Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 2

Wiktor Wasnezov, „Iwan der Schreckliche“, 1897 (Detail)

Wiktor Wasnezov, „Iwan der Schreckliche“, 1897 (Detail)

Von Jarosław Ostrogniew (Original: Alexiey Shiropayev’s Prison of the Nation: An Ethnonationalist History of Russia, Part 2, erschienen am 29. Januar 2016 auf Counter-Currents). Übersetzung: Lichtschwert.

Teil 2 von 4. Zuvor erschienen: Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 1

Der Archetyp des Tyrannen: Iwan der Schreckliche

Während Iwan III. das Fundament eines unabhängigen russischen Königreichs schuf (oder vielmehr eines orthodoxen Moskowiter Khanats), war es sein Enkel Iwan IV. Wassiljewitsch, besser bekannt als Iwan der Schreckliche, der das zaristische Rußland schuf und die wahren Moskowiter Expansionen des 16. Jahrhunderts begann.

Shiropajew identifiziert die Gründung der Opritschnina als die größte Errungenschaft des antirussischen Projekts unter Iwan dem Schrecklichen. Opritschnina ist ein Begriff, der für die Beschreibung der Innenpolitik von Iwan dem Schrecklichen verwendet wird: brutale Stärkung der Macht des Zaren und Unterdrückung allen Widerspruchs, was die Zerschlagung der inneren Opposition seitens der Bojaren (der russischen Adeligen) oder jeglicher separatistischer Tendenzen bedeutete. Die Ausführenden dieser Politik waren die Opritschniks: Mitglieder einer Elitegarde, die direkt dem Zaren verantwortlich war. Sie wurden zu seinen Hunden und Besen erklärt (zur Bewachung und Säuberung seines Königreichs). Die Methoden der Opritschniks waren Folter und Hinrichtungen, Terror und Verrat. Shiropajew betrachtet die Opritschniks als Vorbild für die spätere sowjetische Sicherheitstruppe, die Tscheka, die Russen nach der Revolution hinrichtete.

Iwan der Schreckliche wird oft als labiler, geistesgestörter Mann dargestellt, dem es – trotz seiner Krankheit – gelang, einen effektiven russischen Staat aufzubauen. Shiropajew sieht das anders: Iwans Handlungen erscheinen abnormal im Vergleich zu europäischen Herrschern. Aber wenn man ihn mit mongolischen Khanen vergleicht, so sind seine Zornausbrüche, seine Ausrottungen ganzer Populationen, seine Neigung zu Grausamkeit und daß er sogar Mitglieder seiner eigenen Familie ermordete, nur typische Eigenschaften eines asiatischen Despoten. Seine Politik des Terrors und der Expansion sollte nicht als bloße persönliche Marotten betrachtet werden. Sie sind genau die Art, wie die mongolische Tyrannei und die Horde immer funktioniert hatten.

Die Mutter von Iwan dem Schrecklichen war Helena Glinskaja, deren Familie vom mongolischen Khan Mamai selbst abstammte. Iwan der Schreckliche war Asiate in Blut und Geist, was einer der Gründe dafür ist, daß er keine Zurückhaltung bei der Ausrottung der russischen Bevölkerung hatte, die er als seine Sklaven von fremder Herkunft betrachtete. Unter der Herrschaft von Iwan dem Schrecklichen erlitten Asiaten keine Diskriminierung; ganz im Gegenteil. Der Zar respektierte die asiatischen Adelstitel und betrachtete den mongolischen Adel als von höherem Rang als seine weißen Untertanen (oder genauer: Sklaven). Jedoch begünstigte Iwan der Schreckliche das orthodoxe Christentum und förderte die Christianisierung, was im Grunde bedeutete, daß die Ostexpansion Rußlands in Rassenvermischung resultierte, da getaufte Mongolen als reguläre Mitglieder der orthodoxen Gesellschaft betrachtet wurden.

Der letzte Khan des Khanats von Kasan, Yadegar Mokhammat, kämpfte zuerst gegen Iwan den Schrecklichen, akzeptierte aber schließlich die Herrschaft des Zaren, konvertierte zum Christentum und wurde unter dem Namen Simeon Kasajewitsch ein russischer Adeliger. Ein weiterer Khan, Sain-Bulat, später bekannt als Simeon Bekbulatowitsch, heiratete eine der Töchter von Iwan dem Schrecklichen und wurde (für ein Jahr) vom Zaren zum Großfürsten der Rus‘ gemacht; Simeon wurde später zum Großfürsten über Twer und Torschok gemacht, zu einem der Befehlshaber der Armee des Zaren, und wurde schließlich ein orthodoxer Mönch. Ein weiterer Tatar am Hof des Zaren war Boris Godunow, einer der Opritschniks, ein Mitglied einer christianisierten mongolischen Familie, der einer der Favoriten von Iwan dem Schrecklichen War und nach dessen Tod Zar wurde.

