Kampfeinsatz-Tips von Andy McNab aus „Die Männer von Bravo Two Zero“

Ein Buchauszug von Cernunnos (Originalartikel hier)

Der ehemalige britische SAS-Soldat Andy McNab beschreibt in seinem Buch „Die Männer von Bravo Two Zero“ (Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 3-423-12281-1) seine Erlebnisse als Kommandant eines achtköpfigen SAS-Stoßtruppunternehmens im Irakkrieg von 1991. Das Ziel dieses Unternehmens war die Ortung und Zerstörung eines Überlandkabels nahe einer irakischen Hauptversorgungsroute sowie der mobilen Scud-Raketen Saddam Husseins.

Ich habe mir vor etlichen Jahren aus diesem Buch eine Anzahl von Praxistips für Kampfeinsätze und Überlebenssituationen herausdestilliert und in einer Liste von vierzehn Punkten zusammengeschrieben, die ich hier zunächst wiedergebe, ehe ich anschließend noch eine Darstellung eines Feuergefechts aus diesem Buch zitiere:

1) Einschätzung Sturmgewehr M16:
Besser als Enfield SA-80, leichter und sehr leicht zu reinigen und zu warten.
Gute, praktische Waffe, alles ist schlicht und einfach, keine kleinen Teile, die hervorstehen oder verlorengehen können. Keine Teile, die leicht Rost ansetzen.
Sehr leiser Sicherungshebel, die Sicherung ist sehr einfach und kann mit dem Daumen betätigt werden (im Gegensatz zum SA-80, wo das mit dem Abzugsfinger geschieht, was nach McNabs Einschätzung Wahnsinn ist).

2) Gewehrriemen
McNabs Trupp hatte keine Trageriemen an den M16. Begründung: Ein Riemen ist für die Trageweise über der Schulter, was im Einsatz nicht angebracht ist. Auf Streife wird die Waffe mit beiden Händen gehalten, den Kolben an der Schulter.
Diese Praxis wird durch Peter MacDonalds „SAS im Einsatz“ bestätigt; auf den Fotos sind keine Riemen an den M16 und SA-80. Der australische SAS verwendet ebenfalls keine Riemen, Spetsnaz und Navy-SEALS aber schon.

3) Magazine:
Bei McNabs Einsatz im Irak führte jeder Schütze zehn 30er-Magazine mit, fertig geladen mit je 29 Schuß (= insgesamt 290). Die Magazine sind genauso wichtig wie die Waffe selbst, denn wenn die Federn die Patronen nicht in Position drücken, kann der Verschluß sie nicht richtig in den Lauf einführen. Das Magazin des Armalite M16 faßt normalerweise 30 Patronen, aber es es ist sicherer, sie nur mit 29 zu bestücken, damit die Federn etwas mehr Druck auf die Patronen ausüben und auch weniger leicht erlahmen. Es ist leichter und schneller, ein leeres Magazin gegen ein neues auszutauschen, als eine Ladehemmung zu beheben.

4) Gürtelbestückung:
Munition und Grundstock an Überlebensrationen (Wasser, Essen, Erste-Hilfe-Ausrüstung) am Gürtel, der im Einsatz nur abgelegt wird, wenn es unbedingt sein muß; selbst dann darf er höchstens eine Armlänge entfernt liegen.
Nachts in Körpernähe halten; falls man ihn überhaupt ablegt, schläft man darauf. Das gleiche gilt für die Waffen.

5) Anfertigung von Tarnmaterial:
Jute-Quadrate, ca. 2 x 2 m, mit Maschinenöl eindrecken, in eine Schlammlacke legen und mit einer Bürste bearbeiten, wenden und Prozedur wiederholen.
Ausschütteln, trocknen lassen, fertig.

6) Messerattacken auf Wachtposten:
Die Chance, mit einem glatten Stich ins Herz zu treffen, ist sehr gering und nicht einmal den Versuch wert. Vielleicht hat der Gegner einen dicken Mantel an und trägt noch Tarnzeug darunter. Und wenn man ihm die Halsschlagader durchtrennt, hört man immer noch eine volle Minute das Schreien.
In Wirklichkeit muß man den Kopf zurückreißen wie bei einem Schaf und so weit schneiden, bis die Luftröhre durchtrennt ist und der Kopf fast abfällt. So kann das Opfer nicht mehr atmen oder schreien.

