Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 1

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Von Jarosław Ostrogniew (Original Alexiey Shiropayev’s Prison of the Nation: An Ethnonationalist History of Russia, Part 1, erschienen am 27. Januar 2016 auf Counter-Currents Publishing). Übersetzung: Lichtschwert.

Алексей Широпаев Тюрьма Народа. Русский взгляд на Россию Москва 2001

[Alexiej Shiropajew, Gefängnis der Nation: Die russische Perspektive auf Rußland (Moskau, 2001).]

Es gibt verschiedene Ansätze beim Erzählen der Geschichte Rußlands und des russischen Volkes. Es gibt die patriotisch-orthodoxe Version der Geschichte, das kommunistische sowie das liberale und demokratische Narrativ. Es gibt natürlich einige wichtige Alternativen. Diejenige, die gegenwärtig die beliebteste unter europäischen Nationalisten zu sein scheint, ist die eurasianistisch-imperialistische Version, wie sie von Alexander Dugin beworben wird, aber in Wirklichkeit von Lew Gumiljow geschaffen wurde. Es gibt jedoch auch eine explizit weiß-nationalistische Erzählweise der Geschichte Rußlands. Die wichtigste Präsentation dieser Sichtweise ist Tyurma Naroda (Gefängnis des Volkes oder Gefängnis der Nation) von Alexiej Shiropajew. Wie Sie aus dem Titel allein ersehen können, ist Shiropajews Sicht auf den russischen Staat extrem kritisch.

Da das Buch nur auf Russisch erhältlich ist, und es extrem unwahrscheinlich ist, daß es jemals ins Englische (oder irgendeine andere Sprache) übersetzt werden wird, werde ich zuerst eine detaillierte Übersicht über Shiropajews Argument präsentieren, und dann eine Kritik an dem Buch.

Rus’ protiv Rossiyi: Rus’ versus Rußland

Ein Thema, das gleich einmal geklärt werden muß, ist die Terminologie. Zwei völlig verschiedene Wirklichkeiten werden durch die deutschen Begriffe „Rußland“ und „Russe“ zu einer gemacht. In der russischen Sprache gibt es zwei verschiedene Wörter als Name des Landes: „Rus‘“ und „Rossiya“. Rus‘ steht für die Länder, die ursprünglich von östlichen Slawen bewohnt wurden, wohingegen Rossiya den größeren russischen Staat bedeutet: das zaristische russische Reich, die Sowjetunion oder die zeitgenössische Russische Föderation. Und diese beiden Begriffe werden oft unter Verwendung eines Wortes ins Deutsche übersetzt: „Rußland“, was daher einige Verwirrung verursacht.

Im Russischen gibt es zwei verschiedene Begriffe: „Russkiy“ und „Rossiskiy“. „Russkiy“ (sowohl als Eigenschaftswort wie auch als Hauptwort) bedeutet einen ethnischen Russen, eine Person von ostslawischer Herkunft, die die russische Sprache spricht. „Rossiskiy“ (als Eigenschaftswort) oder „Rossiyanin“ (als Hauptwort) steht für eine Person, die Russisch spricht oder sich als Teil der russischen („rossiyskiy“) Kultur betrachtet und ein Bürger des russischen Staates sein kann – aber von jeder ethnischen Herkunft sein kann. Wiederum werden beide oft als ein Wort ins Deutsche übersetzt: „Russe“.

Daher ist ein moslemischer Tschetschene, dessen Muttersprache Tschetschenisch ist, der Grundkenntnisse in Russisch hat und sich als loyalen Bürger der Russischen Föderation betrachtet, unzweifelhaft ein „Rossiyanin“ und ohne Zweifel kein „Russkiy“. Ein heidnischer Russe, dessen Muttersprache Russisch ist und dessen Familie über zahllose Jahrhunderte auf russischem Boden gelebt und diesen bearbeitet hat, der die Russische Föderation verläßt und sich den ukrainischen Freiwilligenkräften anschließt, um gegen die Separatisten von Novorossiya zu kämpfen, ist kein „Rossiyanin“ mehr, aber er ist sicherlich ein „Russkiy“.

Viele russische Politiker und Theoretiker (einschließlich Putin und Dugin) haben klargemacht, daß sie die imperiale, etatistische, patriotische „Rossiyskaja“-Identität unterstützen statt der ethnischen, rassischen, nationalistischen „Russkaya“-Identität. Auf der anderen Seite haben bestimmte Ukrainer erklärt, daß sie für die Ukraine, für Rus‘ und Europa kämpfen (das Schlagwort der Asow’schen „Reconquista“: Heute die Ukraine, morgen Rus‘ und ganz Europa!“)

Rossiyanin ist auch ein abwertender Begriff, der von russischen Nationalisten zur Bezeichnung von jemandem verwendet wird, der auf die Regierungspropaganda hereinfällt, ähnlich der amerikanischen Verwendung von „patriotard“ [sinngemäß ungefähr: „Patriodepp“] oder „lemming“.

