Spekulationen über Wasserwelten in habitablen Zonen

Von Paul Gilster; Original: Speculations on Habitable Zone Waterworlds, erschienen am 26. April 2017 auf Centauri Dreams („Imagining and Planning Interstellar Exploration“).

Übersetzt von Cernunnos

Was soll man von Fergus Simpsons neuem Artikel über Wasserwelten halten, der behauptet, daß die meisten Planeten in habitablen Zonen von diesem Typ sind? Falls solche Welten häufig sind, könnten wir herausfinden, daß die meisten Planeten in den habitablen Zonen ihrer Sterne zur Entwicklung von Leben fähig sind, aber mit geringer Wahrscheinlichkeit technologische Zivilisationen beherbergen. Eine Erklärung für das sogenannte „Fermi-Paradox“? Möglicherweise, aber es gibt alle möglichen Dinge, die erklären könnten, warum wir keine anderen Zivilisationen sehen, die meisten davon werden von Stephen Webb in seinem Buch If the Universe Is Teeming with Aliens … Where Is Everybody? (2. Ausgabe, Springer 2015) behandelt, das 75 Lösungen für das Problem anbietet.

Simpson (Universität von Barcelona) legt seine These auf den Seiten von Monthly Notices of the Royal Astronomical Society dar und argumentiert, daß das Gleichgewicht, das von einer Planetenoberfläche mit großen Mengen von Land wie auch Wasser gehalten wird, empfindlich ist. Die Bayes’sche statistische Analyse des Autors deutet darauf hin, daß die meisten Planeten entweder von Wasser oder Land dominiert werden, am wahrscheinlichsten von Wasser. Die Erde könnte also eine Art Ausreißer sein, während die meisten Planeten zu über 90 Prozent von Wasser bedeckt werden.

Kontinente auf anderen bewohnbaren Welten könnten damit zu kämpfen haben, über das Meeresniveau zu kommen, wie der Großteil Europas in dieser Illustration, die die Erde mit einer geschätzten 80%igen Bedeckung durch Ozeane darstellt. Bild von Antartis / Depositphotos.com.

Die Unwahrscheinlichkeit, daß ein Planet ein Gleichgewicht wie das der Erde bewahrt, gibt dem Artikel seine Ausrichtung. Simpson gibt ein pädagogisches Beispiel für den Bayes’schen Ansatz:

…stellen Sie sich vor, sie betrachten die Arbeitsplatte einer Küche und bemerken ein paar verschüttete Kaffeekörnchen. Eines dieser Körnchen, ein beliebig ausgewähltes, liegt innerhalb von 0,1 mm vom Rand der 600 mm breiten Arbeitsplatte entfernt. Diese Nähe könnte natürlich völlig zufällig sein. Aber es ist viel wahrscheinlicher, daß der Großteil der Körnchen auf den Boden gefallen ist und daß das, was Sie sehen, bloß das Schwanzende der Verteilung ist.

Befindet sich der Planet Erde am Schwanzende der Verteilung? Wir haben nicht genug Daten über Exoplaneten, um das zu wissen. Aber das statistische Modell hier beachtet, was wir in unserer Erforschung des äußeren Sonnensystems gelernt haben. Denken Sie an Titan, wo Stanley Dermott und Carl Sagan 1995 vorhersagten, daß der Umstand, daß die Umlaufbahn des Mondes nicht durch ozeanische Gezeiteneffekte kreisförmig gemacht wurde, auf eine weitgehend trockene Oberfläche anstelle einer von einem ausgedehnten Ozean bedeckten Oberfläche hindeutete. Wir wissen jetzt, daß das Duo recht hatte: Titans flüssige Kohlenwasserstoffe machen etwa 1 Prozent der Gesamtoberfläche aus.

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Problemlösungen

Von Kevin Alfred Strom, übersetzt von Deep Roots. Das Original Problem Solving erschien am 27. Oktober 2008 in Kevin Alfred Stroms Essays. (Bildauswahl vom Übersetzer)

(Ursprünglich veröffentlicht am 4. Juni 2006 als Radiosendung von American Dissident Voices)

 

Manche Menschen sind Problemverursacher, und manche sind Problemlöser. Eine Gesellschaft zu haben, die in größerem Ausmaß als je zuvor aus letzteren besteht, könnte eines Tages für das menschliche Überleben absolut notwendig sein.

