Das maurische Spanien: Ein erfolgreiches multikulturelles Paradies? (Teil 1)

Von F. Roger Devlin; Original: Moorish Spain: A Successful Multicultural Paradise? Part 1, erschienen am 27. März 2016 auf The Occidental Observer.

Übersetzung: Lucifex

andalusian-paradise

The Myth of the Andalusian Paradise:
Muslims, Christians, and Jews under Islamic Rule in Medieval Spain

von Dario Fernandez-Morera

Wilmington: ISI Books, 2016

Der aus Kuba stammende Dario Fernandez-Morera ist Privatdozent für Spanisch und Portugiesisch an der Northwestern University. Er hat zuvor American Academia and the Survival of Marxist Ideas (1996) veröffentlicht, sowie zahlreiche Texte über die Literatur von Spaniens Goldenem Zeitalter.

In diesem neuen Buch greift er eine der meistgeschätzten Illusionen der antieuropäischen Linken an, nämlich, dass al-Andalus, oder das maurische Spanien (711 – 1492 n. Chr.) eine erfolgreiche multikulturelle Gesellschaft war, in der Christen, Juden und Moslems gemeinsam unter dem toleranten Auge aufgeklärter islamischer Herrscher eine Blütezeit erlebten. Diese angeblichen glücklichen Zeiten werden sowohl dem westgotischen Königreich, das ihnen voranging, als auch dem darauffolgenden Spanien der Inquisition positiv gegenübergestellt.

So populär ist das romantische Bild vom aufgeklärten moslemischen Spanien geworden, dass es von solch angesehenen Geschichtswissenschaftlern wie Barack Obama und Tony Blair öffentlich unterstützt worden ist. Tatsächlich haben die Europäer laut Prof. David Levering-Lewis eine goldene Gelegenheit verpasst, indem sie bei der Schlacht von Tours im Jahr 732 n. Chr. nicht verloren. Wenn nur Karl Martell unterlegen wäre, schreibt er,

wäre der nachrömische Okzident wahrscheinlich einem kosmopolitischen moslemischen regnum einverleibt worden, das unbehindert von Grenzen gewesen wäre… ohne eine Priesterkaste, beseelt vom Dogma der Gleichheit der Gläubigen, und respektvoll gegenüber allen religiösen Glaubensrichtungen.

In einer zweihundertvierzigseitigen Darstellung, untermauert durch sechsundneunzig eng bedruckten Seiten mit Fußnoten, zerstört Fernandez-Morera methodisch dieses optimistische multikulturelle Lehrbeispiel mittels zahlreicher Verweise auf die Primärdokumente: Schriften von Moslems, Christen und Juden, die tatsächlich unter der islamischen Herrschaft in Spanien lebten. Die Gesamtwirkung der Beweise, die er anführt, sollte genügen, um jedem unvoreingenommenen Beobachter zu beweisen, dass das maurische Spanien, wenn auch nicht schlimmer als andere moslemisch kontrollierte Gesellschaften seiner Zeit, auch nicht besser war.

Das erste, was man begreifen muss, ist, dass die moslemische Invasion von 711 n. Chr. nicht einem kulturellen Ödland die Aufklärung brachte:

Spanien stand länger unter römischer Kontrolle und römischem Einfluss als jedes westliche Land außerhalb Italiens und brachte mehr lateinische Schriftsteller und Kaiser hervor als jede andere römische Provinz. Die Westgoten waren das romanisierteste all der Völker, die das lateinische römische Reich übernahmen. Westgotische Führer sprachen Latein und hatten Generationen im militärischen und politischen Dienst an Rom verbracht.