Somit kann man sagen, daß Shiropajew die Geschichte Rußlands als eine Geschichte des Kampfes von Rus‘ gegen Rossiya (Rus‘ gegen Rußland), von Ruskiye gegen Rossiyanie (des Volkes der Rus‘ gegen Russen) sieht, oder vielmehr als einen tausendjährigen Kampf um die Befreiung der Nation der Russkiy aus dem Gefängnis Rossiya. Daher der Untertitel des Buches: Russkiy vzglyad na Rossiyu: Die russische (Russkiy) Sicht auf Rußland (Rossiya). Und deshalb das Einleitungszitat des Buches: „IM nuzhna Vyelikaya Rossiya, a NAM nuzhna Velikaya Rus’”: „SIE brauchen ein großes Rossiya, und WIR brauchen eine große Rus‘.“

Shiropajew nennt als Quelle „aus den Gedanken Stolypins vor seinem Tode?“ Das Fragezeichen zeigt eindeutig, daß dies eine wohlbegründete Vermutung des Autors ist. Pjotr Stolypin, ein zaristischer Minister, wird weitverbreitet als einer der größten Russen (oder sogar der größte) aller Zeiten betrachtet. Er war ein liberaler Patriot, der auf die Reformierung des Russischen Reiches nach dem modernen demokratischen westlichen Modell abzielte, das er als den einzigen Weg zur Rettung seines Vaterlandes ansah. Er wurde am 14. September 1911 in Kiew von einem jüdischen Revolutionär, Dmitriy Bogrov, ermordet. Viele russische Autoren, Politiker und gewöhnliche Bürger glaubten und glauben immer noch, daß es, wenn Stolypin nur länger gelebt und seine Reformen vollendet hätte, keinen Zusammenbruch und keine kommunistische Revolution gegeben hätte.

In einer seiner Reden in der russischen Duma (Parlament) erklärte Stolypin: „Wir brauchen ein großes Rußland (Rossiya).“ Shiropajew meint, daß Stolypin in seinen letzten Momenten vielleicht den wahren Sachverhalt verstanden haben könnte: daß Rossiya und Rus‘ zwei entgegengesetzte Kräfte sind, und daß die Reformierung Rußlands in Wirklichkeit dessen Ersetzung durch die Rus‘ bedeutet. Es ist eine ziemliche Ironie, daß dieses tatsächliche Zitat von Stolypin nun eine der Parolen des sogenannten „Russischen Frühlings“ ist, der Propagandakampagne von Putins Regime, die auf die Wiederbelebung der imperialistischen Politik der Föderation abzielt.

Die Ursprünge der Rus‘ und des Volkes der Rus‘

Shiropajew übernimmt die moderne historische Sicht auf die Ursprünge Rußlands: ostslawische Völker, die die heutige Ukraine und die europäischen Teile Rußlands bewohnten, wurden durch Wikinger (Waräger) unter der Führung von Rurik vereinigt. Diese neue Kultur und Gesellschaft ist seitdem immer als Rus‘ bekannt gewesen, und das Volk als die Rus‘. Daher betrachtet Shiropajew die Rus‘ als ein germanisch-slawisches und wahrhaft nordisches Gebilde, dessen natürliche Orientierung eine nach Norden und Westen ist.

Viele Slawophilen lehnen diese Sichtweise ab und sehen die Rus‘ als etwas völlig Autochthones und Slawisches, während Eurasianisten den germanischen Einfluß als etwas Unnötiges und Unerwünschtes betrachten, das zu Recht durch mongolische (somit islamische) und khasarische (somit jüdische) Bestandteile ersetzt worden ist.

In Shiropajews Sicht überschreitet die Identität des Volks der Rus‘ bereits die Stammesteilung zwischen Slawisch und Germanisch und hatte wegen der Anwesenheit nichtarischer Nachbarn (Ugro-Finnen und später Mongolen) von Natur aus eine ethnonationalistische, rassische und weiße Komponente. Shiropajew weist auf die vielen Ähnlichkeiten und gemeinsamen Elemente der russischen Sprache, Kultur und Symbole mit jenen westeuropäischer Völker germanischer oder keltischer Herkunft hin. Das Volk der Rus‘ (Russen im engeren Sinn) ist daher eine westliche, europäische Nation, die auf dem östlichsten europäischen Territorium lebt. Es ist kein asiatisches, eurasisches oder östliches Volk.

Das Zentrum der Rus‘ war zuerst Nowgorod – die nördliche russische Stadt, die nach Norden und zum Meer orientiert ist und Handels- und Kulturbeziehungen zu anderen nord- und westeuropäischen Staaten und Nationen unterhielt. Die anderen Städte der Rus‘ waren die Stätten warägischer Ansiedlungen: Ladoga, Belosersk, Pskow, Polazk, Gnezdowo-Smolensk etc. (gegenwärtiges Nordwestrußland). Städte wie Kiew und Tschernigow waren die Ergebnisse weiterer Expansion dieses nordischen Staates nach Süden, wobei Moskau eine der letzten war und am der östlichen Rand der Rus‘ lag.

Die politische Kultur des Volkes der Rus‘ beruhte auf organischer Stammesdemokratie (verkörpert durch die Wetsche – die Versammlung aller Freien, die alle politischen Entscheidungen traf, entsprechend dem skandinavischen Thing) in Verbindung mit einer Kriegeraristokratie. Die Rus‘ schätzten die Freiheit sehr – aber es war eine harte Freiheit, verbunden mit dem europäischen faustischen Geist, der die Erfüllung in den kalten Landschaften des Nordens suchte.

Anti-Rus‘: Das eurasische Projekt

Laut Shiropajew war die Rus‘ von Anfang an mit etwas konfrontiert, das er „das Projekt“ nennt. Das Projekt ist der Plan unterschiedlicher Gruppen (ethnisch, kulturell, religiös, politisch etc.), diese ursprünglich homogene nordische, nach Norden orientierte und europäische Kultur, die auf den Idealen von Freiheit, Ehre und ethnischer Identität beruhte, in ein multirassisches, despotisches Imperium zu verwandeln, das auf Tyrannei, Sklaverei und Terror beruhte und in dem die ursprüngliche Bevölkerung in Sklaven verschiedener ethnischer und kultureller Minderheiten verwandelt wird.