DIE ERDE WIRD REGELMÄSSIG von Objekten aus dem Weltraum getroffen.

Manche dieser Objekte sind groß genug, um massive Zerstörungen zu verursachen, die selbst die eines ausgewachsenen Atomkrieges zwergenhaft erscheinen lassen. Ein paar dieser Ereignisse sind der Auslöschung allen Lebens auf Erden schmerzlich nahegekommen und haben tatsächlich das Aussterben Tausender von Spezies verursacht – einschließlich der dominanten Lebensformen jener Zeiten.

Ich erwähne diese Tatsachen nur, um Ihnen ein einziges Beispiel dafür zu geben, warum kreative Intelligenz – die Art von Intelligenz, die der westliche Mensch im höchsten Maße besitzt, und die Art von Intelligenz, die wir aus uns herauszüchten, indem wir primitivere Rassen importieren und uns mit ihnen vermischen – von solch absolut entscheidender Wichtigkeit ist.

Erst 1908 prallte ein Objekt aus dem Weltraum auf unsere Welt. Es explodierte über dem russischen Sibirien und kam dem Einschlag auf der Erde bedrohlich nahe. Selbst so, wo es in der Luft explodierte, machte es 1.200 Quadratmeilen [knapp 500 km²] Wald platt, wobei riesige alte Bäume – 60 Millionen davon – sofort wie Streichhölzer abgebrochen wurden. Nahe dem Zentrum wurden Bäume und Tiere verdampft oder sofort eingeäschert. Man glaubt, daß dieses Ereignis, genannt Tunguska-Ereignis, von einem sehr kleinen Asteroiden verursacht wurde, von dem man meint, daß er bloß einen Durchmesser von 60 yards [54 m] hatte. Er explodierte drei bis vier Meilen hoch in der Luft [5 – 6,5 km].

Der Feuerball bewirkte mehr, als Bäume plattzumachen. Obwohl das Gebiet spärlich bevölkert war, beschädigte er in einer Entfernung von Hunderten Meilen Gebäude und schmetterte Menschen zu Boden. Sogar 300 Meilen vom Zentrum des Ereignisses entfernt berichteten Zeugen, sie hätten einen „ohrenbetäubenden Knall“ gehört und eine riesige feurige Wolke gesehen. Manche Zeugen beschrieben eine „Säule bläulichen Lichtes, nahezu so hell wie die Sonne“. Der Staub von dem Ereignis erhellte 48 Stunden lang den Nachthimmel in London, England – nach manchen Berichten mit genug Licht, um dabei zu lesen. Die New York Times vom 3. Juli 1908 berichtete, daß „Dienstag und Mittwoch nachts am Nordhimmel bemerkenswerte Lichter beobachtet wurden.“

Der Aufprall des Asteroiden auf der Erdatmosphäre allein erzeugte einen überhitzten Wind, der alles auf seinem Weg zerstörte.

Nun stellen Sie sich vor, das Tunguska-Ereignis wäre über New York City oder Paris geschehen statt über Sibirien. Nikolai Wassiljew von der Russischen Akademie der Wissenschaften hat gesagt: „Wäre solch ein kosmischer Körper über Europa explodiert statt über der verlassenen Region Sibiriens, dann hätte die Zahl der menschlichen Opfer 500.000 oder mehr betragen, ganz zu schweigen von der anschließenden ökologischen Katastrophe. Vor zwei Jahren passierte ein Asteroid von wahrscheinlich mehreren hundert Metern Durchmesser die Erde in einer Entfernung von nur 700.000 Kilometern. In astronomischem Maßstab ist das sehr nahe. Die Tunguska-Episode stellt den einzigen Fall in der Geschichte des zivilisierten Menschen dar, daß die Erde mit einem wirklich großen Himmelsobjekt zusammengestoßen ist, obwohl in der geologischen Vergangenheit unzählige solcher Kollisionen stattgefunden haben. Und viele weitere werden zwangsläufig geschehen.“

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Wissenschaftler, der Pluto killte, schlußfolgert nun, daß es einen neunten Großplaneten gibt

Von John Timmer; Original: Scientist who killed Pluto now concludes there is a ninth major planet, erschienen am 20. Januar 2016 auf ars technica. Übersetzung: Cernunnos.

