Schießtraining mit reaktiven Zielen

Luftballons an Mannscheiben erleichtern das sofortige Erkennen von Treffern.

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 10-1995.

Reaktive Ziele, bei denen jeder Treffer sofort erkennbar ist, machen das Training des Verteidigungsschießen nicht nur interessanter, sondern auch in vielen Bereichen effektiver. Als Ziele eignen sich Blechdosen genauso wie Luftballons oder „Pepper Popper“ und „Steel Plates“.

Das ernstfallorientierte Training mit der Schußwaffe ist zwar im wahrsten Sinne des Wortes eine todernste Angelegenheit, dennoch spricht nichts dagegen, daß dieses Training auch gelegentlich Spaß machen darf. Erst recht dann nicht, wenn mit unterhaltsamen Schießübungen konkrete Ausbildungsziele zielgerichtet verfolgt werden. Manche Ausbildungsziele lassen sich übrigens sogar mit unorthodoxen Trainingsmethoden wesentlich besser erreichen als mit einem phantasielosen Durchlöchern der bekannten Silhouettenscheiben. Die einfache Schlußfolgerung, in der das kampfmäßige Schießen mit dem Beschießen von Mannscheiben gleichgesetzt wird, ist ohnehin purer Unsinn und taugt bestenfalls dazu, ansonsten unverständliche Verwaltungsentscheidungen zu begründen oder für Combatschießkurse zu werben, die ihr Geld nicht wert sind. Damit soll natürlich nicht in Frage gestellt werden, daß einfarbige oder bunte Mannscheiben ein wichtiges Ausbildungsmittel für das Training von Gebrauchswaffenträgern darstellen.

Der Einsatz bestimmter Ausbildungsmittel garantiert aber weder die Qualität der mit ihrer Hilfe durchgeführten Ausbildung noch das Erreichen des angestrebten Ausbildungserfolgs. Wichtiger als eine effektvolle Ausgestaltung der Schießbahn ist, sich immer wieder deutlich zu machen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten man bei einer Schießausbildung erlangen will und mit welchen Methoden und Mitteln man dies am besten erreicht. Dabei wird man häufig feststellen, daß sich zur Erreichung vieler Ausbildungsziele auch Schießübungen eignen, die auf den ersten Blick mehr nach „Fun Shooting“ oder „Plinking“ aussehen, oder aus anderen Gründen nicht in die landläufige stereotype Vorstellung vom ernstfallorientierten Schießen passen.

Augenblickliche Trefferwahrnehmung

Eine ganze Reihe von Beispielen hierzu läßt sich unter den Schießübungen finden, bei denen Ziele beschossen werden, die auf Treffer deutlich bemerkbar reagieren, im einfachsten Fall kann es sich dabei um Übungen handeln, bei denen Blechbehälter, wie sie z. B. für Farben oder Essiggurken verwendet werden, als Ziele dienen. Diese zeigen jeden Treffer sowohl optisch, durch die Bewegung des Ziel beim Einschlag, als auch akustisch an. Dadurch merkt der Schütze sofort, ob er getroffen hat, und kann sich in seinem Verhalten und Schießrhythmus auf die Bekämpfung weiterer Ziele einstellen. Beim Schießen auf Papierscheiben ist dies kaum möglich, da die kleinen Löcher auf der Scheibe in schnell ablaufenden Schießübungen und unter realistischen Beleuchtungsbedingungen nur sehr schlecht zu erkennen sind und eine Ermittlung der Treffer meist erst nach dem jeweiligen Durchgang möglich ist. In realen Feuergefechten ist es für das weitere Verhalten aber durchaus von Bedeutung, ob z. B. ein Revolverschütze, der drei unterschiedlich weit entfernten Gegnern gegenübersteht, nach den ersten zwei oder drei abgegebenen Schüssen mehrere Treffer verbuchen kann oder nur danebengeschossen hat. Im letzteren Fall wird gerade beim Revolver das Verhältnis von noch verfügbarer Munition zur Anzahl der weiteren kampffähigen Gegner schon recht ungünstig. Hier ist dann zu prüfen, ob z. B. die nächste Deckung nicht so nahe liegt, daß man lieber diese nutzt, als sich darauf zu verlassen, daß man mit den letzten Patronen schon noch treffen wird. Solche Entscheidungen müssen aber in Sekundenbruchteilen während des momentanen Schußwaffeneinsatzes fallen, und daher in den Schießübungen auch immer wieder vom Schützen abgefordert werden.

