Wie Israel sich die Atombombe erschwindelte

Von C. F. Robinson, übersetzt von Lucifex. Das Original How Israel Swindled Its Way to an Atomic Bomb erschien am 20. April 2017 auf Counter-Currents Publishing.

Roger J. Mattson

Stealing the Atom Bomb: How Denial and Deception Armed Israel

CreateSpace, 2016

Es wird viel über die Weiterverbreitung von „Massenvernichtungswaffen“ im ganzen Nahen Osten geredet. Die Mainstream-Medien haben seit den 1980ern wegen des Nuklearwaffenprogramms des Iran Alarm geschlagen (und doch ist keine iranische Bombe aufgetaucht). Der angebliche Zweck des Irakkriegs war die Eliminierung der Programme für nukleare, biologische und chemische Waffen, von denen fälschlich behauptet wurde, daß der Irak sie hätte. Um seine Rivalen von der Entwicklung einer Bombe abzuhalten, griff Israel 1981 Atomeinrichtungen im Irak und 2007 in Syrien an. Frei nach Jean-Paul Sartre: Israel ist krank vor Furcht, sie fürchten sich vor dem Schatten ihrer eigenen gestohlenen Bombe. Wie sie die Atombombe stahlen, wird detailliert in Roger J. Mattsons Buch Stealing the Atom Bomb: How Denial and Deception Armed Israel von 2016 beschrieben.

So funktionierte der Schwindel: Israel bekam seine erste Nukleartechnologie durch das naive Programm Atoms for Peace der Eisenhower-Regierung. Diese Geldverschwendung wurde benutzt, um den Reaktor Nahal Soreq zu errichten, der 1960 in Betrieb ging. Verglichen mit anderen Reaktoren war Nahal Soreq kleiner, weniger leistungsfähig und unter der Bedingung gebaut, daß er nicht für die Waffenherstellung verwendet würde, aber er brachte Israel auf den Weg dazu, eine voll nuklearfähige Nation zu werden.

Nachdem sie Nahal Soreq betriebsfähig gemacht hatten, erwarben die Israelis von den Franzosen einen weiteren Reaktor, der waffenfähiges Material produzieren konnte. Die Franzosen waren so verärgert darüber, daß die Amerikaner während der Krise um den Suezkanal die Partei Ägyptens ergriffen hatten, daß sie ihr eigenes Nuklearprogramm beschleunigten und in der Negev-Wüste, beim Dorf Dimona, gehässig einen Reaktor bauten, der zur Herstellung von waffenfähigem Plutonium fähig war.[1] Diese French connection [2] mit Israel war entscheidend: die Atombombenkonstruktion der Israelis beruhte auf der Bombe, die die französische Regierung 1960 nahe Reggane in Algerien getestet hatte.[3]

Jedoch verschafften Atoms for Peace und die French connection Israel bloß ein teilweises Nuklearprogramm. Die Israelis brauchten immer noch große Mengen von hoch angereichertem Uran (HEU). Mattson zeigt, wie sie dieses Material durch eine windige Firma namens Nuclear Materials and Equipment Corporation (NUMEC) bekamen. Diese Firma wurde 1957 gegründet und nahe Pittsburg in Apollo, Pennsylvania, angesiedelt. Stealing the Bomb macht klar, daß der ganze Zweck von NUMEC darin bestand, HEU nach Israel zu schaffen. Die Tatsache, daß NUMEC HEU an andere Kunden lieferte, einschließlich der United States Navy, war bloß eine Tarnung für Israels eigene Ziele. Die Gründer von NUMEC waren eine Gruppe von Juden, von denen zwei eine bedeutende Rolle in dieser Geschichte spielen. Der erste ist der Investor David Lowenthal (192 – 2006). Der zweite, Zalman Shapiro (1920 – 2016), war einer von Lowenthals Nachbarn in Pittsburg, und er war für den laufenden Betrieb von NUMEC verantwortlich.