Die Degradierung von Pluto zum Zwergplaneten ist nicht wegen irgendeiner Entdeckung über Pluto selbst zustandegekommen. Vielmehr wurde sie durch die Entdeckung ausgelöst, daß Pluto einer von wahrscheinlich einer großen Zahl von Körpern ist, die weit jenseits von Neptun umlaufen. Diese Kuipergürtel-Objekte (KBOs, von Kuiper Belt Objects), von denen manche größer als Pluto sind, neigen dazu, ungewöhnliche Umlaufbahnen zu haben, die außerhalb der Ebene des Sonnensystems verlaufen, wobei ihre Ellipsen auf einer Seite hinausgestreckt sind, während sie auf der anderen näher an der Sonne vorbeilaufen.

Aber in den letzten Jahren haben Wissenschaftler einige seltsame Muster in den Umlaufbahnen von KBOs bemerkt. Bei vielen von ihnen findet ihre engste Annäherung an die Sonne dort statt, wo sie die Umlaufebene der inneren Planeten kreuzen. Nun hat der Forscher, der einige der ersten KBOs zu identifizieren half, einen Artikel veröffentlicht, in dem er eine mögliche Ursache dieser Muster identifiziert: einen fernen, neptungroßen Körper, der die Planetensumme unseres Sonnensystems wieder auf neun bringen würde.

Unentdeckte Planeten haben eine lange Geschichte, die bis zur Vorhersage der Existenz von Neptun auf der Grundlage einiger Seltsamkeiten in Uranus‘ Orbit zurückreicht. Dieser Erfolg führte jedoch zu einer Anzahl fruchtloser Suchen, eine nach einem inneren Planeten, der die Merkurbahn dazu bringen könnte, sich zu benehmen, und eine zweite nach etwas jenseits von Neptun. Während die letztere Suche Pluto ergab, war dieser zu klein, um Neptuns Umlaufbahn zu beeinflussen, bei der weitere Beobachtungen ergaben, daß sie auch ohne irgendwelche zusätzlichen Reparaturen in Ordnung war.

Seit damals sind noch skizzenhaftere Behauptungen hinsichtlich ferner Planeten oder sogar Sterne aufgestellt worden, oft beruhend auf der relativen Regelmäßigkeit von Massenaussterbeereignissen. Aber wenige Wissenschaftler haben diese ernst genommen.

Unwahrscheinliche Ähnlichkeiten

Diese neue Behauptung wird wahrscheinlich anders sein, beruhend auf dem, wie sie erstellt wurde und wer das getan hat. Dies ist ein Team von Caltech-Astronomen, Konstantin Batygin und Mike Brown. Brown, der einen Kavli-Preis für seine Arbeit bei der Feststellung gewann, daß Pluto bloß einer von vielen KBOs ist, ist wahrscheinlich am besten für sein Buch How I Killed Pluto and Why It Had It Coming [„Wie ich Pluto killte, und warum er es verdiente“] bekannt.

Die neue Arbeit von Batygin und Brown wurde von einem Artikel von 2014 inspiriert, der feststellte, daß eine Anzahl der KBOs, die entdeckt worden waren, ein seltsames Muster bei ihren Umlaufbahnen gemeinsam hatten: ihre engste Annäherung an die Sonne fand ungefähr zu derselben Zeit statt, wo sie die Ebene der inneren Planeten des Sonnensystems kreuzten. Das ist seltsam, denn gravitative Wechselwirkungen mit inneren Planeten sollten alle diese kleinen KBOs mit der Zeit allmählich aus dieser Ausrichtung drängen. Das deuten wiederum darauf hin, daß irgendetwas sie wieder zurück auf Linie zwingt. Die Forscher, die dies entdeckten, schlugen vor, daß ein noch unbeobachteter Planet dies tun könnte.