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Die Revolverhelden des Wilden Westens: Illusion und Wirklichkeit

Von C. F. Eckhardt, aus Heft 9-1985 der „Schweizer Waffenmagazins“. Zuvor erschienen: Die Revolverhelden des Wilden Westens, Die Waffen der Revolverhelden des Wilden Westens und Die Holster der Revolverhelden des Wilden Westens. (Online-Quelle hier)

In meiner Jugend habe ich unzählige Wildwestfilme gesehen, in denen Tom Mix, Buck Jones, Johnny Mack Brown, Reb Russell, Ken Maynard, Tex Ritter, Bill Elliott, John Wayne und andere Filmhelden vom Rücken ihrer Prachtpferde auf fliehende Verbrecher losknallten. Lange Zeit kam ich gar nicht auf den Gedanken, dass es eigentlich sehr schwer sein mußte, einen Single-Action-Colt auf einem galoppierenden Pferd nachzuladen, und dass die Handlung eigentlich irgendwann unterbrochen werden müßte, damit einer aus einem Sechsschüsser elfmal schießen kann. Und ich wurde mir auch nicht bewusst, dass Glen Strange und Charlie Thompson als Übeltäter (oder ihre Stuntmen) in Wirklichkeit nur deshalb vom Pferd fielen, weil halt im Drehbuch stand: „Bösewicht fällt vom Pferd.“ Bis ich dann selbst mal einen Sechsschüsser von einem galoppierenden Pferd aus abzufeuern versuchte. Da wurde mir nämlich mit einem Schlag sehr vieles klar.

Das erste war, dass man niemals einen Revolver über den Kopf eines Pferdes hinweg oder neben seinem Hals abschießen darf. Ich erschoss zwar mein Pferd nicht, aber ich schluckte einen großen Mund voll texanischer Erde. Zwischen der Vorderseite der Revolvertrommel und dem hinteren Laufende befindet sich nämlich ein Spalt, der beim Schießen seitlich viel Feuer, Rauch und brennendes Pulver ausspuckt. Ein Pferd lässt sich aber nicht gern vom Pulver brennen, und im allgemeinen bringt es seine Abneigung dadurch zum Ausdruck, dass es die Hinterbeine bis über die Ohren hochwirft. Wenn man also am Hals des Pferdes vorbei oder zwischen seinen Ohren hindurch schießt, wie sie’s in den Filmen zu tun pflegten, dann kann dies sehr wohl zu einer Bauchlandung führen.

Bei Dreharbeiten vermeidet man derartige Zwischenfälle, indem man eine spezielle Filmpatrone (sie heißt „5 in 1“) mit einer ganz schwachen Ladung und einer Portion Talk verwendet, die sehr eindrücklichen „Pulverdampf“ erzeugt. Den Knall fügt dann später der Tonspezialist hinzu.

Übrigens waren solche Schießpraktiken auch in den Dienstvorschriften der amerikanischen Kavallerie seit Einführung des Revolvers verboten. Natürlich will das nicht heißen, dass sie in der Hitze des Gefechts nicht doch zuweilen angewandt wurden – doch das konnte leicht dazu führen, dass einer inmitten eines Kampfes auf dem Boden landete, wo es von fuchsteufelswilden Indianern wimmelte. Erst als die amerikanische Kavallerie die Colt-Pistole 1911 im Kaliber .45 ACP einführte, zeigte sich, dass man damit ziemlich gefahrlos auf ein vor dem Pferd stehendes Ziel schießen konnte. Automatische Pistolen spucken eben seitlich kein Feuer aus.

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Die Holster der Revolverhelden des Wilden Westens

Ein Threepersons-Holster

Von C. F. Eckhardt, aus Heft 8-1985 der „Schweizer Waffenmagazins“. (Zuvor erschienen: Die Waffen der Revolverhelden des Wilden Westens.) Das Titelbild stammt nicht aus dem Originalartikel. (Online-Quelle hier)

Der erste Schütze, der wirklich nach heutigen Maßstäben schnell ziehen konnte, war ein Cherokee-Ordnungshüter namens Tom Threepersons, der in Oklahoma als Deputy Sheriff amtierte. Er wurde nur deshalb so schnell, weil er im Jahre 1916 das erste ausgesprochene Schnellziehholster entwickelte. Heutzutage kann man jedem mit normaler Reaktionsfähigkeit und Koordination Begabtem, selbst einem blutigen Anfänger, beibringen, in einem Tempo zu ziehen, zu schießen und zu treffen, von dem die Revolverhelden des 19. Jahrhunderts nicht zu träumen gewagt hätten.

