Das Scheitern des Multikulturalismus in der polnischen Ukraine

Mykola Pymonenko – In den Krieg!

Von Thomas Jones, übersetzt von Deep Roots. Das Original The Failure of Multiculturalism in Polish Ukraine erschien am 26. Februar 2017 auf „The Occidental Observer“.

Uns wird heute oft gesagt, daß der Multikulturalismus, das heißt, ein Staat, der aus einer Vielfalt von Völkern besteht, eine große Stärke sei. Nein, es ist in Wirklichkeit unsere größte Stärke! Irgendwelche Besorgnisse oder Kritiken zu äußern, egal wie mild, wird als Sakrileg gesehen.

Jedoch ist das Gegenteil wahr, und die ganze Geschichte hindurch gab es viele Beispiele für vielfältige und multikulturelle Gesellschaften, die in Zwietracht und Hader verfielen. Der Fokus dieses Artikels wird auf einem Ort liegen, der im Nachhinein für seinen Liberalismus und seine Toleranz gepriesen worden ist: Polen-Litauen.

Polen-Litauen entstand nach dem Vertrag von Lublin von 1569, als das Königreich Polen und das Großfürstentum Litauen vereinigt und zu einem Land gemacht wurden. Davor waren die beiden in der Union von Krewo von 1385 in einer Personalunion unter dem herrschenden litauischen Monarchen verbunden. Vor 1569 war das Gebiet, das jetzt Weißrußland und ein Großteil der Ukraine ist [1], ebenfalls Teil des Großfürstentums, das zu der Zeit das größte europäische Land war. Gemäß dem Vertrag von 1569 wurde jedoch die Ukraine an Polen übergeben, womit die Bühne für eine gewalttätige Zukunft des ethnischen Konflikts bereitet wurde.

Der polnische Adel, die Szlachta, war an ein hohes Maß an Autonomie gewöhnt, die nur noch größer wurde, nachdem die alte litauische Jagiellonendynastie ausstarb. Danach wurde die Monarchie gewählt und wurde zunehmend den Adeligen untergeordnet. Die Szlachta, das sollte festgehalten werden, war ethnisch nicht zur Gänze polnisch. Es gehörten schließlich litauische, ukrainische und andere nichtpolnische Adelshäuser dazu, die sich in solchem Ausmaß polonisierten, daß sie genausogut hätten ethnisch polnisch sein können. Zu den Beispielen für die Macht, die der Adel innehatte, gehörte dessen Fähigkeit, die Leibeigenschaft (genannt Neo-Leibeigenschaft) wieder einzuführen, und ein Gesetz von 1518, das besagte, daß der König an seinen Gerichten keine Beschwerden von Untertanen auf Adelsland annehmen durfte, was dem Adel eine freie Hand verschaffte. Die Adeligen gaben sich mit der Zeit die Macht, Fronarbeit einzuführen und Bauernland mitsamt den Bauern, die es bearbeiteten, zu beschlagnahmen [2].

Jedoch war in den Jahren, die zum turbulenten siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert führten, nicht alles in Ordnung mit dem Adel:

Scharfsinnige Ausländer… sahen zum Beispiel, daß die vielgepriesene Freiheit der Szlachta, die Polen den Ruf verschaffte, einer der freiesten Staaten der Welt zu sein, darauf beruhte, allen anderen Klassen der Bevölkerung Rechte wegzunehmen und sie zu versklaven; daß einhergehend mit den unbegrenzten Freiheiten der Adeligen den Bürgern alle Teilhabe am politischen Leben genommen wurde und sie in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung gehemmt und innerhalb der Stadtmauern eingesperrt wurden.