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Ein Planet von Proxima Centauri

Diese Weitwinkelaufnahme zeigt die Milchstraße, wie sie sich über den Südhimmel erstreckt. Der schöne Carina-Nebel (NGC 3372) ist rechts im Bild rotglühend zu sehen. In der Bildmitte befindet sich das Sternbild Crux (das Kreuz des Südens). Der helle gelbweiße Stern links im Bild ist Alpha Centauri, in Wirklichkeit dein System aus drei Sternen in einer Entfernung von etwa 4,4 Lichtjahren von der Erde. Der Stern Alpha Centauri C, Proxima Centauri, ist der dem Sonnensystem nächste Stern.

Diese Weitwinkelaufnahme zeigt die Milchstraße, wie sie sich über den Südhimmel erstreckt. Der schöne Carina-Nebel (NGC 3372) ist rechts im Bild rotglühend zu sehen. In der Bildmitte befindet sich das Sternbild Crux (das Kreuz des Südens). Der helle gelbweiße Stern links im Bild ist Alpha Centauri, in Wirklichkeit dein System aus drei Sternen in einer Entfernung von etwa 4,4 Lichtjahren von der Erde. Der Stern Alpha Centauri C, Proxima Centauri, ist der dem Sonnensystem nächste Stern.

Von Paul Gilster; Original Proxima Centauri Planet, erschienen am 24. August 2016 auf Centauri Dreams („Imagining and Planning Interstellar Exploration“).

Übersetzt von Cernunnos

Ein Planet in der bewohnbaren Zone um Proxima Centauri? Die Aussicht überwältigt die Phantasie, aber andererseits habe ich den Großteil meines Lebens über genau diese Art von Planet nachgedacht. Proxima Centauri ist immerhin der unserer eigenen Sonne nächste Stern, etwa 1500 Astronomische Einheiten von Alpha Centauris Hauptsternen entfernt (obwohl man glaubt, daß er sich mit diesem System bewegt). Als schwacher roter Zwerg wurde Proxima erst 1915 entdeckt, schlug aber schnell die Phantasie von Science-Fiction-Autoren in den Bann, die darüber nachdachten, was es um solch einen Stern geben könnte. Murray Leinsters Geschichte „Proxima Centauri“ (1935) ist eine rasselnde, polternde Geschichte, aber sie beschwört immer noch ein wenig von der Magie einer der frühesten fiktiven interstellaren Reisen herauf.

In jüngerer Zeit hat Stephen Baxter Proxima Centauri b in seiner Darstellung eines Planeten namens Per Ardua mit gerade etwas über einer Erdmasse in der habitablen Zone ziemlich genau getroffen – dieser kam in Baxters Roman Proxima von 2015 vor. Baxters Planet befand sich in einer Entfernung von 0,04 AE und war ein bißchen massereicher als die Erde; das echte Ding ist 0,05 AE von Proxima entfernt und hat 1,3 Erdmassen. Ich würde das eine sehr saubere Arbeit nennen. Baxter bemerkte auch mit beträchtlicher Berechtigung, daß es, wenn wir einen wahrlich bewohnbaren Planeten in dem unseren eigenen System allernächsten Sternsystem finden, bedeuten würde, daß solche Planeten recht häufig sind.

Dieses Bild vom Himmel um den hellen Stern Alpha Centauri AB zeigt auch den viel schwächeren roten Zwergstern Proxima Centauri, den unserem Sonnensystem nächsten Stern. Das Bild wurde aus Bildern geschaffen, die einen Teil der Digitized Sky Survey 2 bilden. Der blaue Halo um Alpha Centauri AB ist ein Artefakt des fotografischen Prozesses, der Stern ist in Wirklichkeit blaßgelb in einer Farbe wie die Sonne.

Dieses Bild vom Himmel um den hellen Stern Alpha Centauri AB zeigt auch den viel schwächeren roten Zwergstern Proxima Centauri, den unserem Sonnensystem nächsten Stern. Das Bild wurde aus Bildern geschaffen, die einen Teil der Digitized Sky Survey 2 bilden. Der blaue Halo um Alpha Centauri AB ist ein Artefakt des fotografischen Prozesses, der Stern ist in Wirklichkeit blaßgelb in einer Farbe wie die Sonne.