Sie könnten also gar noch schneller als Wild Bill Hickok ziehen lernen – aber bilden Sie sich bloß nicht ein, dass Sie’s deshalb in einer Schießerei mit einem der alten Wildwest-Revolverhelden aufnehmen könnten! Nicht mal die hochkarätigen Schnellschützen unserer Zeit könnten das! Die Schießereien von Anno dazumal spielten sich nach ganz anderen Regeln ab.

Abgeänderte Militärholster

Die klappenlosen Holster, die kurz nach dem Bürgerkrieg auftauchten, waren ganz einfach Ordonnanzholster mit abgeschnittenen Klappen. Das Holster verdeckte die ganze Waffe bis auf den Griff und den oberen Teil des Hahns. Dasselbe Holster wurde für eine Vielzahl verschiedener Waffen verwendet. Drei Cowboys, von denen der erste einen Perkussions-Colt 1860, der zweite einen Perkussions-Remington 1859 und der dritte einen Starr-Perkussionsrevolver trug, mochten für ihre doch sehr verschiedenen Schußwaffen genau dasselbe Holster im selben Format kaufen.

Von daher stammt die Idee, das Holster der Waffe anzupassen, indem man es nass macht und um die Waffe modelliert, so, wie man etwa ein Paar Schuhe den Füßen anpasst. Man wollte damit aber eher verhindern, dass die Waffe aus dem Holster fiel, als schnelles Ziehen erleichtern. Selbst, als der Trend aufkam, oben am Holster eine Aussparung freizulassen, die direkten Zugang zum Abzug ermöglichte, blieb die Waffe doch in einen langen Lederhandschuh gehüllt. Es war wirklich so etwas wie ein Handschuh: Das Leder, aus dem diese Holster gemacht waren, war nämlich dünn und weich. Die steifen Sattellederholster kamen erst ein paar Generationen später auf.

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Die Waffen der Revolverhelden des Wilden Westens

Colt Model 1847 Walker

Von C. F. Eckhardt, aus Heft 6-1985 der „Schweizer Waffenmagazins“. (Zuvor erschienen: Die Revolverhelden des Wilden Westens) (Die Bilder stammen nicht aus dem Originalartikel; Online-Quelle hier)

Für einen alten Texaner wie mich ist einfach jede Faustfeuerwaffe („Gun“) ein Colt. Ich war schon etwa siebzehn, als ich draufkam, dass es außer Colt noch andere Firmen gab, die Faustfeuerwaffen in einem größeren Kaliber als .22 herstellten. Kein Wunder: Wenn man bei uns in Texas ein Handschuhfach irgendeines Ranch-Fahrzeugs öffnete, fiel unweigerlich ein Colt heraus; meist ein „Daumentöter“ oder Single Action Army oder dann ein New Service (Ordonnanzmodell), es konnte aber auch ein Army Special oder ein Police Positive sein. Wenn ein alter Texaner „Gun“ sagte, meinte er „Colt“.

Colt und die Texaner

Colt Paterson 1836, 5. Modell, im Kaliber .36.

Samuel Colt, Inhaber der Patent Repeating Firearms Company in Paterson, New Jersey, stellte die ersten mehrschüssigen Faustfeuerwaffen her, die man bequem auf sich tragen konnte. Die Grundlage zu seinem späteren Erfolg legte er 1859, als er nach Texas kam, um Schusswaffen zu verkaufen. Die Republik Texas bestellte bei ihm 250 „Gürtel-Repetierpistolen“ (also Revolver) und 100 sechsschüssige Stutzen, und Colt erklärte sich bereit, texanische Dollars zum Kurs von 4 zu 1 US-Dollar anzunehmen. Das war ein verhängnisvoller Fehler, obwohl er schließlich dank diesem Handel sein Glück machte.