Der Parlamentarismus blühte in Polen, aber parallel dazu hatte die Exekutive nicht die Macht zu funktionieren. … Die Königsmacht war streng begrenzt, und alle Entscheidungen wurden von der mächtigen herrschenden Adelsschicht getroffen. Diese Klasse degenerierte außerdem. Die polnischen Adeligen hatten ihren früheren ritterlichen und kämpferischen Geist verloren. Sie waren durch den Reichtum korrumpiert und hatten ihre frühere Energie verloren, die nun nur noch erweckt werden konnte, um für Privilegien gegen reale oder eingebildete Angriffe seitens der Königsmacht zu kämpfen.[3]

Sie waren nicht nur durch Laster und Macht korrumpiert, sondern die Szlachta hatte auch aufgehört, irgendeinen Bezug zwischen sich und dem Volk zu sehen, das sie regierte. Der Adel hatte ab dem sechzehnten Jahrhundert eine Sarmatianismus genannte Ideologie entwickelt, die fälschlicherweise besagte, daß die Szlachta die Nachkommen von Sarmaten seien, eines Steppenvolkes, das aus der Gegend stammt, die heute Südrußland ist. Wichtig ist, daß die Szlachta sich als ethnisch verschieden auch gegenüber den polnischen Bauern sahen.[4] Sie sahen den römischen Katholizismus auch schließlich als die einzig wahre Form des Christentums. Solch eine Ideologie mußte scharfe gesellschaftliche Spaltungen erzeugen, aber besonders gegenüber ihren ukrainischen Untertanen. Dies sollte im mittleren und späten siebzehnten Jahrhundert eine große und schreckliche Auswirkung auf Polen-Litauen haben.

Polen-Litauen war nach den Maßstäben der Zeit unglaublich tolerant und liberal in religiösen Angelegenheiten. In der Praxis jedoch wurden dem orthodoxen Christentum im Allgemeinen nicht dieselben Rechte und Privilegien gewährt wie anderen christlichen Glaubensgemeinschaften oder sogar den Juden, die natürlich keine reine Religionsgruppe sind, sondern auch eine Volksgruppe. Zum Beispiel gelang es den Jesuiten im Jahr 1596, ein Unionsgesetz durchzudrücken, das die orthodoxe Kirche (die fast ausschließlich die Kirche der Ukrainer war) zu einem Teil der katholischen Kirche machte und dadurch die Unierte Kirche schuf. Jedoch weigerten sich die meisten orthodoxen Priester, sich daran zu halten.[5] Erst 1632 wurde die orthodoxie gesetzlich anerkannt, aber bis dahin hatte sich die ukrainische Bevölkerung in Unierte und Orthodoxe aufgespalten, und eine große Zahl war nach Rußland geflohen.

Die Rolle des Judentums in der Gesellschaft war ein wichtiger Faktor bei der Massengewalt des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts, daher lohnt es sich, kurz ihre Situation in der Gesellschaft zu erläutern.

Juden kamen erstmals in den 1090ern auf Veranlassung von König Boleslaw III massenhaft ins Land. Juden erhielten die Freiheit, ihre eigene Selbstregierung zu bilden, sowie Privilegien betreffend religiöse Feste, Einschränkungen et al. Polen war jahrhundertelang die Heimat der größten jüdischen Gemeinschaft in Europa und wurde sogar ein jüdisches Paradies genannt – paradisus Iudaeorum. Es gab viel wirtschaftliche Konkurrenz zwischen ihnen und Christen, aber Konkurrenz gab es auch zwischen einheimischen Christen und ausländischen Christen, denen ebenfalls erlaubt worden war, sich in Polen-Litauen anzusiedeln. Der ländliche Raum war weitgehend homogen, aber die kleineren und größeren Städte beherbergten ein verblüffendes Spektrum von Nationalitäten von so weit her wie Schottland im Westen und Armenien im Osten.