Tatsächlich kamen westgotische Streitkräfte im Jahr 415 n. Chr. erstmals nach Spanien, um den Römern militärisch gegen weniger zivilisierte germanische Stämme wie die Sueben, Alanen und Wandalen zu helfen. Die drei folgenden Jahrhunderte sahen die allmähliche Vermischung der römischen und germanischen Elemente zu einer neuen christlichen, hispano-westgotischen Zivilisation. Zu den wichtigen Schritten in diesem Prozess gehörten die Zulassung von Mischehen zwischen Westgoten und Hispano-Römern durch die Gesetze von König Leovigild (Herrschaft 568 – 586) und die Bekehrung seines Sohnes und Nachfolgers Rekkared vom Arianismus zum katholischen Christentum, der Religion der einheimischen Mehrheit, im Jahr 589.

Die neue Zivilisation wies eine Fülle von sakraler Kunst und Musik auf, sowie

gelehrte Männer wie St. Leander (der eine Anzahl von Jahren lang im griechisch-römischen Reich lebte und das Dritte Konzil von Toledo leitete), Bischof Eugen von Toledo (Experte für Mathematik und Astronomie), Conantius von Palencia (Experte für Musik) und der Dichterkönig Sisebut (der ein astronomisches Gedicht auf Latein schrieb). St. Isidor [Bischof von Sevilla] (560 – 636) schrieb linguistische Studien, Abhandlungen über Naturwissenschaft und Kosmologie, Biographien biblischer Persönlichkeiten, Geschichtswerke und Kompendien der griechisch-römischen Zivilisation und wurde zum meistzitierten Autor des europäischen Hochmittelalters.

Das westgotische Recht zeigte auch eine typisch europäische Sorge um die Begrenzung der Macht des Herrschers. Abschnitte des Gesetzbuches trugen z. B. Titel wie „Die königliche Macht, wie auch die Gesamtheit des Volkes, sollten der Majestät des Gesetzes untertan sein“ und „Wie die Habgier des Königs beschränkt werden sollte.“

Während sich in Spanien eine vielversprechende spanisch-westgotische Zivilisation entwickelte, wurde der Islam inmitten der Zelte weitgehend analphabetischer beduinischer Nomaden auf der Arabischen Halbinsel geboren. In der zweiten Hälfte des siebten Jahrhunderts überrannten moslemische Krieger die Nordküste Afrikas und zerstörten die christlichen Königreiche, die es dort zuvor gegeben hatte. Im Jahr 711 setzte eine großteils berberische moslemische Armee unter dem Befehl von Musa bin Nusayr nach Spanien über und eroberte innerhalb von zehn Jahren fast die gesamte Halbinsel.

Arabische Chroniken dokumentieren das Erstaunen der unkultivierten moslemischen Invasoren über die Pracht der spanischen Städte und befassen sich liebevoll mit den „unvorstellbaren“ Schätzen von Gold und Juwelen, die die Eroberer wegschleppen konnten. Ein arabischer Chronist hält z. B. fest, dass der Eroberer Musa, als er Damaskus besuchte, um dem Kalifen zu huldigen,

all die Beute mitführte… die aus dreißig Häuten voller Gold- und Silbermünzen bestand, aus Halsbändern von unschätzbarem Wert, Perlen, Rubine, Topase und Smaragde, nebst kostbaren Roben aller Art; im folgten elfhundert Gefangene, Männer, Frauen und Kinder, von denen vierhundert Prinzen von königlichem Blut waren.

Als Reaktion auf die Plünderei vergruben viele Christen wertvolle religiöse Kunstwerke vor den Invasoren, und Archäologen graben gelegentlich immer noch solche Zeugnisse der fortgeschrittenen materiellen Kultur des westgotischen Spanien aus.

Die moslemischen Invasoren von 711 waren den Einheimischen zahlenmäßig weit unterlegen, und viele Historiker haben ihre Überraschung über ihren schnellen Erfolg ausgedrückt. Zu den Faktoren, die ihnen in die Hände spielten, gehörte die Unfähigkeit der Westgoten, sich schnell zu sammeln, und die Existenz einer unzufriedenen königlichen Fraktion, die bereit war, mit den Invasoren gemeinsame Sache gegen König Roderich zu machen.