Shiropajew verspottet patriotische russische Historiker, die sich über den angeblichen Antisemitismus von Iwan dem Schrecklichen freuen: als Iwans Armee Dwina einnahm, ermordete sie alle jüdischen Einwohner der Stadt. Wie jedoch Shiropajew aufzeigt, ermordete sie auch alle katholischen Kleriker, die Weiße waren. Außerdem wurde dieses Massaker von tatarischen Truppen ausgeführt.

Shiropajew präsentiert eine lange Liste von Hinrichtungen und Massakern, die von den Opritschniks auf Befehl von Iwan dem Schrecklichen durchgeführt wurden. Sie sind nicht nur erschreckend wegen der Opferzahlen, sondern auch wegen der Hinrichtungsmethoden, eine Tradition, die von den Mongolen geschaffen wurde und später im sowjetkommunistischen Genozid kulminierte. Das bedeutendste Massaker, das von Iwan dem Schrecklichen befohlen wurde, war (wiederum!) die Zerstörung von Nowgorod. Dieses Zentrum der nordisch-slawischen Rus‘ versuchte wieder, gegen das Projekt „Rossiya“ zu rebellieren. Die Stadt wurde geplündert und verbrannt und die Einwohner ausgerottet. All die Morde und die Zerstörung hatten ein Ziel: alle russischen Länder unter dem Moskowiter Joch des neuen orthodoxen Khans zu vereinigen. Alles an möglichem Widerspruch, Selbstregierungsformen, regionalen Traditionen und örtlicher Autonomie wurde ausradiert.

Jedoch konnte der Geist der Rus‘ nicht sterben, da er in das Blut wahrer Russen, der „Russkiye“, eingeschrieben ist. Diese Sehnsucht nach Freiheit wurde von Iwan dem Schrecklichen in etwas benutzt, das Shiropajew als einen der gerissensten Pläne des Zaren identifiziert: der Ausdehnung des Zarenreiches nach Osten. Russen, die unter asiatischer Tyrannei erstickten, wurden dazu ermutigt, in die weiten Territorien Sibiriens einzudringen – zuerst als Händler, dann als Militärexpeditionen. Es waren besonders die Kosaken, die Shiropajew als die Verkörperung des freien russischen Geistes identifiziert, die auf den Ruf hörten, und unter der Führung von Jermak (selbst ein Kosak!) begannen sie die lange Reise in den Osten. Aber sie wurden von Iwan hereingelegt. Die Russen glaubten, daß sie die asiatischen Einwohner Sibiriens vertreiben und sich niederlassen würden, um eine wildere und freiere Gesellschaft zu schaffen. Aber Iwan hat die örtliche Herrscher zu Adeligen gemacht, wodurch sie ihre örtliche Macht behielten. Getaufte Asiaten wurden als den Russen gleichgestellt betrachtet. Und Jermaks Gefolgsleute wurden zu Untertanen der asiatischen Kriegsherren und Fürsten gemacht, gegen die sie kämpften. Sibirien wurde kein neues autonomes russisches Land, sondern nur ein weiterer Teilbereich der multiethnischen Moskowiter Despotie.

Gegen das Projekt: Stepan Rasin und Peter der Große

Für Shiropajew sind die Kosaken eine Verkörperung des ursprünglichen arischen Geistes der Rus‘. Die Zaren benutzten ihre faustische Sehnsucht nach Freiheit und Expansion als Mittel zur Untergrabung dieses Geistes und zur Erweiterung der Grenzen des Imperiums. Jedoch wurden die Kosaken nicht immer getäuscht und waren in der Lage, sich gegen das Projekt zu wenden. Ein Beispiel dafür und ein großer Held der Rus‘ ist der Kosakenführer Stepan Rasin, der von 1670 – 1671 gegen das zaristische Regime rebellierte.

Shiropajew weist darauf hin, daß viele der Kosakentraditionen – die Verehrung des Militärs, die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer, der stammesverbundene Charakter dieser spezifischen Kriegeraristokratie, die Tradition der Kombinierung der Autorität der Führer mit der Stimme der Besten des Volkes durch Räte, sogar die symbolische Bildsprache, Volksmärchen und religiöse Vorstellungen – alles Überbleibsel des ursprünglichen nordisch-slawischen Geistes der Rus‘ sind. In anderen Worten, die Kosaken blieben den Traditionen der Slawen und Wikinger treu.

Der Aufstand von Stepan Rasin wird im rassischen Sinne als ein Konflikt zwischen der arischen Rus‘ und dem asiatischen Rußland dargestellt. Shiropajew verbindet Rasins Rebellion mit dem Aufstand des Solowezki-Klosters, wo Mönche die Reformen von Patriarch Nikon ablehnten. Und obwohl Shiropajew das orthodoxe Christentum als eine Kraft der spirituellen Unterwerfung der Rus‘ unter das Joch des Projekts betrachtet, betrachtet er diesen Aufstand als einen Ausdruck des Geistes der nördlichen Rus‘, des Widerstandes von Nowgorod gegen Moskau. Leider wurden beide Erhebungen in Blut ertränkt, und Moskowien bekam seinen Willen. Nach diesen Repressionen hatten das zaristische Regime und die orthodoxe Kirche, beide stärker als je zuvor, alle russischen Länder in eisernem Griff.