Die Stadtbewohner, untereinander gespalten und politisch machtlos, waren die Hauptträger der Feindseligkeit gegen die Juden. Solange es jedoch auch eine verblüffende Vielfalt anderer nationaler Gruppen gab, die ähnlichen Berufen nachgingen wie die Juden, wurde diese Feindseligkeit etwas gestreut.[6]

Multikulturalismus verdünnte damals wie heute jegliche größeren Ausbrüche von Antisemitismus. Jedoch entstanden sehr wohl Konflikte als Folge wirtschaftlicher Konkurrenz, und es wurden von einzelnen Stadtgemeinden Versuche zur Einschränkung von Juden unternommen. Aber insgesamt war Polen-Litauen unglaublich gastfreundlich und tolerant gegenüber Juden, und dies blieb so sogar nachdem die Adeligen alle Macht von der Monarchie usurpiert hatten. Tatsächlich sollten sie die jüdische Macht und Privilegiertheit in der polnischen Ukraine verstärken.

Grundbesitzer wollten Ressourcen ausbeuten, hatten aber wenig Interesse an der Verwaltung ihrer Länder oder an der Entwicklung kommerzieller Fertigkeiten. Stattdessen zogen sie es vor, „ihre luxuriösen Gewohnheiten und kulturellen Aktivitäten zu pflegen.“[7] Daher wandten sie sich an Juden, die sowohl das Geld als auch die Erfahrung hatten. Die Juden agierten als Mittelsmänner und Agenten auf den riesigen Ländereien des Adels, und sie pachteten und verpachteten Mühlen, Brauereien, Märkte, Gasthäuser und Fähren (neben anderen Dienstleistungen), „verlangten hohe Gebühren und zeigten großen Einfallsreichtum im Erfinden immer neuer Methoden, um frische Gebühren und Steuern aus der Bevölkerung herauszupressen.“[8] Juden wurden nicht nur wegen ihrer Berufe mit Verachtung betrachtet, sondern auch dafür, wie sie in diesen Berufen agierten; sie beuteten die Massen bereitwillig sowohl zu ihrem eigenen Gewinn als auch für die abgehobene Szlachta aus.

Es gab jedoch eine Gruppe, die auf der Seite der ukrainischen Massen stand. Diese Gruppe waren die Kosaken. Kosaken waren Menschen, die einen halbnomadischen Lebensstil hatten und von einer Sitsch regiert wurden, einer Gemeinschaft gewählter Ältester. Sie beantworteten tatarische und türkische Überfälle mit eigenen Überfällen, einschließlich Angriffen mit Schiffen gegen Anatolien.

Józef Brandt – Kosakenhochzeit

Die polnischen Adeligen verabscheuten die Kosaken, die sich nur gegenüber dem König verantworteten, und wollten daher die Macht der Kosaken beschneiden, um sie genauso gefügig wie Leibeigene zu machen. Die Ukrainer wurden von einer Elite regiert, die den Massen fremd war; ihre Religion wurde angegriffen, ihre Verteidiger, die Kosaken, wurden verdammt, und natürlich mußten sie eine nepotistische ethnoreligiöse Gruppe dulden, die sie mit voller Unterstützung des Adels ausbeutete. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es zu Gewaltausbrüchen kam.

Im Jahr 1648 wurde der Landbesitz von Bohdan Chmelnizki, eines führenden Kosaken, von einem benachbarten Adeligen geplündert, sein Sohn getötet und seine Geliebte entführt. Dieser Vorfall führte dazu, daß Chmelnizki und seine Mit-Kosaken eine Rebellion gegen die Polen starteten. Man glaubt nicht, daß Chmelnizki die Unabhängigkeit wollte, aber das ist eindeutig das, wie viele Ukrainer die Rebellion sahen. Die Revolte war in der ganzen Unkraine sehr populär – zum Beispiel „erhob sich die ganze Provinz Kiew wie ein Mann.“[9] Die Revolte führte schnell zu ethnischen Säuberungen, da die großteils ukrainische Bauernschaft die Herrenhäuser der Grundbesitzer niederbrannte und ihre Besitztümer plünderte, sie und die mit ihnen in Verbindung Stehenden tötete; natürlich waren die Adeligen keine Ukrainer; sie waren alle Polen oder Ukrainer, die so polonisiert waren, daß sie genausogut hätten Polen sein können. Katholische Kleriker wurden ebenfalls getötet, und auch Juden.