7) Körper-T:
K.O.-Trefferzone; imaginäre Linie von einer Schläfe zur anderen über die Augenbrauen und von dieser Linie abwärts durch die Gesichtsmitte vom Nasensattel bis zum Brustbein. Wenn man irgendwo um dieses „T“ herum mit einer Schußwaffe trifft, fällt der Mann. [Dazu wird wohl ein Gewehr erforderlich sein; bei Faustfeuerwaffen dürfte von einer weniger sicheren oder schnellen Wirkung auszugehen sein.]

8) Bewegung auf Streife:
Kein Gerenne und keine Hast! Körperkonturen, Aufglänzen, Schatten, Silhouetten, Bewegung und Geräusche sind verräterisch. Eine langsame Bewegung ist leise und fällt nicht so leicht ins Auge. Daher bewegt man sich auf Streife immer sehr langsam. Wenn man rennt und hinfällt und sich verletzt, reißt man alle anderen mit rein.
Man muß sich immer wieder fragen: Was wäre wenn? Angriff von vorne, hinten, links, rechts? Wo wäre eine Deckung, wo eine gute Stelle für einen Hinterhalt? Wo war der letzte Nottreffpunkt? Wer ist hinter mir?
Immer Kontakt mit den anderen halten, abgesehen davon alles rundum im Auge behalten und auf alle Geräusche achten.

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Wie Israel sich die Atombombe erschwindelte

Von C. F. Robinson, übersetzt von Lucifex. Das Original How Israel Swindled Its Way to an Atomic Bomb erschien am 20. April 2017 auf Counter-Currents Publishing.

Roger J. Mattson

Stealing the Atom Bomb: How Denial and Deception Armed Israel

CreateSpace, 2016

Es wird viel über die Weiterverbreitung von „Massenvernichtungswaffen“ im ganzen Nahen Osten geredet. Die Mainstream-Medien haben seit den 1980ern wegen des Nuklearwaffenprogramms des Iran Alarm geschlagen (und doch ist keine iranische Bombe aufgetaucht). Der angebliche Zweck des Irakkriegs war die Eliminierung der Programme für nukleare, biologische und chemische Waffen, von denen fälschlich behauptet wurde, daß der Irak sie hätte. Um seine Rivalen von der Entwicklung einer Bombe abzuhalten, griff Israel 1981 Atomeinrichtungen im Irak und 2007 in Syrien an. Frei nach Jean-Paul Sartre: Israel ist krank vor Furcht, sie fürchten sich vor dem Schatten ihrer eigenen gestohlenen Bombe. Wie sie die Atombombe stahlen, wird detailliert in Roger J. Mattsons Buch Stealing the Atom Bomb: How Denial and Deception Armed Israel von 2016 beschrieben.

So funktionierte der Schwindel: Israel bekam seine erste Nukleartechnologie durch das naive Programm Atoms for Peace der Eisenhower-Regierung. Diese Geldverschwendung wurde benutzt, um den Reaktor Nahal Soreq zu errichten, der 1960 in Betrieb ging. Verglichen mit anderen Reaktoren war Nahal Soreq kleiner, weniger leistungsfähig und unter der Bedingung gebaut, daß er nicht für die Waffenherstellung verwendet würde, aber er brachte Israel auf den Weg dazu, eine voll nuklearfähige Nation zu werden.

Nachdem sie Nahal Soreq betriebsfähig gemacht hatten, erwarben die Israelis von den Franzosen einen weiteren Reaktor, der waffenfähiges Material produzieren konnte. Die Franzosen waren so verärgert darüber, daß die Amerikaner während der Krise um den Suezkanal die Partei Ägyptens ergriffen hatten, daß sie ihr eigenes Nuklearprogramm beschleunigten und in der Negev-Wüste, beim Dorf Dimona, gehässig einen Reaktor bauten, der zur Herstellung von waffenfähigem Plutonium fähig war.[1] Diese French connection [2] mit Israel war entscheidend: die Atombombenkonstruktion der Israelis beruhte auf der Bombe, die die französische Regierung 1960 nahe Reggane in Algerien getestet hatte.[3]