Insgesamt erhielt Texas von Colt etwa 100 der bestellten Revolver, doch der texanische Dollar sank und sank, bis er einen Tiefpunkt von rund 50:1 US-Dollar erreichte. 1841 machte Colt Pleite, hauptsächlich infolge dieses Handels mit Texas. Doch Colts Revolver landeten bei den Texas Rangers, der freiwilligen texanischen Miliz, die gegen die Indianer kämpfte. Hauptsächlich unter der Führung des jungen John Coffee Hays aus Tennessee (auch „Devil Jack“ genannt) entwickelten die Texas Ranger Taktiken für die mit Faustfeuerwaffen ausgerüstete leichte Kavallerie, die beibehalten wurden, bis die letzten kampffähigen Kavalleristen in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts als Panzerbesatzungen in Tanks gesteckt wurden.

1846 ließen sich die Rangers bis fast auf den letzten Mann als Erstes (freiwilliges) berittenes Scout-Regiment in General Zachary Taylors Mexikanische Kriegsarmee anwerben, und natürlich nahmen sie ihre Revolver mit. Der alte Haudegen Taylor nahm ihre Waffen und Taktiken in Augenschein und fand sofort, er könne noch mehr solche Schießeisen brauchen – sehr viel mehr sogar. Es stellte sich heraus, dass Sam Colt mittlerweile bei der Firma Ely Whitney als Maschinenschlosser beschäftigt war und Pflugscheiden und Eggenzinken herstellte. Die texanische Regierung bot ihm einen Vertrag für 1000 neue Revolver, die nach Anregungen des Ranger-Leutnants Samuel Walker zu verbessern waren. Walker zeigte Sam Colt, wo die Schwachstellen des Paterson-Revolvers lagen, und gemeinsam brachten der Erfinder und der Offizier eine 2,065 kg schwere Holster-Kanone zustande, die heute als „Walker Colt“ oder „Whitneyville Dragoon“ bekannt ist. Von dem Tage an war für einen Texaner jeder Sechsschüsser ein Colt.

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Verteidigungsschießen: Die Deckungsnutzung im Feuergefecht

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 12-2000. (Online-Quelle hier)

Die Nutzung von Deckungen ist eines der taktischen Grundelemente im Verteidigungsschießen. Für die praktische Umsetzung dieses Prinzips ist es unter anderem erforderlich, die Anschlagsarten hinter verschiedenen Deckungsformen zu beherrschen. Darüber hinaus muss man die Nutzung von Deckungen in jeder Phase des Feuerkampfes in die eigenen Überlegungen mit einbeziehen und in seinem Verhalten berücksichtigen. Durch entsprechende Übungen lässt sich dies in gewissem Umfang automatisieren.

Den Ratschlag, im Feuergefecht, wann immer möglich Deckungen zu nutzen, findet man in vielen Veröffentlichungen über das Verteidigungsschießen. Meist bewegen sich derartige Ratschläge aber im Allgemeinen und nützen dem, der sich nicht ständig intensiv mit dieser Materie befasst, relativ wenig, wenn es um die konkrete Umsetzung in der taktischen Situation oder um die Einbindung der Deckungsnutzung in die Schießausbildung geht. Einfache Sätze wie „Man sollte den Feuerkampf wann immer möglich aus der Deckung heraus führen“ sind zwar den meisten Gebrauchswaffenträgern bekannt, können aber oft nicht in konkretes Handeln umgesetzt werden.

Verstärkt wird dieses Defizit noch dadurch, dass auch in guten Schießkursen fast immer nur aufrecht stehend ohne Deckungsnutzung geschossen wird. Bestenfalls werden gelegentlich hohe Barrikaden verwendet, um die Deckungsnutzung anzudeuten und den Schuss mit angestrichener Waffe zu üben. Dies ist aber nur ein Sonderfall in der umfangreichen Thematik der Deckungsnutzung und berücksichtigt nur die eigentliche Schussabgabe, wenn man sich gerade hinter einer solchen Deckung befindet. Meist wird dabei auch gar nicht darauf geachtet, wie viel der Körperfläche des Schützen wirklich durch die Deckung geschützt ist, sondern man konzentriert sich oft ausschließlich auf die Waffenhaltung beim angestrichenen Anschlag. Darüber hinaus kann man auch häufig beobachten, dass die eigentliche Schießübung erst beginnt, wenn der Schütze in aller Ruhe seine Schießhaltung eingenommen, mehrfach verbessert hat und ein Zeichen gibt, dass er jetzt fertig ist und mit der Schießübung beginnen kann.