Spanische Juden, die von den christlichen westgotischen Herrschern bedeutenden rechtlichen Einschränkungen unterworfen worden waren, verbündeten sich ebenfalls mit der Invasionsarmee in der Hoffnung, ihre Lage zu verbessern. Eine Zeitlang hatten sie Erfolg damit: Juden wurden für die Bewachung eingenommener Städte eingesetzt, während die Moslems zu neuen Eroberungen weiterzogen, was die Eroberer der Sorge um den Schutz ihres Hinterlandes enthob und es ihnen ermöglichte, unerwartet an strategischen Schlüsselstellen zu erscheinen. Sobald die Moslems jedoch fest die Kontrolle innehatten, wurden die Juden auf eine Stellung ähnlich jener der Christen verwiesen.

Moslemische Befehlshaber boten christlichen Herren, die einwilligten, keinen Widerstand gegen die Invasion zu leisten, „Pakte“ an, und erlaubten ihnen, ihre Länder, Diener und Religion zu behalten – für eine Weile. Wie bei den Juden brachen die moslemischen Herrscher diese Abkommen, sobald das für sie zweckmäßig wurde. Der einzige Grund, warum sie überhaupt angeboten wurden, war die zahlenmäßige Schwäche der Invasoren; sie sind kein Anzeichen für moslemische „Toleranz“.

Andalusische Gesetzestexte geben uns eine Vorstellung davon, wie die Eroberung gewesen sein musste, indem sie klarstellen, dass sowohl das Niederbrennen als auch das Überfluten von Ortschaften der Ungläubigen als Teil des Dschihad zulässig waren. Genauso das „Fällen ihrer Bäume und das Abschneiden ihrer Früchte, das Töten ihrer Tiere und die Zerstörung ihrer Gebäude und von allem, das abgerissen werden kann.“ Ob man die Besiegten am Leben ließ oder massakrierte, lag gänzlich beim siegreichen moslemischen Befehlshaber; es gibt eine Anzahl aufgezeichneter Fälle von ausgesprochener Vernichtung.

Eine christliche Chronik beschrieb die Eroberung wie folgt:

Die Feinde verwüsteten das Land, sie verbrannten die Häuser, sie töteten die Männer, sie verbrannten die Städte; die Bäume, die Weingärten und alles Grüne das sie fanden, schnitten sie nieder. So sehr wuchs diese Plage, dass in Spanien kein gutes Dorf und keine gute Stadt verblieb … die von den Mauren nicht niedergebrannt oder zu Fall gebracht oder eingenommen wurde; und die Städte, die sie nicht erobern konnten, überlisteten sie und nahmen sie mit falschen Verträgen ein.

Viele modernen Historiker bemühen sich zu bestreiten, dass die moslemische Invasion Spaniens (die sie eine bloße „Expansion“ zu nennen vorziehen) religiös motiviert war. Dieser Sichtweise widersprechen alle mittelalterlichen Quellen. Aber die zeitgenössische akademische Welt hängt stark einer materialistischen Geschichtsinterpretation an, die vom Marxismus herstammt, und Wissenschaftler mit dieser Tendenz ziehen es vor, wirtschaftliche Faktoren wie das Streben nach Beute hervorzuheben.

Aber es ist schwierig, im Rahmen des islamischen Denkens wirtschaftliche von spirituellen Motivationen zu trennen: der moslemische Soldat gewinnt Beute, falls er erfolgreich heimkehrt, und ihm wird ein Paradies voller sinnlicher Genüsse versprochen, falls er getötet wird. Märtyrertum für die Sache des Islam wird von andalusischen Autoren sehr gepriesen; laut einem von ihnen sagte Mohammed selbst: „Ich würde gerne auf dem Weg Allahs kämpfen… und getötet werden, und dann wieder zum Leben erweckt werden, sodass ich wieder getötet werden könnte, dann zum Leben erweckt, sodass ich getötet werden könnte.“

Die vielen Apologeten des Islam im Westen haben sehr viel interpretative Findigkeit aufgewandt, um einen Fall auszumachen, wo das Wort Dschihad sich auf etwas anderes bezieht als auf „Heiliger Krieg gegen Ungläubige“, wie „spirituelle Anstrengung“ oder „innerer Kampf um Selbstvervollkommnung“. Solche Vorstellungen findet man in Sufi-Texten späteren Datums, scheinen aber im mittelalterlichen Andalusien völlig gefehlt zu haben: der Autor zählt über ein Dutzend Schlüsseltexte aus dem maurischen Spanien auf, die den Dschihad ausschließlich im Sinne des Heiligen Krieges behandeln.