Die erste Inkarnation des Projekts war Sankt Wladimir der Große: der Großfürst, der sich und die Kiewer Rus‘ taufte. Wladimir war der Sohn von Swjatoslaw I. Igorewitsch: des großen heidnischen Herrschers und Führers, der das Khasarenreich zerstörte (einen nomadischen asiatischen Staat, der den Judaismus als Staatsreligion angenommen hatte) und die Hauptstadt der Rus‘ nach Kiew verlegte – ein passenderes Zentrum zukünftiger Expansionen. Jedoch konzentriert sich Shiropajew mehr auf Wladimirs mütterliche Abstammung. Wladimir war ein unehelicher Sohn von Swjatoslaw und einer seiner Dienerinnen: Malusha. Während manche Historiker argumentieren, daß Malusha von nordischer Herkunft gewesen sein könnte (die Tochter eines der Warägerkrieger) oder von slawischer Herkunft (die Tochter eines Stammesherrschers), schließt Shiropajew sich anderen Historikern an, die behaupten, daß Malusha (tatsächlicher Name: Malka oder Mala) von khasarischer und jüdischer Herkunft war. Diese jüdische Abstammung würde viel vom Leben Wladimirs erklären, der von den Menschen um ihn verachtet wurde. Während es üblicherweise heißt, daß der Grund dafür seine illegitime und niedrige Herkunft war (seine Mutter war eine Dienerin), behauptet Shiropajew, daß der wahre Grund seine gemischtrassige Herkunft war. Während die Führer und das Volk der Rus‘ germanisch-slawische Vermischung nicht ablehnten, mißbilligten sie die Vermischung mit Fremden wie Juden und Khasaren. Die Gemischtrassigkeit von Wladimir war auch der Grund dafür, daß er von Rogneda (Ragnhild), der Tochter von Rovolod (Ragnvald) von Polazk zurückgewiesen wurde. Wladimir vergewaltigte Rogneda später vor ihrer Familie, die er dann in Anwesenheit von Rogneda töten ließ.

Es ist Wladimir, in dem das multikulturelle, despotische Rossiya seinen Erzeuger findet. Wladimir wählte das universalistische Christentum als offizielle Religion seines Staates, da es den Fokus vom Blut auf die Kultur verlegte. Er war es, der die Grundlagen für das religiös-etatistisch-kulturell-linguistische Verständnis von einem Russen schuf, der nicht länger jemand von nordischem oder slawischem Blut war, sondern nun jeder getaufte Russischsprachige, der die Herrschaft des Fürsten akzeptierte. Das Christentum machte auch die Einführung von Menschen anderer Rassen in die russische Gemeinschaft möglich: Khasaren und Juden, Wladimirs Halbbrüder, konnten durch die Berührung mit Weihwasser zu Russen werden. Das nun Gestalt gewordene Projekt zeigte sofort seinen genozidalen Charakter: ein großer Teil der Bevölkerung der Rus‘ starb im Religionskonflikt der blutigen Christianisierung.

Die Annahme des byzantinischen Christentums führte ein neues Element in die rassische Zusammensetzung der Rus‘ ein, nämlich alle nichtweißen Elemente (Khasaren, Finno-Ugrier und später Mongolen), die nun durch Taufe Teil der Gemeinschaft werden konnten. Das Projekt bestand nun aus zwei Elementen: Byzanz und die Steppe. Shiropajew identifiziert einen neuen Vorkämpfer des Projekts: Fürst Jurij I. Wladimirowitsch, genannt Juri Dolgoruki, der ein Herrscher eines neuen russischen Zentrums war – Moskau. Dolgoruki strebte die Vereinigung der ganzen Rus‘ unter seiner Herrschaft an. Moskau, an den östlichsten Grenzen der Rus‘ mit vielen Kontakten zu nichtweißen Populationen, wurde zu einem neuen Zentrum des Projekts, der Nyerus‘: Nicht-Rus‘ oder Anti-Rus‘. Das Ausmaß der Entfremdung der asiatisierten Moskowiter Fürsten war so hoch, daß der Sohn von Dolgoruki, Sankt Andrei Bogoljubski, Kiew als fremde, „germanische“ Stadt betrachtete. Bogoljubski, dessen Mutter eine kumanische Prinzessin war, brandschatzte und plünderte Kiew in wahrlich asiatischer, steppenhafter Weise. Andreis Bruder, Wsewolod III. Juriewitsch, genannt „Großes Nest“, bestrafte Rjasan und Bjelgorod, indem er sie niederbrannte.

Das Tatarenjoch

Laut Shiropajew war die nordisch-slawische Rus‘ immer noch am Leben und kämpfte gegen diese despotische Moskowitertyrannei der Steppe, dieses Anti-Rus‘ oder Proto-Rossiya. Das Zentrum der weißrussischen Tradition war die älteste Stadt der Rus‘, das im Norden liegende Nowgorod mit seiner aristokratisch-republikanischen Herrschaft und Tradition, mit Handelsrouten wie auch kulturellen Kontakten zu nord- und westeuropäischen Staaten und Städten.

Shiropajew glorifiziert einen der Antihelden der russischen Geschichtsschreibung (und einen Helden der ukrainischen Geschichtsschreibung): Fürst Daniel von Galizien, der durch einen päpstlichen Erzbischof zum ersten König der Rus‘ gekrönt wurde, für das Versprechen, die russischen Länder unter die päpstliche Autorität zu bringen (ein Versprechen, das nie erfüllt wurde). Shiropajew betrachtet diese Wendung Daniels nach Westen als die Reaktion eines bewußten Ariers, der eine Vereinigung mit Westeuropa gegen die Expansion der Moskowiter Fürsten (die er als fremde Asiaten betrachtete) und dann gegen die offen asiatische Goldene Horde anstrebte.

Andererseits verdammt Shiropajew einen der Helden der russischen Geschichte: Alexander Newski (einen Heiligen der orthodoxen Kirche). Newski war ein loyaler Diener der Horde, der immer den Willen der mongolischen Oberherren erfüllte, während er brutal die westlichen Mächte bekämpfte, die in der Rus‘ eingriffen. Für Shiropajew ist dies ein Verrat am nordischen Blut und den Traditionen der Rus‘.

