Landy

Worlds of IF SEP1967

Von Robert Silverberg. Originaltitel: „Bride Ninety-One“, veröffentlicht in WORLDS OF IF September 1967 (siehe Titelbild). Die deutsche Übersetzung von Michael Nagula erschien in „Science Fiction Stories 79“ aus der Reihe „Ullstein 2000“ (1979, Ullstein-Buch Nr. 31008, ISBN 3-548-31008-7). Online-Quelle hier.

Es war einer der üblichen Sechs-Monats-Verträge. Ich unterzeichnete ihn, und Landy unterzeichnete ihn, und für die vereinbarte Zeit waren wir Mann und Frau. Der Standesbeamte klickte und surrte und spie unsere Lizenz aus. Meine Freunde grinsten und schlugen mir auf den Rücken und grölten Glückwünsche. Fünf von Landys Schwestern kicherten und flüsterten und machten einige komplette Farbwechsel durch. Wir waren alle sehr glücklich.

„Küß die Braut!“ schrien meine Freunde und die Schwestern.

Landy glitt in meine Arme. Sie war ein guter Fang; sie war biegsam und schlank, und ich stürzte mich auf sie, und die Blütenblätter um ihren Nahrungsschlitz wogten zärtlich, als ich meine Lippen gegen die ihren preßte. Wir behielten diese Stellung für etwa eine halbe Minute bei. Es gab ihr Vertrauen; sie wich nicht zurück. Auf Landys Welt küssen sie nicht, wenigstens nicht mit ihren Mündern; und ich bezweifele, daß ihr diese Erfahrung viel Freude bereitet hat. Doch die Bedingungen unseres Vertrages entsprachen terranischen Sitten. Das galt es sich stets vorher zu überlegen bei diesen Zwischenwelthochzeiten. Und hier küssen wir nun einmal die Braut; also küßte ich sie. Mein Kumpel Jim Owens wurde davon mitgerissen und schnappte sich eine von Landys Schwestern und küßte sie. Sie gab ihm einen Stoß vor die Brust, daß er durch die ganze Kapelle segelte. Es war schließlich nicht ihre Hochzeit.

Die Zeremonie war vorüber, und wir machten uns über unsere Kuchen und Halluzinogene her; und etwa um Mitternacht sagte jemand: „Wir sollten unseren Flitterwöchlern etwas Intimsphäre gönnen.“

Also verschwanden sie alle, und Landy und ich konnten unsere Hochzeitsnacht beginnen.

Wir warteten, bis sie gegangen waren. Dann nahmen wir den Hinterausgang der Kapelle und besorgten uns eine Transportkapsel für zwei, sehr gemütlich, Landys süßer, siruphafter Geruch stechend in meiner Nase, ihre beweglichen Glieder drängten sich fest gegen meine.

Ich stieß leicht an einen Knauf, und mit dreihundert Kilometer in der Stunde trieben wir den Harriman-Kanal entlang. Die Wirbelströme waren nicht schlecht, und wir genossen die Fahrt. Sie küßte mich erneut; sie lernte unsere Gepflogenheiten schnell. Innerhalb von fünfzehn Minuten erreichten wir unser programmiertes Ziel, und die Kapsel tat eine geschwinde Linkskurve, spritzte durch eine Zufahrt und machte selbständig an der rissigen Hülle unseres Hotels fest. Ich entriegelte die Kapsel und half Landy hinaus, in das Innere unseres Zimmers. Ihre sanften goldenen Augen schimmerten lustig und freudig. Ich klapste eine Privatsphären-Bestätigung aus den Wandfiltern.

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