Deckung zum Schutz und zur Vorbeugung

Dies entspricht aber nicht den Forderungen einer praxisgerechten Ausbildung, da es im realen Feuergefecht selten vorkommt, dass man ohne Zeitbegrenzung einen optimalen Anschlag hinter einer längst bezogenen Deckung einnimmt, sondern dass man schnell Deckungsmöglichkeiten erkennt, beurteilt, ob die Führung des Feuerkampfes aus dieser Deckung zweckmäßig ist, schnell den Anschlag hinter dieser Deckung einnimmt und vor allem einen möglichst großen Teil des eigenen Körpers durch die Deckung schützt. Daneben darf nicht vergessen werden, dass Deckungsnutzung nicht erst für die eigentliche Schussabgabe relevant wird, sondern dass sie vor allem in Situationen, in denen noch kein unmittelbarer Kontakt zum Gegner besteht, als vorbeugende Maßnahme bei jeder Bewegung zu berücksichtigen ist.

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Beschußsicherheit von Kraftfahrzeugen

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 9-1992 (dort erschienen unter dem Titel „Beschußsicherheit von Kraftfahrzeugen (1)“. (Online-Quelle hier)

Das Durchschlagsverhalten von Geschossen in Karosserien spielt nicht nur in polizeilichen Geiselbefreiungen eine Rolle, sondern auch in allen Situationen, in denen ein Fahrzeug als Deckung genutzt werden soll. Wie gut ein Fahrzeug dazu geeignet ist, hängt nicht nur von der Art des Beschusses, sondern auch von vielen anderen Umständen ab.

Bilder von beschossenen Autos kann man nicht nur im Kino, sondern auch in diversen Nachrichtensendungen über Terroranschläge und Attentate sehen. Aber auch Anschläge auf Privatleute und Raubüberfälle, bei denen sich die Opfer zum Zeitpunkt der Straftat in einem Auto befinden, kommen durchaus vor. Nachdem wir uns in einem früheren Beitrag mit der taktischen und schießtechnischen Abwehr derartiger Angriffe befaßt haben, lohnt es sich, der Frage nachzugehen, welchen Schutz ein normaler PKW gegen bestimmte Arten von Beschuß bietet, da die Qualität der Deckung, in diesem Fall des Autos, immer Auswirkungen auf die Erfolgsaussichten einer bestimmten Taktik hat.

Dabei ergibt sich gleich eine Reihe von Folgefragen, wie z. B. welche Kaliber die Karosserie oder die Scheiben durchschlagen, wie groß der Einfluß von verschiedenen Auftreffwinkeln ist, was ein Schuß auf die Reifen bewirkt oder wie der Motor auf einen Treffer reagiert.

Im ersten Teil dieser Untersuchung befassen wir uns zunächst mit der Durchschlagsleistung von Kurzwaffen bei Treffern in Karosserieteile und Glasscheiben.

Betrachtet man hierzu ein Auto einmal etwas genauer, so stellt man unschwer fest, daß die meisten potentiellen Geschoßflugbahnen so liegen, daß nur eine Glasscheibe oder einzelne Blechschichten durchschlagen werden müssen, um ins Fahrzeuginnere zu führen.

Da aber auch massivere Bauteile in einer solchen Flugbahn liegen können und andere Einflußgrößen, wie der Auftreffwinkel, die Auftreffgeschwindigkeit und der Geschoßaufbau einen Einfluß auf das Eidringverhalten ausüben, haben wir hierzu eine Reihe von Beschußversuchen durchgeführt.

Beschuß verschiedener Karosserieteile

Um die Ergebnisse zu systematisieren, wurden verschiedene Karosserieteile (z. B. Autotüren, Kotflügel, Motorhauben usw.) mit unterschiedlichen Kalibern und unter verschiedenen Winkeln beschossen. Einbezogen wurden sowohl Türen mit Einbauteilen(Fenster, Türverriegelung usw.) als auch ohne diese.

