Game of Thrones – ein (subjektiver) Überblick

GoT Titel

Von Dunkler Phönix

Zum Geleit:

Schon lange hadere ich mit dem Gedanken, einen Artikel über die Buch- und Fernsehserie „A song of ice and fire“ / „game of thrones“ zu schreiben.

Das größte Problem, das ich bisher damit hatte: Obwohl diverse Kritiker der Serie eloquent und richtig ihre Schwächen aufgezeigt haben (Vikernes: „porn disguised as fantasy“), bin ich ein absoluter Fan sowohl der Bücher, als auch der HBO-Produktion. Noch problematischer: Ich finde die Saga um Längen besser als den Klassiker „Herr der Ringe“. Weder den Büchern von Tolkien, noch der Filmreihe von Peter Jackson konnte ich etwas abgewinnen. Nicht nur die Kritik aus unseren Reihen, auch meine eigenen Ambivalenzen beim Lesen und Schauen haben mir bisher das Schreiben über den Stoff verwehrt.

Ähnlich wie bei „Breaking Bad“ ist aber kürzlich der „gordische Knoten“ geplatzt, so dass ich endlich den Finger auf ein paar Stellen legen kann, die mir bisher nicht so klar waren.

Zunächst die übliche Warnung: Dieser Artikel ist ulkig und voller Spoiler!

GoT 2

Wer vielleicht bisher gemeint hat, eine moderne Fantasy-Saga, die von einem erklärten Linksliberalen und Obama-Fan geschrieben und von zwei jüdischen Produzenten verfilmt worden ist, könnte nichts für ihn sein, der mag, wenn er meine anderen Artikel über diverse Produktionen und ihre metapolitischen Aussagen kennt, auf mein Wort vertrauen, dass es sich lohnt, und versuche es entweder erst einmal mit der Serie oder direkt mit den über 5000 Seiten Buch, die bisher erschienen sind (zwei Bände von je mindestens 1000 Seiten stehen noch aus).

Ich werde mir einen längeren Handlungsabriss sparen, wer das ganze Lesen und Schauen nicht über sich bringt, findet bei Wikipedia sehr genaue Beschreibungen und auch in den Counter-Currents Artikeln, auf die ich gleich zu sprechen komme, gibt es eine gute Einführung in den Stoff.

Da der Soundtrack der Serie für meine Ohren sehr gelungen erscheint, werde ich Auszüge daraus als Begleitmusik beim Lesen dieses Artikels einstellen.

High und Low Fantasy

Gerade für Leser, auf deren Hobbyliste das Genre „Fantasy“ nicht ganz oben steht, ist die nicht ganz einfache Unterscheidung zwischen „High“ und „Low“ Fantasy vielleicht hilfreich, um zu verstehen, was den Reiz von „GoT“ (ich werde im folgenden die Abkürzung des Serientitels nutzen, „aSoIaF“ für „a song of ice and fire“ ist ein wenig unästhetisch) ausmacht.

Ich weiß zwar nicht, was für Leser das sein mögen, das werden Menschen sein, die auch für Science Fiction nichts übrig haben, die bei „Bugs“ an Computerfehler denken und nicht an Arachnoiden, die nicht wissen, was „Nostromo“ bedeutet, die das Spiel „Stein-Papier-Schere-Echse-Spock“ nicht kennen und auch sonst viel zu sehr in der „Realität“ leben. Leute, die in ihrer Jugend nicht „das schwarze Auge“ und „Shadowrun“ oder „Dungeons and Dragons“ und andere Pen-and-Paper Rollenspiele gespielt haben, Leute, welche nicht wissen, was die „Elder Scrolls“ sind und „Zelda“ für die Tante von der kleinen Hexe Sabrina halten. Seltsame Leute eben…

GoT Serana

Wer nicht weiß, wer diese Dame ist, der ist entweder alt oder seltsam…

High Fantasy führt uns in Welten, in denen Magie zum Alltag gehört, in denen Elfen, Trolle, Orks und Zwerge genauso große oder größere Reiche haben wie Menschen, in denen das Gute gegen das Böse kämpft.

