Offener Brief an die weiße Rechte

Tim „White Like Me“ Wise

Tim „White Like Me“ Wise

Von Tim Wise, übersetzt von Deep Roots

Das Original An Open Letter to the White Right, On the Occasion of Your Recent, Successful Temper Tantrum erschien am 3. November 2010 bei Daily Kos.

(Anm. d. Ü.: dies ist Teil 4 meine Reihe „Right from the horse’s mouth“. In  Tim Wise Hates White People, wo ich den Link zu diesem Text gefunden habe, schreibt Kevin MacDonald treffend: „Wise’s Kommentare sind eine Pflichtlektüre für jede weiße Person in Amerika. Der Hass ist mit Händen zu greifen. Wir bei TOO [The Occidental Observer] sind beständig auf dem Thema herumgeritten, daß die Weißen von einer feindseligen Elite bedrängt werden und daß wir, wenn wir zu einer Minderheit werden, physisch gefährdet sein werden – genauso wie die ethnischen Russen und Ukrainer erlebten, wie ihre Elite ausradiert und Millionen ihres Volkes von der feindseligen Elite ermordet wurden, die die UdSSR beherrschte (siehe auch Solschenizyns 200 Years Together). Es ist sehr gefährlich für jede Volksgruppe, politische Macht und Kontrolle aufzugeben. Die Macht freiwillig zugunsten ethnischer Gruppen aufzugeben, die einen historischen Groll hegen, ist Wahnsinn.]

 

Offener Brief an die weiße Rechte, anläßlich eures kürzlichen erfolgreichen Wutanfalls

Ihr reichen Leute alle, genießt den Champagner, oder was immer ihr für einen ausgefallenen Scheiß-Scotch trinkt.

Und an euch alle ein bißchen weiter unten auf der ökonomischen Skala, genießt euer Pabst Blue Ribbon, oder was immer ihr für eine Scheißbrühe von Bier bevorzugt.

Was immer der Fall sein mag, und was immer eure ökonomische Position ist, wisset dies:

Ihr müßt austrinken.

Und das schnell.

Und stark.

Denn eure Zeit ist begrenzt.

Wirklich verdammt begrenzt.

Feiert also Partys, solange ihr könnt, aber denkt an die zunehmend laute Uhr, die in den Winkeln eures Bewußtseins vor sich hin tickt.

Die Uhr, die euch daran erinnert, wie wenig Zeit euch und den Euren bleibt.

Nicht mehr viel jetzt.

Tick, tack.

Tick, tack.

Tick.

Tack.

Ich weiß, daß ihr euch mit dieser Wahl „euer Land zurückgeholt“ habt – und natürlich habt ihr immer gedacht, daß es für euch da war, denn mit diesem Glauben werden wir Weißen aufgezogen, daß es uns gehört [Frechheit, daß er sich so scheinheilig zu den Weißen zählt, die er verachtet; d. Ü.], und wie kann irgendjemand es wagen, etwas anderes zu sagen – aber ihr irrt euch.

Ihr habt eine kleine Schlacht in einem größeren Krieg gewonnen, dessen Bedeutung ihr nicht im Entferntesten versteht.

Denn es ist nichts auch nur leicht Originelles an euch.

Es hat immer welche gegeben, die sich das Land zurückholen wollten.

Da gab es die, die in vergangenen Jahren das Land in eine Zeit der Sklaverei und Indenturknechtschaft zurückführen wollten.

Aber sie haben verloren.

Es gab diejenigen, die uns in eine Zeit zurückführen wollten, als Kinder zur Arbeit in Bergwerken und Fabriken gezwungen werden konnten, als Arbeiter keine nennenswerten legalen Rechte hatten, als der Himmel in jeder Großstadt schwer von Industrieruß war, der sich wie Vulkanasche auf Gehsteigen und Fensterbrettern sammelte.

Aber sie haben verloren.

Da gab es jene, die uns in eine Zeit zurückführen wollten, als Schwarze „keine Rechte hatten, die der weiße Mann respektieren mußte,“ – was die offizielle Meinung des Obersten Gerichtshofs war vor jenen schrecklichen Tagen des rechtlichen Aktivismus, die jetzt von euresgleichen schlechtgemacht werden – und als Farbige legal vom Wählen ferngehalten werden konnten, einzig wegen der Rasse oder weil sie gewisse Jobs ausübten oder in gewissen Vierteln lebten; oder als sie bei Sonnenuntergang überhaupt aus der Stadt vertrieben oder an Bäumen aufgeknüpft werden konnten.

Aber sie haben verloren.

Und ihr werdet verlieren.

Notiert euch das also.

Twittert es euch zu.

Stellt es bei Facebook ein und laßt es dort stehen, damit ihr euch daran erinnert, daß ich es euch gesagt habe.

Es kommt, und das bald.

Dies ist nicht Überheblichkeit. Es ist keine Ideologie. Es ist kein Wunschdenken.

Es ist Mathematik.

Nicht einmal fortgeschrittene Mathematik. Einfach simple, elementare Drittklässlermathematik.