Als Versuchsobjekte dienten ausnahmslos Mittelklassewagen, um Durchschnittswerte zu erhalten, die für die Masse der Fahrzeuge auf unseren Straßen zutreffen.

Um aber zunächst einen allgemeinen Eindruck von der Beschußfestigkeit dünner Bleche zu vermitteln, wurde u. a. ein Versuchsaufbau aus zehn 0,75 mm starken Stahlblechen (St 37), die im Abstand von 7 mm verschraubt waren, beschossen.

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Verteidigungsschießen: Mannstoppwirkung in der Praxis

Die vom Geschoss abgegebene Energie ist die wesentliche Einflussgröße im Ziel, wie dieser Beschussvergleich zeigt.

Die vom Geschoss abgegebene Energie ist die wesentliche Einflussgröße im Ziel, wie dieser Beschussvergleich zeigt.

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 11-2000. (Online-Quelle hier)

Moderne Auffassungen über die Mannstopp-Wirkung basieren auf der vom Geschoss an das Ziel abgegebenen Energie. Aber auch diese neueren Theorien lassen keine exakte Prognose über die Wirksamkeit eines bestimmten Geschosses in einem konkreten Einzelfall zu. Im Verteidigungsschießen muss man sich daher darauf einstellen, dass die Wirkung der eigenen Geschosse im Ernstfall sehr unterschiedlich ausfallen kann. Dies muss sich in der Wahl von Waffe und Munition sowie in der Ausbildung widerspiegeln.

Diskussionen über die Mannstopp-Wirkung von Geschossen gehören zu den Dauerbrennern in vielen Gesprächen und Veröffentlichungen über das kampfmäßige Schießen. Häufig steht dabei ausschließlich der physikalische Aspekt im Vordergrund. Oft reduziert sich eine solche Diskussion auch auf die Frage, ob die 9 mm Luger oder die .45 ACP das passendere Kaliber für eine Verteidigungswaffe ist oder ob vielleicht eines der neuen Kaliber, wie die .40 S&W oder die .357 SIG, die Vorteile der beiden altbewährten Kaliber vereinigt und damit die lang ersehnte Ideallösung für eine Verteidigungspatrone darstellt. Meist wird dabei die sehr umfangreiche und komplexe Problemstellung der Wirksamkeit von Geschossen im Feuergefecht auf unzulässige Weise verkürzt und auf einige wenige Aspekte wie die Diskussion um die Hohlspitzgeschosse oder andere Wunderprojektile reduziert.

Eine umfassende Betrachtung der komplexen Thematik der Mannstopp-Wirkung muss aus der Sicht des Gebrauchswaffenträgers aber mehr umfassen als die Frage nach der stärksten Patrone oder dem wirksamsten Geschoss. Neben der reinen Physik der Endballistik muss eine solche Betrachtung vor allem auch Folgerungen für die Schießausbildung, Taktik und das rechtlich korrekte Verhalten in einer Notwehrsituation beinhalten. Voraussetzung dafür ist aber zumindest grobe Vorstellung davon, worauf die Wirkung von Geschossen basiert und welche Wirksamkeit die verschiedenen Munitionssorten besitzen.

Schon der Begriff Mannstopp-Wirkung macht dabei deutlich, worum es hier geht. Im Gegensatz zu anderen ballistischen Leistungsdaten handelt es sich hierbei um keine einfache ballistische Eigenschaft des Projektils wie Gewicht oder V0 und auch um keinen leicht zu messenden Wirkungswert wie Eindringtiefe in Holz oder Durchschlagsleistung gegenüber Stahlplatten, sondern um einen Wert, der die Wirkung eines Geschosses beim Treffen eines Gegners beschreiben soll. Ganz konkret sollen Werte der Mannstopp-Wirkung Prognosen darüber zulassen, wie lange ein Gegner nach einem Treffer mit einer bestimmten Munitionssorte noch weiter kämpfen kann oder, anders ausgedrückt, wie lange er noch handlungsfähig ist. Wie sich im weiteren zeigen wird, ist eine solche Prognose ausgesprochen schwierig und wird vermutlich auch in Zukunft immer sehr ungenau bleiben.