Das NUMEC-Werk

Während eine Gruppe jüdischer Finanziers, die von Lowenthal organisiert wurde, das Werk errichtete und zum Laufen brachte, erhielten die Manager von NUMEC ihr Kapital großteils von anderen – spezifisch von örtlichen Banken. NUMEC erhielt viel Fremdkapital durch Kredite der Mellon National Bank und der Pittsburg National Bank.[4]

Es ist sehr wahrscheinlich, daß NUMEC sofort nach Betriebsbeginn damit begann, HEU für Israel abzuzweigen. Jedoch bemerkte die Atomenergiekommission das Ausmaß des Verlustes erst 1965. Die Leichtigkeit des Diebstahls wurde durch die Tatsache ermöglicht, daß HEU in kleinen Mengen verpackt und gelagert werden muß. Dieses Verpackungserfordernis ist notwendig, weil zu viel HEU, das in der richtigen Geometrie zusammen gelagert wird, einen „Kritikalitätsunfall“ bewirken kann, wo Neutronen in Mengen freigesetzt werden, die ausreichen, um Menschen in der unmittelbaren Nähe zu töten.[5] Wenn es jedoch richtig abgepackt wird, ist die Strahlung von HEU keine Bedrohung, und gleichermaßen wird es aufgrund seiner Kleinheit leicht, es an einem Wächter vorbeizubekommen.

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US-Dokumente enthüllen: „Atoms for Peace“ – eine Waffe im Kalten Krieg

Die Explosion der amerikanischen Wasserstoffbombe auf dem Bikini-Atoll im März 1953 war Teil der atomaren Aufrüstungstests. Um die kritische Weltmeinung über solche Tests zu kompensieren, startete Präsident Eisenhower das Propagandaprogramm „friedliche Atomkraft“.

Von Michael Eckert, aus „bild der wissenschaft“ Mai 1987

Das US-Programm „Atome für den Frieden“ aus den fünfziger Jahren erweist sich als eine strategische Variante des kalten Krieges: Nach Ablauf der Sperrfrist von 30 Jahren gab das US-Außenministerium jetzt Akten für die Historiker frei, die ein neues Licht auf die amerikanische Atom-Politik fallen lassen. Die vorerst einsehbaren 800 Seiten Akten sind lediglich eine Auswahl; sie widerlegen jedoch die Ansicht von den allein friedlichen Absichten der US-Amerikaner.

Im Jahre 1955 schien die Welt der Kernenergie noch in Ordnung. Damals wurde mit dem amerikanischen Programm „Atoms for Peace“ (Atome für den Frieden) die internationale zivile Nutzung der Kernenergie vorangetrieben; mit amerikanischen Forschungsreaktoren hielt in der Bundesrepublik Deutschland wie in vielen anderen Ländern die Nukleartechnologie ihren Einzug.

Nukleare Habenichtse wie Bonn gelangten mit bilateralen Atomabkommen an Brennelemente und kerntechnisches Know-how aus den USA. Die Atompolitik des amerikanischen Präsidenten Dwight Eisenhower übte entscheidende Einflüsse auf die nationalen Atomprogramme in Europa aus. 1957 schlossen sich sechs europäische Staaten – darunter auch die Bundesrepublik Deutschland – zusammen, um in der europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) die zivile Nutzung der Kernenergie voranzutreiben.

Über Lizenzverträge mit US-Firmen wurden deutsche Reaktorhersteller in die Lage versetzt, am nuklearen Boom teilzuhaben. Aus einer Vielzahl von Reaktorkonzepten überlebte schließlich als erfolgreichster Reaktortyp jener Leichtwasser-Reaktor, der in den USA Mitte der fünfziger Jahre mit der Atoms-for-Peace-Kampagne propagiert worden war.

Das Atom-U-Boot Nautilus lief am 21. Januar 1954 als erstes Schiff mit Atomantrieb vom Stapel. Wegen der kompakteren Bauweise benutzte man einen Leichtwasserreaktor. Dieser Typ wurde aus militärischen Gründen gefördert und ist heute bei den zivilen Kernreaktoren weltweit verbreitet.

Noch viel weniger als die Folgen der Atoms-for-Peace-Politik wurden bislang ihre Ursachen und Motive untersucht.

War dieses Programm Bestandteil einer vorausschauenden Energiepolitik, motiviert durch Prognosen, die angesichts knapper und damit teurer werdender klassischer Energieträger der Kernenergie eine baldige Wirtschaftlichkeit bescheinigten?

Oder war „Atomkraft für den Frieden“ Ausdruck jener Atom-Euphorie Mitte der fünfziger Jahre, als – nach dem Bombenabwurf über Hiroshima – die Möglichkeit, die Kernkraft friedlich zu nutzen, einen besonderen Reiz ausübte?

Eine andere Möglichkeit wäre, daß die Betonung auf dem Wort „Frieden“ lag und die Atoms-for-Peace-Rede Eisenhowers als nukleare Abrüstungsinitiative gewertet werden kann. Anzunehmen wäre dies nach dem Wortlaut der Rede und nach den Äußerungen, die vor kurzem nochmals verschiedene Festredner zur 30-Jahr-Feier des Programms machten.