Einer der Wendepunkte der russischen Geschichte ist die Schlacht an der Kalka im Jahr 1223, in der die vereinigten Armeen der russischen Fürsten eine große Niederlage durch die mongolischen Armeen der Goldenen Horde erlitten (die in slawischen Ländern „Tataren“ genannt werden). Die Grausamkeit der Mongolen war viel größer als jene der westlichen Welt. Ein gutes Beispiel ist das Schicksal der russischen Fürsten, die unter der Bedingung kapitulierten, daß sie und ihre Soldaten verschont würden. Die Mongolen rotteten die Soldaten aus, dann wurden die Fürsten gefesselt, und eine Plattform wurde auf sie gelegt, auf der die Mongolen ihren Sieg feierten und die Fürsten und Adeligen unter sich erstickten.

Nach dieser Niederlage stand die gesamte Rus‘ unter fremder Herrschaft, dem sogenannten „Tatarenjoch“. Die Tataren hatten eine besondere Art, die eroberten Nationen zu regieren. Sie besetzten die Länder nicht und plazierten dort keine Armeegarnisonen. Sie zwangen die örtlichen Herrscher, sich selbst zu regieren und riesige Tribute an die mongolischen Oberherren zu zahlen. Im Falle mangelnder Unterordnung durch die örtlichen Bevölkerungen oder Herrscher organisierten die Mongolen Strafexpeditionen oder schlossen sich örtlichen Fürsten bei der Unterdrückung von Rebellionen an, wobei sie Städte niederbrannten und die Bevölkerungen ausrotteten. Die Mongolen förderten auch die Rassenvermischung, indem sie örtliche Fürsten mit den Töchtern von Khanen und des mongolischen Adels verheirateten sowie Sex-Sklaverei und Zwangsheiraten einheimischer Frauen mit Mongolen praktizierten. Sie unterstützten auch tatarische Ansiedlungen in den eroberten Territorien. Die Fürsten mußten nicht nur Tribute an die Khane zahlen, sondern es gab auch eine Menge symbolischer Gewalt. Sie mußten regelmäßig die Khane besuchen und ihnen Respekt erweisen, indem sie sich vor ihnen niederwarfen oder sogar ihre Köpfe unter den Fuß des Khans legten, oder Tropfen von kumys (vergorener Stutenmilch) aufleckten, die vom Khan auf den Boden geschüttet wurden.

Shiropajew nennt die Goldene Horde geradeheraus die UdSSR der mittelalterlichen Welt: eine asiatische multikulturelle Tyrannei. Es geschah während dieser Zeit, daß die russischen Fürsten „voll auf Asien machten“ und die despotischen Gebräuche der Horde übernahmen. Die große freiheitsliebende nordische Rus‘ wurde durch die asiatische Tyrannei der Anti-Rus‘ ersetzt. All die schlimmsten Praktiken der russischen Staaten, einschließlich der völkermörderischen Maßnahmen gegen besiegte Populationen, Herrschaft durch Minderheiten, blutiger Expansionismus und Rassenvermischung können bis zur Goldenen Horde zurückverfolgt werden.

Shiropajew und seine eurasischen Gegner sind sich in dieser Sache einig: die Mongolenherrschaft stand am Beginn von Rußland, wie wir es kennen. Shiropajew betrachtet sie jedoch als den großen Sieg des Projekts, gegen das das wahre Rußland die ganze Zeit seither gekämpft hat. Auf der anderen Seite betrachten Eurasianisten dies als den wahren Beginn der russischen (oder vielmehr russisch-mongolischen) Kultur, des russischen Reiches und der russischen Macht. Die Goldene Horde erzwang die Vereinigung Rußlands, und viele der administrativen Regeln und Unterteilungen überleben bis zum heutigen Tag. Eurasianisten gehen sogar so weit, die Zeiten der slawisch-nordischen Fürsten und dann der Zaren als Zeiten des „Germanenjochs“ zu bezeichnen.

Die Haltung der russisch-orthodoxen Kirche unter dem Mongolenjoch ist ein sehr wichtiger und aufschlußreicher Aspekt der Entwicklung des Projekts. Die Kirche leistete in gewissem Ausmaß Widerstand gegen die Tatarenherrschaft, nicht aus rassischen oder nationalen, sondern aus religiösen und politischen Gründen. Die orthodoxe Priesterschaft hatte kein Problem damit, Mongolen zu taufen und sie nicht nur als Mitglieder der christlich-russischen Gemeinschaft zu akzeptieren, sondern auch als Priester oder Mönche, und machte sie sogar zu hochrangigen Amtsträgern der Kirche und erklärte sie zu Heiligen. Dies stand in Einklang mit der Politik der multikulturellen byzantinischen kaiserlichen Tradition, die immer die volle Rassenvermischung unterstützt hatte, unter der Bedingung, daß alle Beteiligten getauft waren.

Was der Kirche jedoch nicht gefiel, war, daß die mongolischen Oberherren, die loyalen orthodoxen Lokalfürsten vorgesetzt waren, keine Christen waren und die Autorität des orthodoxen Klerus nicht respektierte. Daher unterstützte die Kirche immer voll die russischen Fürsten – ob sie nun der Horde loyal waren, örtliche Autonomie zu gewinnen oder das Tatarenjoch zu stürzen versuchten. Wäre der Khan selbst ein orthodoxer Christ geworden, hätte die Kirche ihn zur höchsten Autorität auf Erden erklärt, das heilige Recht von Khanen auf die Herrschaft über die nordische Bevölkerung der Rus‘ anerkannt und jeden Akt des Widerstands gegen die Tatarenherrschaft sowohl als Verbrechen als auch als Blasphemie betrachtet und (höchstwahrscheinlich) den orthodoxen Khan nach seinem Tod zum Heiligen erklärt.