Jedoch entstand eine Bedrohung für das Projekt von der am wenigsten wahrscheinlichen Person: dem neuen Zaren Peter dem Großen. Peter war ein Produkt der Wiederverbindung mit Europa durch die Romanows, heiratete sogar in den dänischen und deutschen Adel ein. Er neigte nicht nach Süden und Osten – zu den Mongolen und zu Byzanz -, sondern nach Norden und Westen, zu Europa und zur Aufklärung. Während seiner Reisen in Europa kam er mit Ländern in Berührung, die sich auf einem höheren Zivilisationsniveau als sein Vaterland befanden, und er beschloß, Rußland wieder mit dem Westen zu verbinden.

Paul Delaroche, Peter der Große, 1838

Paul Delaroche, Peter der Große, 1838

Im Gegensatz zu vielen der antieuropäischen Kritiker von Peter dem Großen wollte er Rußland nicht dem Westen untertan machen, sondern es mit westlichen Idealen erneuern und es zu einem großen europäischen (nicht asiatischen) Akteur machen. Shiropajew erinnert die Leser daran, daß Peters Einschränkung einiger der „Traditionen“ Rußlands kein Verrat war, nachdem viele dieser Traditionen ein Produkt der mongolisch-byzantinischen Versklavung des Volkes der Rus‘ waren. Hätte Nowgorod seinen Kampf gegen Moskau gewonnen, würde Rußland sich in ähnlicher Weise wie Schweden, Deutschland oder Polen entwickeln. Daher bedeutete das Abtrennen vieler russischer Gebräuche die Wiederherstellung älterer Traditionen der Rus‘.

Die Modernisierung Rußlands durch Peter den Großen bedeutete die Wiedereinführung der europäischen Philosophie und Wissenschaften, die Unterordnung der Kirche unter den Staat, die Eindämmung mönchischer und ekstatischer Traditionen, die Reformierung des Rechts und die Schaffung neuer zivilisatorischer Projekte wie den Bau der Nordflotte oder der neuen Hauptstadt Sankt Petersburg. Peter der Große verlegte das Zentrum Rußlands nach Norden, zurück zu seinem Ursprungsort.

Shiropajew betrachtet diese Wiederannäherung zwischen Rußland und Europa unter den nach Westen neigenden Romanows als positives Phänomen, das eine Chance hatte, das Projekt auf den Kopf zu stellen und zu stürzen. Daher betrachtete er die Rebellionen gegen Peter (die Bulavin-Rebellion, Pugatschews Rebellion) als negative Phänomene, als Reaktion des Projekts gegen die Rus‘. Rasins Kampf gegen Moskau war ein europäischer, aber Pugatschews Kampf gegen Sankt Petersburg war ein asiatischer.

Dies bedeutet natürlich nicht, daß Peter der Große (und besonders nicht seine Nachfolger) völlig positive Gestalten waren. Wie Shiropajew aufzeigt, zeigten sie immer noch viele Wesenszüge von orientalischer Despotie, Tyrannei und Grausamkeit. Sie waren sich auch des rassischen Aspekts des Kampfes nicht bewußt, in den sie verwickelt waren. Jedoch waren ihre Reformen großteils positiv, da sie Rußland wieder zu einem Teil Europas machten.

Leider beschloß keiner von ihnen – obwohl Peter der Große dem am nächsten war –, die Verbindungen zum Projekt völlig zu kappen, was wahrscheinlich bedeuten würde, sich von der Orthodoxie zu trennen oder sie zu reformieren, sodaß sie nur dem Namen nach byzantinisch bliebe. Daher kann die Herrschaft der Romanows seit Peter dem Großen als „Petersburger Intervall“ betrachtet werden: ein Moment der Ruhe zwischen zwei blutigen Phasen der Umsetzung des Projekts. Nach einigen Siegen des großen Zaren Peter gab es nicht allzu viel Kampf gegen das Projekt, aber andererseits machte das Projekt keine großen Fortschritte.

Das Zarenreich: die kultivierte Seite des Projekts

Obwohl es im 19. Jahrhundert keine großen Säuberungsaktionen oder ethnischen Säuberungen der einheimischen Bevölkerung der Rus‘ gab, wurde die Bauern- und Arbeiterklasse durch Überarbeitung ausgebeutet, und die Eliten wurden unter den Auspizien der orthodoxen Kirche zu einem „rassischen Cocktail“ vermischt. Das Projekt schuf eine neue Identität: die russisch-imperiale Identität, eine Mischung aller Elemente der ethnischen Bestandteile des Imperiums, europäischer (Russisch, Ukrainisch, Polnisch, Rumänisch, Deutsch etc.) und nichteuropäischer (Finno-Ugrisch, Mongolisch, Jüdisch etc.) – loyal zum Zaren und zum Imperium, russischsprachig und (mit einigen Ausnahmen) den byzantinischen Ritus des Christentums praktizierend. Es war ein universalistisches und totalitäres Kulturprojekt der vollen Rassenvermischung, das von den Akteuren des eurasischen Projekts geplant und hegemonisch gemacht wurde. Shiropajew zitiert Memoiren und Tagebücher russischer Aristokraten, die stolz den multiethnischen, rassisch gemischten Charakter der kaiserlichen Familien und Institutionen diskutieren.

