Die Segnungen des Friedens

sf-stories-79

Von C. C. MacApp (siehe auch C. C. MacApp in der Internet Speculative Fiction Database). Originaltitel: „The Fortunes of Peace“, veröffentlicht in WORLDS OF IF September 1967. Die deutsche Übersetzung von Jörg Peters erschien in „Science Fiction Stories 79“ aus der Reihe „Ullstein 2000“ (1979, Ullstein-Buch Nr. 31008, ISBN 3-548-31008-7). Das Titelbild stammt von diesem Buch; das Bild im Text wurde von Cernunnos eingefügt). Online-Quelle hier.

1

    Der galaktische Sektor, in dem sich der terranische Frachter befand, war offenes und unkontrolliertes Vertragsterritorium. Der Frachter hätte also jedes Recht besessen, sich dort aufzuhalten. Doch er war weitab von seinem Heimatsystem; und weil die Menschheit gerade erst in den Weltraum aufgebrochen war und nur über eine vergleichsweise geringe Streitmacht verfügte, war es nicht weiter verwunderlich, daß er in Schwierigkeiten geriet.

„Taintless“ Wend, ein Erdgeborener, der sich jedoch nicht mehr auf seine Volkszugehörigkeit berufen konnte, beobachtete, wie das Bild des Frachters auf dem Orterschirm wuchs. Er konnte keine Anzeichen von Gewaltanwendung erkennen – offenbar hatte die Besatzung den Frachter im Stich gelassen. Junnabl, an Bord dessen Raumers er sich mehr oder weniger freiwillig aufhielt, war eben ein vielseitiger Pirat. Wend wandte sich zu dem Kyshan um: „Hast du mich deshalb hierher bringen lassen? Du könntest ihn selber steuern. Ich weiß, du kannst meine Sprache ebenso gut lesen, wie du sie sprichst.“

Junnabl grinste, was sich darin äußerte, daß er seine grünlich-schwarze Oberlippe rollte und die gleichfarbenen Mundwinkel herunterzog, so daß mehrere Dutzend scharfer Zähne zum Vorschein kamen. Seine Augen blieben jedoch völlig ausdruckslos. „Ist wahrr. Harrt gelerrnt. Jetzt ist nützlich. Fürr dich habe grroßartige Aufgabe. Du bald wissen.“

Wend zuckte mit den Achseln. Der Kyshan hatte ihn in seiner Gewalt. Er hätte sich nicht so weit an sein Territorium heranwagen dürfen. Sekunden später hörte Wend die Verbindungsfähre zum Frachter am unteren Gangway festmachen.

Wend drehte sich von der Kontrollkonsole zu Junnabl um. „Es sieht hier zwar ganz wie auf einem der üblichen Handelsraumer aus“, meinte er. „Aber die Antriebsaggregate und die übrigen Anlagen sind einfach in zu gutem Zustand. Eine TSF-Mannschaft – und sicher keine schlechte – hat diesen Frachter gewartet. Wo sind die Leute jetzt?“

Junnabl zeigte wieder seine Zähne. „Sind gut aufgehoben. Du kombinierrst schnell. Angenehm, mit klugem Mann zu arbeiten. Du nicht liebst TSF. Stimmt’s?“

„Ich habe die Erde nicht unter den angenehmsten Umständen verlassen. Dennoch, ich bin dort geboren worden.“

Der Kyshan fuhr sich mit überlangen, dürren und grünen Fingern über die mächtige Brust. „Ich nicht so dumm, schwerren Verrat von dirr zu forrderrn. Frachterr warr Verrsteckspiel von TSF. Werrtvolle Ladung nicht an Borrd. Ich finden, dann Mannschaft frrei.“

Wend überdachte blitzschnell die Situation – sicher war die Mannschaft längst schon tot. Aber er ließ sich nichts anmerken und wartete ab.

Junnabl hantierte mit einem seiner langen Finger an seinem Halssprechgerät und sagte dann auf Kyshan: „Bringt die Uniform des terranischen Kommandanten und die übrige Ausrüstung herüber.“ Dann wandte er sich an Wend: „Warr gut verrsteckt. Wirr dirr anpassen Uniform. Plan erraten?“

Wend bemühte sich, nicht beleidigt dreinzublicken. „Na klar. Ich soll den Kommandanten spielen. Wie steht es aber mit den Fingerabdrücken und dem Gesicht?“

Junnabl antwortete ruhig: „Ich bezahle klugen Mann – err sich kümmerrt um Kleinigkeiten. Auf Norrp – du kennst Norrp? Frachterr soll geheime Orrderr abholen. Du besorrgen. Ich bekomme Lagerr, du kleine Yacht zurrück, geb Bündel Geld, wirr Hände schütteln und trrennen? Okay?“

Wend mußte grinsen. Er fragte sich, ob Junnbl wirklich so naiv war, anzunehmen, er würde diesen Worten Glauben schenken. Laut sagte er jedoch: „Ich müßte zuerst einmal ohne Uniform auf Norp landen, um die Lage auszukundschaften.“

Wieder fuhr sich der Kyshan mit seinen Fingern über die Brust. „Okay, starrten soforrt.“

2

Gekleidet wie ein Transportarbeiter, schlenderte Wend in unauffälliger Entfernung an der TSF-Niederlassung vorbei. Das eher kleine Betongebäude lag außerhalb der Stadt, an der Ostseite des Raumlandeplatzes. Von innen drang das Ticken der Fernschreiber zu Wend heraus. Den Eingang bewachte ein mit einem Strahler bewaffneter terranischer Korporal, der sich in den Schatten eines weit ausladenden Baumes zurückgezogen hatte. An der einen Seite des Gebäudes waren vier kleinere Luftkissenfahrzeuge geparkt. TSF hatte auf Norp offenbar wenig zu tun, zumal terranische Raumschiffe nur selten den Planeten ansteuerten.

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