Insbesondere auf die Juden hatten es die Rebellen abgesehen, die endlich das Gefühl hatten, ihrem aufgestauten Hass und Frust wegen der Unterdrückung durch die Juden freien Lauf lassen zu können. Man glaubt, daß bis zu einer Million Menschen getötet oder wegen der Gewalt zur Flucht aus der Region gezwungen wurde. Tausende davon waren Juden.

Man glaubt, daß die Juden den besonderen Hass der Bevölkerung durch ihre kleinliche, gemeine Ausbeutung als Eintreiber aller Art von Gebühren und Steuern provozierten, und als unehrliche Verkäufer von Gütern des täglichen Bedarfs zu exorbitanten Preisen.[10]

Chmelnizkis Revolte dauerte neun Jahre und war ein Hauptgrund für die „Schwedische Sintflut“ genannte Periode der polnischen Geschichte. Die Erinnerung an Chmelnizki ist eine gemischte in den Köpfen der Ukrainer, die ihn sowohl als Helden gelobt als auch als Verräter verdammt haben. Man weiß, daß er sich mit den Krimtataren verbündete und ihnen freie Hand im Großteil der Ukraine gab, um nach Sklaven zum Verkauf auf dem türkischen Markt zu suchen. Vielleicht wichtiger noch ist, daß er Moskau in die ukrainischen Angelegenheiten hineingezogen hatte, nachdem er 1654 den Vertrag von Perejaslaw unterzeichnete, den die Russen als Treueschwur der Kosaken ihnen gegenüber interpretierten. Am Ende der Revolte war das Kosakenterritorium zwischen Polen und Moskau aufgeteilt, das den Aufstand als eine Chance für ein Eingreifen in polnische Angelegenheiten benutzt hatte.

In dem, was von der polnischen Ukraine blieb, dauerte es nicht lang, bis das Leben wieder so war, wie es vor 1648 gewesen war. Dazu gehörte das Regierungssystem. Polen errichteten wieder ihr altes Regierungssystem in der Ukraine, nur daß diesmal die Zahl der Adelsfamilien mit wahrer Macht auf eine kleine Handvoll begrenzt wurde, die die Schwedische Sintflut überlebt hatte und nun in interne Machtkämpfe verwickelt war.[11] Die Flucht von Ukrainern nach Osten und das Ende des Kosakeneinflusses machte es leichter, den Katholizismus durchzusetzen [12], und ermöglichte es den Adeligen erneut, straflos zu handeln. Dies bedeutete wieder einmal, daß Juden als Steuerpächter, Agenten auf Adelsland etc. hereingeholt wurden, sehr zum Entsetzen der Einheimischen.

Während des achtzehnten Jahrhunderts fand eine weitere Rebellion als Folge der polnischen Elite und der Juden statt – die Hajdamaken-Rebellion. Diese Rebellion jedoch war allgemein mehr ein guerilla-artiger Konflikt von niedriger Intensität, obwohl doch größere Schlachten stattfanden wie die Belagerung von Uman im Jahr 1768, die im Massaker an Polen und Juden durch die siegreichen Hajdamaken [eine Kosakengruppe] resultierte. Die Hajdamaken benutzten russisches Territorium als Operationsbasis für die Durchführung ihrer Angriffe, und dies hatte unweigerlich einen diplomatischen Krach zur Folge. Die Hajdamaken-Revolte wurde 1769 niedergeschlagen, als eine Gruppe von Hajdamaken osmanisches Territorium überfallen hatte. Die Türken drohten Rußland deswegen mit Krieg, daher entschieden sich die Russen dafür, nicht nur ihre Unterstützung der Rebellen einzustellen, sondern auch den Polen bei deren Niederschlagung zu helfen. Der Grund für den Grenzübertritt der Hajdamaken in die Türkei? Sie verfolgten eine Gruppe von Juden.[13]