Jedoch verschafften Atoms for Peace und die French connection Israel bloß ein teilweises Nuklearprogramm. Die Israelis brauchten immer noch große Mengen von hoch angereichertem Uran (HEU). Mattson zeigt, wie sie dieses Material durch eine windige Firma namens Nuclear Materials and Equipment Corporation (NUMEC) bekamen. Diese Firma wurde 1957 gegründet und nahe Pittsburg in Apollo, Pennsylvania, angesiedelt. Stealing the Bomb macht klar, daß der ganze Zweck von NUMEC darin bestand, HEU nach Israel zu schaffen. Die Tatsache, daß NUMEC HEU an andere Kunden lieferte, einschließlich der United States Navy, war bloß eine Tarnung für Israels eigene Ziele. Die Gründer von NUMEC waren eine Gruppe von Juden, von denen zwei eine bedeutende Rolle in dieser Geschichte spielen. Der erste ist der Investor David Lowenthal (192 – 2006). Der zweite, Zalman Shapiro (1920 – 2016), war einer von Lowenthals Nachbarn in Pittsburg, und er war für den laufenden Betrieb von NUMEC verantwortlich.

Das NUMEC-Werk

Während eine Gruppe jüdischer Finanziers, die von Lowenthal organisiert wurde, das Werk errichtete und zum Laufen brachte, erhielten die Manager von NUMEC ihr Kapital großteils von anderen – spezifisch von örtlichen Banken. NUMEC erhielt viel Fremdkapital durch Kredite der Mellon National Bank und der Pittsburg National Bank.[4]

Es ist sehr wahrscheinlich, daß NUMEC sofort nach Betriebsbeginn damit begann, HEU für Israel abzuzweigen. Jedoch bemerkte die Atomenergiekommission das Ausmaß des Verlustes erst 1965. Die Leichtigkeit des Diebstahls wurde durch die Tatsache ermöglicht, daß HEU in kleinen Mengen verpackt und gelagert werden muß. Dieses Verpackungserfordernis ist notwendig, weil zu viel HEU, das in der richtigen Geometrie zusammen gelagert wird, einen „Kritikalitätsunfall“ bewirken kann, wo Neutronen in Mengen freigesetzt werden, die ausreichen, um Menschen in der unmittelbaren Nähe zu töten.[5] Wenn es jedoch richtig abgepackt wird, ist die Strahlung von HEU keine Bedrohung, und gleichermaßen wird es aufgrund seiner Kleinheit leicht, es an einem Wächter vorbeizubekommen.

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Warum Araber Kriege verlieren

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Von Norvell B. DeAtkine, übersetzt von Deep Roots.

Das Original Why Arabs Lose Wars erschien erstmals im Dezember 1999 in „Middle East Quarterly“, hier wiedergegeben aus „American Diplomacy“

Vorwort der Redaktion:

Der Autor, ein pensionierter Colonel der U.S. Army, schöpft aus vielen Jahren der persönlichen Beobachtung von Arabern im Training, um zu Schlußfolgerungen über die Art zu kommen, wie sie in den Kampf ziehen. Seine Befunde leiten sich aus persönlicher Erfahrung mit arabischen Militäreinrichtungen als U.S.-Militärattaché und Sicherheitsberatungsoffizier, beobachtender Offizier bei den von britischen Offizieren geführten Trucial Oman Scouts (der Sicherheitsstreitmacht in den Emiraten vor der Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate) ab sowie von etwa dreißig Jahren des Studiums des Nahen Ostens.

WARUM ARABER KRIEGE VERLIEREN

Kämpfen, wie man trainiert, und die Auswirkung der Kultur auf arabische militärische Effektivität

ARABISCHSPRACHIGE ARMEEN sind in der Moderne allgemein ineffektiv gewesen. Reguläre ägyptische Streitkräfte schnitten in den 1960ern schlecht ab gegen jemenitische Irreguläre. Die Syrer konnten Mitte der 1970er nur durch den Einsatz überwältigender waffen- und zahlenmäßiger Überlegenheit ihren Willen im Libanon durchsetzen. Die Iraker erwiesen sich in den 1980ern als unfähig gegen ein von revolutionärem Aufruhr zerrissenes iranisches Militär und konnten einen drei Jahrzehnte dauernden Krieg gegen die Kurden nicht gewinnen. Die arabische militärische Leistung auf beiden Seiten des Kuwait-Krieges von 1990 war mittelmäßig. Und die Araber haben in nahezu allen militärischen Konfrontationen mit Israel schlecht abgeschnitten. Warum diese nicht eben beeindruckende Leistungsbilanz? Es gibt viele Faktoren – wirtschaftliche, ideologische, technische – aber der vielleicht wichtigste hat mit der Kultur und gewissen gesellschaftlichen Attributen zu tun, die Araber daran hindern, eine effektive militärische Macht hervorzubringen.