Die Wende zum 20. Jahrhundert war der Höhepunkt der imperialistisch-byzantinischen Phase des Projekts, das durch Panslawismus, Militarismus, universalistische und aggressive offizielle Rhetorik wie auch durch die Vorherrschaft der orthodoxen Kirche in Kultur, staatlichen Feiern und im Alltagsleben manifestiert wurde. Der oft geschmähte „Nationalismus“ dieser Zeit war in Wirklichkeit eurasischer Imperialismus. Die radikalen Imperialisten mochten niemanden, der nicht Russisch sprach, sich zu einem anderen Glauben als dem orthodoxen Christentum bekannte oder die imperialistische Politik nicht begrüßte. Jedoch hatten sie nichts gegen Völker anderer Nationalitäten oder Rassen, die sich dafür entschieden, loyale Untertanen des Imperiums zu werden, indem sie dessen Sprache und Religion annahmen. Dies traf nicht nur im Fall von Polen, Deutschen, Ukrainern, Balten oder anderen europäischen Nationen zu, sondern auch im Fall von Armeniern, Finno-Ugriern, Mongolen, Juden und sogar Afrikanern (wie im Fall von Abram Petrowitsch Gannibal, dem schwarzafrikanischen Großvater von Alexander Puschkin). Sie wurden nicht nur als reguläre Untertanen der Zaren betrachtet, sondern oft zu Adeligen gemacht und stiegen zu den höchsten Ämtern des Imperiums auf.

Während das Anti-Rus‘-Projekt immer höchst erfolgreich bei der Ausbeutung der Massen, der Auslöschung rebellischer Populationen, bei aggressiver und blutiger Expansion und bei der Schaffung einer Kultur des sklavischen Gehorsams gewesen ist, ist es nie so gut darin gewesen, eine gut funktionierende Verwaltung, nicht korrupte Beamte, Rechtsstaatlichkeit, fortschrittliche Industrien und Infrastruktur (Straßen, Brücken etc.) zu schaffen oder den Menschen einen anständigen Lebensunterhalt zu ermöglichen.

Daher mußten, nachdem die ursprüngliche nordische Kultur der Rus‘ unter die mongolisierte Moskowiter Herrschaft fiel, all die wichtigsten Bau- und Infrastrukturprojekte von westeuropäischen Spezialisten geschaffen werden, die von den Zaren eingeladen wurden. Die berühmtesten Leistungen der russischen Architektur, einschließlich des Kremls, wurden von westlichen Architekten erbaut. Insbesondere wurden große Zahlen von Deutschen importiert, um Industrien und Bürokratien zu schaffen oder zu modernisieren.

Wie Shiropajew betont, war Rußland ein Land des Paradoxons. Es wurde von Weißen erbaut, aber sie hatten nicht den Status der herrschenden Nation und waren einer multiethnischen, orientalischen Herrscherklasse untertan. Die ethnischen Russen (das Volk der Rus‘) und andere weiße Untertanen des Russischen Reiches (Ukrainer, Polen etc.) waren die am meisten ausgebeuteten Gruppen von allen. Juden zum Beispiel waren nie Leibeigene. Sie waren freie Bürger des Imperiums. Während Weiße buchstäblich verhungerten und an Überarbeitung starben, verhätschelten die Eliten die asiatischen Provinzen, die groß und reich an natürlichen Ressourcen waren, um die territoriale Größe des Imperiums aufrechtzuerhalten.

Shiropajew betrachtet den Konflikt zwischen zaristischen Orthodoxen und bolschewistischen Kommunisten als bloß einen Streit zwischen zwei Versionen des eurasischen Projekts: der byzantinischen und der jüdischen. Obwohl es einen Meinungsunterschied darüber gab, wer die herrschende Klasse des Imperiums stellen sollte und ob das Kreuz oder der Stern das imperiale Symbol sein sollte, trieben beide das eurasische Projekt der universalen Rassenvermischung voran. Daher bezeichnet Shiropajew die bolschewistische Revolution als nur eine Veränderung der Form, nicht des Zieles, des Projekts. In seinen Worten: „der Kahal übernahm den Platz der Steppe.“

Stolypin und Rasputin

Da Shiropajew das zaristische und das bolschewistische Regime als bloß zwei Köpfe derselben Hydra behandelt, die beide dem Volk der Rus‘ feindlich gesinnt waren, stellt sich die Frage: gab es irgendeine Hoffnung für die einheimischen Rus‘? Die Antwort ist Ja, aber sie kommt aus unwahrscheinlichen Quellen.