Low Fantasy entführt uns in Welten, in denen Magie eher spärlich vorkommt, in denen zum großen Teil menschliche Wesen gegeneinander antreten und in denen die Grenze zwischen Gut und Böse nicht so leicht zu ziehen ist.

Der Fachmann erkennt nun sofort Tolkiens „Ring“-Stoff als „High Fantasy“ und macht z.B. „Conan der Barbar“ (sowohl das Original mit Arnie, als auch das traurige Remake mit Khal Drogo) als „Low Fantasy“ aus.

Aber wie bei allen Klassifizierungen bleibt es nicht so einfach. Was ist „Harry Potter“? Eher High Fantasy, aber so „high“ ist es dann doch nicht. Was ist mit der „Wi´tch“ Serie von James Clemens (die für mich übrigens die einzige Fantasy-Saga ist, die mit „GoT“ konkurrieren kann)? Auch dort würde man eher von „high“ sprechen, aber wird es der Tiefe der Charaktere und der Erzählweise gerecht?

Gemmels „Legend“ wiederum scheint sehr sicher „Low Fantasy“ zu sein, dem zum Trotz sind Gut und Böse in dem Buch sehr klar verteilt.

Und schließlich: Was ist GoT? Für „High Fantasy“, wie es oft bezeichnet wird, spricht nur die epische Breite. Das sehr sporadische Auftreten von Magie und nicht menschlicher Wesen spricht genauso wie die Tiefe der Charaktere, die scheinbar allesamt „jenseits von Gut und Böse“ sind, eher für „Low Fantasy.“

Der Unbedarfte mag nun sagen: Wen schert es schon? „High“ und „low“ sollen ja keine Wertungen sein, so als sei „Low-Fantasy“ irgendwie schlechter, es geht ja nur um die Klassifizierung von Fantasy Literatur.

In unserem (meta)politischen Kontext aber muss man die „Low Fantasy“ zumindest teilweise als für die Feindpropaganda günstig einstufen. Mag ein zurückhaltender Einsatz von Magie und eine Konzentration auf menschliche Charaktere noch durchgehen, wird es bei dem Verschwimmen von Gut und Böse schwierig. Zwar brauchen erwachsene Nerds vielschichtigere Charaktere als sie in Kindermärchen vorkommen, aber das postmoderne Auflösen der Grenzen von Gut und Böse in der Fiktion ist eine bewusste Taktik unserer Feinde zur Zerstörung unseres moralischen Kompasses.

Auch der von vielen Nationalen (inklusive mir) als Meisterwerk eingestufte „Conan“ ist nicht unproblematisch. Conan ist kein Held im klassischen Sinne, er ist nur ein „Survivor“ (wenn mir jetzt nur ein passender Witz mit einem Tigerauge einfallen würde…), ein Überlebenskämpfer ohne Moral, ohne höheres Ziel, ohne Ideal.

Got Conan

Beinahe will man Tulsa Doom in der entscheidenden Szene beipflichten: Wer ist Conan denn noch, wenn er seiner Nemesis den Kopf abhackt? Was wird sein Lebenszweck sein, wenn er seine „Quest“ erledigt hat? (das negativste an allen „Elder Scrolls“ Spielen ist, dass man, sobald man alle Aufgaben erledigt und zum Überhelden aufgestiegen ist, noch immer in dieser Welt herumlaufen kann. Zwar entdeckt man immer noch Neues, aber es gibt keine Herausforderungen mehr – bis das nächste Add-On rauskommt…). Ein Held baut eine gerechtere Welt auf, wenn der Böse vernichtet ist, was tut ein Antiheld, wenn der Kopf seines Feindes zu seinen Füßen liegt?

(Nebenbei: Auch der Conan-Soundtrack ist genial, daher hier eine Kostprobe)

Trotzdem tötet Conan den bösen Zauberer Tulsa Doom, ohne zu zögern. Er wird weder von rationalen Überlegungen, noch von moralischen Erwägungen bestimmt, sondern nur von seinen Urinstinkten, Rache und Lust.

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Die Erben der Schildkrötenburg: George R. R. Martin und die Fantasy-Literatur

Jack Gaughan’s triptych for the unauthorized edition of the LoTR 1

Jack Gaughans drei Umschlagbilder für die unautorisierte „Herr der Ringe“-Ausgabe von Ace Books, George R. R. Martins Einstieg in Tolkiens Werk.