Falsche Anfänge

Der Einbeziehung der Kultur in strategische Einschätzungen in der Vergangenheit muß ein Armutszeugnis ausgestellt werden, denn sie ist oft aus einem hässlichen Gebräu aus Unwissenheit, Wunschdenken und Mythologie zusammengesponnen worden. So hat die U.S. Army in den 1930ern den japanischen Nationalcharakter als arm an Originalität eingeschätzt und daraus die unbegründete Schlußfolgerung gezogen, daß dieses Land technologisch permanent im Nachteil sein würde. Hitler tat die Vereinigten Staaten als Bastardgesellschaft ab und unterschätzte infolgedessen die Auswirkung von Amerikas Eintritt in den Krieg. Amerikanische Strategen nahmen an, daß die Schmerzgrenze der Nordvietnamesen nahe an unserer eigenen läge und daß das Luftbombardement des Nordens diesen in die Knie zwingen würde. Man dachte, daß drei Tage an Luftangriffen alles seien, was die Serben aushalten konnten; in Wirklichkeit wurden achtundsiebzig Tage benötigt.

Wie die Beispiele nahelegen, tendiert die Berücksichtigung der Kultur bei der Kalkulation der relativen Stärken und Schwächen gegnerischer Kräfte dazu, zu wilden Verzerrungen zu verleiten, besonders wenn es darum geht zu verstehen, warum Staaten, die nicht für den Krieg vorbereitet sind, voller Selbstvertrauen in den Kampf ziehen. Es besteht die Versuchung, dem feindlichen Staat kulturelle Attribute zuzuschreiben, die seine zahlen- oder waffenmäßige Überlegenheit negieren. Oder das Gegenteil: den potentiellen Feind durch das Prisma der eigenen kulturellen Normen zu sehen.

Es ist besonders gefährlich, oberflächliche Annahmen über Fähigkeiten in der Kriegführung zu treffen, die auf vergangenen Leistungen beruhen, denn Gesellschaften entwickeln sich, und die militärische Subkultur entwickelt sich mit ihnen. Die jämmerliche französische Leistung im deutsch-französischen Krieg von 1870 verleitete das deutsche Oberkommando vor dem Ersten Weltkrieg zu einer übermäßig optimistischen Einschätzung. Dann verleiteten die Zähigkeit und der Mut der französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg jeden von Winston Churchill bis zum deutschen Oberkommando dazu, die Kampffähigkeiten der französischen Armee weit zu überschätzen. Die israelischen Generäle unterschätzten die ägyptische Armee von 1973 auf der Grundlage der unglücklichen Leistung der Ägypter im Krieg von 1967.

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Allahs Uhren gehen anders

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In dieser Form ursprünglich von Deep Roots auf Basis zweier Artikel in einem alten MERIAN-Heft zusammengestellt und auf „As der Schwerter“ veröffentlicht.

Heute bringe ich wieder einen Artikel aus demselben MERIAN-Heft „Arabien“ von 1981, aus dem ich auch Wilfred Thesiger bei den Beduinen übernommen habe. Zwar ist auch dieser mittlerweile schon 30 Jahre alte Beitrag von einem Araberversteher geschrieben, aber er bietet ebenfalls Einblicke in die Kultur der Araber, die auch für uns interessante Erkenntnisse bringen. Anschließend füge ich als Ergänzung zu einem bestimmten Punkt aus Arnold Hottingers „Allahs Uhren gehen anders“ noch einen weiteren kurzen Artikel aus demselben Heft an, bevor ich ein paar eigene Gedanken dazu präsentiere.

 

ALLAHS UHREN GEHEN ANDERS

von Arnold Hottinger.

Die Gegensätze zwischen dem vom Islam geprägten Kulturbereich Arabien und der westlichen Welt sind groß. Es ist nicht nur das ganz andere Verhältnis zur Zeit, das trennt. Anders ist auch die Beziehung zur Arbeit, zur Technik, zur Gesellschaft, zur Geschichte. Der Import westlicher Technologie bedeutet eine geistig-soziale Sprengkraft für Arabien.

