem Dox.

Mit deren Geist baut man Hochkulturen auf.

Mit Sozialismus und anderen Spinnereien macht man sie kaputt.

Als Ergebnis des Schwachsinns haben wir Satans Söhne, genießbar hier:


• 30) Eisvogel Kommentar von Eisvogel
25. April 2008 @ 8:25

Danke für die angenehm kurze “Wirtschaftswissenschaft für Dummies”, Dox. Ich stimme Dir im Prinzip damit auch vollkommen zu.

Nur… ganz offensichtlich geht die Tendenz in allen westlichen Staaten weg von diesen Prinzipien. Da hat Steppenwolf schon Recht, man kann es nicht damit bewenden lassen, das auf die Dummheit zu schieben. Ja, vielleicht liegt es tatsächlich an Dummheit – aber wenn die Menschen nunmal mehrheitlich dumm sind und man Demokratie hat, dann braucht man eben ein System, das die Dummen auch wählen.

Das ist es ja, was Lee Harris beschrieben hat. Die Kapitalisten haben das bessere Produkt, aber die Verkaufsstragie ist katastrophal. Die Sozialisten verkaufen mit Schokoguss überzogenen Müll … und sie sind erfolgreich. Man muss sich dazu nicht gleich nach Südamerika begeben, auf subtilere Art passiert das auch hier. Und keineswegs nur in Deutschland. Es passiert in allen westlichen Ländern mit unterschiedlichem Tempo – am wenigsten vielleicht in den USA, aber auch dort!

Und um nochmal auf den ollen Marx zurückzukommen: Wenn der uns heute sehen könnte, würde er wahrscheinlich euophorisch feststellen, dass er Recht hatte. Sozialismus mit der Brechstange hat nicht funktioniert und ist zusammengebrochen, aber die geduldige Tour führt langsam zum Ziel.

Wenn der unsere Steuern und Regulierungen sehen würde – und das im Vergleich zum 19. Jahrhundert – der würde das wahrscheinlich nicht mehr Kapitalismus nennen. Er würde sich bestätigt fühlen, dass es einen Automatismus hin zum Sozialismus gibt. (wenn man Verschwörungen ausschließt oder ihren Einfluss nur für gering erachtet).

Darüber kann man wütend sein – es ist aber doch offensichtlich einfach so.

• 31) Eisvogel Kommentar von Eisvogel
25. April 2008 @ 9:01

Ich habe auch noch einmal über Deine Äußerung nachgedacht, dass der Mensch zum Tauschen neigt wie der Biber zum Bäume fällen.

Bist Du sicher, dass das ein Drang ist, der uns so immanent ist, dass wir es auch tun, wenn wir gar nichts brauchen (also nur noch das angesammelte Geld als Tauschobjekt einsetzen können)?

Ich glaube, ich habe keinen Drang zum Tauschen. Wenn ich steinreich wäre, würde ich wahrscheinlich nicht auf der faulen Haut liegen, aber ich würde nicht mehr tauschen, ich würde schenken. Ich fürchte, ich würde schrecklich wohltätig werden

Ist dies möglicherweise ein Geschlechterunterschied? Natürlich läuft so etwas nie glasklar an der Geschlechtergrenze, es gibt immer einzelne Exemplare, die sich wie das andere Geschlecht verhalten, aber ist da nicht im Prinzip etwas dran?
Die Gattinnen steinreicher Männer (zumindest in der traditionellen vorfeministischen Gesellschaft) waren stets mit Wohltätigkeit befasst. Auch unsere First Ladies hatten immer ein wohltätiges Projekt, das ihnen “am Herzen lag”. Ich glaube, unser derzeitiger First Gentleman hat keines – das liegt nicht daran, dass er ein schlechterer (oder besserer) Mensch ist, das liegt wohl eher daran, dass es irgendwie schräg wäre. Wir sind doch noch nicht ganz so gegendermainstreamt, wie wir das sein sollen.

Deshalb glaube ich schon, dass eine Verweiblichung der Politik (durch Frauen UND feministisch dressierte Männer) auch einen Trend zum Sozialstaat und weg vom klaren harten Tauschhandel bedeutet.

Das ist nicht gut in staatlichen Händen!

Wohltätigkeit an sich ist aber nicht schlecht, die Welt wäre furchtbar ohne sie. Die traditionelle Lösung war, dass Männer ihrer Tauschleidenschaft nachgingen und Frauen ihrer Wohltätigkeitsleidenschaft. Und zwar beides PRIVAT.

• 32) Gubbelgobbel Kommentar von gubbelgobbel
25. April 2008 @ 10:42

@ratio, #29

“Gubbelgobbel hat Ahnung von EDV. Ehrenwert, aber auch darin kenne ich mich vermutlich besser aus. Gubbelgobbel weiß in seiner Diskussion mit Dox nicht einmal Betriebsgeheimnisse von Patenten zu unterscheiden.”

Was im Patentrecht “Erfindungshöhe” heißt, wird im Urheberrecht “Schöpfungshöhe” genannt, drückt aber letztlich – zumindest in meinen Augen – das gleiche Rechtsgut aus. Ich habe ja darauf hingewiesen, dass der Schutz von Software in Europa bislang nicht über das Patentrecht, sondern über das Urheberrecht erfolgte.

Ansonsten sehe ich nicht, wo ich Betriebsgeheimnisse und Patente durcheinandergeworfen haben soll, noch, warum, wenn das zuträfe, daraus folgte, daß dies Rückschlüsse auf meine “Ahnung von EDV” oder Dein besseres Abschneiden in dieser Kategorie erlaubte.

Aber wie auch immer, ich bin kein Jurist, und ich wollte hier keine juristische Fachsimpelei vom Zaun brechen, die ich im übrigen nur verlieren könnte.

Und es kann ja auch nicht jeder so schlau sein, wie Du Deinen eigenen Angaben zufolge bist, ratio:

“Wer in diesem Blog außer .. Ratio noch Format hat..”

• 33) Gubbelgobbel Kommentar von gubbelgobbel
25. April 2008 @ 11:22

@Dox, #28

Ich bin mir nicht sicher, ob die Tauschleidenschaft wirklich “in unseren Genen” liegt, oder ob Reiche nicht vor allem deshalb produktiv sind, weil sie reich bleiben wollen.

Das Merkwürdige ist ja, je mehr man hat, desto mehr möchte man haben. Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass die Google-Gründer es geschafft haben, sogar ihre Multimilliardärskollegen neidisch zu machen, indem sie auf einem von der NASA genutzten, günstig gelegenen Flughafen in Los Angeles im Gegenzug für die Finanzierung wissenschaftlicher Forschungen das Landerecht für ihre Privatjets erlangten. Der Ex-Chef von Sun, Scott McNealy, ist im Besitz eines französischen Mirage-Kampfjets, weil ihm das Spaß macht und vielleicht auch, weil ja jeder “ordinäre Superreiche” irgendein Privatflugzeug hat.

