Raimondo Graf Montecuccoli, der Türkenbesieger

Montecuccoli 0187

Von Heinz-Georg Hailwax aus dessen Reihe „Geschichte & Geschichten“ im leider eingestellten Schweizer „Internationalen Waffenmagazin“ (dieser Beitrag: Ausgabe Jan./Feb. 1999)

Die Schlacht eines kaiserlichen Reichsheeres unter dem Befehl von Graf Montecuccoli gegen eine türkische Armee unter Achmed Köprülü hallt immer noch durch die europäische Geschichte. Der Sieg der Koalitionsarmee bei St. Gotthard-Mogersdorf am Grenzfluß Raab am 1. August 1664 sicherte dem römisch-deutschen Kaiserreich einen 20-jährigen Frieden mit den Osmanen.

Südufer des Grenzflusses Raab, in der Nähe des Klosters St. Gotthard und des Dorfes Moggendorf (Mogersdorf). Es ist der Morgen des 1. August 1664. Der türkische Großwesir Achmed Köprülü, der versucht hatte, mit seinen Truppen den Einbruch nach Innerösterreich zu erzwingen, war durch kluges Manövrieren der Truppen unter dem Oberkommando des Grafen Montecuccoli in eine Position gedrängt worden, die er zu vermeiden gedacht hatte. Seine Kräfte zusammenfassend, marschierte er mit seinem gesamten Heer am rechten (südlichen) Ufer die Raab hinauf, während in gleicher Höhe mit ihm, am linken (nördlichen) Ufer, die gesamte Reiterei der Koalitionsarmee gleichzog.

Tags zuvor war ein heftiges Unwetter niedergegangen, das den Fluß Raab und zwei Flußzuläufe Hochwasser führen ließ. Mittels einer rasch erbauten Brücke war es Montecuccoli gelungen, seine Streitkräfte rechtzeitig überzusetzen und bei der kleinen Ortschaft Mogersdorf in Stellung zu bringen. Etwa zwei Kilometer flußaufwärts von St. Gotthard – die Kaiserlichen hatten nach ihrem Übergang die Behelfsbrücke wieder abgebrochen – war nun dem Großwesir nichts übriggeblieben, als zum Angriff zu schreiten. Die lehmigen Flußufer der angeschwollenen Raab waren ein von den Türken stark unterschätztes Hindernis. Unterholz und Buschwald bildeten ein weiteres Ungemach; das Zisterzienserkloster St. Gotthard, von den Kaiserlichen besetzt, war mit einer Palisade umgeben. Die Stellungen des Koalitionsheeres von nur 25.000 Mann (Ungarn, Kroaten, Franzosen, Italiener, Deutsche und Spanier) waren auf eine Länge von etwa 8.000 Schritt verteilt. Geschütze waren vor der Kavallerie und den Fußregimentern postiert.

Das Osmanenheer am Südufer der Raab war von Köprülü in sechs unregelmäßige Treffen aufgeteilt worden; weit auseinandergezogen, bestand es aus Kerntruppen, wie etwa 60.000 Mann Janitscharen und Spahis, sowie aus etwa 70.000 Mann Milizen, inklusive dem Troß. Bereits gegen Mittag des 31. Juli 1664 versuchten – aus dem Anmarsch heraus – Eliteeinheiten der Janitscharen in den Raabbogen einzudringen, wo Aufklärer eine passable Furt zu entdecken geglaubt hatten. Geschütze wurden in Stellung gebracht und eröffneten zwar das Feuer auf die Kaiserlichen, wurden jedoch alsbald von Reitern des Kürassierregiments Schmid und durch das Eingreifen von 200 Musketieren zum Schweigen gebracht. In der Nacht zum 1. August 1664 folgte ein Wolkenbruch, der das Gelände schwer passierbar machte. Dennoch gelang es einzelnen Janitscharen, über die Hochwasser führende Raab zu setzen und im Schutze der Dunkelheit auf dem Nordufer unbemerkt in Stellung zu gehen.

Am 1. August 1664, um 4 Uhr früh, kam es zu den ersten Nahkämpfen zwischen den beiden Streitkräften. Mehrere tausend ausgeschwärmte Türkenreiter trafen bei Eckersdorf auf Kavalleriekräfte unter Sporck und wurden von diesen angegriffen und zum Rückzug gezwungen. Mit Hilfe von Geschützfeuer und infolge geschicktem Vorgehen unter Ausnutzung des Gelänges gelang es mehreren tausend Osmanen zwar, über den Fluß zu setzen, dort jedoch trafen sie auf die alarmierten Kaiserlichen.

Ein wilder Vorstoß der Janitscharenelite, die keine Gefangenen machte, sondern jeden Verwundeten sofort enthauptete, ließ den sich entwickelnden Gegenangriff der Reichsinfanterie stocken. Die ankommende schwere Kavallerie der Regimenter Schmid, Nassau und Kielmannsegg wurde von den Flüchtenden zurückgedrängt und mitgerissen. Die Janitscharen besetzten Mogersdorf, verschanzten sich und ließen Verstärkungen nachfolgen.

Das Wunder an der Raab

Schon schien die Schlacht verloren, ehe sie noch richtig begonnen hatte. Doch nun führte der Oberkommandierende, Graf Raimondo Montecuccoli, den Gegenangriff von beiden Flügeln aus. Franken und Kurbayern unter Hohenlohe nahmen das Dorf Mogersdorf wieder ein; französische Truppen verschanzten sich dort, während ihre Kavallerie zum Flußbogen vorstieß. Gleichzeitig war das Kürassierregiment Karl von Lothringen und Bar, das der 20-jährige Regimentsinhaber selbst führte, mit Hilfe anderer Kürassierregimenter vorgegangen und entwickelte einen Flankenangriff, der die Osmanen zum Fluß zurückdrängte. Auch auf dem rechten Flügel der Kaiserlichen gelang es, die Osmanen zu bedrängen. Das Gefecht um Mogersdorf stand.

Trotz Schwierigkeiten wegen Streitereien in der Armeeführung konnte gegen Mittag des 1. August 1664 Montecuccoli im Rahmen einer Generalsbesprechung ein einheitliches Vorgehen der Kaiserlichen sichern.

Als etwa 4.000 Spahis der Osmanen angriffen, wurden sie von einer großartigen Attacke der schweren Reiter unter dem Kommando des tapferen Sporck niedergeritten und über den Fluß zurückgetrieben. Den verschanzten türkischen Infanteriekräften wurden Musketiere und Artillerie gegenübergestellt, deren andauerndes rollendes Feuer die Linien der Osmanen erst wanken ließ, dann vernichtend einschlug und die türkischen Truppen schließlich zu wilder Flucht trieb. Als dann die vorrückenden Kaiserlichen unter ständiger Feuerabgabe folgten, gab es kein Halten mehr: Tausende Osmanen stürzten sich mit ihren Pferden in den Fluß, der bald von wilden Klumpen Ertrinkender gefüllt war, in die die Musketiere wahllos hineinschossen. Einander gegenseitig behindernd, konnten die Türken die rutschigen Uferwände nicht erklimmen; sie ertranken hilflos oder fielen den Gewehrkugeln und Kartätschen der Verfolger zum Opfer.

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