Ein weiterer Schachzug der Islamapologeten ist die Gleichsetzung des moslemischen Heiligen Krieges mit den christlichen Kreuzzügen; aber Fernandez-Morera erläutert, warum dies der Analyse nicht standhält:

Für fromme Christen war der heilige Krieg eines Kreuzzuges ein einmaliges Ereignis, das nur ein Papst proklamieren konnte. Für fromme Moslems war der heilige Krieg des Dschihad ein vom islamischen Recht verfügter Dauerzustand, etwas, das der Kalif mindestens einmal im Jahr führen muss.

Vier Jahrzehnte lang nach der Eroberung führten die siegreichen Berber weiterhin ein primitives Nomadenleben und beförderten ihre Besitztümer und Ehefrauen von Ort zu Ort. Erst im Jahr 755 befahl ihnen der Emir von Cordoba, Dörfer zu bauen und sesshaft zu werden.

Der folgende Zeitraum wird als Umayyadendynastie bezeichnet (756 – 1031), die für gewöhnlich als der Höhepunkt der andalusischen Zivilisation angeführt wird. In Wirklichkeit „erhoben die Umayyaden religiöse und politische Verfolgungen, Inquisitionen, Enthauptungen, Pfählungen und Kreuzigungen zu Höhen, die von keiner anderen Herrschergruppe davor oder danach in Spanien erreicht wurden.“

Der arabische Historiker Ibn Khaldun aus dem vierzehnten Jahrhundert hat dies über jene frühen arabischen Herrscher zu sagen:

Die Araber waren ungehobelt, ohne Bildung, und nicht sehr geschickt in den Künsten des Schreibens und der Mathematik. Besonders ihre Adeligen konnten sehr wenig, weil unter ihnen ein Mangel an Wissen ihre hervorstechende Eigenschaft war. Daher setzten sie Juden, Christen und befreite Ausländer ein, um ihre Verwaltungsangelegenheiten zu regeln.

Diese von praktischer Notwendigkeit motivierte Verwendung von Christen und Juden als Administratoren ist einer der Punkte, den moderne Historiker sich schnappen, im ihre Sicht auf die moslemischen Herrscher in Spanien als „tolerant“ zu rechtfertigen. Aber die alltägliche Realität für die meisten spanischen Christen und Juden unter islamischer Herrschaft war etwas ganz anderes.

Nach der Eroberung von 711 erhielten Nichtmoslems die Wahlmöglichkeit zwischen der Konvertierung, dem Getötetwerden oder der Annahme des Status als Dhimmis, einer „geschützten“ Klasse, die eine besonders Steuer namens jizya zahlen musste. Das Gesetz dieser Zeit macht klar, dass ein Zweck der jizya die Erniedrigung der „Menschen des Buches“ war. So wurde sie bezahlt:

Der stehende Dhimmi pflegte das Geld dem moslemischen Eintreiber vorzulegen, der erhöht auf einer Art Thron saß; dieser moslemische Bürokrat hielt den Dhimmi an der Kehle und sagte ihm: „Oh Dhimmi, Feind Allahs, zahle die jizya, die du uns für den Schutz und die Toleranz schuldest, die wir dir gewähren“; die anderen anwesenden Moslems pflegten den Eintreiber nachzuahmen und stießen den Dhimmi herum. Zu diesem amüsanten Schauspiel sollte jeder Moslem zugelassen sein, der es genießen wollte.