Nach 1795 hörte Polen-Litauen zu existieren auf, nachdem es zum dritten und letzten Mal durch Preußen, Österreich und Rußland aufgeteilt worden war. Seine ukrainischen Territorien wurden zwischen den Russen und den Österreichern aufgeteilt. Das Leben blieb dasselbe, wie es seit Jahrhunderten gewesen war. Jedoch gab es weder in der österreichischen noch in der russischen Ukraine größere Gewaltausbrüche mit ethnischen Säuberungen. Die Gründe dafür sind wie folgt:

In der österreichischen Zone wurde die Macht der Szlachta gebrochen, und sie wurden unter königliche Kontrolle gebracht (obwohl der polnische Adel das Gebiet weiterhin regierte). 1781 beendete der österreichische Kaiser Joseph II die Leibeigenschaft; obwohl Aspekte davon durch seinen Nachfolger wieder eingeführt wurden und die Landbevölkerung weiterhin in Armut lebte, wurde dies von den Bauern als große Errungenschaft gesehen.[14] Die Monarchie erwies sich als wirksame Kraft, die für die Ukrainer eingreifen konnte. Nach 1848 ging die Monarchie sogar soweit, aktiv das ukrainische Nationalbewußtsein zu fördern, um dem polnischen Nationalismus entgegenzuwirken. Es half auch, daß die meisten Ukrainer in Österreich Unierte waren und Joseph II der Unierten Kirche dieselben Rechte wie dem regulären Katholizismus gab, was nicht einmal die Polen getan hatten.[15] Jedoch kam es 1846 doch zu einem kurzlebigen Gewaltausbruch, aber er war insofern den früheren Kosaken- und Hajdamakenaufständen ähnlich, als er großteils auf Polen abzielte und nicht auf die österreichische Regierung (die auf die Rebellion mit der endgültigen Abschaffung der Leibeigenschaft reagierte).

Was die verhassten Juden betraf, so wollte Joseph II das Judentum voll assimilieren, und daher machte er sie wehrpflichtig, beseitigte ihr separates Regierungssystem, ließ sie dieselben Steuern wie alle anderen bezahlen und Deutsch anstelle von Jiddisch benutzen. Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit und in der Ausübung bestimmter Berufe blieben jedoch.[16] Daher schien es, als sei das jüdische Problem durch eine liberale Integrationspolitik in Kombination mit Mechanismen zur Verringerung der Konkurrenz mit Juden gelöst.

In der russischen Zone half der gemeinsame orthodoxe Glaube der Russen und Ukrainer sehr, und auch die Zerstörung des Szlachta-Systems. Jedoch blieb die Leibeigenschaft bis in die 1860er in Kraft, und die Macht der Kosaken in Rußland wurde im Großen Nordischen Krieg (1700 – 1721) zerstört. Die Russen stützten sich auf die Autokratie, um jedermann auf Linie zu halten, und zunehmend auf die Russifizierung. Obwohl dies Unmut verursachte, führte es nicht zu offener Rebellion. Zweifellos half es, daß auch die Russen das jüdische Problem zu lösen schienen. Wie in Österreich verloren die Juden viel von ihrer vorherigen Macht und ihr separates Regierungssystem. Es gab auch Einschränkungen darüber, wo Juden siedeln durften. Unter russischer Herrschaft wurde das Judentum zuerst weitgehend unter Kontrolle gehalten, aber schließlich brachen dieselben Probleme aus, wenn auch in weit weniger gewaltsamer oder dramatischer Weise. Der sogenannte Ansiedlungsrayon (d. h., das Gebiet, wo die große Mehrheit der Juden legal leben konnte) lag großteils in der Ukraine, und es war hier, wo die stark übertriebenen Pogrome des späten neunzehnten Jahrhunderts stattfinden sollten.