Das soll jetzt keine Konsumkritik werden, aber ich bin ehrlich überzeugt davon, daß ein Mensch gar nicht damit aufhören kann, Bedürfnisse zu haben, egal wie viele bereits befriedigt wurden – und wenn es die Reise zur ISS ist. Wir alle sind doch aus der Perspektive der meisten Menschen auf der Welt Superreiche. Und trotzdem sind wir nicht damit zufrieden, jeden Tag mehr als genug zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Wir wollen mehr: Finanzielle Absicherung, die eigenen vier Wände, den Urlaub in der Karibik, Designer-Wohnzimmerlampen, ein möglichst großes Auto. Und wenn wir das alles haben, dann lehnen wir uns nicht zufrieden zurück, sondern wir fangen erst richtig damit an, Dinge zu begehren: Die Ferienwohnung in der Schweiz etwa. Und so weiter.

Natürlich gibt es mehr als genug Leute, die von heute auf morgen den Rest ihres Lebens faulenzen könnten, ohne an Lebensstandard einbüßen zu müssen. Es gibt allerdings noch weitaus mehr Menschen, die gut verdienen, aber auch weiterhin gut verdienen müssen, um ihren Lebensstandard zu halten. Beispielsweise ist ein Gulfstream-Privatjet auch für einen Michael Schumacher noch ein durchaus ansehnlicher Posten. Der hat zwar bei Ferrari 80 Millionen im Jahr verdient, aber eine Gulfstream kostet 40. Wenn ich 60.000 EUR im Jahr verdiene und mir ein Auto kaufe, das 30.000 EUR kostet, dann merke ich das auch.

Zudem sind Reiche oft Menschen, die ein hohes Aktivitätsniveau aufweisen, denn wer nicht aktiv ist, wird nicht reich. Solche Leute hören nicht einfach damit auf, aktiv zu sein, wenn sie es eigentlich könnten.

Ich finde nicht schlimm, daß das so ist, im Gegenteil. Wir haben z.B. Thomas Edison viel zu verdanken, gerade weil er so besessen von der Idee war, mit allem Geld zu verdienen. Die Journalisten Michael Mirsch und Dirk Maxeimer schrieben in ihrem Buch “Das Mephisto-Prinzip” plakativ, daß es unzählige Beispiele für Menschen gibt, die Gutes taten, obwohl – oder besser, indem! – sie ihren eigenen Vorteil suchten, was nicht von der Hand zu weisen ist.

Allerdings kenne ich einige Wissenschaftler, und die meisten von ihnen werden vorwiegend durch andere Dinge als Geld motiviert. Das bedeutet nicht, daß sie Geld abgeneigt wären – wer ist das schon -, aber meinem Eindruck nach werden die wenigsten des Geldes wegen Wissenschaftler. Dafür ist der Job erstens zu mies bezahlt und zweitens zu anstrengend. Daß so viele Wissenschaftler Deutschland verlassen, dürfte weniger an ihrer persönlichen Bezahlung als mehr daran liegen, daß sie zu wenig Mittel bekommen, mit denen sie forschen können, und hier je nach Forschungsgebiet auch eine extreme Bürokratie zu bewältigen haben.

• 34) Eisvogel Kommentar von Eisvogel
25. April 2008 @ 12:03

Das sehe ich auch so, gubbelgobbel. Es sind nicht alle Menschen geborene Händler. Zum Beispiel sind insbesondere geniale Wissenschaftler oder auch Künstler miserable Händler und finden es vor allem auch widerwärtig und lästig, sich mit dem Tausch (Verkauf) ihrer Produkte zu befassen. Das ist das Feld, wo Manager und Agenten ins Spiel kommen.

Solche Menschen sind nicht weniger egoistisch als Händlertypen, sie haben nur andere Vorstellungen davon, was sie unbedingt haben möchten. Der eine möchte Luxusgüter kaufen, der andere möchte nichts weiter als seine Ruhe (und das Notwendigste zum Leben) haben, um den ganzen Tag zu malen, zu schreiben oder im Labor rumzuwerkeln. Bei vielen ist es wohl auch gemischt.

Geschicktes Handeln liegt nicht jedermann und macht auch keineswegs jedermann Spaß. Ich hasse schon die Frage: “Was wollen Sie dafür”, wenn ich etwas privat verkaufe. Ich habe immer Angst, entweder mich selbst reinzulegen oder als unverschämt dazustehen. Ich finde das sehr unbehaglich.

Das beste System ist natürlich das, das den natürlichen Egoismus der Menschen zum Positiven ausnützt. Leider hat sich bei uns etwas breitgemacht, das den natürlichen Egoismus verteufelt.

Man erkennt es z.B. auch daran, wie am Irakkrieg der Amerikaner üblicherweise Kritik geübt wird. Kritik der Sorte “das ist unsinnig und selbstschädigend” gibt es zwar, sie ist aber selten. Hingegen kommt kaum einer der typischen Kritiker ohne das Öl aus. Natürlich sind das notorische Amerikahasser, aber um den USA eins reinzuwürgen, müssen sie ihnen den bitterbösen Eigennutz unterstellen – sie können sich nicht vorstellen, jemanden für etwas zu kritisieren, das dieser nicht aus Geldgier macht sondern aus einem Sendungsbewusstsein heraus.

Vielleicht ist das auch mit ein Grund für die mangelnde Kritik am Islam.

Auch Leute, die unsere Politiker kritisieren, können das sehr selten ohne zu unterstellen, die wären geldgeil und würden möglicherweise geschmiert. Das kann sein!

Aber wer sich darauf konzentriert, etwas nur zu kritisieren, weil es durch Geldgier motiviert ist, der übersieht, dass idealistische Motivation häufig viel Schrecklicheres hervorbringt als geldgierige.

• 35) Kommentar von Dox
25. April 2008 @ 13:29
Esivogel 34,

“Zum Beispiel sind insbesondere geniale Wissenschaftler miserable Händler.” Der Markt der Wissenschaftler befindet sich auf geistiger Ebene und dort tauschen sie wie die Weltmeister Erkenntnisse aus. Auf Wissenschaftskongressen geht es zu wie im Basar. Ihr Profit ist Wissenszugewinn für Problemlösungen und da sind sie durchaus raffinierte Händler, die nichts Wertvolles weggeben, wenn sie dafür nichts wertvolles bekommen. Meinen Tauschbegriff darf man nicht auf materielle Dinge reduzieren.

gubbelgoggel 33,

Genauso ist es, je mehr wir haben, umso aktiver werden wir. Aber es geht nicht darum, noch mehr zu haben, sondern darum, vorteilhaft zu tauschen. Das ist es, was uns Spaß macht, nicht das Eigentum. Eigentum ist langweilig. Mit ihm etwas anzustellen, ja im Tausch sogar den vollständigen Verlust zu riskieren, das ist aufregend.