Aus einer Analyse des Atoms-for-Peace-Projekts wird jedoch deutlich, daß weder energiepolitische Motive, oder ein „Hiroshima-Komplex“, noch ein ernsthaftes Abrüstungsbedürfnis eine wesentliche Rolle spielten. Der Initiative Atoms-for-Peace ging es nicht vorrangig um eine friedliche Kernenergienutzung.

Das Programm war eine Waffe im kalten Krieg.

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Der Woodward-Antrieb: Mit „seltsamem Schub“ in die Zukunft?

Von Deep Roots (Eigentext, Übersetzungen und CAD-Grafiken), ursprünglich erschienen Ende 2015 auf „As der Schwerter“, aktualisiert am 14. April 2017.

Dies ist ein für „As der Schwerter“ sehr ungewöhnlicher Beitrag, der thematisch weitab von den Themen liegt, die hier sonst meist behandelt werden. (Es ist auch ein sehr technischer und vor allem sehr langer, LANGER Beitrag.) Und doch paßt er zu unserer allgemeinen Ausrichtung, denn es soll darin ein Raumflugantriebsprinzip samt Konzepten zu seiner praktischen Anwendung vorgestellt werden, das – sollte die zugrundeliegende Physik bestätigt werden und eine technische Umsetzung mit geeignetem Wirkungsgrad und Leistungsgewicht machbar sein – künftigen Generationen der weißen Völker die Erforschung, Erschließung und Inbesitznahme des Sonnensystems in viel wirtschaftlicherer, bequemerer und schnellerer Weise ermöglichen könnte, als es mit chemischen, nuklearen, thermonuklearen oder elektrischen Raketenantrieben machbar wäre.

Hierbei handelt es sich um den Woodward-Antrieb, eine Anwendung des Woodward-Effekts, welcher auf einem der vorhergesagten Mach-Effekte beruht. Zur Erläuterung des theoretischen Hintergrundes und Vorstellung der bisher getätigten praktischen Arbeiten von Dr. James Woodward habe ich nachfolgend meine Übersetzungen eines Artikels von Charles Platt sowie des darin verlinkten Wikipedia-Eintrags eingefügt, woran sich meine eigenen, darauf aufbauenden Überlegungen und Zukunftsvisionen anschließen. Es wäre schön, wenn dieser Beitrag Tüftler und Theoretiker – womöglich künftige Wernher von Brauns und Hermann Oberths – zu eigenen Arbeiten in dieser Richtung anregen würde, auf denen die praktische Umsetzung für echte Raumfahrzeuge einmal aufbauen könnte.

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Seltsamer Schub: die unbewiesene Wissenschaft, die unsere Kinder im Weltraum antreiben könnte

Von Charles Platt (Original: Strange thrust: the unproven science that could propel our children into space, erschienen auf boingboing.net)

Seit vielen Jahrzehnten ist es eine Fantasie unter Weltraumenthusiasten gewesen, ein Gerät zu erfinden, das einen Nettoschub in eine Richtung produziert, ohne daß eine Reaktionsmasse nötig wäre. Natürlich ist ein reaktionsloser Weltraumantrieb dieses Typs unmöglich. Oder doch nicht? Von Charles Platt.

Seit ich alt genug war, um Science Fiction zu lesen, wollte ich den Mars besuchen. Sogar der Mond wäre besser als nichts. Leider ist es unwahrscheinlich, daß mich die Raketentechnologie innerhalb meiner Lebenszeit dorthin bringt.

Das Problem ist, daß Raketen ein schlechtes Mittel dafür sind. Selbst wenn sich ihre Sicherheitsbilanz verbessert, sind sie von Natur aus durch das Grundkonzept der Rückstoßmasse begrenzt. Heiße Gase müssen aus dem Heck schießen, damit ein Raumfahrzeug sich vorwärts bewegt, und dies bedingt die Mitführung einer Treibstoffzuladung, die Hunderte Male schwerer ist als die Nutzlast.

Seit H. G. Wells sich in „The First Men in the Moon“ ein schwerkraftabschirmendes Material vorstellte, haben Weltraumenthusiasten über Möglichkeiten fantasiert, um Schub ohne Notwendigkeit einer Reaktionsmasse zu erzielen. Leider scheint das unmöglich zu sein.

Oder doch nicht?