Pjotr Stolypin

Pjotr Stolypin

Eine dieser Hoffnungen entstand aus liberalen demokratischen Kreisen, die sowohl von den Imperialisten als auch den Kommunisten gehasst wurden. Die Liberalen glaubten, daß Rußland sich vom Osten abwenden sollte: kulturell, politisch und sogar religiös, und sich mit dem Westen versöhnen sollte. Sie strebten eine große und radikale pro-europäische Reform an, genauso wie jene von Peter dem Großen. Dieses Projekt wurde wiederum von einem Peter angeführt: Pjotr Stolypin, dem großen visionären Minister des Zaren, der ermordet wurde, bevor er seine Reformen verwirklichen konnte.

Shiropajew glaubt, daß diese liberalen Reformen zu einem wahren ethnonationalistischen Projekt hätten werden können, da das rasseorientierte Denken im Westen zu dieser Zeit im Aufstieg war, insbesondere in Deutschland, und Deutschland wurde oft als das europäische Land betrachtet, das Rußland am nächsten stand – besonders wegen der vielen Amtsträger und Edelleute deutscher Abstammung in Rußland. Auch mußten die Demokraten, nachdem sowohl Kommunisten als auch Imperialisten sehr universalistisch, etatistisch und antinational waren, partikularistisch, pro-national und anti-etatistisch werden, um die Unterstützung der gewöhnlichen Leute unterschiedlicher Nationen zu bekommen, die das Imperium bewohnten.

Grigori Rasputin

Grigori Rasputin

Während Stolypin und andere Reformer sowohl von kommunistischen als auch imperialistischen Historikern geschmäht werden, werden sie von demokratischen Historikern gepriesen, besonders im Westen. Eine weitere Gestalt, die von allen Seiten gehasst wird – und tatsächlich vielleicht der meistgehasste Russe aller Zeiten sein könnte – wird von Shiropajew als sehr positive Gestalt betrachtet: nämlich Grigori Rasputin. Rasputin wird üblicherweise als verrückter Mönch dargestellt, als gerissener Sektierer, der die königliche Familie zur Förderung seiner bösen Ziele verführte.

Shiropajew lehnt diese Behauptungen als Propaganda ab. Er präsentiert Rasputin als den vernünftigsten Mann am königlichen Hof, der das Blutvergießen des Ersten Weltkriegs durch Versöhnung Rußlands und Deutschlands verhindern wollte. Ja, er war eine intensiv spirituelle Person, jemand, der glaubte, er sei auf einer Mission zur Rettung der Welt. Aber seine Spiritualität war eine nichtorthodoxe, traditionelle Volksspiritualität, und wenn es ihm gelungen wäre, Rußlands internationale Politik zu ändern, dann hätte er wirklich die Welt gerettet, oder zumindest Rußland und Europa. Ja, er hatte großen Einfluß auf die Zarin, und er versuchte tatsächlich eine Verschwörung zu bilden, um Frieden zwischen Deutschland und Rußland zu bringen. Aber es war das Richtige, und die Zarin war eine natürliche Verbündete, da sie ein Mitglied des deutschen Adels war. Und genauso wie Stolypin sowohl von Imperialisten als auch Kommunisten gehasst und von einem Kommunisten ermordet wurde, bevor er seine Reformen verwirklichen konnte, wurde Rasputin sowohl von Imperialisten als auch Kommunisten gehasst und von Imperialisten ermordet, bevor er seinen Plan verwirklichen konnte.

Nebenbei bemerkt hebt Shiropajew eine interessante Tatsache hervor: eines der Hauptsymbole der Waräger und der Rus‘ war die Swastika. Dieses Symbol taucht jedes Mal auf, wenn es Widerstand gegen das eurasische Projekt gibt, in verschiedenen Rebellionen und Aufständen. Dies trifft auch im Fall von Rasputin zu. Die Swastika war ein Symbol, das mit seinem engsten Kreis von Gläubigen und Bekannten verbunden war, einschließlich der Zarin und ihrer Töchter. Es wurde auch eine im Impatjew-Haus gezeichnet gefunden, wo die Zarenfamilie von den Bolschewisten gefangen gehalten und dann hingerichtet wurde. Shiropajew betrachtet die Swastika in wahrhaft konspirologischer Weise als esoterisches Symbol des organisierten Widerstandes gegen das eurasische Projekt.

Kommentare aus dem Originalstrang auf Counter-Currents:

Leon:

Ich möchte Shiropajews weiß-nationalistischer Sicht der russischen Geschichte zustimmen. Wirklich. Aber es gibt einfach zu viel Rosinenpickerei, Spekulation und fantasievolle Interpretation, die ernst genommen werden soll, was zu einigen bizarren Widersprüchen führt. So sagt Shiropajew: „Die Kosaken sind eine Verkörperung des ursprünglichen arischen Geistes der Rus‘“ – trotz der Tatsache, daß die meisten Wissenschaftler den Kosaken türkische, sogar khasarische Ursprünge zuschreiben – außer natürlich, wenn die Kosaken sich in einer Rebellion gegen das System der Leibeigenschaft erheben, denn wenn man sich gegen Peter den Großen wendet, macht einen das automatisch zu einem Teil „des Projekts“? Die Rassenvermischung mit Mongolen wird auch sehr überbewertet, nachdem genetische Studien gezeigt haben, daß Russen überwiegend von europäischer Herkunft sind:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2253976/ ; http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0058552

Außer natürlich, wenn man finnische Völker als nichtweiß betrachtet.