Einleitung von Lichtschwert:

Inzwischen ist auch der zweite Sammelband mit den Erzählungen von George R. R. Martin erschienen, „TRAUMLIEDER II“ (ISBN 978-3-453-31625-6). Dieser enthält die folgenden Geschichten und autobiographischen Einschübe (Titel der letzteren in Blockschrift, Geschichten aus GRRMs „Manrealm“- oder „Thousand-Worlds“-Kosmos mit * gekennzeichnet):

DIE ERBEN DER SCHILDKRÖTENBURG
Die einsamen Lieder Laren Dorrs
Der Eisdrache
Das verlassene Land

HYBRIDE UND HORROR
Der Fleischhausmann
Erinnerungen an Melody
Sandkönige*
Nachtgleiter*
Die Affenkur
Der birnenförmige Mann

EINE KOSTPROBE VON TUF (Originaltitel wohl „A Taste of Tuf“)
Eine Bestie für Norn*
Wächter*

Als Leseprobe und Hintergrundinformation für GRRM-Fans bringe ich hier „Die Erben der Schildkrötenburg“ (von mir mit ein paar Links und Anmerkungen versehen), worin George R. R. Martin seinen Bezug zur Fantasy-Literatur erläutert:

DIE ERBEN DER SCHILDKRÖTENBURG

Die Fantasy und ich sind alte Bekannte.

Fangen wir am besten am Anfang an, denn es gibt einige eigenartige und weitverbreitete Irrtümer. Einerseits habe ich Leser, die vor Das Lied von Eis und Feuer noch nie von mir gehört haben und offenbar felsenfest davon überzeugt sind, dass ich nie etwas anderes geschrieben habe als Fantasy-Epen. Andererseits gibt es da die Leute, die all mein altes Zeug gelesen haben und darauf bestehen, ich sei ein Science-Fiction-Autor, der schändlicherweise zur Fantasy übergelaufen ist.

Tatsächlich aber habe ich seit meiner Kindheit in Bayonne Fantasy gelesen und geschrieben (Horror übrigens auch). Meine erste Veröffentlichung mag Science Fiction gewesen sein, aber die zweite war eine Geistergeschichte, ungeachtet dieser verflixten vorbeizischenden Hovertrucks. [Anm. v. Lichtschwert: Damit ist „Die Ausfahrt nach San Breta“ gemeint.]

„Die Ausfahrt nach San Breta“ war beileibe nicht meine erste Fantasy-Geschichte. Noch vor Jarn vom Mars und seiner Bande außerirdischer Weltraumpiraten pflegte ich mir meine Mußestunden mit Geschichten über eine große Burg und ihre tapferen Ritter und Könige zu vertreiben. Indes – sie alle waren Schildkröten.

In den Siedlungen war die Haltung von Hunden und Katzen verboten, kleinere Tiere allerdings erlaubt. Ich besaß Guppys, ich besaß Wellensittiche, und ich besaß Schildkröten. Unmengen an Schildkröten. Die Sorte, wie man sie in billigen Kaufhäusern bekommt, im Set mit kleinen, in der Mitte geteilten Plastikschüsseln, bei denen auf der einen Seite Wasser hineinkommt, auf der anderen Seite Kies. In der Mitte befindet sich eine Plastikpalme.

Außerdem besaß ich noch eine Spielzeugburg, die zu den Plastikrittern gehörte (eine Zinnblechburg von Marx). Sie stand oben auf dem Tisch, der mir als Schreibtisch diente, und darin war gerade genug Platz für zwei jener Schildkrötenschüsseln. Dort also lebten meine Schildkröten… und weil sie in einer Burg wohnten, musste es sich folgerichtig um Könige und Ritter und Prinzessinnen handeln. (Ich besaß auch das Fort Apache von Marx, aber Cowboyschildkröten wären einfach absurd gewesen.)

