Chinael 1 – Jüdische Adoptivfamilien auf Reisen in China

Von Osimandia, ursprünglich veröffentlicht am 26. Juli 2013 auf „As der Schwerter“ (auch hier im „Archiv des verbotenen Wissens nachveröffentlicht).

 

Nachdem wir bereits mehrfach darüber spekuliert haben, dass die jüdische Diaspora derzeit ihr Hauptwirkungszentrum möglicherweise von den USA nach China verlagert, kamen wiederholt Einwände auf, das wäre nicht so einfach, da Juden ja nunmal nicht wie Chinesen aussehen und daher auffallen wie bunte Hunde, was bei den ethnisch sehr bewussten Chinesen auf Misstrauen und Ablehnung stoßen und eine Infiltration unmöglich machen würde.

Das trifft zwar weitgehend aber nicht vollkommen zu, da es bereits seit mindestens 1.000 Jahren jüdische Gemeinschaften in China, vor allem in Kaifeng gibt, deren Mitglieder – zumindest für das europäische Auge – von Chinesen nicht zu unterscheiden sind.  Darüber hinaus erschien auf Y-Net ein Artikel mit dem Titel China ist gut für die Juden:

Ein Buch mit dem Titel „Die Juden – warum sind sie reich?!” würde in jedem anderen Land der Welt als antisemitisch betrachtet werden. In China ist es jedoch eine Art Kompliment. Ronen Medzini erforscht die Vergötterung [idolization] des jüdischen Geistes durch das chinesische Volk.

Wenn ich mich gegenüber einem Chinesen vorstelle, ist das immer wie ein Aufputschmittel für mein Ego. „Ein Jude? Sehr klug!” ist die umgehende Antwort. Meist wird sie gefolgt von „Sie sind sehr gut im Geschäftemachen.“

Es besteht jedoch keinerlei Zweifel, dass meine Lieblingsantwort „Sie sind wie Einstein!” ist. (…)

Seit Menschengedenken und in vielen Teilen der Welt bis zum heutigen Tag haben Juden unter Antisemitismus und Diskriminierung gelitten. In China gibt es ebenfalls Vorurteile gegenüber Juden und Israel, aber erstaunlicherweise sind die meisten davon positiv.

Ob die Chinesen sich über die jüdische Rolle beim Kommunismus – auch in China – und über die verheerenden Folgen für ihr Volk durch den Opiumhandel der Sassoons nicht bewusst sind, oder ob es ihrer Mentalität entspricht, auch dann uneingeschränkte Bewunderung für Erfolg zu zeigen, wenn dieser mit höchst unmoralischen und hinterhältigen Mitteln erzielt wurde und zu Abermillionen von Ermordeten und Versklavten und unermesslichem Leid für das eigene Volk geführt hat, weiß ich nicht.

Auf jeden Fall sehen die jüdisch-chinesischen Beziehungen ganz nach dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft aus, und absolut nicht nach dem, was viele sich erhoffen und dem sie möglicherweise auch mit Häme entgegensehen: Dem Niedergang des weißen Amerikas aufgrund des Aufstiegs Chinas, und dass in Folge davon die – völlig überraschte – jüdische Hochfinanz verdattert aus der Wäsche guckt und ihre NWO-Pläne mit Bedauern zerplatzen sieht.

Wir von AdS sind diesbezüglich eher etwas skeptisch, um es sehr vorsichtig auszudrücken, und teilen weder die Heilsbringer-Erwartung gegenüber dem Erstarken Chinas noch die Schadenfreude gegenüber den uns nahe verwandten weißen Amerikanern. Wir versuchen stattdessen, diese wunderbare chinesisch-jüdische Freundschaft in einer losen Reihe von Artikeln unter dem Titel Chinael etwas näher zu erforschen.

Doch zurück zum Ausgangspunkt, bei dem es um die äußerliche Unähnlichkeit zwischen Chinesen und den meisten Juden geht. Es scheint, dass sich für dieses Problem eine recht verblüffend einfache Lösung ergeben hat, mit der sich die ersten beiden Teile dieser Reihe beschäftigen und die mit der Einkind-Politik Chinas zusammenhängt.

Das ist eine wesentlich rabiatere und rücksichtslosere, aber wohl auch preiswertere Methode, die Geburtenrate eines Volkes zu reduzieren, als die mittels massiver Medienpropaganda, bestehend aus einer Mischung aus Feminismus, Zukunftsangst und Spaßgesellschaft, die in weißen Ländern praktiziert wird. Chinesische Eltern, die mehr als ein Kind haben, werden (zumindest in den Städten und wenn sie nicht unter eine der Ausnahmeregelungen für ethnische Minderheiten fallen, denen zwei Kinder zugestanden werden), mit einer Geldstrafe belegt, es wurde aber auch von Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen berichtet. Da viele chinesische Eltern sich traditionell unbedingt zumindest einen Sohn wünschen, sind Abtreibungen weiblicher Föten an der Tagesordnung, aber auch das Aussetzen oder Abgeben von Babymädchen in Waisenhäusern ist üblich.