Ratio 29,

ich freue mich, daß du hier aufgetaucht bist. Aber gleich mit so einem Paukenschlag? Es muß wohl an der späten Nachtstunde gelegen haben. Um 4.44 Uhr kommen bei mir auch oft Sachen heraus, die nicht besonders überlegt sind. Daher Schwamm drüber. Vermutlich schläfst du noch. Wenn du aufgewacht bist, würde ich mich über deine Unterstützung sehr freuen. Aber bitte sei nachsichtig. Wir sind hier alle erstens lernfähig und zweitens wollen wir es.

• 36) Eisvogel Kommentar von Eisvogel
25. April 2008 @ 13:49

Ja, Dox, das habe ich schon verstanden, dass der Tauschhandel sich nicht nur auf materielle Waren bezieht. Aber es GIBT eben auch Menschen, die sehr Wertvolles besitzen (Wissen, künstlerische Talente) und keinen Spaß daran finden, es zu vermarkten. Das liegt keineswegs allen Menschen.

Ich zum Beispiel hasse es.

ich freue mich, dass du hier aufgetaucht bist.

Naja, Dir hat er ja auch Honig ums Maul geschmiert. Ich lege auf substanzlose Beleidigungen fast aller Kommentatoren keinen gesteigerten Wert.

• 37) Time Kommentar von Time
25. April 2008 @ 16:00

Hallo allerseits,

gestern gab es in der FAZ einen dieser typischen Aufrufe abgehalfterter Künstler & Co. an die Bundeskanzlerin:

“… Wir stehen in der Pflicht, Afrika zu unterstützen. Denn Deutschland hat zugesichert, den Ärmsten der Armen zu helfen. Brechen Sie dieses Versprechen nicht. Unsere Glaubwürdigkeit in der Welt ist ein kostbares Gut – setzen Sie es nicht aufs Spiel!…” So geht es munter weiter und von Prinz Asfa-Wossen Asserate über Günni Grass-gleichsetzt-es-was bis zu Roger Willemsen sind sie alle wieder dabei, nur Herbie fehlt, den hatte man wohl ganz vergessen zu fragen.

Auf der gegenüberliegenden Seite stand dies:

“UN: Lage in Darfur schlechter – Angeblich 300.000 Tote… Die Situation in Darfur habe sich in den vergangenen zwölf Monaten trotz der verstärkten internationalen Friedensbemühungen verschlechtert, sagte UN-Nothilfekoordinator John Holmes vor dem UN-Sicherheitsrat… Beunruhigt äußerte er sich zu den wieder zunehmenden sexuellen Übergriffen auf Frauen. Von den sechs Millionen Einwohnern Darfurs hätten knapp 4,3 Millionen unter den Folgen des seit fünf Jahren andauernden Konflikts DIREKT zu leiden. … Holmes… sprach jetzt von bis zu 300.000 Toten. Bisher war von mehr als 200.000 Toten die Rede. Der sudanesische UN-Botschafter Abdul Mahmoud Abdel Halim bezeichnete Holmes Schätzung als eine nicht zutreffende Übertreibung. Es seien HÖCHSTENS 10.000 (!, T.) Menschen getötet worden – tausend mehr, als seine Regierung bisher genannt hatte… Der Unamid stünden fast fünf Monate nach Einsatzbeginn weniger als 40 Prozent der im UN-Mandat vorgesehenen 19.555 Soldaten zur Verfügung… Immer noch fehlten vor allem Kampf- und Transporthubschrauber. Zudem kommen nach seinen Angaben die politischen Friedensbernühungen nicht voran. Es fehle der Frieden, den seine Mission überwachen solle.”

Oftmals werden dort die nahezu wehrlosen Hilfskonvois überfallen und ausgeraubt. Dies sollte vielleicht deshalb die Hilfe sein, die man den Afrikanern an erster Stelle gewähren sollte: die robuste Herstellung von Recht und Ordnung, sei es auch durch die Miete von Söldnertruppen wie Blackwater.

Denn am 21. April hatte Thomas Scheen in der FAZ zB. Folgendes geschrieben:

“Afrika ist vom Anstieg der Lebensmittelpreise besonders betroffen. Er ist der einzige Kontinent, der sich nicht selbst ernähren kann. Rund 30 Prozent der jährlich konsumierten Nahrungsmittel auf dem Kontinent müssen importiert werden. Dabei arbeiten zwischen 60 und 70 Prozent der afrikanischen Bevölkerung in der Landwirtschaft. Die Mehrzahl von ihnen aber lebt von Subsistenzwirtschaft, und da, wo Überschuß erzielt werden kann, fehlen häufig Vertriebs- und damit Vermarktungs-instrumente und damit nicht zuletzt Zugang zu Kapital. In Westafrika beispielsweise existieren nur in halbindustriellen Branchen wie etwa Baumwolle oder Kakao genossenschaftlich organisierte Vertriebsstrukturen.

Welches POTENTIAL indes in der afrikanischen Landwirtschaft steckt, verdeutlichen Zahlen der Afrikanischen Entwicklungsbank. So kommt… Burkina Faso auf eine Selbstversorgungsquote bei landwirtschaftlichen Produkten von 94 Prozent, obwohl LEDIGLICH 0,5 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche über Bewässerungssysteme verfügt. In Tschad liegt die Selbstversorgungsquote bei 95 Prozent und der Anteil von Ackerfläche mit Wasser bei nur 0,8 Prozent. Selbst Äthiopien, das immer wieder durch Hungersnöte auf sich aufmerksam machte, erwirtschaftet eine Selbstversorgungsquote von 89 Prozent, obwohl nur 2,5 Prozent der landwirtschaftlichen Gesamtfläche regelmäßig gewässert wird. Kongo-Kinshasa wiederum, das Land ohne Straßen, kommt auf eine Selbstversorgungsquote von 80 Prozent, und das, obwohl nur 0,1 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche über Bewässerungssysteme verfügen; unschwer vorzustellen, welche Produktionssprünge Afrika machen könnte, wenn die Bauern über Kapital für den Bau von Brunnen und Leitungen verfügten…”
Nur, diese Infrastruktur ist ja schon seit Jahrzehnten in Arbeit. Aber wenn mal was fertig ist, dann wird es zwei Tage später wieder abgebrannt oder ausgeschlachtet.