Natürlich stimmt es auch, daß man Russen von aristokratischer Herkunft heute überproportional außerhalb Rußlands findet, daher herrscht diese mongolische Beimischung vielleicht in der russischen Diaspora mehr vor.

Jaroslaw Ostrogniew:

Shiropajews Sichtweise ist ein typisches „totales Narrativ, das alles erklärt“, genauso wie die Visionen von Evola, Marx, Spengler etc. All die Rosinenpickerei ist der Nachteil jedes Narrativs dieser Art.

Kosaken – in Polen (wie in vielen anderen Ländern, die von Rußland besetzt waren) werden sie als die Säulen des russischen Imperialismus betrachtet, der „Hund und Besen“ sowohl der Zaren als auch der Bolschewiken. Und es ist wahr – sie sind sehr vermischt, nicht nur mit anderen Slawen, Finnen und Georgiern, sondern auch mit verschiedenen türkischen Stämmen, Kalmücken etc.

Andererseits waren die russischen Zaren und der Hochadel viel vermischter, als die meisten Leute annehmen.

Sicher, Shiropajews Buch hat Schwächen (Teil 3 zeigt noch ein paar auf), aber verglichen mit anderen, farbenblinden Historien Rußlands oder des eurasischen rassenvermischenden Totalitarismus ist es inspirierend und würdig.

Leon:

Wenn du sagst „sie sind sehr vermischt“, auf wen beziehst du dich dabei – auf alle Russen oder nur die Kosaken? Denn wie gesagt, genetisch ethnische Russen haben insgesamt nicht bedeutend mehr mongoloide Beimischungen als andere Europäer; ich denke, so um 0,irgendwas %. Außerdem sollte das offensichtlich werden, wenn man auch nur etwas Zeit mit Russen verbringt.

Fürs Protokoll: ich bewundere schon Shiropajews pro-weiße heidnische, antitotalitäre und anti-rassenvermischerische Haltung, ich weiß nur nicht, wie sehr solch ein unzuverlässiges Narrativ von Nutzen ist.

Jaroslaw Ostrogniew:

Stark vermischt – die Kosaken natürlich. Obwohl sie großteils von verschiedener europäischer Herkunft sind. Aber es gibt andere Beimischungen; wenn du dich an den „Stillen Don“ erinnerst, so sind die Hauptcharaktere (die Melekhovs) von russisch-türkischer Herkunft. Es gibt auch tatarische, tscherkessische, persische, sogar jüdische Kosaken.

Ich stimme völlig zu – die meisten Russen sind nicht von gemischter Herkunft, obwohl die Adeligen und Zaren vermischt waren; laut Wiki: „Um 1450 war die tatarische Sprache am Hof des Großfürsten von Moskau, Wassili II, dem exzessive Liebe zu den Tataren und ihrer Sprache vorgeworfen wurde, modisch geworden, und viele russische Edelmänner nahmen tatarische Nachnamen an (zum Beispiel nahm ein Mitglied der Familie Veliamanow den türkischen Namen „Aksak“ an, und seine Nachkommen waren die Aksakows). Viele russische Bojarenfamilien (Adelige) führten ihre Abstammung auf die Mongolen oder Tataren zurück, einschließlich Veliamanow-Zernow, Godunow, Arsenjew, Bakhmetew, Bulgakow (Nachfahren von Bulgak) und Tschadajew (Nachfahren von Dschingis Khans Sohn Tschagatai Khan). In einer Untersuchung über russische Adelsfamilien des 17. Jahrhunderts hatten über 15 % der russischen Adelsfamilien tatarische oder orientalische Ursprünge.“

https://en.wikipedia.org/wiki/Mongol_invasion_of_Rus’#cite_ref-11

Und dies ist genau das, was Shiropajew sagt – Russen sind Europäer, die von Asiaten, Eurasiern und deren europäischen Gefolgsleuten ausgebeutet und ausgerottet werden.

„sollte das offensichtlich werden, wenn man auch nur etwas Zeit mit Russen verbringt“ – das hängt davon ab, mit welchen Russen genau man Zeit verbringt, da viele der „russischen Traditionen“ in Wirklichkeit asiatischen Ursprungs sind, wie Wodka und Alkoholismus, Dedowschtschina, sogar dieses absurde „slawische Hocken“ ist in Wirklichkeit zentralasiatisches Hocken. Daher würde ich sagen, daß die zeitgenössische russische Kultur viel mehr asiatische Spuren hat als das russische Blut.