Nachdem ich diese ganze Woche bei Tagungen von Breakthrough Starshot gewesen bin, freut es mich zu sehen, daß wir nun ein potentielles Ziel haben; d. h., einen wirklichen statt eines angenommenen Planeten um einen der Sterne in dem System, das unserem am nächsten ist. Die Auffindung von Proximas Planeten ist ein langer Prozeß gewesen, bis wir zu der Art von Messungen kamen, die seine Anwesenheit enthüllen können. Bis jetzt haben wir größere Planeten auf verschiedenen Arten von Umlaufbahnen um Proxima ausgeschlossen, aber die Aussicht auf etwas Erdgroßes in der habitablen Zone blieb offen. Ich beeile mich hinzuzufügen, daß Breakthrough Starshot bis jetzt keine Entscheidungen über das Ziel getroffen hat, aber es ist klar, daß Proxima b ein vorrangiger Bewerber sein wird.

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Astronomie im prähistorischen Europa

stonehenge-sternenhimmel

Von Fjordman, übersetzt von Jörn Uhl. 24.11.2009 Brussels Journal – http://www.brusselsjournal.com/node/4184

Man kann schwerlich von „Wissenschaften“ der prähistorischen Zeiten sprechen. Am nächsten kommt vielleicht das systematische Studieren der Gestirne. Archäoastronomie ist die Schnittmenge von Astronomie und Archäologie. Die Sternenmuster im Nachthimmel waren den Menschen früherer Zeiten sehr viel vertrauter als uns, die wir von der Unkenntlichmachung durch elektrisches Licht betroffen sind.

Lascaux ist der Schauplatz eines Höhlenkomplexes im südwestlichen Frankreich mit wunderschönen prähistorischen Höhlenmalereien und eindrucksvollen Zeichnungen von Stieren, Pferden und anderen Tieren. Sie stammen aus dem Jungpaläolithikum, dem letzten Abschnitt der Altsteinzeit, und werden auf ein Alter von mehr als 16000 Jahren geschätzt. Ein wenig jünger (ca. 14-15000 Jahre alt) sind die Höhlenmalereien in der Höhle von Altamira in Spanien. Der deutsche Forscher Michael Rappenglück nimmt an, daß er innerhalb der Lascaux-Malereien eine prähistorische Karte des Nachthimmels gefunden hat. Das ist plausibel, aber in Wahrheit wissen wir ganz einfach nicht, welche Funktion diese künstlerischen Zeichnungen hatten.

Paul Mellars zufolge in The Oxford Illustrated History of Prehistoric Europe gilt: „Auf genau welche Weise die Kunst in diesem Kontext ihre Funktion erfüllt haben mag, bleibt eher spekulativ. Eine Möglichkeit ist, daß einige der Hauptzentren des Kunstschaffens (so wie Lascaux im südwestlichen Frankreich, oder Altamira im nördlichen Spanien) als wesentliche rituelle oder zeremonielle Zentren dienten – vielleicht als Schauplatz wichtiger Feierlichkeiten während der regelmäßigen, jährlichen Zusammenkünfte der menschlichen Gruppen. Alternativ (oder zusätzlich) kann die Schöpfung von Kunst in den Händen besonderer Oberhäupter oder religiöser Führer gelegen haben, welche die Kunstschöpfung und damit verknüpfte Zeremonien verwendeten, um ihre besonderen Führungsrollen und ihre Autorität in den Gesellschaften zu verstärken oder zu rechtfertigen.“

Während der letzten Eiszeit waren weite Teil der nördlichen Hemisphäre von dicken Gletschern bedeckt. Mitteleuropa ähnelte der Tundra des heutigen Sibirien. Während des Höhepunktes der letzten Kaltzeit und der Maximalausdehnung des Eises um ca. 20000 v. Chr. waren die Temperaturen ungefähr 20°C tiefer als heute. Nach dem Ende des Eiszeitalters (ca. 13000 v. Chr.) hat sich allmählich – von ungefähr 9500 bis 8000 v. Chr. – ein milderes, dem Heutigen ähnliches Klima eingestellt. Aus diesem Grunde hat sich die europäische Pflanzen- und Tierwelt rasant verändert, wobei Arten wie bspw. das Wollhaarmammut ausstarben, und andere ihren Platz einnahmen.