Aus diesen Waisenhäusern bedienen sich seit den 1990er Jahren amerikanische Adoptiveltern, die zu einem sehr großen Teil jüdisch sind. Nachfolgend die Übersetzung eines Berichts aus der jüdischen Zeitschrift Forward über diese Familien:

Jüdische Adoptivfamilien auf Reisen in China

von Daniel Levisohn

übersetzt von Osimandia

das englische Original erschien unter dem Titel

Adoptive Jewish Families Head Back to China

im Forward am 27. Februar 2008

Rabbi Mark Sameth reist viel mit seinen beiden Adoptivtöchtern, gebürtigen Chinesinnen, auf den Spuren des hybriden Kulturerbes der Mädchen.

Bei einem kürzlichen Ausflug von ihrer Heimatstadt Pleasantville, New York, nach Washington entdeckten sie eine alte steinerne Waschschüssel, die einst zu einer chinesischen Synagoge gehört hatte. In New York City besuchten sie die heilige Bücherhalle des jüdischen Theologieseminars, um eine in Seide gebundene chinesische Thorarolle zu untersuchen. Aber die aufregendste Reise, so Sameth, war, mit seinen Töchtern, die 5 und 9 Jahre alt sind, letzten Sommer durch China zu touren.

Jetzt, da die Mädchen alt genug waren, wollten wir, dass sie das Land sehen,” erzählte Sameth dem Forward. „Die Reise führte uns ins alte China, ins mittelalterliche China und ins moderne China. Und wir wollten, dass sie die jüdischen Anteile Chinas sehen.“

Die Familie Sameth ist nicht alleine. Jetzt, wo die erste Generation chinesischer Adoptivtöchter ins Schul- und Jugendlichenalter kommt, reist eine zunehmende Zahl jüdischer Adoptiveltern mit ihren Kindern durch China – auf der Suche nach einem Weg, Identitäten zu erforschen, die sowohl chinesisch als auch jüdisch sind.

„Eine große Zahl der Familien sind jüdische Familien” sagte Jane Liedtke.

Liedtke gründete die in Bloomington, Illinois, beheimatete Our Chinese Daughters Foundation”,  die Rückkehrreisen nach China für Adoptivfamilien organisiert.

Gemäß Liedtke ist der Anteil von Juden unter ihrer Kundschaft im Steigen begriffen, seit sie ihr Reiseunternehmen vor zehn  Jahren gegründet  hat.  Heute, so schätzt Liedtke, haben 40% ihrer 900 Kunden einen jüdischen Hintergrund.

Während es keine Statistiken darüber gibt, wie viele jüdische Familien Adoptivtöchter aus China haben, ist die Adoptionsrate durch amerikanische Familien in den 1990er Jahren, als die chinesische Regierung die Tore des Landes für ausländische Adoptionen öffnete, stark angestiegen. Heute leben mehr als 65.000 chinesische Adoptivkinder in den Vereinigten Staaten, obwohl neuere Regulierungen die Adoptionen etwas erschweren, seit die Zahlen im Jahr 2005 ihren Höhepunkt erreicht hatten. Aufgrund Chinas Politik, die Familiengröße zu beschränken, kombiniert mit kulturellen Vorurteilen gegenüber Mädchen, sind die meisten Adoptivkinder Töchter.

Für jüdische Eltern, die Töchter aus China adoptiert haben, kann eine solche Rückkehrreise eine ganze Reihe von Gründen haben. Manche Eltern sehen es als wertvolle Möglichkeit, das jüdische und chinesische Erbe ihrer Töchter synthetisch zusammenzufassen [to synthesize], während es andere einfach nur als Gelegenheit sehen, die Orte zu besuchen, welche die ersten Lebenstage ihrer Töchter prägten, wie zum Beispiel Waisenhäuser. Andere sehen es als reizvolle Örtlichkeit für eine Bat Mitzwa.

„Weil ihre Bat Mitzwa auf ein olympisches Jahr fiel, hatten wir gehofft, eine verkürzte Bat Mitzwa während der Zeit der olympischen Spiele in China abhalten zu können,” sagte Steven Wolfe, der sich bemüht hatte, für seine 12-jährige Tochter eine Zeremonie an der Chinesischen Mauer zu planen. „Ich dachte, es wäre nett gewesen, ihre chinesische Herkunft mit ihrer neu angenommenen Religion zu mischen. Ich dachte, die Kombination von beidem wäre ungewöhnlich und hätte ihr nahegebracht, dass sie wirklich aus zwei verschiedenen Kulturen stammt.”

Wolfe glaubt, dass die Reise aufgrund logistischer Schwierigkeiten und des Problems, einen Rabbi aufzutreiben, der bereit ist, an die große Mauer zu reisen, nicht möglich sein wird. Liedtke sagt, dass sie Anfragen bekommen habe, Bat Mitzwa-Reisen nach China zu organisieren, aber nicht wisse, ob es bisher jemandem gelungen sei, das durchzuführen.