Die orthodoxe Kirche ist seit ihrem frühesten Anfang der imperialen Tradition der Unterstützung des Staates loyal gewesen – solange dieser orthodox blieb. Der orthodoxe Klerus ist immer in gewissem Maß als Vertreter (oder Verteidiger) des Staates betrachtet worden, und Amtsträger des Staates sind immer in gewissem Maß als Vertreter (oder Verteidiger) der Kirche betrachtet worden. Die gesamte orthodoxe Theologie war sehr verschieden von der westlichen christlichen Tradition. Die Mitglieder der orthodoxen Kirche werden nicht als Gottes Kinder oder auch nur Diener Gottes betrachtet – sie werden „ryaby Bozhe“ genannt: die Sklaven Gottes. Das orthodoxe Ritual ist voller Niederwerfungen und Verbeugungen vor Priestern wie auch vor heiligen Objekten. Das mongolische System, in dem Menschen nicht Bürger eines Staates sind, sondern Sklaven des Khans, der totalen Gehorsam und rituelle Selbsterniedrigung vor dem Khan und seinen Amtsträgern fordert, paßte sehr zu den Lehren, Praktiken und Ritualen der orthodoxen Kirche. Das Mongolenjoch betonte und entwickelte jene Elemente, die in der byzantinischen Kirche bereits vorhanden waren.

Der Moskauer Ulus

Das Mongolenreich war in Provinzen, genannt Ulus, unterteilt. Khane zogen es vor, daß jeder Ulus einen örtlichen Herrscher hatte, der direkt dem Khan verantwortlich war, Steuern und Tribute von allen örtlichen Herrschern und Körperschaften einsammelte und sie im Fall von Ungehorsam wieder auf Linie brachte. Die Mongolen griffen nicht in örtliche Gebräuche, Verwaltungen oder Religionen ein, solange der Ulus loyal blieb und Tribute zahlte. Daher unterstützten die Khane die Vereinigung russischer Länder unter einem Herrscher, der entweder andere Fürsten als örtlicher Hegemon beherrschen oder sie einfach als der alleinige König ersetzen würde. Moskau mit seinen Herrschern und seiner Kultur (vermischt in Blut und Geist) schien das passendste neue Zentrum des Ulus zu sein. Und somit begann die nächste Phase des Projekts: die Vereinigung von Rus‘ unter der Vorherrschaft der Moskowiter.

Laut Shiropajew betrachteten die Mongolen die Moskauer Fürsten nicht als bloß ihre Diener. Sie sahen sie als Mit-Asiaten, die bei der Kolonisierung und Ausbeutung der weißen Bevölkerung von Rus‘ halfen. Sogar der russische Held Alexander Newski nahm die Mongolen nicht als Fremde wahr, sondern als edle Landsleute. Fürst Juri von Moskau heiratete die Ehefrau eines Khans, was beweist, daß die Khane sie als zum höchsten tatarischen Adel gehörend betrachteten – dem Khan untertan, aber dennoch von gemeinsamem Blut. Moskau war ein orthodoxer Ulus der Horde. Es waren die Moskauer Fürsten, die ganz Rus‘ vorstanden und direkt dem Khan verantwortlich waren. Allen naiven Russen, die fragen: „Wie konnten die Moskauer Fürsten Strafexpeditionen mit den Tataren gegen ihre eigenen russischen Brüder durchführen?“ antwortet Shiropajew: „Moskowiter Fürsten griffen Russen Hand in Hand mit ihren tatarischen Brüdern an.“ Shiropajew erklärt kühn: Moskau ist nicht Rus‘, sondern Anti-Rus‘. Die Herrscher von Moskau waren keine Russen, sondern Moskowiter Fürsten. Rus‘ verblieb nur in seinem ersten großen Zentrum – in Nowgorod.

Shiropajew zerschmettert den Mythos der Schlacht auf dem Kulikowo Pole im Jahr 1380. Der offiziellen und populären Geschichte zufolge besiegten die vereinten russischen Fürsten die Mongolen und rissen das Tatarenjoch ab. Dies ist einer der archetypischen Triumphe der lichten Kräfte Europas über die dunklen Kräfte Asiens. Jedoch behauptet Shiropajew, daß dies völlig falsch ist. In Wirklichkeit war es eine Rebellion der örtlichen asiatischen Herrscher, der Moskowiter Fürsten, gegen ihre ehemaligen Oberherren. Es war kein Triumph der Rus‘ über die Horde und den örtlichen Ulus. Es war eine Meuterei des Moskowiter Ulus, der beschloß, ein unabhängiger Staat (eine neue Horde) zu werden und die Rus‘ selbst zu kolonisieren. Es war kein europäisch-asiatischer Konflikt – es war ein interner Konflikt innerhalb der Horde. Shiropajew erläutert die Ursprünge des russischen Mythos von Kulikowo Pole als die Stimme rassischer Archetypen des russischen Volkes. Die Russen waren weiß und wollten weiß bleiben. Sie träumten immer davon, die mongolische Tyrannei zu stürzen, und sobald der Ulus die Horde gestürzt hatte, wandelten sie ihn in ihrer Vorstellung in einen rassischen Sieg um und gedachten seiner als solchem in ihren Volksliedern und Gedichten.

Im 14. Jahrhundert erlebte die Goldene Horde eine tiefe politische Krise. Fürst Dmitri Donskoi beschloß, diese Situation auszunützen und selbst ein Khan zu werden – daher führte er vereinigte Streitkräfte des Moskowiter Ulus in der Schlacht auf dem Kulikowo Pole gegen Khan Mamais Armee. Dieser Konflikt hatte keinen anti-tatarischen Charakter, was Serkiz beweisen könnte, ein berühmter Tatarenführer, der das orthodoxe Christentum angenommen hatte und einer der loyalsten und mächtigsten Kameraden von Dmitri Donskoi war. Serkiz wurde später als voller Russe akzeptiert und gründete ein Dorf Serkizowo (nun ein Stadtbezirk von Moskau).