Mitten in der Nacht ist der Autobus zwischen Hudaida und Ta’izz stehengeblieben. Der Motor will nicht mehr. Viele Frauen haben kleine Kinder bei sich, betten sie auf einer Decke oder auf Kleidungsstücken zum Schlaf. Einige Frauen setzen ihren Primuskocher in Gang und beginnen, Reis zuzubereiten. Keiner stellt eine Frage, warum der Motor nicht mehr laufen will, was jetzt geschehen sollte, wer denn eigentlich schuld an der Sache sei, mit wieviel Verspätung man nun wohl in Ta’izz eintreffen werde. Man nimmt ruhig auf der Erde Platz. Etwas wird schon geschehen. Und wirklich, nach einigen vergeblichen Versuchen, den Motor doch wieder zum Laufen zu bringen, zeigt der Busfahrer auf ein fernes Licht, das auf einem Hügel glimmt. Das sei ein Polizeiposten, sagt er, er werde jetzt von dort aus telefonieren und macht sich auf den Weg,

Nach einer knappen Stunde kommt er zurück. Ob er telefoniert habe? Ja, gewiß! Die Nachricht wandert von einem zum anderen. „Er hat mit Ta’izz telefoniert.“ Nur die einzige europäische Frau, die mit dabei ist, will mehr wissen. „Du mußt ihn fragen,“ sagt sie zu ihrem Mann, „was sie in Ta’izz geantwortet haben.“ Der will nicht recht, doch seine Frau läßt nicht locker. Er geht auf den Fahrer zu, der es sich inzwischen auch auf der Erde bequem gemacht hat. „Du hat also telefoniert?“

„Ja, natürlich!“

„Nach Ta’izz?“

„Ja, nach Ta’izz, mit unserem Büro!“

„Und was haben sie dort gesagt?“

„Nichts!“

„Nichts? Wieso nichts?“

„Natürlich nichts, das Büro ist geschlossen, schließlich ist Nacht!“

„Aber du hast doch gesagt, du hättest telefoniert!“

„Hab’ ich auch. Es hat geläutet, aber natürlich hat niemand abgehoben.“

„Du hättest in Geduld warten können, wie alle anderen auch“, sagt vorwurfsvoll der Mann zu seiner Frau. „Er hat sich ja sogar die Mühe gemacht, zu telefonieren.“

Ein anderes Verhältnis zur Zeit? Gewiß. Doch die Zeit ist nur eine Dimension; auch zum Raum, zu den Menschen, zu allen Geschehnissen, Phänomenen, zum Leben – und Sterben natürlich gibt es eine andere Beziehung. Letzten Endes handelt es sich um ein ganz anderes Verhältnis zu Gott.

Stärker als gelehrte Orientalisten hat Hugo von Hofmannsthal das gespürt, als er sein Vorwort zu den Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht schrieb. „Wir bewegen uns aus der höchsten in die niedrigste Welt, vom Kalifen zum Barbier, vom armseligen Fischer zum fürstlichen Kaufherrn, und es ist eine Menschlichkeit, die mit breiter, leichter Woge uns hebt und trägt; wir sind unter Geistern und Zauberern, unter Dämonen und fühlen uns wiederum zu Hause.“