In beiden Fällen sollte festgehalten werden, daß die Fremdherrschaft toleriert, aber nicht voll akzeptiert wurde. Sobald die Kaiserreiche zu bröckeln begannen, erklärten die Ukrainer schnell ihre Unabhängigkeit. Sogar in den Habsburgerländern, wo es, wie vorhin erläutert, größere kulturelle Autonomie gab.

Der Multikulturalismus scheiterte in Polen-Litauen, genauso wie später in Österreich-Ungarn und in der Tat wie in der gesamten Geschichte. Der polnische Fall ist besonders interessant, da er heute oft als Beispiel eines großartigen multikulturellen Staates hochgehalten wird, wo die verschiedenen Gruppen in Frieden und Harmonie lebten. Die Wirklichkeit andererseits unterscheidet sich sehr davon, besonders wenn es um die ukrainischen Teile geht.

Es ist interessant, das Verhalten der nichtjüdischen Eliten festzuhalten. Damals wie heute schauten sie nur darauf, was ihnen selbst nützen würde, und kappten völlig jegliche Verbindungen, die sie zu den Massen hatten. Der Hauptunterschied zwischen der polnischen Ukraine und der Situation im heutigen Okzident ist, daß die Eliten eine fremde Volksgruppe waren. Allgemein gesprochen, sind unser (nichtjüdischen) Eliten ethnisch dasselbe wie die Mehrheit.

Wir können heute ähnliche Verbindungen erkennen, wieder zum Schaden der Mehrheit. Es ist auch interessant festzuhalten, daß der Multikulturalismus für ein Volk scheiterte, das heute sein stärkster Unterstützer ist: das Judentum.

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt ist, daß es so viel Schlächterei und Gewalt nicht nur zwischen Ukrainern und Juden geben konnte, sondern auch zwischen Ukrainern und Polen. Beide sind Slawen, beide sind weiß, beide sind Christen. Befürworter multirassischer Staaten sind unglaublich kurzsichtig, da sie die vielen Fälle von innerrassischer Gewalt ignorieren, aber erwarten, daß interrassische Gesellschaften ganz gut funktionieren würden.

*   *   *

[1] Die Krim und die südlichen Teile der Ukraine standen zu dieser Zeit unter der Kontrolle der Türken und Tataren. Die Russen rangen den Moslems diese Länder schließlich im 18. Jahrhundert ab.

[2] PRM 142

[3] Dmytro Doroshenko, A Survey of Ukrainian History. Trident Press Limited. Winnipeg. 1975. S. 214

[4] Adam Zamoyski, A History of Poland.  HarperPress, London. 2009. S. 94

[5] Ebd., S. 139

[6] Gershon Hundert, „The Implications of Jewish Economic Activities for Christian-Jewish Relations in the Polish Commonwealth“ The Jews in Poland,  herausgegeben von Chimen Abramsky, Maciej Jachimczyck und Anthony Polansky, S. 62

[7] Paul Robert Magocsi, A History of Ukraine. University of Toronto Press, Toronto. 1996. S.147

[8] Dmytro Doroshenko, S. 216

[9] Ebd., S. 221

[10] Ebd., S. 223

[11] Ebd., S. 486

[12] Paul Robert Magocsi, S. 293

[13] Doroshenko, S. 498

[14] Magocsi, S. 391

[15]  Ebd., S. 398

[16] Ebd., S. 394

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Siehe auch:

Über die Linke und den Mythos vom „jüdischen Proletariat“ von Andrew Joyce

Neubetrachtung der russischen Pogrome im 19. Jahrhundert, Teil 1: Rußlands Judenfrage von Andrew Joyce

Mythen und die russischen Pogrome, Teil 2: Erfindung von Greueltaten von Andrew Joyce

Mythen und die russischen Pogrome, Teil 3 – Die jüdische Rolle von Andrew Joyce

Hintergrund zur Magna Carta von Andrew Joyce

Juden und Schußwaffenkontrolle: Eine Reprise von Andrew Joyce

Das maurische Spanien: Ein erfolgreiches multikulturelles Paradies? (Teil 1) und Teil 2 von F. Roger Devlin

 

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