Der erste Schildkrötenkönig hieß Big Fellow. Er muss einer anderen Art angehört haben als die anderen, denn er war braun, nicht grün, und gut doppelt so groß wie die kleinen rotohrigen Kerle. Eines Tages fand ich ihn tot auf – zweifellos war er einem finsteren Komplott der Krötenechsen und Chamäleons zum Opfer gefallen. Sein Thronnachfolger meinte es zwar gut, war aber ein Pechvogel und starb ebenfalls bald darauf. Doch just als es für das Königreich am finstersten aussah, schworen Frisky und Peppy einander ewige Freundschaft und gründeten die Schildkrötentafelrunde. Peppy der Erste erwies sich als größter Schildkrötenkönig aller Zeiten, doch als er alt wurde…

Die Geschichte der Schildkrötenburg hat weder einen Anfang noch ein Ende, aber jede Menge Mitten. Sie wurde nur auszugsweise niedergeschrieben, aber ich arbeitete die großartigsten Szenen in meinem Kopf aus, Schwertkämpfe und Schlachten und Verrat. Ich erlebte die Herrschaft von mindestens einem Dutzend Schildkrötenkönige. Meine mächtigen Monarchen hatten die befremdliche Angewohnheit, aus der Marx-Burg zu fliehen und tot unter dem Kühlschrank zu enden, dem schildkrötischen Mordor.

Habe ich es nicht gesagt? Ich war schon immer Fantasy-Autor.

Ich kann allerdings nicht behaupten, auch immer Fantasy-Leser gewesen zu sein, aus dem schlichten Grund, dass es damals in den Fünfzigern und Sechzigern kaum Fantasy zu lesen gab. Die Drehständer meiner Kindheit wurden von Science Fiction, Krimis, Western, Schauerromanen und historischen Romanen beherrscht; weit und breit keine Fantasy. Ich war Mitglied im Science Fiction Book Club (drei Romane für einen Dime – unschlagbar), aber damals war es der Science Fiction Book Club, mit Fantasy hatte er nichts zu tun.

Fünf Jahre nach Have Space Suit, Will Travel (Raumjäger) stolperte ich über jenes Buch, das mich in Sachen Fantasy auf den Geschmack brachte: eine schmale Anthologie von Pyramid namens Schwerter und Magie, herausgegeben von L. Sprague de Camp und erschienen im Dezember 1963. Und was für ein köstlicher Geschmack das war. Es gab Geschichten von Poul Anderson, Henry Kuttner, Clark Ashton Smith, Lord Dunsany und H. P. Lovecraft. Eine Geschichte über Jirel, die Amazone von C. L. Moore und eine Erzählung über Fafhrd und den grauen Mausling von Fritz Leiber… und dann war da noch die Geschichte „Schatten im Mondlicht“ von Robert E. Howard.

Wisset, o Fürst,

so begann sie,

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Das Licht der fernen Sterne: George R. R. Martin und sein „Manrealm“-Kosmos

Star Cutter

Eine Präsentation von Lichtschwert als Leseempfehlung für George R. R. Martins Sammelband „Traumlieder I“ (Heyne 2014, ISBN 978-3-453-31611-9) und überhaupt sein Werk, vor allem seine SF-Geschichten und hier wiederum seinen „Manrealm“- oder „Tausend-Welten-Kosmos“, der mich seit meinen Jugendjahren, als ich in die Science Fiction eintauchte, immer fasziniert hat. (Die Bilder stammen nicht aus „Traumlieder I“, sondern wurden von mir – Lichtschwert – eingefügt.)

In „Traumlieder I“ sind neben dreizehn SF-, Fantasy- und Horrorgeschichten von George R. R. Martin auch drei autobiographische Kapitel enthalten („Ein Vierfarb-Fanboy“, „Der schmutzige Profi“ und „Das Licht der fernen Sterne“) in denen sein Werdegang als Autor von seiner Jugend an sowie Bezüge zu den einzelnen Geschichten geschildert werden. Hier ist das letztere davon, in dem das kosmische Fernweh und der „sense of wonder“, der auch in Jef Costellos „Mein Kodex, Fortsetzung“ erwähnt wird, am besten zum Ausdruck kommt:

DAS LICHT DER FERNEN STERNE

Kommen wir zum Wesentlichen. Ich wurde in Bayonne, New Jersey, geboren, wuchs dort auf und kam nie woanders hin… jedenfalls nicht bis zum College.