Die Sinnlichkeit in diesem „Gedicht“ sei, „was das Licht in den Bildern von Rembrandt, was die Farbe auf den Tafeln Tizians“ ist; sie verletze nie, weil sie immer auf etwas anderes hindeute, das über ihr steht, sogar wenn „eine laszive Gebärde, ein frecher Griff nach der Schüssel, ein gieriges Fressen köstlicher Speisen, eine brutale Züchtigung, eine fast tierische Regung von Furcht und Gier“ ausgedrückt werden. Hofmannsthal schildert dann unvergeßlich am Beispiel einer Geschichte, wie es dem arabischen Erzähler gelingt, ja wie er gar nicht anders kann, als zu zeigen, daß „eine Gegenwart Gottes über allen diesen sinnlichen Dingen liegt, die unbeschreiblich ist… Da ist in der Geschichte von Ali Schar und der treuen Zumurrud ein Augenblick, den ich nicht für irgendeine erhabene Stelle unserer ehrwürdigsten Bücher tauschen möchte. Und es ist fast nichts. Der Liebende will seine Geliebte befreien, die ein böser alter Geist ihm gestohlen hat. Er ist um Mitternacht unter dem Fenster, ein Zeichen ist verabredet. Da überfällt ihn so ungelegen wie unwiderstehlich, als hätte das Geschick aus dem Dunkel ihn lähmend angehaucht, ein bleierner Schlaf. ‚Doch da überfiel ihn die Schläfrigkeit’, heißt es, ‚und er schlief ein – herrlich ist Er, der nimmer schläft!’ Ich weiß nicht, welchen Zug aus Homer oder Dante ich neben diese Zeilen stellen möchte: so aus dem Nichts in ein wirres Abenteuer hinein das Gefühl Gottes aufgehen zu lassen wie den Mond, wenn es über den Rand des Himmels heraufkommt. Noch das böse Tun, das böse Geschehen umgaukelt es mit unendlicher Heiterkeit. Ein riesenhafter Kurde, der grausamste, schändlichste Räuber, gerät in die Straße, sieht den Schlafenden, erlauscht die Harrende; er klatscht aufs Geratewohl in die Hände, die schöne Zumurrud läßt sich auf seine Schultern hinab, und er galoppiert dahin, die schöne leichte Last tragend, als wäre sie nichts. Sie wundert sich über seine Kraft. Ist dies Ali Schar? fragt sie sich. ‚Die Alte sagte mir doch, du seiest schwach vor Krankheit um meinetwillen; aber siehe da, jetzt bist du stärker als ein Roß.’ Und er galoppiert dahin, und sie wird ängstlicher; und da er ihr nicht antwortet, fährt sie ihm mit der Hand ins Gesicht: ‚und sie fühlt seinen Bart, dem Palmbesen gleich, den man im Badhaus benutzt; als wäre er ein Schwein, das Federn verschluckt hat, deren Enden ihm wieder zum Halse herausgekommen sind.’ Es ist frevelhaft, das einzelne so herauszureißen – aber diese Situation, diese Erwägung, dies Nachdenken der Schönen, während sie durch die Nacht hinsaust auf den Schultern des wüsten Räubers, dieser Augenblick der Entdeckung und dies unglaubliche Gleichnis, das uns mit eins in den hellen Tag, ins Gehöft hinausweist und das man nicht vergißt.“

Hinzugefügt werden muß, was Hofmannsthal ausläßt, wie der Erzähler die weitere Reaktion der schönen, klugen, sonst so findigen Zumurrud beschreibt, nämlich: „Sie erkannte, daß das Schicksal ihr Herr geworden war und daß ihr kein Ausweg blieb, als ihre Sache Allah dem Erhabenen anheimzustellen. So faßte sie sich denn in Geduld, ergab sich in den Willen Allahs des Erhabenen und sprach: ‚Es gibt keinen Gott außer Allah! Sooft wir von einem Kummer befreit werden, verfallen wir in einen noch schlimmeren.’“

Was hat das nun mit dem eingangs geschilderten Vorfall zu tun, mit der leeren Geste des Telefonierens, die befriedigt hingenommen wird, weil sie gemacht worden ist, obgleich sie überhaupt nichts bewirkte? Man läßt sich leben, fließen, tragen vom Strom der Ereignisse, man will sie nicht beherrschen. Ausnützen schon, wo etwas benützt werden kann; aber nicht: bereitstellen, konstruieren, erzwingen, disponieren. Von Planen spricht man zwar gern, und die Entwicklungspläne sind auch hier politische Mode geworden. Aber Planen ist mehr eine Beschwörung. Man spricht Ziele an und erwartet dann, auf sie hingetragen zu werden, indem man sich dem von Gott bestimmten Fluß des Geschehens anvertraut.

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Wilfred Thesiger bei den Beduinen

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[In dieser Form ursprünglich veröffentlicht von Deep Roots auf „As der Schwerter“. Bildauswahl von Deep Roots.]