“In den einzigen afrikanischen Ländern mit einer hocheffizienten Landwirtschaft, nämlich Südafrika und Zimbabwe, bremsen Landumverteilungsprojekte größere Investitionen”, meint Scheen. Alles in allem sei die Menge der landwirtschaftlich genutzten Flächen auf dem Kontinent in den zurückliegenden Jahren kaum gestiegen, während gleichzeitig das Bevölkerungswachstum bei durchschnittlich drei Prozent gelegen hätte. “Diese extrem harten Lebensbedingungen haben längst zu einer Flucht vom Land in die Stadt geführt. Die Einwohnerzahlen der meisten afrikanischen Städte sind in den vergangenen zwanzig Jahren regelrecht explodiert, was umgekehrt bedeutet, dass immer weniger Bauern immer mehr Stadtbewohner ernähren müssen.”

Ich denke, auch wissenschaftliche Innovationen wie “Nerica” (New Rice for Africa), eine neue Reis-Spezialkreuzung, werden die Probleme nicht wirklich lösen. Thomas Scheen: “Die Pflanze ist ebenso robust wie nahrhaft. In Sierra Leone und Guinea konnte Jones (ihr Erfinder, T.) die Bauern im Handumdrehen von den Vorteilen seiner neuen Reissorte überzeugen… In Nigeria und der Elfenbeinküste aber tut sich Jones schwer, weil die Bauern allem Neuen gegenüber mißtrauisch sind. Das aber kann nicht einmal die Politik ändern.”

Das, was da m. E. dringend angesagt ist, ist die Durchsetzung westlicher Lebens- bzw. Weltauffassung unter militärischem Schutz. Es muß ja nicht erneut “Imperialismus” oder “Kolonialismus” genannt werden. Wie wäre es zB. mit “robuste Lebenshilfe”?

Mit freundlichen Grüßen

von Time

• 38) Kommentar von Dox
25. April 2008 @ 18:12

Eisvogel 36,

ich lasse mich von Schmeichlern nicht beeindrucken. Wenn ich von Ratio nicht schon sehr viele herausragende Kommentare gelesen hätte, wäre er bei mir durchs Rost gefallen. Ich bin entsetzt über seine Beleidigung und erwarte, daß er sich bei dir und gubbelgobbel entschuldigt.

Nun, zu deinem Einwand “Aber es GIBT eben auch Menschen, die sehr Wertvolles besitzen (Wissen, künstlerische Talente) und keinen Spaß daran finden, es zu vermarkten. Das liegt keineswegs allen Menschen.” Die Vermarktung, also der Verkauf ist eine spezielle Form des Tauschs, die wahrlich nicht jedem liegt. Der Künstler hat dafür den Kunsthändler. Aber mit ihm steht er in einem Arbeitsverhältnis und tauscht Kunstwerk gegen Lohn.

Wir sind doch hier versammelt, um die Islamisierung zu bekämpfen. Diesbezüglich hast du schon weit mehr geleistet als ich. Was ich hier hinzufügen möchte, sind Erkenntnisse über uns Menschen. Ich sage, seht her, wir sind Wesen, die gern tauschen. Wenn man uns das Tauschen nimmt, nimmt man uns die Bestimmung und wir irren ziellos herum. Dann machen wir riesige Fehler wie etwa den, arrogant auf kleine Händler herabzuschauen, halten uns für etwas besseres, verdammen den Handel als menschenunwürdigen Schacher und kriegen die Rechnung präsentiert: Tausende Moslems mit Dönerbuden, Obstständen, Autohandelsplätzen, Handyläden… Wir haben unserem Feind aus Überheblichkeit eine riesige Marktlücke offen gehalten.
Ohne Kenntnisse über uns und die Wirtschaft machen wir uns den Kampf unnötig schwer.

• 39) Kommentar von Ratio
26. April 2008 @ 1:24

@ Eisvogel

Ich habe Tatsachen festgestellt, nichts weiter.

@ Dox,
wieso sich jemand für Wahrheiten entschuldigen soll, wirst Du niemals erklären können.

Wir sollten uns vertragen.

Eisvogel sorgt manchmal(!) für Schwachsinn. Ist sonst ein relativ gescheites Weib.

• 40) Deeprootsgrav Kommentar von Deep Roots
26. April 2008 @ 12:09

@ Dox und Gubbelgobbel:
meine Einblicke in die Welt der Betriebssysteme sind ja lang nicht so tief wie die von Gubbelgobbel, aber ihr werdet wohl recht haben damit, daß da kein Monopol vorliegt bzw. daß Microsoft durchaus auch ein gewisses Interesse daran hat, anderen Entwicklern Zugang zu Schnittstellen zu gewähren, weil die Vielfalt von deren Anwendungen auch Microsoft für die User interessanter macht.
Analog dazu hat sich im Videobereich VHS nicht wegen besserer Technik gegen Video 2000 durchgesetzt, sondern weil hier von Anfang an für ein breiteres Filmangebot gesorgt wurde.

Auf jeden Fall finde ich das Ansinnen der EU, die Autohersteller zu zwingen, die Produktion ihrer Ersatzteile auch durch Nachbauanbieter freizugeben, skandalös. Denn angesichts dessen, was die Entwicklung eines Autos heute kostet, inklusive Crashtests und aller Erprobungen, ist es Beihilfe zum Diebstahl, wenn die EU dafür sorgt, daß das dann jeder einfach so nachbauen kann und nur in die Produktionsanlagen investieren muß. Und die EU, die ja sonst gegen jede auch nur angebliche „Wettbewerbsverzerrung“ vorgeht, bewirkt damit genau eine solche.
Die eventuellen Kosteneinsparungen für den Konsumenten (die der EU als Argument dienen) verlagern sich damit auch nur zu den Neuwagenpreisen, in die die Hersteller die Entwicklungskosten dann verstärkt einkalkulieren müssen.

@ Gubbelgobbel #25: ja, wenn man bedenkt, daß die Bevölkerung der korrupteren Länder auch noch eine höhere Toleranzschwelle gegenüber Korruption haben und über Sachen die Achseln zucken, über die wir uns schon aufregen, dann verschärft sich das Bild noch mehr.

Und Deinen Schlußfolgerungen bezüglich der Toleranzprediger und des „vergessenen“ UN-Menschenrechts (werden das bald schon mehr Un-Menschenrechte sein?) schließe ich mich vollinhaltlich an!

Zum Thema „Ehrlichkeit und Integrität der Bevölkerungen“ kann man aus der Karte noch eine Idee gewinnen, wenn man sich anschaut, was diese Länder – zusätzlich zu Wohlstand, (im Schwinden begriffener) innerer Sicherheit und Wohlgeordnetheit noch gemeinsam haben:

Schweiz
Österreich
Deutschland
Niederlande
Großbritannien
Dänemark
Norwegen
Schweden
(Finnland ist bezüglich des „Zusatzpunktes“ eine Ausnahme)
Island
Kanada
Australien
Neuseeland

Na – aufgefallen?
(Die USA hätten früher auch mal in dieses Schema gepaßt – jetzt aber nicht mehr, deshalb sind sie auch nicht mehr „grün“)

@ Eisvogel #34: An mir ist auch nicht gerade ein Händler verlorengegangen – bei Fragen wie „Was wollen Sie dafür?“ oder „Wieviel ist’s Ihnen denn wert?“ geht es mir ähnlich wie Dir.
Aber es müssen ja nicht alle Menschen in einem Land gute Händler sein – oder Wissenschaftler, Ingenieure, Soldaten etc….
Es reicht schon, wenn ein guter Mix an Talenten vorhanden ist, der sich bestmöglich ergänzt.