Bayonne ist eine Halbinsel im Großraum New York, aber als ich dort aufwuchs, war es eine Welt für sich. Eine Industriestadt, beherrscht von Ölraffinerien und ihrem Flottenstützpunkt, ziemlich klein, drei Meilen lang und nur eine breit. Bayonne grenzt im Norden an Jersey City, ansonsten ist es von Wasser umgeben, der Newark Bay im Westen, der New York Bay im Osten, und der schmalen Meerenge, die beide verbindet, dem Kill van Kull im Süden. Große Ozeanfrachter fahren Tag und Nacht auf ihrem Weg von und nach Elizabeth und Port Newark durch den Kill.

Als ich vier Jahre alt war, zog meine Familie in die Neubausiedlung „The Projects“ auf der First Street, direkt vor die dunklen und schmutzigen Wasser des Kill. Jenseits des Kanals funkelten nachts die Lichter von Staten Island – weit weg und irgendwie magisch. Abgesehen von einem Zoobesuch auf Staten Island, alle drei, vier Jahre, überquerten wir den Kill nie.

Staten Island konnte man ganz leicht erreichen. Man musste nur über die Bayonne Bridge fahren, aber wir besaßen kein Auto, und meine Eltern hatten beide keinen Führerschein. Man kam auch mit der Fähre rüber. Die Anlegestelle war nur wenige Blocks von den Projects entfernt, direkt neben Uncle Miltys Kirmespark.

Wenn man bei Ebbe über die ölverschmierten Uferfelsen balancierte und sich um den Zaun herumhangelte, kam man in eine geheime kleine Bucht mit einem Grasrücken, nicht von der Fähre und auch nicht von der Straße aus einzusehen. Ich ging gern dorthin, saß mit einem Schokoriegel im Gras über dem Wasser, las ein paar Comicheftchen und sah den Fähre zu, wie sie zwischen Bayonne und Staten Island hin und her schipperten.

Die Schiffe waren ständig unterwegs. Wenn das eine einlief, war das nächste schon auf dem Weg nach drüben, und man traf sich in der Mitte des Kanals. Die Schiffahrtslinie unterhielt drei Fähren, die Deneb, die Altair und die Vega. Viel von ihrer Magie war der Tatsache geschuldet, dass sie alle nach Sternen benannt waren. Obwohl es zwischen den drei Fähren meines Wissens keinen Unterschied gab, war mir die Altair am liebsten. Vielleicht hatte das etwas mit Alarm im Weltall zu tun.

Nach dem Abendessen war es in unserer Wohnung manchmal eng und laut, auch wenn nur meine Eltern, meine beiden Schwestern und ich da waren. Wenn Freunde zu Besuch kamen, war die Küche voller Zigarettenrauch, und alle quatschten durcheinander. Manchmal zog ich mich in mein Zimmer zurück und schloss die Tür. Manchmal blieb ich im Wohnzimmer und sah mit meinen Schwestern fern. Manchmal ging ich auch nach draußen.

Auf der anderen Seite der Straße waren Brady’s Dock und ein langer, schmaler Park, der sich entlang des Kill van Kull erstreckte. Dort saß ich oft auf einer Bank und sah die großen Schiffe vorbeifahren, oder ich legte mich auf den Rücken ins Gras und sah zu den Sternen hinauf, die noch viel weiter weg waren als die Lichter von Staten Island. Selbst in den wärmsten, dunstigsten Sommernächten zogen mich die Sterne in ihren Bann. Orion war das erste Sternbild, das ich kennenlernte. Ich starrte auf seine zwei hellen Sterne, Rigel blau und Beteigeuze rot, und fragte mich, ob da oben auch jemand war, der zu mir heruntersah.

Fans schreiben oft von einem „sense of wonder“ und streiten sich darüber, wie er zu definieren sei. Für mich ist der sense of wonder das Gefühl, das mich überkam, als ich im Gras neben dem Kill van Kull lag und über das Licht der fernen Sterne sinnierte. Sie ließen mich immer ganz groß und ganz klein erscheinen. Es machte mich sehr traurig, aber gleichzeitig fühlte ich mich seltsam berührt und auch ein bißchen erhaben.

Die Science Fiction kann mir dieses Gefühl ebenfalls geben.

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