Heute bringe ich keine Übersetzung, sondern eine „Abschreibeübung“, nämlich Auszüge aus dem Reisebericht des britischen Kolonialbeamten Wilfred Thesiger, der auf der Suche nach den Brutstätten der Wanderheuschrecken 1948-52 zweimal die gefürchteten „Empty Quarters“, das „Leere Viertel“ der großen arabischen Sandwüste durchquerte. Thesiger ist zwar ein Araberversteher, dessen Werturteile uns teilweise gegen den Strich gehen werden (das müssen wir halt „aushalten“), aber seine Schilderungen bieten uns von „unverdächtiger“ Seite Eindrücke davon, wie anders die Wüstenaraber sind, wie sehr ihre in Jahrtausenden evolutionär geprägten Wesenszüge und Wertmaßstäbe sie in kaum veränderbarer Weise von uns unterscheiden, und zeigen uns, daß man sie auf Gebieten, von denen sie etwas verstehen, bestimmt nicht unterschätzen darf.

Und gegenüber den Zukunftsprognosen, die Thesiger in seinen letzten Absätzen äußert, sieht unsere heutige Wirklichkeit, mehr als ein halbes Jahrhundert später, doch sehr anders, sogar konträr aus. Aber lassen wir ihn nun erzählen:

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 BEI DEN BEDUINEN, von Wilfred Thesiger

Den Brunnen Shisur hatten wir vor acht Tagen verlassen, und unser Wasservorrat war vor 24 Stunden zu Ende gegangen. Wir befanden uns in der Nähe von Bir Hanu, dem „Süßen Brunnen“, als wir an einer Stelle, wo vor einigen Monaten Regen gefallen war, auf Büsche von gelbblühenden Tribulus stießen. Nachdem unsere Kamele eine Zeitlang geweidet hatten, schlug ich vor, wir sollten weiter zum Brunnen ziehen, denn ich hatte Durst. Schließlich brachen Tamtaim, Sultan und Musallim mit mir auf. Die anderen sagten, sie kämen später nach, wenn ihre Kamele satt seien. Am Brunnen angekommen, sattelten wir unsere Kamele ab, tränkten sie und ließen uns dann in der Nähe des Brunnens nieder. Noch hatte keiner von uns getrunken. Ich wollte nicht ungeduldig erscheinen, aber schließlich schlug ich vor, daß wir trinken sollten. Sultan reichte mir eine Schale mit Wasser. Ich bot sie dem alten Tamtaim an, doch der meinte, ich solle nur trinken, er werde auf die anderen warten. Und er fügte hinzu, es sei nicht schicklich, wenn er trinke, ehe sie einträfen, seien sie doch seine Reisegefährten. Ich hatte bereits gelernt, daß ein Bedu seinen Gefährten niemals etwas voraus haben will und daß er daher niemals in ihrer Abwesenheit ißt, aber diese Enthaltsamkeit schien mir übertrieben. Die anderen kamen erst fünf Stunden später. Und ich war schon recht verzweifelt und sehr durstig. Zufälligerweise schmeckte das Wasser, das wunderbar kühl und klar aussah, als sei es mit einer starken Dosis Bittersalz versetzt. Ich nahm einen großen Schluck und spuckte es unwillkürlich wieder aus. Das war meine erste Erfahrung mit dem Wasser von al-Rimal, den Großen Sanden.

Plötzlich ließ der Wachtposten auf dem Hang einen Warnruf ertönen. Wir ergriffen unsere Gewehre, die wir stets zur Hand hatten, und gingen um den Brunnen in Stellung. Die Kamele wurden rasch hinter dem Felsrücken versammelt. In der Ferne konnten wir Reiter näherkommen sehen. Jeder Fremde gilt hier als Feind, solange er nicht seine friedlichen Absichten zu erkennen gibt. Wir feuerten zwei Schüsse in die Luft. Die Reiter kamen unbeirrt näher, schwenkten ihre Kopftücher, und einer von ihnen sprang von seinem Kamel und warf eine Handvoll Sand in die Luft. Wir ließen die Gewehre sinken, und einer sagte: „Es sind Raschid – ich kann Bin Shuwas’ Kamel erkennen.“ Die Bedu erkennen Kamele, noch ehe sie einen Menschen erkennen können.