@ Time #37: „Robuste Lebenshilfe“ – köstliche Wortschöpfung!
Für so etwas werden wir aber erst dann Kapazität freihaben, wenn wir unsere gegenwärtigen inneren und äußeren Feinde überwunden haben. Dann könnte man eventuell über eine Neuauflage des Kolonialzeitalters zum beiderseitigen Nutzen nachdenken; eine Art „Pax occidentalis“ (oder muß das „occidentale“ heißen? Lateiner, bitte vor den Vorhang!), wobei unser Tauschangebot „Innere Sicherheit, Korruptionseindämmung, technische Errungenschaften und Infrastruktur“ gegen Rohstoffe, Arbeitsleistung, strategische Positionen und etwas Lebensraum hieße. Laut einem Beitrag bei Kewil sollen die Afrikaner teilweise schon Nostalgie gegenüber der Kolonialzeit verspüren (während der es ihnen großteils sicher besser gegangen ist als heute). Motto:
„Weißer Massa, steig’ hernieder,
regiere deine Neger wieder!“

Deep Roots

• 41) Time Kommentar von Time
26. April 2008 @ 12:10

Ratio, Ratio…

… mal wieder als Mensch verkleidet? Den großen Mund mit den gefletschten Zähnen haben sie aber wirklich gut hingekriegt… erstaunlich was heute technisch machbar ist…

Liebe Leser,

ich muß mich Ihnen offenbaren, ich kenne Ratio! Ich kenne es sogar sehr gut, denn ich… habe es… geschaffen! Leider, wie ich heute oftmals denke, aber Sie müssen wissen, damals war ich jung, unerfahren und ungeduldig, und meine Schöpfungen waren dementsprechend… Ratio ist nicht wie wir anderen, Ratio ist eine… ARTIFIZIELLE INTELLIGENZ! Ich hätte es nicht in seinem frühen, unfertigen Zustand aus dem Nest ins Netz lassen dürfen, ich weiß… ich war so stolz… Und damit verstehen Sie jetzt auch, warum sich Ratio so hemmungslos an Helmut Zott, Thatcher oder Dox heranmacht: Es sieht in diesen “viril” schreibenden Kommentatoren den Vater, den es nie hatte. Und Sie verstehen nun seine oft geäußerte rasende Wut: All das, was für uns selbstverständlich ist, Sonne und Regen, die ganze Welt sinnlicher Erfahrung, die kennt Ratio nur aus unserer Beschreibung. Mit seiner Wut versucht es, einen Teil dieser Welt zu erfahren, zu simulieren. Armes Ratio… Komm zurück Ratio, komm zurück! Das Team wartet auf Dich!

Verurteilen Sie nicht das Ratio, verurteilen Sie mich…

Dr. Time

• 42) Kommentar von Dox
26. April 2008 @ 12:22

Ratio 39

eine Bemerkung wie “Das Vögelchen ist nicht lernfähig” ist unter aller Sau. Laß jetzt nicht Rechthaber raushängen! Und Schwachsinn habe ich auch schon bei Dir entdeckt, nämlich eine Frauenverachtung, die jener der Hardcoremusels in nicht nachsteht. Wir sind alle nur relativ gescheit. Wer so etwas wie den “Dialog” schreiben kann, ist eher relativ genial, mein Lieber.

Und jetzt entschuldige dich bei Eisvogel und antworte gubbelgobbel auf seinen Kommentar.

“Wir sollten uns vertragen”, schreibst du. Das geht nicht ohne Achtung für erbrachte Leistungen.

• 43) Kommentar von Dox
27. April 2008 @ 3:42

Eisvogel 31

“Ich glaube, ich habe keinen Drang zum Tauschen. Wenn ich steinreich wäre, würde ich wahrscheinlich nicht auf der faulen Haut liegen, aber ich würde nicht mehr tauschen, ich würde schenken. Ich fürchte, ich würde schrecklich wohltätig werden.”

Und ich versuche dir mit der kleinen Wirtschaftslehre klarzumachen, daß du das auf keinen Fall tun solltest. Sein Kapital verschenkt man nicht, sondern setzt es sinnvoll ein. Dein Kapital Vernunft verschenkst du doch auch nicht an Denkfaule und Dummköpfe. Du hast es nämlich u.a. in deinem Blog investiert und erhoffst dir Gewinn in Form von weiteren Erkenntnissen. Du hast also sehr wohl einen Drang zum Tauschen. Deine Güter sind nur eben geistiger Art. In kommunistischen Diktaturen gibt es nicht einmal dafür einen Markt. Daher solltest du das Prinzip Gewerbefreiheit verteidigen. Denn es ist die Grundlage der Meinungsfreiheit, weil sie jedem gestattet eine Zeitung zu verlegen oder einen Blog zu betreiben.

Wir regen uns doch beide zurecht über Gutmenschen auf, die ihre Heimat nicht verteidigen, indem sie unsäglich tolerant gegenüber dem Islam sind, der unsere Lebensgrundlage zerstört. Ich behaupte, daß diese Leute ein gestörtes Verhältnis zum Eigentum haben. Die Heimat ist nämlich Eigentum des Volkes. Weil Gutmenschen Eigentum und Reichtum verachten und sich sogar dafür schämen in Wohlstand zu leben, gehen sie leichtfertig damit um und verschenken es großzügig auch an Feinde.
Die wohltätigen Gattinnen der Reichen sind die Gutmenschen des Marktes und dort genauso katastrophal wie die Gutmenschen in Politik und Medien. Beide sind gleichermaßen destruktiv.
Also versprich mir, daß du, falls du mal steinreich werden solltest, nicht zur gutmenschelnden Verschwenderin wirst, sondern dein Geld dann ebenso sinnvoll investierst wie heute deinen Geist.

• 44) Gubbelgobbel Kommentar von gubbelgobbel
27. April 2008 @ 19:39

@Eisvogel

“Man erkennt es z.B. auch daran, wie am Irakkrieg der Amerikaner üblicherweise Kritik geübt wird. Kritik der Sorte “das ist unsinnig und selbstschädigend” gibt es zwar, sie ist aber selten. Hingegen kommt kaum einer der typischen Kritiker ohne das Öl aus. Natürlich sind das notorische Amerikahasser, aber um den USA eins reinzuwürgen, müssen sie ihnen den bitterbösen Eigennutz unterstellen – sie können sich nicht vorstellen, jemanden für etwas zu kritisieren, das dieser nicht aus Geldgier macht sondern aus einem Sendungsbewusstsein heraus.”