Für viele Eltern bringt die Planung der Chinareisen einige der Dilemmas an die Oberfläche, die mit dem Großziehen eines Kindes aus zwei verschiedenen Kulturen einhergehen. Die Eltern können sich für eine Reise auf den Spuren des jüdischen Erbes in China entscheiden, aber eine solche Reise bringt sie nicht in Kontakt mit anderen chinesischen Adoptivkindern. Es gibt auch spezielle Reisen für Adoptivfamilien, aber bei denen liegt der Schwerpunkt üblicherweise nicht auf jüdischen Sehenswürdigkeiten.

Elena Stein, eine Rabbinerin aus Cincinnati, die sich gerade darum bemüht, eine Rückkehrreise nach China mit ihrer Tochter Dahlia zu planen, wiegt immer noch die Möglichkeiten gegeneinander ab. Eine Reise mit anderen Adoptivfamilien würde es notwendig machen, freie Zeiten zu finden, um an jüdischen Aktivitäten teilnehmen zu können, während eine Reise auf den Spuren des jüdischen Erbes Stein und ihre Tochter der Möglichkeit berauben würde, China zusammen mit Familien wie ihrer eigenen zu erfahren.

„Ich hätte gerne, dass es eine chinesisch-jüdische Reise ist, weil ich möchte, dass sie ihre Identitäten als integriert und nicht als separiert erfährt.” sagte Stein. Aber weil Rückkehrreisen oft emotional belastend sein können, zieht sie immer noch eine Reise zusammen mit anderen Adoptivfamilien in Betracht. „Je nachdem, was vorgehen wird, kann es sein, dass wir die Unterstützung einer solchen Gruppe brauchen” sagte sie.

Empirische Anhaltspunkte sprechen dafür, dass die meisten Adoptivfamilien sich dafür entscheiden, mit nichtjüdischen Organisationen zu reisen. Viele dieser Gruppen arrangieren aber zusätzliche Ausflüge zu jüdischen Sehenswürdigkeiten. Die „Our Chinese Daughters Foundation” steht in ständigem Kontakt mit jüdischen Gemeindemitgliedern in Peking, um den Ansprüchen der jüdischen Kundschaft gerecht werden zu können. Ein weiteres beliebtes Reiseziel ist Kaifeng in der Provinz Henan, das Heimstatt einer isolierten jüdischen Gemeinde war, die sich vor 1.000 Jahren angesiedelt hatte.

„Sie mögen es, zurück nach China zu gehen, damit sie ihren Kindern zeigen können, dass es Chinesen gibt, die jüdisch sind,” so Liedtke gegenüber dem Forward.

Die Familie Sameth hat sich dafür entschieden, mit  „The Families With Children From China Heritage Tours” zu reisen, einem Unternehmen, das Touren für Adoptivfamilien organisiert und teilweise von der chinesischen Regierung bezuschusst wird.

„Es waren eine Reihe von jüdischen Familien in der Reisegruppe und wird hatten einige dieser besonderen Erfahrungen miteinander” sagte Sameth. „Wir gingen in eine Bäckerei und fanden Brötchen, die einigermaßen wie Challahs aussahen und hielten unsere eigenen Sabbatmahlzeiten ab.”

Doch nicht alle jüdischen Familien, die nach China zurückreisen, sind auf der Suche nach einer jüdischen Erfahrung.

„Für mich war es wichtig, ihr das Land zu zeigen, das Waisenhaus zu besuchen und die Menschen – die zwei Krankenschwestern, die dort arbeiteten –  zu treffen, die sie mir gebracht hatten.” sagte Janet Silverman, die im Jahr 2005 mit ihrer damals 9-jährigen Tochter nach China gereist war.

Silverman sagte gegenüber dem Forward, dass sie zwar möchte, dass sich ihre Tochter, deren Bat Mitzwa näherrückt, mit ihrer  eigener Jüdischkeit wohlfühlt, dies jedoch nicht das Ziel dieser Reise gewesen sei. Zu diesem Zweck habe sie ein anderes Reiseziel im Auge.

„Wir planen, diesen Sommer nach Israel zu reisen,” sagte sie. „Das Positive an einer Israelreise ist, dass man dort eine Menge Juden sieht, die nicht wie die Juden in Westchester aussehen.“

Doch auch jenseits von kulturellen Erwägungen gibt es gute Gründe, nach China zurückzukehren. Jüngste Studien haben ergeben, dass eine Rückkehr für die Entwicklung eines adoptierten Kindes hilfreich sein kann. Was auch immer die Gründe sind, die Nachfrage ist laut Liedtke im Steigen begriffen.

„Wir hatten bereits Anfragen, eine koschere Tour zu arrangieren,” sagte Liedtke. „Wir gehen davon aus, dass solche Reisen eines Tages stattfinden werden.”

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Nächster Teil: Chinael 2: Jüdische Mütter, chinesische Töchter von Merri Rosenberg

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