Fernandez-Morera kommentiert: „Das System der Dhimma war also eine gangsterartige ‚Schutzgeldmasche’, die für die moslemischen Herrscher recht profitabel war.“ Diese Profitabilität ist der Hauptgrund, warum spanische Moslems es vorzogen, keine richtiggehenden Sklaven aus Christen und Juden zu machen. Alle Arten anderer Steuern konnten ebenfalls noch auf die jizya draufgehäuft werden, um den protzigen Lebensstil der moslemischen Herrscher zu erhalten und Dichter, Intellektuelle, Sklaven, Paläste, Harems und Stadtverschönerungsprogramme zu subventionieren.

Viel vom islamischen Gesetz dreht sich um die Konzepte der Reinheit und Unreinheit, und Nichtmoslems werden als Hauptquelle der Unreinheit betrachtet. Die malikitische Rechtsschule, die den Großteil des Zeitraums der maurischen Herrschaft in Spanien in Kraft war, widmet viel Aufmerksamkeit den Problemen von Wasser, Kleidungsstücken und Nahrungsmitteln, die von Christen berührt wurden. Es war z. B. verboten, Wasser zu verwenden, das von einm Christen übriggelassen worden war, oder für Waschungen irgend etwas zu verwenden, das ein Christ berührt hatte, oder Nahrung zu essen, die von einem Christen übriggelassen worden war. Es wurde als nicht ratsam betrachtet, auch nur ein Tier zu essen, das ein Christ erjagt hatte.

Die moslemischen Reinheitsanforderungen bedeuteten, daß in der Praxis Christen und Juden den Großteil der Zeit physisch auf ihre eigenen Viertel beschränkt bleiben mussten, und Schriften aus dem maurischen Spanien enthalten zahlreiche Verweise auf solche separaten Viertel. Interaktionen scheinen weitgehend auf Wirtschaftstransaktionen beschränkt gewesen zu sein.

Den Vorschriften zufolge, die von einem moslemischen Kleriker in Sevilla erlassen wurden (ca. 1100), mußten Juden und Christen

verabscheut und gemieden werden und sollten nicht mit der Formel „Friede sei mit dir“ gegrüßt werden, denn der Teufel hat Herrschaft über sie gewonnen und hat sie den Namen Gottes vergessen lassen. Sie gehören zur Partei des Teufels. Sie müssen ein Unterscheidungszeichen haben, durch das sie zu ihrer Schande erkannt werden.

Christen mussten in Anwesenheit von Moslems als Zeichen des Respekts stehen. Es war ihnen  verboten, Waffen zu tragen oder Pferde zu reiten. Es war ihnen normalerweise verboten, neue Kirchen zu bauen, und sie brauchten eine Erlaubnis, um auch nur bestehende Kirchen zu reparieren. Sie durften keine Moscheen in Kirchen umwandeln, aber Kirchen konnten in Moscheen umgewandelt werden und wurden es oft. Der Muezzin rief die Moslems laut zum Gebet, aber Kirchen war verboten, ihre Glocken zu läuten. Christen durften Kreuze weder an ihrem Körper noch an der Außenseite ihrer Kirchen zu zeigen. Moslems durften missionieren, aber Christen nicht. Ein Moslem durfte nicht nur bis zu vier Frauen heiraten, sondern auch so viele Sex-Sklavinnen halten, wie er erhalten konnte. Letztere mussten nicht moslemisch sein, aber jegliche von ihnen geborenen Kinder mussten moslemisch erzogen werden. Christlichen Männern andererseits war es verboten, sich moslemische Ehefrauen oder Konkubinen zu nehmen. All diese Vorschriften galten auch entsprechend für Juden.