Die Art von Mathe, die beweist, wie euresgleichen – großteils ältere Weiße, die einer absurden, fehlerhaften, nostalgischen Fantasie dessen verbunden sind, wie Amerika früher war – stirbt.

Ihr seid wie der Bösewicht in jedem jemals gedrehten Horrorfilm, der fünfmal niedergeschossen wird, oder zehnmal niedergestochen, oder zweimal in die Luft gesprengt, und der schließlich vergehen wird – selbst wenn es vier Fortsetzungen braucht, um es geschehen zu lassen – der aber in der Zwischenzeit immer wieder zurückkommt und nach unseren Knöcheln greift, wenn wir vorbeigehen, nachdem wir irrtümlich davon überzeugt waren, daß ihr diesmal endlich tot seid.

Fair genug, und versucht’s nur. Aber denkt daran, wie dieser Film endet.

Unsere Knöchel überleben.

Ihr nicht.

Michael Meyers, Freddie Krueger, Jason und dieses Arschloch von Ehemann in dem Film mit Julia Roberts, der sie aufspürt, nachdem sie wegrennt und ihre Identität ändert – sie sind alle erledigt. Selbst dieser verrückte Scheißer in „Saw“ steht kurz davor, für immer abgemurkst zu werden. Zugegeben, er wird in 3D auftauchen, um die Kiddies zu erschrecken, also wird er nicht still abtreten. Aber er wird abtreten, wie es alle Bösewichte schließlich tun.

Und im Pantheon der amerikanischen Geschichte sind konservative alte Weiße ziemlich immer die Bösewichte gewesen, die Bewahrer der Hegemonie und der reaktionären Flamme, die Leute, die unwillig waren, die Kategorie „Amerikaner“ zu gleichen Bedingungen mit anderen zu teilen.

Fein, weiter so. Es zählt nicht.

Weil ihr auf der Liste der gefährdeten Arten seid.

Und anders als, sagen wir, der Weißkopfseeadler oder irgendeine exotische Bisamrattenspezies seid ihr es nicht wert, gerettet zu werden.

In vierzig Jahren oder so, vielleicht früher, wird es keine Weißen mehr geben, die sich wirklich an diesen volkstümlichen Bockmist wie „Leave it to Beaver“, „Father Knows Best“, „Opie-Taylor-Down-at-the-Fishing-Hole“ erinnert, der euren Herzen so lieb und teuer ist.

Es wird keine Weißen mehr geben, die glauben, daß die 1950er die gute alte Zeit waren, weil es keine Weißen mehr geben wird, die sich wirklich an sie erinnern, und daher werden wir genau und ehrlich darüber unterrichten können, ohne eure kostbaren Gefühle zu verletzen, oder jene der sogenannten „größten Generation“ – einen Haufens, dessen weißes Kontingent kopfschwer von ethischen Schurken war, die die Welt vor dem Faschismus zu retten halfen, nur um heimzukehren und sich dessen Beendigung hier zu widersetzen, indem sie keinen Finger für den Kampf um die Bürgerrechte rührten.

Es ist okay. Denn in etwa vierzig Jahren wird das halbe Land schwarz oder braun sein. Und es gibt nichts, was ihr dagegen tun könnt.

Nichts, Senõr Tancredo.

Nichts, Senõra Angle, oder Senõra Brewer, oder Senõr Beck.

Loy tiene muy mal, hijo de Puta.

Und bis dahin werdet ihr alle als weiß-nationalistische Bewegung reingegangen sein – zur Hölle, ihr habt das nahezu schon getan – wodurch ihr garantiert, daß die farbigen Leute, und sogar eine anständig große Minderheit von uns Weißen [schon wieder diese Anmaßung! d. Ü.] euch werden zermalmen können, Wahl um Wahl, angefangen bei der Präsidentschaft bis hinunter zum Schülerrat der 8. Klasse.

Wie ich sagte, dies ist Mathematik, Und Zahlen lügen nicht.

Endresultat: auch dies wird geschehen.

Genießt also eure Steuersenkungen noch eine Weile länger.

Geht und kauft, was immer ihr Leute kauft, wenn eure Steuern gesenkt werden: ein neues Auto oder zwei, ein größeres Haus, eine Insel. Was auch immer.

Kehrt zurück zu eurem Derivatenhandel, beteiligt euch an ungezügelten Finanzspekulationen, die nichts von Wert produzieren, die die Welt in euer persönliches Casino verwandeln. Was auch immer. [d. Ü.: die verlogene Scheinheiligkeit dieses Vorwurfs gerade von dieser Seite schlägt wirklich alles!]

Spielt eure Karten aus, und um der Liebe Gottes willen, macht es in großem Maßstab. Wirklich groß. Groß wie: zum Mond fliegen. Wie zu versuchen, die soziale Sicherheit zu privatisieren, und die Gesundheitsfürsorge und alles andere. Was auch immer.

Zumindest wird so jeder sehen können, um was es euch wirklich geht.

Wir haben es ihnen zu sagen versucht, aber nichts ist so wirksam wie wenn man es mit eigenen Augen sieht, also „Go big or go home“, Bubba.