Dmitri Donskoi gelang es nicht, eine neue Horde des Moskauer Ulus zu schaffen. Der besiegte Khan Mamai wurde von einem seiner Generäle, Toktamisch, gestürzt, der dann eine Strafexpedition organisierte, welche Moskau brandschatzte. Dmitri Donskoi akzeptierte die Herrschaft von Toktamisch und versuchte etwas Unabhängigkeit von den Khanen zu gewinnen. Für seine Leistungen wurde er vom Khan zum mongolischen obersten Steuereinnehmer und Großfürst von Wladimir gemacht und nach seinem Tod von der orthodoxen Kirche zum Heiligen erklärt. (Die endlosen Kanonisierungen erfolgreicher Fürsten sind den sowjetischen posthumen Auszeichnungen und Ehrungen für führende Parteioffizielle recht ähnlich.)

Die orthodoxe Kirche unterstützte den Kampf um die Unabhängigkeit des Moskauer Ulus. Es war die Verkörperung der Vision vom perfekten orthodoxen Staat, in dem die orientalische Despotie der byzantinischen und mongolischen Traditionen wie auch der imperiale Multikulturalismus offizielle Doktrinen waren. Der Staat und die Kirche konnten endlich eins werden, diesmal unter den Auspizien eines orthodoxen Herrschers: eines getauften Khans.

Nach der Schlacht auf dem Kulikowo Pole versank der Moskauer Ulus in fast einem Jahrhundert der internen Kämpfe zwischen den Fürsten und Fraktionen, aber der Traum von einem vereinigten russischen Land, einer unabhängigen orthodoxen Horde, einer neuen Verkörperung des antirussischen Projekts, war am Leben. Mit dem Großfürsten von Moskau, Iwan III., später bekannt als Iwan der Große, fand das Projekt seinen neuen Vorkämpfer. Iwan versuchte zwei Hauptziele zu erreichen: alle russischen Länder unter seiner Herrschaft zu sammeln (das heißt, unter der Herrschaft des Moskauer Ulus und später der unabhängigen orthodoxen Horde) und der oberste Führer zu werden, der neue Khan. Seine Hauptgegner dabei waren die Goldene Horde, die Republik von Nowgorod und Polen-Litauen.

Die Nowgoroder Republik war das letzte Land der Rus‘, das seinen nordischen Wurzeln treu geblieben war: ein nördlicher Staat mit einer Regierung nach europäischer Art (Fürst und starke Wetsche, ein Rat der prominentesten Bürger) und einer Tradition der Aufrechterhaltung von Handels- und kulturellen Verbindungen zu West- und Nordeuropa. Obwohl es nie von der Goldenen Horde erobert worden war, zahlte Nowgorod Tribut an die Khane, konnte aber ein wahrhaft europäischer Staat bleiben. Es gab auch eine wahrlich inspirierende Tradition der Ushkuiniks – nordslawischer Piraten nach Wikingerart, die die Horde ausplünderten und oft mit der Republik verbündet waren.

Auf der anderen Seite war Polen-Litauen eine neue Macht in Europa: eine Vereinigung des polnischen Königreiches und des litauischen Staates (Litauen war eigentlich eine Verschmelzung des heidnischen litauischen Staates und von Teilen der orthodoxen Kiewer Rus‘). Während die Herrscher Litauens in der katholischen Kirche getauft worden waren, blieb der Großteil des Adels orthodox. Polen-Litauen besiegte Streitkräfte des Deutschritterordens (der von vielen westeuropäischen Rittern unterstützt wurde) im Jahr 1410 in einer der größeren mittelalterlichen Schlachten (der Schlacht von Grunwald oder Ersten Schlacht von Tannenberg) und schaffte es, eine der europäischen Großmächte mit einer originellen Sicht auf Staat und Kultur zu werden. Wegen seiner Verbindungen zur Kiewer Rus‘ konnte Polen-Litauen auch danach streben, einige der russischen Länder zu „sammeln“.

Die Entfremdung zwischen dem mongolisierten Moskauer Ulus und der nordischen Republik Nowgorod war enorm, und die Nowgoroder schauten mit Hoffnung auf Polen-Litauen, mit dem sie viel gemeinsam hatten. Das einzige Hindernis war der Glauben, da Polen-Litauen unter der Herrschaft des polnischen Königs vereinigt war, der Katholik war.

Iwan III. konnte das nicht zulassen. Falls Nowgorod sich Polen-Litauen anschloß, würde dies eine echte Alternative schaffen: eine europäische Rus‘, die in der Lage wäre, das von Moskowien verkörperte Projekt zu bekämpfen. Daher beschloß Iwan III., in Nowgorod einzumarschieren. Im Jahr 1471 organisierte Iwan III. seine erste Expedition gegen Nowgorod, die Shiropajew einfach eine Invasion eines anderen Landes nennt, die auf den Genozid an den Bürgern abzielt. Den Moskowiter Streitkräften würde befohlen, das Volk auszurotten, einschließlich Frauen und Kindern. Die Mongolen unterstützten Iwan III. und stellten ihm tatarische Reiter zur Verfügung.

Iwan III. übernahm die teilweise Kontrolle über Nowgorod und begann mit dem Prozeß der Unterwerfung der Republik unter die Herrschaft Moskaus. Die Bestrafung der für Polen-Litauen eingestellten Adeligen, die Ausrottung der Bevölkerung, der Raub von Nowgorods Reichtümern, die Wegnahme des Landes der Republik – die Handlungen waren dieselben wie die mongolische Behandlung der Russen gleich nach der Niederlage an der Kalka. Die Nowgoroder versuchten zu rebellieren und das Moskowiterjoch abzuschütteln, aber Iwan III. bestrafte sie schrecklich. Im Jahr 1478 nahm er die Stadt ein und massakrierte die Einwohner. Dies war die Erfüllung eines langgehegten Traumes der Moskowiter Fürsten und ein großer Sprung nach vorn für das Projekt: das letzte Zentrum der nordischen Tradition der Rus‘ war endlich zerstört.