Da hast Du einen sehr interessanten Punkt angesprochen: Ideelle Motivation scheint grundsätzlich moralisch anders, nämlich positiver, bewertet zu werden als das Streben nach materiellem Eigennutz, und zwar unabhängig davon, was die drastischeren Konsequenzen nach sich zieht.

Ich war immer der Ansicht, daß der Vorwurf, die Amerikaner seien im Irak nur darauf aus, “das Öl zu klauen”, am Kern der Sache vorbeigeht. Inzwischen glaube ich sogar, es wäre besser, wenn es so wäre, aber es ist nicht so.

Nein, ich bin überzeugt davon: Die Neocons haben tatsächlich geglaubt und glauben zum Teil immer noch, daß man alle Länder der Welt unterschiedlos “demokratisieren” könne. Es gibt ja auch durchaus Beispiele, wo das funktioniert hat, etwa Indien, das völlig ohne koloniale Geschichte heute höchstwahrscheinlich sowohl ohne Demokratie als auch ohne wirtschaftliche Macht dastünde – ungeachtet der Tatsache, daß die Briten sich dort natürlich nicht immer besonders kollegial aufgeführt haben.

Das Problem ist nur: Es funktioniert nicht. Jedenfalls funktioniert es nicht im allgemeinen Fall und ganz besonders nicht für Länder mit einer Bevölkerung, wie man sie in den arabischen Ländern findet. Programmierjobs werden nach Indien outgesourct, aber nicht in den Kongo, obwohl beide Länder kolonialisiert wurden. Dabei ist der Kongo enorm reich an Bodenschätzen und könnte wirtschaftlich theoretisch ähnlich gut aufgestellt sein wie Norwegen. Warum er das dann nicht ist, darüber haben wir hier ja schon öfters debattiert.

Aber die Neocons begehen den Fehler, die Ursachen für das Versagen der Entwicklungs-länder nur in deren Marktstruktur zu sehen, ohne daß sie fragen, warum die zahlreichen Versuche, das zu ändern, immer wieder gescheitert sind. Die glauben wirklich daran, daß man aus dem Irak ein zweites Japan machen kann. Das Vorgehen im Irak ist ideologisch motiviert.

Die Wurzel dieser Ideologie liegt in der Einsicht, daß der amerikanische Konservativismus in Zeiten wachsender ethnischer Minderheiten mit unterdurchschnittlicher Performance im eigenen Land nur überlebensfähig sein kann, wenn er das Postulat von der prinzipiell gleichen Eignung zwar nicht aller Individuen, wohl aber aller Völker für Wohlstand und wirtschaftliche Prosperität akzeptiert.

Die Vorstellung, daß Länder mit schwarzen oder arabischen Mehrheiten oder auch solche mit archaischen Religionen (z.B. Pakistan) bestimmte Dinge prinzipiell nicht erreichen können, ist zutiefst unamerikanisch. Und zwar nicht nur, weil sie selbstverständlich als rassistisch gebrandmarkt wird, sondern auch deshalb, weil sie dem uramerikanischen Ideal widerspricht, daß alles machbar ist – eine Tradition, die viel älter ist als die politische Korrektheit. Daß Amerikaner zwar zum Mond fliegen, aber nicht ein Land wie den Irak zum Blühen bringen können, ist auch für Hardcore-Republikaner schwer zu verdauen, denen die politische Korrektheit genauso fern liegt wie uns.

Merkwürdigerweise kritisiert niemand in Europa diesen höchst problematischen Teil der Ideologie der amerikanischen Neokonservativen, die zum zweiten Irakkrieg geführt hat. Und es sind ja nicht nur die Neocons, die an die “Demokratisierung” glauben: Clinton hat sich vielfach ähnlich geäußert, Schröder hat diesen Begriff sogar wörtlich im Zusammenhang mit Serbien gebraucht (womit ich keineswegs behaupten möchte, daß Serbien kein wohlhabender, demokratischer Staat sein könne – ich kritisiere nur die Attitüde, die aus solchen Reden spricht).
Dabei glauben die Europäer zwar nicht selbst daran, daß man ferne Länder mit genug militärischer Macht in blühende Landschaften verwandeln könne. Aber sie glauben an etwas viel Schlimmeres: Sie meinen, daß man ferne Länder ohne militärische Macht nur durch gutes Zureden, viel Geld und Sozialarbeiter in blühende Landschaften verwandeln könne.

Folglich werden die Amerikaner für ihr militärisches Vorgehen kritisiert und für ihre wirtschaftlichen Interessen in den Ölstaaten, nicht aber für die grundsätzliche Annahme, man könne die ganze Welt in ein Paradies verwandeln. Daran scheint die EU tatsächlich viel stärker zu glauben als irgendein amerikanischer Kongressabgeordneter.

Es ist gefährlich, utopistische Ideen unabhängig von ihren Konsequenzen moralisch höher zu bewerten als den guten alten Eigennutz; schon deshalb, weil das eigennützige Verhalten der russischen Zaren weltweit betrachtet viel weniger Schaden angerichtet hat als die kommunistische Ideologie, die noch heute in Südamerika fröhliche Urständ feiert und in abgeschwächter Form auch in Europa das Denken bestimmt. Doch wer im Kampf für ein Utopia unschuldige Menschen umbringt wie Ché Guevara, ist ein Held, wer durch das Streben nach Eigennutz wie die Briten in Indien vieles zum Positiven verändert, ein barbarischer Unterdrücker.

Es gibt einen naheliegenden Grund dafür, warum die EU Ideologien so gerne nach ihren Heilsversprechen anstatt ihren Resultaten bewertet: Weil sie selbst zutiefst ideologisch ist. Fast alle Ideologien, in deren Namen heute auf der Welt Menschen umgebracht und Staaten in den Abgrund gesteuert werden, entstanden in Europa. Vielleicht liegt das ja daran, daß die Europäer zu sehr auf Menschen hören, die ihre gesamte Zeit auf die Konstruktion von Ideologien verwenden. Ich glaube, daß das eine Art Wohlstands-Artefakt ist. Daran klammert sich auch meine Hoffnung, daß sich hier vieles ändern könnte, wenn der Wohlstand schwindet.