Leon:

Das meisten von dem, was du sagst, stimmt – obwohl, soweit ich sagen kann, Wodka und Alkoholismus nie einzigartig russische Traditionen gewesen sind. Sie scheinen in Polen gleichermaßen verehrt zu werden.

Jaroslaw Ostrogniew:

Ja, es stimmt, Wodka ist auch in Skandinavien beliebt, und er könnte seinen Ursprung in Südeuropa haben, aber die Sache ist, daß die beliebtesten Getränke in Europa immer Bier und Wein gewesen sind. In Polen war es Bier, und Wein und Met wurden an Feiertagen verwendet, während Wodka kaum verwendet wurde. Als jedoch Polen ein Teil von Rußlands Einflußsphäre wurde, begannen die Polen Wodka bei alltäglichen Anlässen zu trinken.

Alkoholismus ist ein ernsthaftes Problem in Europa, besonders in Osteuropa, aber wenn man Rußland und die ehemalige UdSSR mit dem Rest Europas vergleicht, ist es einfach scheußlich:

Karte Spitiruosenkonsum Europa

Es ist ein sehr guter Trend, daß junge russische Nationalisten einem rechtschaffenen Lebensstil anhängen und ihn propagieren. Das würde unter anderen osteuropäischen Nationalisten sehr geschätzt werden…

Leon:

Interessant. Ich muß sagen, daß ich überrascht davon bin, wie gering der Alkoholismus in Polen laut dieser Karte im Vergleich zum Rest Osteuropas ist. Ich hätte nie vermutet, daß Slowaken und Litauer mehr trinken als die Polen. Von den Tschechen wußte ich bereits.

Todd Lewis:

Wodka ist keine orientalische Gewohnheit. Wodka wurde von den Polen erfunden. Vielleicht meist du, daß Trunkenheit eine orientalische Gewohnheit ist, aber dann ist es immer noch debattierbar, nachdem der Islam den Alkoholkonsum verbietet, und ich weiß nicht, was die hinduistischen oder konfuzianistischen Praktiken beim Alkoholkonsum sind.

Jaroslaw Ostrogniew:

Wenn du mit Wodka starken Alkohol meinst, der aus Getreide destillieret und Wodka genannt wird (oder vielmehr wódka), ja – dann wurde er wahrscheinlich in Polen erfunden.

Aber wenn du jeden starken Alkohol meinst, der aus irgendwas destilliert wird, dann definitiv nicht. Und wenn du Wodka meinst, wie er jetzt heergestellt wird, mit über 40 % Stärke, dann wurde er definitiv nicht in Polen erfunden.

Die gesamte Wodkatrinkkultur stammt aus der eurasischen imperialen Kultur und hat eine starke Verbindung zum asiatischen post-tatarischen Despotismus.

Es ist nicht so, daß Europäer nicht tranken und sich nicht betranken, es ist mehr eine Sache dessen, was man trinkt und wie man sich betrinkt. In europäischen Ländern (einschließlich Polen) war Wodka ein Luxus, der als Medizin oder als Getränk der Wahl der reichsten Eliten für besondere Anlässe verwendet wurde. Natürlich änderte sich das später.

Wenn es um das russische Trinken geht, empfehle ich dieses Buch:

http://www.amazon.com/Vodka-Politics-Alcohol-Autocracy-History/dp/0199755590

Es ist recht offenkundig, daß die ganze Wodkatrinkkultur eine eurasisch-imperiale Erfindung is. Übrigens war es Peter der Große, der Wodka und Alkoholismus als Mittel zur Kontrolle der russischen Bevölkerung einführte; irgendwie vergißt Shiropajew das zu erwähnen.

Todd Lewis:

Interessantes Buch über die Politik des Wodka. Es erinnert mich daran, wie die Briten China mit Opium zerstören wollten; als die chinesische Regierung dessen Produktion stoppte, starteten die Briten sie mit Zwang wieder. Drogen und Alkohol können als Mittel der Unterdrückung benutzt werden.

*   *   *

Fortsetzung:

Alexiey Shiropayev’s Gefängnis der Nation: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 3

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2 Kommentare

  1. Diese kurze Meldung auf orf.at bestätigt die Tendenz trans-ethnisch orientierter Monarchisten/Imperialisten, wie oben im Artikel anhand der russischen Zarenreichsvertreter und -nostalgiker dargestellt, multiethnische Reiche unter einer Aristokratie mit einem Herrscher an der Spitze anzustreben:

    Russe will Zarenreich in Südsee errichten

    Der russische Geschäftsmann Anton Bakow will das alte Zarenreich wiederbeleben – und zwar auf einer Inselgruppe in der Südsee. Der Millionär bietet der Regierung des Inselstaates Kiribati an, auf drei unbewohnten Pazifikinseln insgesamt mehr als 350 Millionen US-Dollar (etwa 330 Mio. Euro) zu investieren. Als Gegenleistung soll ein Jahrhundert nach der Oktoberrevolution von 1917 die Regentschaft der Romanows wieder eingesetzt werden.