Wie Shiropajew hervorhebt, war dies kein innerrussischer Konflikt. Streitkräfte der Horde, repräsentiert durch den Moskauer Ulus, griffen einen unabhängigen Staat an: das letzte Land, das immer noch der nordisch-slawischen Tradition loyal war. Das Ziel von Iwan III. war die völlige Zerstörung der Rus‘: er befahl die Ausrottung des Volkes, die Verbrennung der Stadt, die Vernichtung der Wetsche (des Rates) und des Adels, die Verbrennung von Büchern und Artefakten. Das Blut und der Geist der Rus‘ sollten von der Horde vernichtet werden. Aber der freiheitsliebende arische Geist von Nowgorod konnte nicht erstickt werden, und selbst nach der Zerstörung der Stadt sollten Menschen sich gegen die Moskowiter Despoten erheben, die noch brutaler Vergeltung übten, in wahrhaft asiatischer Weise.

Nachdem Nowgorod unterworfen und die Drohung einer Allianz zwischen Polen-Litauen und der Rus‘ verhindert war, setzte Iwan III. den Prozeß der „Sammlung der russischen Erde“ fort, was in Wirklichkeit die brutale Einverleibung autonomer und halb-autonomer Fürstentümer in den Moskowiter Ulus bedeutete.

Im Jahr 1476 beschloß Iwan III., die Unabhängigkeit von der Horde zu gewinnen, und weigerte sich, den jährlichen Tribut zu zahlen. Khan Akhmat organisierte eine Strafexpedition, die in einer der seltsamsten Schlachten der Geschichte resultierte: dem Großen Patt am Fluß Ugra im Jahr 1480. Die Armeen von Iwan III. standen an einem Ufer der Ugra und standen den Armeen des Khans gegenüber, die das andere Ufer besetzten. Beide Seiten warteten, und warteten… und dann zogen sich beide zurück! Dies war natürlich ein Sieg für Iwan III., der seine Macht über russische Länder demonstriert hatte, und eine Niederlage für den Khan, der Schwäche zeigte und bald von seinen Landsleuten ermordet wurde.

Das Patt an der Ugra wird oft als das „Ende des Jochs“ wahrgenommen, und Iwan III. als der Befreier Rußlands. Dies ist weit von der Wahrheit entfernt. Das Joch endete nicht. Iwan III. behielt den mongolischen Despotismus bei und behandelte seine Untertanen mit derselben Grausamkeit wie die tatarischen Oberherren. Mongolisiert in Blut und Geist, wurden die Moskowiter Fürsten zu den neuen Khanen. Der unabhängige Moskauer Ulus, das Großfürstentum Moskau, war nun die Verkörperung des antirussischen Projekts, das von zwei Säulen gestützt wurde: der mongolischen Despotie und der byzantinisch-orthodoxen Kirche, beide gleichermaßen imperialistisch und multikulturell – beide gleichermaßen fremd und feindselig gegenüber der nordisch-slawischen Tradition.

Die Mütze des Monomach.

Die Mütze des Monomach.

Um die byzantinische Säule des Projekts zu stärken, heiratete Iwan III. Sofia Palaiologos, die Tochter von Thomas Palaiologos, des Bruders von Konstantin IX., des letzten Kaisers von Byzanz. Diese Heirat führte viel byzantinische Symbolik in die Moskowiter Kultur ein, einschließlich des Doppeladlers. Ein gutes Beispiel für die byzantinisch-mongolische Ehe ist die Mütze des Monomach, die Krone der russischen Großfürsten und später Zaren, die von tatarischer Herkunft war, wahrscheinlich ein Geschenk des Khans, der sie verwendete, um das Oberhaupt des Ulus zu kennzeichnen. Mit einem oben hinzugefügten Kreuz wurde sie nun zum Symbol der Moskowiter Souveränität, und es wurde behauptet, sie wäre byzantinischen Ursprungs. Die andere russische Krone, die Mütze von Kasan, war einfach eine Krone der örtlichen Khane von Kasan.

Kommentare aus dem Originalstrang auf Counter-Currents:

Razvan:

Die Wahrheit soll auf keinen Fall gefürchtet werden. Der Autor sollte für seinen Mut und seine Würde gelobt werden. Blind gegenüber dem Asianismus zu sein, tut den Euro-Rus‘ nichts Gutes. Warum sollte irgendjemand die Rus‘ hassen, die Opfer der asiatischen Invasoren sind? (Wie jeder andere in Osteuropa.)

Vergleicht das mit der asiatischen Schwärmerei von Dugin, und der imperialen Propaganda! Dies ist reine, frische Luft. Es gibt Hoffnung, daß nicht alles verloren ist und daß es ein paar weitere Brüder und Völker zu bewundern gibt.

Was kann ich sagen? Es hat mich zutiefst beeindruckt.

Walter Oleg:

Um die Dinge noch komplizierter zu machen: Die Rurikiden (die Wikinger, die die Rus‘ gründeten) hatten die Haplogruppe N1C1, die finnisch-ugrisch ist:

http://www.eupedia.com/forum/threads/28551-Scandinavian-origin-of-the-Rurikid-N1c1-lineage-from-Central-Sweden

Leon:

Ein guter Artikel, aber ich kann nicht anders als zu befürchten, daß die großteils zutreffende Kritik am russischen Staat und dessen Herrscherschicht, wie sie in diesem Artikel präsentiert wird, als Bestätigung der russophoben Äußerungen bestimmter nichtrussischer Nationalisten gegen das wirkliche russische Volk gesehen werden wird. Ich bin froh, daß Jaroslaw sich die Zeit genommen hat, den Unterschied zwischen ethnischen Russen (Russkiye) und Untertanen Rußlands (Rossiyane) am Beginn des Artikels klarzumachen.