James Woodwards Büro, umgewidmet zu einem Labor zur Untersuchung der Verringerung der trägen Masse. Woodwards Werkbank befindet sich unten links, und die Torsionswaage befindet sich oben rechts.

James Woodwards Büro, umgewidmet zu einem Labor zur Untersuchung der Verringerung der trägen Masse. Woodwards Werkbank befindet sich unten links, und die Torsionswaage befindet sich oben rechts.

Ich persönlich bin nicht mehr so bereit, das Wort „unmöglich“ noch zu verwenden. Im Oktober dieses Jahres beobachtete ich im Labor von Dr. James Woodward an der California State University in Fullerton (oben) ein Experiment in sehr kleinem Maßstab, das überraschend überzeugend war. Anders als all die Schwindeleien um die „freie Energie“, die man online sieht, verletzt Woodwards Apparat keine physikalischen Grundgesetze (er produziert nicht mehr Energie, als er verbraucht, und verletzt nicht Newtons drittes Gesetz). [Anm. d. Ü.: Newtons drittes Gesetz ist das Wechselwirkungs- oder Reaktionsgesetz: „Kräfte treten immer paarweise auf. Übt ein Körper A auf einen anderen Körper B eine Kraft aus (actio), so wirkt eine gleich große, aber entgegen gerichtete Kraft von Körper B auf Körper A (reactio).“] Auch hält Woodward keine Informationen über seine Methoden zurück. Er hat ein bei Springer veröffentlichtes Buch geschrieben, das in schonungslosem Detail erläutert, wie genau seine Anlage funktioniert – unter der Annahme, daß sie tatsächlich funktioniert. Er veröffentlichte seine Theorie in Foundations of Physics Letters, Band 3, Nr. 5, 1990, und es gelang ihm sogar, ein U.S.-Patent zu bekommen – Nummer 5.280.864, erteilt am 25. Januar 1994.

Ich hörte erstmals 1997 von ihm, als ich ihn für das Magazin Wired interviewte. Seine Ergebnisse waren damals vorläufig, und er war vorsichtig damit, irgendwelche Behauptungen zu machen. „Ich habe alle zwei Wochen Paranoia-Anfälle“, sagte er mir, „und dann versuche ich etwas anderes, um zu sehen, ob ich diesen Effekt zum Verschwinden bringen kann.“

Fast zwanzig Jahre später hat sich die Situation verändert. Dr. Heidi Fearn, eine theoretische Physikerin, die sich in Fullerton auf Quantenoptik spezialisiert, hat die Mathematik erarbeitet, von der sie glaubt, daß sie Woodwards experimentellen Beweis rechtfertigen kann. Wikipedia hat jetzt einen umfangreichen Eintrag über den Woodward Effect. [Anm. d. Ü.: Meine Übersetzung dieses Wikipeda-Artikels folgt weiter unten.] Das Space Studies Institute setzt sich für die Sache ein und lädt zu steuerlich absetzbaren Spenden ein.

Falls wirklich ein geringer Schub erzeugt werden kann, indem man Energie einsetzt, aber keine Rückstoßmasse, dann könnte das Prinzip angewandt werden, um Orbitabweichungen von Satelliten zu korrigieren. Falls der Effekt sich als vergrößerbar erweist, würde er eine bedeutende Wende für den menschlichen Raumflug bringen. Natürlich ist das ein großes „falls“; aber ich denke, daß Woodwards Idee mehr verspricht als alle anderen alternativen Antriebssysteme. Sie wäre unendlich attraktiver als Raketenmotoren.

Das Konzept beruht auf der Möglichkeit, die Masse eines Objekts zu verändern. Masse verändern? Wie kann das Sinn ergeben? Die Antwort ist mit der Allgemeinen Relativitätstheorie verbunden.

Masse ist nicht absolut

Wir neigen dazu, uns Masse als eine feststehende Menge vorzustellen, aber das ist nicht notwendigerweise so. Wir wissen bestimmt, daß Masse in Energie umwandelbar ist, wie dies täglich in Kernspaltungsreaktoren geschieht. Die Allgemeine Relativitätstheorie beschreibt auch eine Massenzunahme, die mit der Geschwindigkeit stattfindet, wenngleich der Effekt im Alltagsleben vernachlässigbar ist.

Wichtiger noch, laut dem verstorbenen Ernst Mach (1836 – 1916) hängt die träge Masse von einer Wechselbeziehung mit anderen Objekten im Universum ab.