Die dem Rückgang der Gletscher folgende weitere Eisschmelze hat das Gesicht Europas dramatisch verändert. Große Teile des damaligen Festlandes liegen heute unter Wasser und umgekehrt. Gleiches geschah in anderen Regionen Eurasiens und Nordamerikas, als der Meeresspiegel zu steigen begann. Ungefähr 5600 v. Chr. (die Zeitangabe bleibt umstritten) flutete das Wasser des Mittelmeers durch den Bosporus und füllte, was dann zum Schwarzen Meer wurde.

Während des Neolithikums bzw. der Jungsteinzeit gingen seßhafte Gemeinschaften zu Ackerbau und Viehzucht über – zuerst auf der Balkanhalbinsel unweit des Nahen Ostens. Eine guterhaltene Mumie aus der Kupfersteinzeit (der Zwischenphase von Stein- und Bronzezeit) während der die ersten Metallwerkzeuge hergestellt wurden, fand man 1991 in den Alpen im Grenzgebiet von Italien und Österreich. Man gab der aus einer Zeit ungefähr 3300 v. Chr. stammenden Mumie den Namen Ötzi. Er ist vermutlich eines gewaltsamen Todes gestorben. Ötzi hatte viele kleine Tätowierungen, besaß einen aus Gras gewebten Umhang, zudem Beinkleider, einen Lendenschurz und hervorragende Schuhe. Sein Mantel war aus Ziegenfell genäht, er trug eine Bärenpelzmütze und einen Gürtel aus Kalbsleder.

Ötzis Ausrüstung, die 18 unterschiedliche Holzarten umfaßte, verdeutlicht, daß er und seine Zeitgenossen über hervorragende Naturmaterial- und Kräuterkenntnisse verfügten. Er trug einen Dolch mit einer Feuersteinklinge, einen Bogen mit Pfeilen und überdies ein ausgezeichnetes Kupferbeil. Obschon es in den Alpen reichhaltige Kupfererzlagerstätten gibt, konnten sich zu dieser Zeit nur die Wohlhabenden Kupferwerkzeuge leisten, was darauf hindeutet, daß der Mann aus dem Eis zu einer gutsituierten Familie gehörte. Ötzi selbst ist vielleicht ein Schäfer gewesen, der außerdem die Fähigkeiten besaß zu jagen und seine Kleidung und Ausrüstung instand zu halten.

Im vierten Jahrtausend v. Chr. hatten die Einwohner Mitteleuropas bereits seit langer Zeit in festen Wohnstätten gelebt, und produzierten ihre Nahrungsmittel durch Landwirtschaft und Viehzucht. Zu den angebauten Pflanzen gehörten Nacktweizen, Einkorn, Emmer, Gerste, Mohn, Flachs und Erbsen. Zusätzlich zum herkömmlichen Jagen, Sammeln und Fischen wurden domestizierte Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen als Fleischquellen herangezogen, und dienten der Versorgung mit Leder, Milch und möglicherweise Wolle.

Die Kreisgrabenanlage von Goseck, die manchmal als Deutschlands Pendant zum englischen Stonehenge bezeichnet wird, stammt aus der Zeit kurz nach dem Beginn des 5. Jahrtausends v. Chr. Sie ist ein Beweis dafür, daß die Europäer der Jungsteinzeit die Gestirne mit größerer Präzision beobachtet haben, als bisher angenommen wurde, und gehört zu der zunehmenden Anzahl mithilfe von Luftaufnahmen gemachter archäologischer Funde. Der Wissenschaftler John North schreibt in der 2008er Ausgabe seines Buches „Cosmos“ über frühe europäische Astronomie. Es wurden viele Versuche wurden unternommen, die Glaubenssysteme der Volksgruppen zu rekonstruieren, die diese erstaunlichen astronomischen Monumente hinterlassen haben.

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