„Git ’er done,“

„Cowboy up“, oder welches blöde alte Schlagwort eure Phantasie beflügelt.

Nur versprecht uns, daß ihr diesmal mehr tun werdet als zu reden.

Bitte, oder wie einer eurer Zelluloidhelden es ausdrücken könnte, „make my day.“

Tut, was immer ihr tun müßt, aber erinnert euch daran, daß jene, die die Opfer eurer Gier und Gleichgültigkeit sind, langfristig denken.

Sie wissen, aber ihr wißt es nicht, daß die Gerechtigkeit nicht für die Sprinter ist, sondern für die Langstreckenläufer, die genau um die Zeit ihren toten Punkt überwunden haben werden, wenn ihr vor Erschöpfung zusammenbrecht.

Sie sind wie die Schildkröte zu eurem Hasen.

Sie sind wie die San Francisco Giants zu euren New York Yankees: ein Haufen, der Jahr um Jahr verliert, bis er endlich gewinnt.

Ihr hattet diese Zuversicht schon mal, erinnert ihr euch?

Ihr dachtet, ihr hättet eure Position nach dem Umsturz des Wiederaufbaus im Gefolge des Bürgerkriegs dauerhaft gesichert, nach der Eliminierung des New Deal, nach der Reagan-Revolution, nach dem republikanischen Wahlsieg von 1994. Und doch sind jene, von denen ihr dachtet, ihr hättet sie eingeschüchtert und besiegt, immer noch da.

Denn jene, die am Rand gelebt haben, die mißhandelt, geschmäht und gezielt von Sparmaßnahmen getroffen wurden, die Rassismus, Klassismus, Sexismus, Hetero-Vorherrschaft und jeder anderen Form der Unterdrückung unterworfen waren, wissen immer mehr über ihre Mißhandler, als die Mißhandler über ihre Opfer wissen.

Sie müssen euch studieren, sorgfältig aufpassen, ihren Körperschutz entsprechend adjustieren und sich euer Schlafverhalten einprägen.

Ihr andererseits braucht gar nichts über sie zu wissen. Und dies wird sich für euch am Ende als politisch fatal erweisen. Denn es bedeutet, daß ihr ihre Entschlossenheit nicht kennen werdet. Sie nicht so fürchten werdet, wie ihr es solltet.

Es bedeutet, daß ihr ihre größte Stärke – Beharrlichkeit – nehmen und daraus eine Schwäche machen werdet, die man „verlieren“ nennt.

Aber was ihr vergeßt, oder genauer, niemals wußtet, ist daß jene, die verlieren, zu verlieren wissen, was heißen soll, sie wissen, wie man mit Würde verliert.

Und jene, die leiden, verstehen zu leiden, was heißen soll, sie wissen, wie man überlebt: eine Fähigkeit, die unter euresgleichen Mangelware ist.

Ihr, die ihr nicht einmal den Gedanken an eine minimale Gesundheitsreform überleben könntet, oder an eine Finanzregulierung, oder einen Grenzsteuersatz, wie ihr ihn erst zehn Jahre früher bezahlt habt, die ihr vielleicht unter der Illusion seid, daß jeder so schwach ist wie ihr, so weich wie ihr, so ähnlich einem störrischen Kind wie ihr, so unfähig, mit dem kleinsten Rückschlag fertigzuwerden, der kleinsten Herausforderung an die Art, wie ihr denkt, daß euer Land aussehen und sich anfühlen und funktionieren sollte.

Aber sie nicht.

Und sie wissen, wie man sich neu formiert und etwas ausheckt und plant, und sie planen sogar jetzt – wir planen – eure Zerstörung.

Und damit meine ich nicht eure physische Vernichtung. Wir spielen keine solchen Spielchen. Wir stehen nicht auf den ganzen Bockmist von wegen „Abhilfe gemäß Zweitem Verfassungszusatz, Milizen und bewaffneten Widerstand“, aus der eure Seite einen Fetisch macht, denn seht ihr, wir müssen das nicht, Wir brauchen keine Waffen.

Wir müssen nur geduldig sein.

Und darauf warten, daß ihr in diese „good night“ eingeht, zuerst politisch, und dann, nun…

Hört ihr es?

Das Geräusch, wie euer Imperium stirbt? Wie eure Nation, wie ihr sie kanntet, auf Dauer endet?

Denn ich höre es, und das Geräusch ihres Niedergangs ist schön.

Wisset also dies:

Falls ihr dachtet, daß diese Wahl eine Rache für 2008 war, erinnert euch daran…

Rache, dein Name ist…

Temporär.

*****************

Nachtrag des Übersetzers: Tim Wise und seinesgleichen dürfen sich die „Tea Party“-Leute ungefähr so vorstellen:

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*   *   *

Siehe auch diese beiden Artikel von William Rome:

Danke, Tim Wise!

Zu wenig und zu spät, Timmy

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Ein Kommentar

  1. @ bastimaxi:

    Nicht alle Kommentare, denen ich innerlich zustimme, kann ich an die öffentlich einsehbare Blogoberfläche kommen lassen…

    Antwort

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