Mach war ein österreichischer Physiker, dessen Name als Geschwindigkeitsmaß verwendet wird, wie „Mach 1“, die Schallgeschwindigkeit auf Meereshöhe. Er war ein Zeitgenosse von Einstein, dem er ein Gedankenexperiment vorschlug: Was, wenn es nur ein Objekt im Universum gäbe? Mach argumentierte, daß es keine Geschwindigkeit haben könnte, weil man laut der Relativitätstheorie mindestens zwei Objekte braucht, bevor man ihre Geschwindigkeit relativ zueinander messen kann.

Um dieses Gedankenexperiment einen Schritt weiter zu führen: Wenn ein Objekt allein im Universum wäre, und es keine Geschwindigkeit hätte, könnte es keine meßbare Masse haben, weil die Masse mit der Geschwindigkeit variiert.

Mach schlußfolgerte, daß es träge Masse nur gibt, weil das Universum mehrere Objekte enthält. Wenn ein Kreisel rotiert, widersetzt er sich Verschiebungen, weil er mit der Erde, den Sternen und fernen Galaxien wechselwirkt. Falls diese Objekte nicht existieren würden, hätte der Kreisel keine Trägheit.

Einstein war von diesem Konzept fasziniert und nannte es „Machs Prinzip“. Es ist nie widerlegt worden, aber es schien keine Anwendung zu haben, bis James Woodward zur Überzeugung kam, daß Masse sich unter bestimmten Umständen vorübergehend ändern kann.

Der unkonventionelle Professor

Woodward ist ein ungewöhnlicher Charakter. Nun in seinen Siebzigern, reicht sein Interesse am Finden einer Alternative zum raketengetriebenen Raumflug bis in seine Jugend zurück. „Ich erhielt einen Bachelorabschluß in Physik“, erklärt er, „und ging weiter an eine Hochschule für Physik, und an diesem Punkt war es offensichtlich, daß ich nie einen Job als Physikergeselle bekommen würde, wo irgend jemand mich an so etwas arbeiten lassen würde. Daher änderte ich meinen Beruf auf Wissenschaftsgeschichte, in dem ich angestellt sein konnte, während ich meine Ziele in meiner Freizeit verfolgte.“ Anscheinend nahm er an, daß er solo daran arbeiten könnte. „Wenn man nicht an einem Problem arbeitet, löst man es nicht“, sagt er lakonisch.

Er erhielt sein Doktorat in Geschichte an der University of Denver, wo seine These die Gravitation zum Thema hatte. Er bemerkt nachdenklich: „Ich dachte nie, daß es bis 1989 dauern würde, um herauszufinden, daß das einzig Sinnvolle Machs Prinzip war, das besagt, daß Aktion auf Distanz die Art ist, wie die Realität ist.“

Er begann Bauteile und Ausrüstung mit seinem eigenen Geld zu kaufen und richtete allmählich ein Labor in seinem Büro in Fullerton ein. Wenn er kleine Teile brauchte, die es nicht gab, lernte er sie sich selbst zu bauen, mit Hilfe eines freundlichen Maschinisten, der die Universitätswerkstatt leitete. Nach vielen Durchläufen und einer Menge mühsamer Anfertigungsarbeit hat er nun einen Tischdemonstrator, den er für mich laufen ließ, als ich ihn besuchte.

Dr. James Woodward und Dr. Heidi Fearn vor den Datenüberwachungs- und Datenerfassungssystemen.

Dr. James Woodward und Dr. Heidi Fearn vor den Datenüberwachungs- und Datenerfassungssystemen.

Heidi Fearn – die Physikerin, die seine Mathematik überprüfte – erhielt ihren Doktorgrad in Physik an der Essex University in England und unterrichtet seit 1991 Physik in Fullerton, wo sie Woodward seit mehr als zwanzig Jahren gekannt hat. (Die beiden sind oben zu sehen.) Sie interessierte sich nicht ernsthaft für seine Arbeit, bis sie entdeckte, daß Stapel seiner Ausrüstung unerwartet in ihr internes Büro übersiedelt worden waren, während sie in Urlaub war. Da sie um Woodwards Projekt nun nicht herumkam, begann sie die Experimente zu beobachten. „Ich sah, daß es nicht nur experimenteller Lärm war“, erinnert sie sich. „Es war ein sehr deutlicher Effekt, bei jedem Durchlauf. Es war ein riesiges Signal, relativ gesprochen. Man kann solch ein Signal nicht von nichts bekommen. Etwas geschah offenkundig, und es war nichts, das ich sehr leicht erklären konnte.“

Fearn hat immer noch einen britischen North-Country-Akzent und kommt als sehr praktische, pragmatische Persönlichkeit rüber – überhaupt nicht der Typ, von dem man erwartet, daß es ihn zu unkonventioneller Wissenschaft hinzieht. Tatsächlich war sie skeptisch bezüglich Woodwards Ideen und war überrascht, als sie an der theoretischen Grundlage nichts Falsches fand.