    Deutscher Adeliger als „Zar“

    „Mein Ziel ist, den Status der Romanow-Dynastie wiederherzustellen, der 1917 verloren gegangen ist“, sagte der 51-Jährige der dpa. Als neuen „Zaren“ will der Vorsitzende der russischen Monarchisten den deutschen Adeligen Prinz Karl Emich zu Leiningen einsetzen, einen entfernten Verwandten von Zar Alexander II. (1818-1881). Die Regierung von Kiribati prüft das Angebot gerade.

    http://anonym.to/?http://orf.at/#/stories/2379576/

    So wie das da beschrieben wird, sieht es nicht so aus, als sollte dieses neue Zarenreich bloß aus diesen drei derzeit unbewohnten Inseln bestehen, auf denen Anton Bakow russische Siedler als zukünftige Untertanen ansiedeln will. Vielmehr scheint vorgesehen zu sein, daß die Bewohner der Kiribati-Inseln diese Neo-Romanows als Herrscher über sich und ihren ganzen Staat anerkennen sollen.

    Antwort
  2. Deep Roots

     /  16. Februar 2017

    Siehe dazu auch diesen Ausschnitt aus Ethnic & Racial Relations: Ethnic States, Separation, & Mixing von Lucian Tudor, den ich auch auf „As der Schwerter“ schon einmal in meiner Übersetzung gepostet habe:

    Aus „radikaltraditionalistischer“ Sicht, die durch Evolas Denken exemplifiziert wird, ist der Nationalismus eine Anomalie, eine Abirrung von berechtigten Staatsformen. Er wird als negativ betrachtet, erstens, weil diese Form des Traditionalismus Volkszugehörigkeit und Nationalität als zweitrangige Eigenschaften menschlicher Wesen betrachtet; obwohl sie eine gewisse Bedeutung haben, sind sie nicht als Hauptmerkmale berechtigt, um die herum Staaten und Führerschaft zu organisieren sind, welche allein auf den Werten des Elitismus, der Aristokratie und der spirituellen Autorität beruhen sollten. Nationalismus widerspricht auch der Praxis des Imperiums – des imperialen Staates, der nicht notwendigerweise imperialistisch ist – nachdem Nationalismus die Verabsolutierung der „Nation“ bedeutet, wohingegen das traditionelle Imperium als eine supranationale, föderalistische Union mit einer zentralen spirituellen Autorität organisiert ist. Laut Evola

    „sicherte das Schema eines Imperiums in einem wahren und organischen Sinn (das klar von jedem Imperialismus unterschieden werden muß, einem Phänomen, das als beklagenswerte Erweiterung des Nationalismus betrachtet werden sollte) … die Prinzipien sowohl der Einheit als auch der Vielfalt. In dieser Welt haben einzelne Staaten den Charakter organischer Teileinheiten, die um … ein Prinzip der Einheit, Autorität und Souveränität von anderer Natur als jener gravitieren, welche jedem Einzelstaat eigen ist … aufgrund ihrer von oben bestimmten Natur wäre sie von solcher Art, daß sie breiten Raum für Nationalitäten entsprechend ihrer natürlichen und historischen Individualität lassen würde.“

    In dem imperialen Staat, von dem Evola behauptet, daß er das wahre traditionelle Staatsmodell sei, sind ethnische oder nationale Gruppen somit föderal getrennt; verschiedene Völker leben unter demselben Staat und dienen derselben obersten monarchischen Autorität, aber sie leben in getrennten Teilen des Königreichs oder Imperiums. Um aus einem seiner Schlüsselwerke zu zitieren: „Das Mittelalter [und auch bestimmte antike Zivilisationen] kannten Nationalitäten, aber nicht Nationalismus. Nationalität ist ein natürlicher Faktor, der eine bestimmten Gruppe mit gemeinsamen Grundeigenschaften umfaßt, die sowohl in der hierarchischen Differenzierung als auch in der hierarchischen Teilhabe bewahrt werden, der sie sich nicht entgegenstellen.“ [aus „Revolt Against the Modern World“, S. 338-339]

    Wer mich kennt, dem wird auch meine Evola-Allergie bekannt sein. Das ist wieder einmal monarchistischer Alphapavianismus pur, der erstens darüber hinweglügt, daß es einzelne Nationen/Völker zwangsläufig vor irgendwelchen Vereinigungen von solchen unter einer gemeinsamen Herrschaft gegeben haben muß und somit Ethnonationalismus älter und natürlicher als dieses „traditionalistische“ Imperiumsmodell ist, und zweitens darüber, daß es selbst bei im wesentlichen separaten Territorien der einzelnen Völker innerhalb eines solchen multiethnischen Reiches langfristig zu ethnischer Durchmischung kommt. (Siehe dazu auch meinen Artikel Für das „Land“ – oder für das Volk?)

    Aber Hauptsache, der Ober-Alphapavian und seine „aristokratischen“ Standesgenossen können über ein möglichst großes Imperium herrschen und sich als „spirituelle Autorität“ überhöhen lassen, um diesen Herrschaftsanspruch zu rechtfertigen.

    Antwort

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