Noch eine Krittelei: der Artikel bezeichnet „Finno-Ugrier“ wiederholt als nichtweiß. Seit wann sind Finnen nicht weiß?

Greg Johnson:

Bezüglich Finno-Ugriern: Ich weiß. Ihre Sprache ist nicht europäisch, aber sie sind europäisch. Und die Tatsache, daß ihre Sprache mit asiatischen Sprachen verwandt ist, bedeutet nicht,daß sie sie von Asiaten haben, denn die Übertragung könnte auch andersrum gelaufen sein.

*   *   *

Fortsetzung:

Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 2

 

Siehe auch:

Das „jüdische“ Khanat: Geschichte und Religion des Reiches der Chasaren

Der Mythos von Khasaria – Teil 1 und Teil 2 von David Duke

Die Slawen, Teil 1: Ihre Geschichte

Die Slawen, Teil 2: Alltag, Wirtschaft, Religion

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2 Kommentare

  1. Ich habe jetzt noch ein paar Kommentare aus dem Originalstrang auf Counter-Currents übersetzt und hinzugefügt.

    Bezüglich der Unterscheidung zwischen „Russkiye“ und „Rossiyane“ ist auch zu erwähnen, daß der offizielle Staatsname des heutigen Rußlands, „Rossijskaja Federazija“, der auf Deutsch meist ungenau verkürzt mit „Russische Föderation“ wiedergegeben wird, genau übersetzt „Rußländische Föderation“ bedeutet.

    Während „Russkiye“ also die echten Russen sind, könnte man die Bezeichnung „Rossiyane“ eigentlich recht treffend mit „Rußländer“ übersetzen. Und da fällt mir wieder die Bezeichnung „Deutschländer“ ein, die die türkischstämmige Rechtsanwältin Seyran Ateş als „positiv zu besetzendes“ Selbstverständnis für die in Deutschland lebenden Türken empfiehlt. Siehe dazu Manfred Kleine-Hartlages lesenswerten Artikel Seyran Ateş: „Der Multikulti-Irrtum“, aus dem ich den nachfolgenden Abschnitt zitiere:

    Im Unrecht ist sie nicht mit ihrer Kritik, sondern mit dem, was ihr positiv vorschwebt. Das beginnt mit ihrem Selbstverständnis:

    „‚Deutschländer‘, so werden … die in Deutschland lebenden Türken in der Türkei genannt. Der Begriff war in erster Linie negativ gemeint, ich finde ihn allerdings sehr zutreffend für Menschen, die in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt haben, ohne auf eine lange Familiengeschichte in Deutschland zurückzublicken. Man könnte ja anfangen, ihn positiv zu besetzen. ‚Deutschländer‘ gefällt mir jedenfalls um einiges besser als alle anderen Varianten. Ich persönlich kann mich recht gut mit ihm identifizieren – auch wenn es eine Würstchensorte gibt, die so heißt. In dem Begriff ‚Deutschländer‘ ist Deutschland enthalten, das Land, in dem wir leben, und er betont die Zugehörigkeit zu diesem Land, zu seiner Gesellschaft.“ (S.26 f.)

    Zum Land ja. Zur Gesellschaft ja. Zur Nation – nein!

    Deutschland, das sagt sie oft genug, ist ihre Heimat, aber die Deutschen, das sagt sie, indem sie es nicht sagt, sind nicht ihre Nation. Sie wird lieber mit einem Würstchen verwechselt als für eine Deutsche gehalten. (Meinetwegen auch für eine türkischstämmige Deutsche – in Zusammenhängen, in denen es darauf ankommt.)

    Typisch sind übrigens wieder die Bestrebungen der israelischen Kommentatorin „beer7“ (alias „Ruth“) in diesem Korrektheiten-Strang, den Nations- und Volksbegriff in pilpulistischer Weise zu dekonstruieren und zu etwas bloß „Gefühltem“; einer „Fiktion“, zu erklären.

    Antwort
  2. Richard

     /  15. Mai 2016

    Auch Jarosław Ostrogniew hat mit dieser Artikelserie inspirierende und interessante Lektüre geschaffen, denn für viele liegen die Anfänge Russlands ebenso im pechschwarzen Dunkel wie etwa die Begriffe Slawen, Germanen, Arier.

    Für mich sind folgende zwei Aspekte am interessantesten:
    1) Die Rassenmischung der weißen Völker mit Nichtweißen im Laufe der Geschichte.
    Hier sind vor allem die Slawen betroffen, da vor allem sie die Wucht der ständigen asiatischen Invasionen auffangen mussten; Hunnen Mongolen, Osmanen und andere Völkerschaften aus dem Osten wüteten vor allem hier und daher kommen auch die leichten aisatischen Beimischungen, die man bei manchen Russen sehen kann. Die Russen sind aber natürliche Weiße, die unsere Kultur erhalten und auf ihr aufbauen können – sie können im wahrsten Sinne des Wortes zu den Sternen reisen. – Ob dazu die Portugiesen, die ihren Genpool im 15. Jh. durch den massenhaften Import von Negern ruinierten und seitdem von einer beherrschenden Macht Europas zu dessen Armenhaus abgestiegen sind, noch können, entzieht sich meiner Kenntnis.

    2) Imperien als mächtiger Motor der Rassenvermischung
    (Neben diesem Artikel ist auch Emile Durands Essay „Illusionen weißer Nationalisten über Rußland“ hier erhellend).

    Antwort

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