Sie wurde, wie sie es ausdrückt, „zu neunundneunzig Prozent überzeugt“, und begann informell an dem Projekt mitzuarbeiten, während sie immer noch an der Universität Physik unterrichtet. Sie kaufte mit ihrem eigenen Geld etwas Testausrüstung, zusammen mit Modellierungssoftware, die sie für die Konstruktion des nächsten Prototyps verwenden möchte. „Zur Zeit bin ich eine Theoretikerin, aber ich ertappe mich dabei, wie ich Versuch und Irrtum anwende“, sagt sie. „Ich fühle mich damit nicht wohl. Jim hat mehr als zwanzig Jahre lang herumgebastelt. Ich möchte dorthin kommen, wo ich etwas Optimales vorschlagen kann.“

Ihr Ziel ist, den Effekt um eine Größenordnung hochzuskalieren.

Die Methode

Und wie genau funktioniert das? Die Idee ist, ein kleines Objekt zu beschleunigen, während man seine Energie verändert. Wenn zum Beispiel das kleine Objekt ein Kondensator ist, der mit relativ hoher Frequenz vibriert, und die elektrische Ladung darin mit dem Doppelten dieser Frequenz fluktuiert, sollte die Masse des Kondensators ebenfalls fluktuieren. Als Woodward mir 1997 davon erzählte, fragte ich ihn, warum solch ein leicht zu beweisendes Phänomen nie von irgend jemand anderem bemerkt worden ist. „Vielleicht weil die Leute normalerweise nicht herumgehen und Kondensatoren abwiegen“, sagte er.

Im Prinzip könnte man das selbst ausprobieren, indem man einen Stereoverstärker verwendet, um einen Lautsprecher zu betreiben, der für den Zweck umgewidmet wurde, einen Kondensator mit, sagen wir, 20 kHz vibrieren zu lassen, während man gleichzeitig den Kondensator mit 40 kHz auflädt und entlädt. Dies wäre solch ein einfaches Experiment, daß man es um vielleicht 50 Dollar aufbauen könnte, aber die Herausforderung wäre die Messung der kleinen Masseveränderungen, die auftreten sollen. Man hätte auch ein großes Problem mit der Ausschließung äußerer Faktoren wie elektromagnetische Felder, Vibrationen, Luftströmungen, Temperaturveränderungen und vieles mehr.

Ein Stapel piezoelektrischer Scheiben, der in einem von Woodwards Experimenten verwendet wird. Der Raster im Hintergrund hat eine Teilung von 1/10“ (2,54 mm).

Ein Stapel piezoelektrischer Scheiben, der in einem von Woodwards Experimenten verwendet wird. Der Raster im Hintergrund hat eine Teilung von 1/10“ (2,54 mm).

Zur Bewältigung dieser Probleme verwendete Woodward eine Vakuumkammer, in die er piezoelektrische Elemente mit einem Durchmesser von etwa 3/4“ (ca. 19 mm) plazierte, die sich biegen, wenn sie elektrischem Strom ausgesetzt werden. Zwischen den Elementen befinden sich Metallscheiben, und die Kondensatorkapazität zwischen den Scheiben verändert sich, während sie vibrieren. Die resultierende Kraft ist winzig, aber er ist davon überzeugt, daß sie meßbar ist. Eines seiner Schubgeräte ist oben abgebildet.

Die Anwendung

Warum sollte dies einen Raumflugantrieb ermöglichen? Hier ist ein weiteres Gedankenexperiment: Wenn zwei Kisten auf Rädern durch eine Stange verbunden sind und eine der Kisten einen Motor enthält, der eine Kurbel dreht, welche die Stange hin- und her zieht und stößt, dann werden die Kisten sich voneinander weg und wieder aufeinander zu bewegen. Wenn sie gleich viel wiegen, dann wird das Stoßen und Ziehen die Kisten in gleichem Maß bewegen, und sie werden nirgendwohin kommen. Diese Abfolge wird hier gezeigt:

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