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Der Weitschuß mit der Pistole

Von Beat Kneubühl, aus seinem Artikel „Ballistische Fragen aus der Praxis (2)“ in Heft 1-2/1991 des „Internationalen Waffenmagazins“. (In der ersten Hälfte dieses Beitrags ging es um den Weitschuß mit Vorderladerbüchsen; hier habe ich – Cernunnos – nur die zweite Hälfte über den Weitschuß mit der Pistole wiedergegeben.)

Der Weitschuß mit der Pistole

Ein weiteres Problem, das gut in dieses Thema des weiten Schusses paßt, wurde dem Autor von einem Leser unterbreitet, der allerdings die Lösung mit Hilfe des IWM-Ballistik-Programmes selber erarbeitete und in der Zeitschrift „Der Waffenfreund“ 1990 darüber berichtete. Bei der damals zu lösenden Aufgabe sind jedoch einige typische ballistische Aspekte dabei, über die es sich lohnt, aus der Sicht des Ballistikers zu berichten.

In einem Combat-Parcours galt es, eine Scheibe in 160 m Distanz zu treffen, die gegenüber der Schützenstellung 30 m überhöht war; es handelte sich also um einen Weitschuß in geneigtem Gelände. Da der Wettkampf auf 1500 m ü. M. stattfand, ist die Frage nach dem Einfluß der Luftdichte ebenfalls nicht abwegig.

Ein Blick auf die Schußtafel der 9 mm Para (siehe Tabelle 5) zeigt, daß bei der betreffenden Distanz mit einer Flugzeit von ungefähr 0,5 s zu rechnen ist, eine Zeit, die etwa dem 300-m-Schießen mit dem Gewehr entspricht. Der zugehörige Schußwinkel beträgt etwa 8 Promille und bestätigt, daß (noch) mit einer gestreckten Flugbahn gerechnet werden kann. Da das Geschoß in diesem Falle nur kurz den Luftkräften ausgesetzt ist, werden deren Änderungen die Geschoßbahn nur unwesentlich beeinflussen. In der Tat ergibt der Wechsel von 400 auf 1500 m Ortshöhe eine Treffpunktverschiebung von nur 1 cm. Auch die Abtrift infolge eines Querwindes bleibt mit rund 20 cm bei 3 m/s Windgeschwindigkeit durchaus im Rahmen, wenn es sich beim Wettkampf nicht um ein Präzisionsschießen handelt. Auch die berühmte Regel „Bergauf, Berg runter, halt drunter“ kommt bei diesen flachen Flugbahnen noch nicht zum Zuge, so daß das höher gesteckte Ziel keine besonderen Maßnahmen beim Zielen erforderlich macht. Die Nachrechnung zeigt, daß bei der 9 mm Para der Treffpunkt weniger als 1 cm zu hoch liegt.

Schußtafel 9 Para 8g VMRK

Interessant ist dabei der Vergleich mit dem Geschoß der .45 ACP, bei dem wegen der geringeren Mündungsgeschwindigkeit mit einer Flugzeit von 0,67 s zu rechnen ist. Die Scheitelhöhe der Flugbahn nimmt damit von den 34 cm bei der 9 mm Para auf 55 cm bei der .45 ACP zu. Dies bewirkt beim Aufwärtsschießen bereits einen um 5 cm höheren Treffpunkt.

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Rasches oder taktisches Nachladen?

Der schnelle Magazinwechsel begünstigt die Pistole als Gefechtswaffe gegenüber dem Revolver.

Der schnelle Magazinwechsel begünstigt die Pistole als Gefechtswaffe gegenüber dem Revolver.

Von René Smeets, aus Heft 6-1990 des „Schweizer Waffenmagazins“.

Sämtliche Statistiken beweisen es: In den allermeisten Fällen, in denen es zu einem Schußwechsel kommt, fallen insgesamt nur sehr wenige Schüsse; für alle Beteiligten zusammen sind es im Schnitt weniger als der Inhalt einer Revolvertrommel…

Wir sind jedoch überzeugt, daß niemand auf Grund von Statistiken sein Leben aufs Spiel setzen sollte, schließlich könnte er selbst zu einem statistischen Faktor werden, falls er das Pech haben sollte, in eine der „atypischen“ Situationen zu geraten, welche die Ausnahme zur oben zitierten Regel darstellen.