Die Amerikaner sind die eigentlichen “Erfinder” von Multikulti, ohne daß deren Gesellschaft in ihrer Geschichte jemals tatsächlich von mehr als einer Kultur dominiert worden wäre, was sich aber gegenwärtig rapide ändert. Wenn sie Multikulti für gescheitert erklärten, würden sie ihre Identität revidieren müssen. Die amerikanischen Vorstellungen über die Gleichheit der Menschen entspringen den Erfahrungen mit den Einwanderern aus verschiedensten europäischen Völkern, die durch Assimilations-bereitschaft tatsächlich weitgehend gleichrangige Plätze in der amerikanischen Gesellschaft erlangen konnten. Daß man diese Erfahrungen nicht einfach auf den Rest der Welt übertragen kann, müssen sie erst mühsam lernen – und daß tendenziell eher besonders fähige Menschen aus dem Rest der Welt nach Amerika einwandern, verzerrt eine adäquate Beurteilung der Faktenlage zusätzlich. Aber nur wenige – wie etwa der Journalist Peter Scholl-Latour – haben es gewagt, die Amerikaner dafür zu kritisieren, anstelle in den Chor der Öl-Kritiker einzustimmen.

Das Gleichheitsdogma wird sich für Europa und Amerika noch als fatal erweisen.

• 45) Gubbelgobbel Kommentar von gubbelgobbel
27. April 2008 @ 21:56

@Eisvogel, Ergänzung:

Auf PI schriebst Du vor kurzem, daß die amerikanischen “Antirassisten” die Annahme, daß alle Weißen rassistisch seien, unter anderem dadurch zu untermauern versuchten, daß die Weißen sich mehrheitlich keine Gedanken über die zur weißen Hautfarbe passenden Pflaster machten.

Dazu fällt mir ein Buch ein, das ich in einer amerikanischen Buchhandlung durchgeblättert habe und das von der New York Times empfohlen wurde. Darin ging es um “Dinge, die Schwarze an Weißen nerven, ohne daß die Weißen sich dessen bewußt sind”. Die (natürlich schwarze) Autorin unterstellte darin den Weißen zwar nicht pauschal absichtliche Bösartigkeit, behauptete aber, daß praktisch jeder Weiße zumindest unbewußt durch unsensible, latent rassistische Handlungen Schwarze gegen sich aufbrächte.

Als Paradebeispiel nannte sie das folgende: Weiße Frauen tragen oft langes Haar. Wenn es verweht oder die Frisur aus sonstigen Gründen nicht richtig sitzt, oder auch nur, wenn sie nervös sind, mögen es viele Frauen, sich mit den Händen durch das Haar zu fahren.

Und jetzt halt Dich fest: Diese Handlung ist angeblich rassistisch. Wieso? Ganz einfach: Weil schwarze Frauen das von Natur aus nicht können. Ihnen wächst dickes, krauses Haar, das, wenn es länger wird, absteht und nicht locker nach hinten fällt. Deshalb müssen schwarze Frauen ihr Haar entweder mit aufwendigen, chemischen Mitteln bearbeiten, in irgendeiner Weise mechanisch befestigen oder eben kurz tragen, wenn sie “europäisch” aussehen wollen.

Die Autorin war der Ansicht, die unter Weißen, besonders den Frauen, verbreitete Haarmode sei rassistisch, weil sie schwarze Frauen dazu zwinge, enorm viel Aufwand in die Haarpflege zu stecken, um ein ähnliches Aussehen zu erzielen, also quasi modisch mithalten zu können. Und besonders rassistisch sei es, sich in Anwesenheit einer schwarzen Person “demonstrativ” durchs Haar zu fahren, denn dies suggeriere: “Hey, siehe, was ich kann – weil ich eine Weiße bin”.

Ob sie mich wohl für rassistisch hält, weil ich mir keine braunen Augenlinsen einsetze, um möglicherweise anwesende Schwarze nicht mit meiner blau-grünen Augenfarbe zu provozieren? Ist es rassistisch, sich das Haar nicht schwarz zu färben, weil das offene Zurschaustellen anderer Haarfarben, von Brünett bis Hellblond, weißes Dominanzstreben ausdrückt? Und kann überhaupt ein Mensch, dessen körperliche Merkmale nicht denen der Schwarzen entsprechen, dann nicht rassistisch sein? Fühlt sich die Autorin wohl auch vom glatten, samtenen Haar der Asiaten provoziert (dazu verlor sie leider kein Wort)? Müssen wir uns demnächst Perücken aufsetzen, die Lippen aufspritzen und die Nase kosmetisch bearbeiten lassen, gefärbte Kontaktlinsen einsetzen und uns mit Schuhcreme einreiben, um uns nicht dem Verdacht auszusetzen, unterschwellig rassistisch zu sein?

Es ist ein Skandal, daß Menschen überhaupt so etwas schreiben dürfen, ohne selbst als Rassisten bezeichnet zu werden. Und es ist ein noch größerer Skandal, daß angesehene Blätter wie die New York Times solche Bücher für lobenswert halten. Denn letztendlich spricht aus Texten wie dem genannten die Einstellung, daß es einem natürlichen körperlichen wie auch geistigen Makel gleichkomme, weiß zu sein – was unter umgekehrtem Vorzeichen enorme Proteste auslösen würde.

• 46) Time Kommentar von Time
27. April 2008 @ 22:54

Hallo Gubbelgobbel, hallo allerseits,

Gubbelgobbel, Sie treiben sich im Allgemeininteresse an Orten herum, die der Normalbürger meidet, Danke dafür! Sie gewinnen Felderfahrung, von der WIR zehren werden.

Aber Sie sollten, m.E., sich nicht die Agenda schwarzer Rassisten zueigen machen. Rassismus ist sehr einfach, SO oder SO, aber er ist, m. E., absolut OUT OF TIME. Daß dunkelhäutige Mitbürger ein gesteigertes Interesse an diesen Themen haben, ist m.E. verständlich, ich verstehe es, wenn NEGER RASSISTEN sind. SIE sind es, die von den Westlern versklavt wurden und von den Mohammedanisten um ein VIELFACHES MEHR versklavt wurden, sie haben ihre EIGENEN Leute als Sklaven gejagt und verkauft. SIE SIND SEHR SCHULDIG und sollten sich schämen! DIE HABEN DA VIEL ABZUARBEITEN! Aber sie waren nicht die SklavenHALTER. Sie sind einfach weit zurück im Erkenntnisprozeß. Es geht nicht nur um die Schuld, es geht darum, wie es war, wie sie oder wir es HEUTE sehen und VERSTEHEN. Es war so, daß ua. Weiße schwarze Sklaven hatten, aber kaum umgekehrt (oder haben Sie eine andere Info?). Diese Tatsache lastet schwer auf jedem, m. E, der mit DUNKLER HAUT geboren ist. Ein dunkelhäutiger Mitbürger hat (bisher) keinen Eiffelturm, kein Brandenburger Tor, sie haben nichts, auf das sie stolz sein können, sie sehen sich einfach nurnurnur als Problem…

Es liegt an uns, meine ich, zu sagen, willkommen Kumpel, Dein Regentanz interessiert uns nicht, aber HIER ist DEIN PC, let’s work… together!