Es gab gelegentlich Ausbrüche des Widerstands seitens der unterworfenen Bevölkerung, die immer mit rücksichtsloser Gewalt unterdrückt wurden. Die berühmteste derartige Episode war jene der Märtyrer von Cordoba. Im Jahr 850 n. Chr. wurde ein Mönch namens Perfectus von einige Moslems zu erläutern ersucht, was das Christentum über Mohammed lehrte. Er antwortete, dass ihnen die Antwort vielleicht nicht gefallen könnte. Als sie darauf beharrten, ließ er sich von ihnen versprechen, dass sie niemandem etwas sagen würden. Er zitierte dann die Passage aus dem Evangelium, in der Christus warnt: „Viele falsche Propheten werden in meinem Namen kommen“, und erklärte, dass Christen Mohammed als solch einen falschen Propheten betrachten. Einige Tage später erblickten dieselben Moslems Perfectus in der Stadt und machten eine Menge von Moslems auf ihn aufmerksam, wobei sie sagten, er hätte den Propheten beleidigt. Er wurde ins Gefängnis geworfen, verhört und schließlich enthauptet.

Im folgenden Jahr ging ein Mönch namens Isaak nach Cordoba und erklärte in Anwesenheit eines moslemischen Richters, dass Mohammed ein falscher Prophet und der Islam eine falsche Religion sei. Er wurde öffentlich enthauptet und seine Leiche an einem der Stadttore verkehrt herum aufgehängt.

Diese Ereignisse ließen eine Bewegung entstehen. Innerhalb von ein paar Jahren erklärten etwa fünfzig Christen öffentlich ihren Glauben an Christus, und dass Mohammeds angeblich göttliche Mission ein Schwindel sei. Einige wurden geköpft, andere gepfählt, andere zu Tode gegeißelt, andere lebendig gekocht. Unter diesen Märtyrern befand sich eine Anzahl, die öffentlich zum Islam konvertiert war, während sie privat weiter das Christentum praktizierte – nach islamischem Gesetz die schlimmste Form der Apostasie.

Der Herrscher Abd al-Rahman II reagierte, indem er christliches Eigentum beschlagnahmte und Schritte unternahm, um das Leben für alle Christen schwierig zu machen. Auf Anraten moslemischer Kleriker berief er ein Kirchenkonzil in Cordoba ein, das unter Druck den Christen befahl, nicht nach Märtyrertum zu streben. Schließlich lief die Bewegung sich tot.

Die Märtyrer von Cordoba haben von modernen Historikern wenig Sympathie erhalten, die sie „Unruhestifter“ und „Selbstopferer“ nannten:

Schon Reinhard Dozy im neunzehnten Jahrhundert und [Evariste] Lévi- Provençal  im frühen zwanzigsten und Wissenschaftler bis zur Gegenwart haben typischerweise die Handlungen der Märtyrer als die törichten Entscheidungen religiöser Fanatiker bezeichnet, von widerspenstigen und ignoranten Mönchen und ihren gedankenlosen Anhängern. In einer repräsentativen Aussage nannte ein Wissenschaftler den christlichen Widerstand das Werk „einer unnachgiebigen Minderheit, die überhaupt nicht gewillt war, in friedlicher convivencia und in Respekt gegenüber dem Islam zu leben.“ […] Die Andeutung ist klar: diese Leute hätten gegenüber der toleranten moslemischen Obrigkeit dankbar sein sollen.

Diese Haltung würde man „dem Opfer die Schuld geben“ nennen, wären die Opfer irgend jemand außer europäischen Christen.

Viele Christen flohen in die christlichen Königreiche des Nordens (obwohl moderne Historiker es vorziehen, von einer „Migration“ statt einer „Flucht“ zu sprechen). Um 1200 waren wenige Christen in Andalusien übrig.

Fortsetzung: Das maurische Spanien: Ein erfolgreiches multikulturelles Experiment? (Teil 2)

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Originalübersetzung hier

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Ein Kommentar

  1. Dieser Zweiteiler war für mich damals, als er auf TOO erschien, ein sofortiges Muss zum Übersetzen. Interessant ist, dass Devlin hier im Gegensatz zu seinen Essays in Die sexuelle Utopie an der Macht auch die jüdische Rolle behandelt, in diesem Fall die Kooperation der in Spanien lebenden Juden mit den maurischen Invasoren, was wohl auch daran liegt, dass Dario Fernandez-Morera, der Autor des vorgestellten Buches, sich mit dieser jüdischen Rolle befasst.