Die Technik des Nachladens während des Schießens gehört deshalb zu den Tricks, die man unbedingt beherrschen muß, und getreu den Grundsätzen, die wir in unserem Beitrag „Tödliche Routine“ (IWM 3/90) aufgestellt haben, soll man diese Methoden nicht nur unter möglichst realistischen Bedingungen trainieren, sondern auch auf ihre Brauchbarkeit unter den zu erwartenden Umständen hin auswerten.

Ob man nun einen Revolver oder eine Pistole benützt: grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Techniken, die „rasches Nachladen“ und „taktisches Nachladen“ genannt werden.

Rasches Nachladen

Es handelt sich um die „Methode Cooper“. Jeff Cooper hat den raschen Magazinwechsel als eine der Grundlagen der technischen Beherrschung einer Pistole eingeführt. Seine superschnelle und sehr spektakuläre Technik erfordert grundsätzlich einen Magazinhalterknopf in Reichweite des Daumens der Schießhand. Linkshänder, die keine Pistole mit beidseitigem oder umsteckbarem Magazinhalterknopf haben, gebrauchen dazu im allgemeinen den Zeigefinger der Schießhand, und dies in einem Tempo, das Rechtshänder verblüfft. Wer eine Pistole mit Magazinhalter am unteren Ende des Magazinschachts verwendet, wird – zumindest theoretisch – stets langsamer sein, da er beide Hände gebrauchen muß, um das leere Magazin aus der Waffe zu holen, bevor er das volle Magazin zur Hand nehmen kann. Vor ein paar Jahren haben wir aber an einem Schießparcours einen Schützen mit einem H& K P7-Modell gesehen, der sein Magazin schneller wechselte, als Schützen, deren Waffen mit seitlichem Magazinhalter-Druckknopf versehen waren. Sein Erfolg beruhte natürlich auf intensivem Training…

Was die Revolver betrifft, so ist rasches Nachladen erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit dank dem Aufkommen der „Speed Loaders“ möglich geworden. Das entsprechende Training ist nicht schwieriger als bei der Pistole und führt zu Ergebnissen, die den Laien verblüffen. Doch abgesehen davon, daß Fehlmanipulationen hier der raschen Wiederaufnahme des Schießens bedeutend hinderlicher sind, kann man „Speed Loaders“ auch nie so unauffällig bei sich tragen wie die weniger sperrigen Reservemagazine.

Die Technik des raschen Nachladens von Pistolen und Revolvern ist wohlbekannt, wir wollen uns auf einige Bemerkungen im Zusammenhang mit dem Verteidigungsschießen beschränken.

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Der Schuss durch die Tasche

H-J Signer Manteltaschenschuss

Hans-Jörg Signer bei unseren Versuchen mit Schüssen durch die Manteltasche.

Von Peter Ernst Grimm und Hans-Jörg Signer, aus Heft 7-1984 des „Schweizer Waffen-Magazins“.  [Online-Quelle hier]

In Filmen und Kriminalromanen gehört der Schuss durch die Mantel- oder Jackentasche zum Stamminventar. Doch wie funktioniert das in Wirklichkeit? Wir haben es ausprobiert.

Eine Erkenntnis: Die Szene, in welcher der Bösewicht sein Opfer mit ein paar Schüssen durch die Mantel- oder Veston- (zu deutsch: Jackett-, österreichisch: Sakko-)tasche abknallt und dann unauffällig weggeht, ist absoluter Blödsinn. Der Mantel oder Veston, durch dessen Tasche geschossen wurde, sieht nach dem Schuss aus, als ob der Besitzer sein Kleidungsstück aus einem Bärengraben zurückerobert hätte. Anstelle des erwarteten kalibergroßen Löchleins klafft nach einem einzigen Schuss ein handflächengroßes, mit heraushängenden Futter- und Einlagefetzen garniertes Loch im Gewand, das den Eindruck erweckt, dem Schützen wäre der Tascheninhalt explodiert.

Jackentaschenschuss

Ein Schuss durch die Tasche eines Manchester-Vestons.

Um mit einem Schuss durch die Tasche zu treffen, muss man den Lauf zumindest in die Horizontale bringen und aus der Hüfte schießen. Das geht höchstens bei einem Schuss durch eine Vestontasche unauffällig. Probiert man es aus einer Manteltasche, sieht man aus wie ein Batman-Verschnitt, der zum Start die Flügel lüftet.

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