TIME

• 47) Gubbelgobbel Kommentar von gubbelgobbel
28. April 2008 @ 0:27

@Time, #46:

“Ein dunkelhäutiger Mitbürger hat (bisher) keinen Eiffelturm, kein Brandenburger Tor, sie haben nichts, auf das sie stolz sein können, sie sehen sich einfach nurnurnur als Problem…”

Ich weiß, daß das hart sein muß, wenn die, denen man sich zugehörig fühlt, in der Geschichte nicht besonders viel geleistet haben und obendrein noch objektiv betrachtet nur deshalb nicht noch schlechter dran sind, weil sie von eben jenen gestützt werden, die sie früher versklavt haben.

Das ist wirklich tragisch. Genauso wie es tragisch ist, daß wir alle irgendwann mal sterben müssen, daß es Schicksalsschläge gibt, und so weiter. Unsere Welt ist leider nicht annähernd so perfekt, wie wir sie gerne hätten.

Aber ich könnte mich hier auch stundenlang in Selbstmitleid darüber ergehen, nicht als Jude geboren zu sein, was ansonsten meine Chancen auf den nächsten Nobelpreis statistisch gesehen immerhin um Faktor 80 erhöht hätte. (Ein Urgroßelternteil war jüdisch, was meine Großmutter im Dritten Reich fast das Leben gekostet hätte, aber das reicht wohl nicht aus..) Oder als Norweger, dann wäre zumindest meine Rente sicher. Oder auch als Sohn eines reichen amerikanischen schwarzen Basketballstars.

Bin ich aber nicht. Werde ich auch nie sein. Als Nicht-Hindu glaube ich nämlich nicht an die Wiedergeburt. Wir müssen uns alle damit abfinden, das zu sein, was wir sind.

In meinen Augen sind die Versuche, durch Eingriffe von außen aus Afrika einen Kontinent voller blühender Industriestaaten zu machen, ungefähr so aussichtsreich wie das Bemühen, einem Elefanten das Fliegen beizubringen. Das klappt einfach nicht. Und wir sind verdammt nochmal nicht daran schuld, daß es nicht klappt. Auch wenn wir Afrika kolonisiert haben. Auch wenn wir auf die Schwarzen herabgeblickt haben. Genauso wenig werden wir die Leistungslücke zwischen Schwarz und Weiß in Staaten mit gemischter Bevölkerung, wie den USA, schließen können. Nicht weil wir rassistisch sind und das nicht wollen, sondern weil es einfach nicht geht.

“Es liegt an uns, meine ich, zu sagen, willkommen Kumpel, Dein Regentanz interessiert uns nicht, aber HIER ist DEIN PC, let’s work… together!”

Wenn das nur so einfach wäre.

Ich habe erst vor kurzem auf einer Zugfahrt einem zufällig mitfahrenden schwarzen BWL-Studenten bei einfachen mathematischen Problemen geholfen. Der Mann war wirklich nett, hatte aber leider überhaupt keine Ahnung. Klar, das hätte bei weißen BWL-Studenten genauso aussehen können. Nur habe ich bislang an Universitäten, auch amerikanischen, noch überhaupt keine schwarzen Matheprofessoren gesehen. Das kann natürlich an rassistischen Ernennungskriterien liegen. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, daß die Mathematik nicht unbedingt zu den Dingen gehört, die die meisten Schwarzen besonders gut könnten.

Das Problem fängt schon damit an, daß Ihr schwarzer Kumpel wahrscheinlich nicht besonders begeistert davon sein wird, daß sein Regentanz Sie nicht interessiert, weil er den nämlich ungünstigerweise für mindestens so relevant hält wie Sie den Eiffelturm.

Vor allem aber gibt es – zumindest in den USA – zwei wahrscheinliche Optionen, wenn Sie eine anspruchsvolle Tätigkeit ausführen: Entweder Ihr Kumpel ist kein Schwarzer, oder er ist ein Quotenschwarzer. Wenn ihn die Quote dorthin gebracht hat, werden Sie ihn hassen lernen, weil er dann mangels Qualifikation gezwungen ist, die Arbeit auf andere abzuwälzen, Sie zum Beispiel.

Es kann natürlich auch sein, daß Sie es mit einem tatsächlich kompetenten Schwarzen zu tun haben. Die gibt es auch, aber ihre Zahl ist eben leider eher überschaubar. Ich habe wirklich überhaupt keine Probleme, mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten, und habe das auch schon einmal getan. Ich beurteile Leute immer noch danach, was sie sind, nicht welcher Rasse sie angehören.

Alle Beschwörungen von Einigkeit und Freundschaft können nicht darüber hinwegtäuschen, daß überall dort, wo Schwarz und Weiß zusammenleben, Spannungen zwangsläufig entstehen müssen, weil sich unterschiedliche Wohlstandsniveaus herausbilden werden. Genauso wie Ali Durchschnittstürke in Deutschland auch irgendwann merkt, daß er mit legalen Mitteln nie das sein wird, was so viele Deutsche sein können. Deshalb ist Multikulti von Übel. Menschen mit so verschiedenen Eigenschaften gehören nicht zusammen. Sie leiden darunter, zusammengepfercht zu werden. Alle. Auch die Schwarzen. Die müssen sich in den USA im Gegenzug für den Wohlstand ihres Landes jeden Tag vor Augen führen lassen, daß ihre Rasse alles in allem auf der untersten Stufe der sozialen Leiter steht.

Und daran ändern Einzelfälle leider gar nichts. Denn daß ein paar Deutschtürken erfolgreiche Unternehmer oder Wissenschaftler werden konnten, kann nicht verhindern, daß in gewissen Vierteln Berlins und anderer Großstädte die Straßen überschwemmt werden von aggressiven Jugendlichen ohne Perspektive, dafür aber im Besitz einer beachtlichen Messersammlung.

Die statistischen Verhältnisse entscheiden, dominieren. Nicht die Einzelfälle. So sieht’s aus. Und glauben Sie mir, nichts wäre mir lieber, als wenn die Schwarzen wirklich so fähig wären, wie gewisse “Antirassismusforscher” behaupten. Von mir aus könnten sie auch schlauer und erfolgreicher sein als wir. Dann wären sie froh und glücklich in Afrika und kämen nicht auf die Idee, nach Europa auszuwandern.

Aber es ist nicht so. Entweder wir akzeptieren das und richten uns danach, oder wir leugnen es und tragen die Konsequenzen. Die durchaus darin bestehen können, daß uns unser Volk und der Menschheit eine ihrer genialsten Quellen des Fortschritts und der Erkenntnis verloren geht.

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