    Ein ebenfalls interessanter Punkt ist, dass den Mauren ihre Invasion auch durch den Verrat eines unzufriedenen Teils des spanisch-westgotischen Hochadels gegen den eigenen König ermöglicht wurde. Diese Möchtegern-Usurpatoren hatten sich wohl erhofft, mit Hilfe der Mauren selbst auf den Thron kommen zu können, und nicht mit der zusätzlichen jüdischen Kollaboration gerechnet, durch die ihnen die zahlenmäßig unterlegenen Mauren über den Kopf wachsen konnten. Dies ist ein allgemeines Problem mit machtgierigen „Männern der zweiten Reihe“, die für die Versuchung anfällig sind, mit auswärtigen Kräften gemeinsame Sache zu machen, um selbst die Herrschaft ergreifen zu können. Ein Beispiel hierfür ist Richard Löwenherz, der mit dem französischen König gegen seinen eigenen Bruder paktierte, der zu dieser Zeit noch König von England war. Ein neuzeitliches Beispiel beschreibt Alexios Synodinos in b>Die griechische Krise verstehen, Teil 1:

    Das Militärregime bestand 7 Jahre lang und endete abrupt, als die Türkei 1974 in Zypern einmarschierte. Was zu der Tragödie von Zypern führte und warum die zu dieser Zeit überlegen gerüsteten Streitkräfte Griechenlands beschlossen, nicht einzugreifen, ist eine sehr umstrittene Frage. Die Invasion fand nach einer Spaltung innerhalb des Kreises von Armeeoffizieren statt, die das Militärregime eingesetzt hatten. Der unbestreitbare Führer Georgios Papadopoulos wurde entthront, und sein Platz wurde von einer geringeren Gestalt im Regime eingenommen, von Brigadier Dimitrios Ioannidis. Ionannidis war stark nationalistisch, jedoch hatte er nie wirklich eine Ahnung von Politik. Ein weiterer interessanter Punkt bei Ioannidis ist, daß seine Schwester mit einem berühmten griechischen Juden namens Zak (Jacques) Alazrakis verheiratet war, der sehr gute Beziehungen zum damaligen Außenminister der USA, Henry Kissinger, hatte. Demzufolge, was seit Jahren von der Mehrheit der Armeeoffiziere, die das Militärregime eingeführt hatten, behauptet worden ist, versprach Kissinger Ioannidis über Alazrakis, daß er die Unterstützung der USA bezüglich der Zypernfrage haben und jahrzehntelang an der Macht bleiben würde, wenn er Papadopoulos und später Bischof Makarios (den damaligen Präsidenten Zyperns) stürzen könnte. Der leichtgläubige Ioannidis handelte schnell; er entledigte sich Papadopoulos’ und versuchte Makarios aus dem Weg zu schaffen, aber Kissinger hatte bereits der Türkei ein Stück von Zypern versprochen und Ioannidis fallengelassen.

    Der dritte Faktor, der die schnelle Eroberung Spaniens durch die Mauren ermöglicht hatte, enthält ebenfalls Lehren für uns: der in Unkenntnis der orientalischen Wesensart erfolgte Verzicht einzelner christlicher Herren auf Widerstand gegen die Invasoren im naiven Vertrauen auf deren Vertragstreue auch nach deren Erringung der Herrschaft im Land.

    Ebenfalls wertvoll an Devlins vorliegendem Essay und dem darin behandelten Buch ist, dass darin (vor allem im zweiten Teil) die Mär von der angeblichen Überlegenheit der materiellen Kultur der Mauren demontiert wird. So hatten die Araber und Berber ihre heute bewunderte Bautechnik einfach von den Römern übernommen, wie anhand des Vergleichs mit heute noch existierenden römischen Aquädukten ersichtlich wird.

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