Die Reiter waren nun ganz nahe gekommen. Die Bait Kathir konnten die einzelnen beim Namen nennen. „Das ist Bin Shuwas.“ „Das ist Mahsin.“ „Das ist al-Auf.“ „Das sind Bin Kabina und Amair und Sa’du und Bin Mautlauq.“ Es waren sieben Raschid. Wir stellten uns in einer Reihe auf, um sie zu empfangen. Dreißig Meter vor uns brachten sie ihre Kamele zum Stehen, ließen sie durch einen Schlag auf den Hals in die Knie gehen, saßen ab und kamen auf uns zu. Mahsin, den ich an seinem Hinkebein erkannte, rief: „Salam Alaikum.“ Und wir antworteten im Chor: „Alaikum al-Salam.“ Dann kamen sie im Gänsemarsch an uns vorüber und begrüßten jeden mit dem dreifachen Nasenkuß, wobei die Nase die des anderen rechts, links und noch einmal rechts berührt, und stellten sich uns gegenüber auf. Tamtaim sagte zu mir: „Frage sie nach Neuigkeiten.“ Ich aber antwortete: „Nein, tu du das. Du bist der Älteste.“ Tamtaim rief: „Was habt ihr Neues zu berichten?“ Mahsin antwortete: „Nur Gutes.“ Wieder fragte Tamtaim: „Ist einer gestorben? Ist einer fortgegangen?“ Sofort kam die Antwort: „Nein! Sag so etwas nicht!“ Frage und Antwort waren so unveränderlich wie die des Wechselgesanges einer Litanei. Ganz gleich, was sich tatsächlich ereignet hatte, sie änderten sich nie. Die Ankömmlinge hätten mit Räubern gekämpft, die Hälfte ihrer Leute verloren und noch immer nicht bestattet haben können, ihre Kamele hätten geraubt, jederlei Unglück, Hunger, Durst oder Krankheit hätte sie getroffen haben können, und doch hätten sie bei dieser ersten offiziellen Begrüßung niemals etwas anderes gesagt als: „Nur Gutes.“ Nun kehrte sie zu ihren Kamelen zurück, nahmen die Sättel ab, banden die Vorderbeine zusammen und ließen die Tiere laufen. Inzwischen hatten wir Teppiche für sie ausgebreitet, und Tamtaim rief Bin Anauf zu, er möge Kaffee bereiten. Als dies geschehen war, stellte Musallim vor jeden der Männer eine Schale mit Datteln, schenkte stehend den Kaffee aus und reichte Mahsin und den anderen in der Reihenfolge ihres Ansehens den Kaffee. Sie tranken, aßen Datteln und bekamen neuen Kaffee. Nun endlich sollten wir ihre Neuigkeiten erfahren.

Das Gesetz der Blutrache

Dann erzählte Bin Mautlauq von dem Überfall, bei dem der junge Sahail getötet worden war. Er und 14 seiner Gefährten waren auf eine kleine Herde Sai’ar-Kamele gestoßen. Ehe der Hirte auf dem schnellsten seiner Kamele floh, hatte er zwei Schüsse abgefeuert, und einer davon hatte Sahail in die Brust getroffen. Bakhit hielt den sterbenden Sohn im Arm, als sie mit sieben Beutekamelen wieder über die Ebene zurückritten. Sahail war am späten Nachmittag verwundet worden, und er lebte noch bis beinahe zum Sonnenuntergang. Er bat um Wasser, das sie nicht hatten. Sie ritten die ganze Nacht hindurch, um den Verfolgern zu entfliehen. Bei Sonnenaufgang kamen sie in ein flaches Tal, in dem ein paar Angehörige der Sai’ar unter einem Baum lagerten. Eine Frau stampfte Butter in einer Tierhaut, ein Knabe und ein Mädchen melkten die Ziegen. Unter dem Baum saßen ein paar kleine Kinder. Der Knabe sah die Reiter als erster und versuchte zu entfliehen, doch sie holten ihn auf einem niederen Felshang ein. Er war etwa 14 Jahre alt, ein wenig jünger als Sahail und unbewaffnet. Als sie ihn umzingelten, steckte er zum Zeichen der Kapitulation seine Daumen in den Mund und bat um Gnade. Keiner antwortete. Bakhit stieg aus dem Sattel, zog seinen Dolch und jagte ihn dem Knaben in die Rippen. Der Knabe brach zu seinen Füßen zusammen und stöhnte: „O mein Vater! O mein Vater!“ Bakhit blieb vor ihm stehen, bis er gestorben war, und stieg wieder in den Sattel. Sein Kummer war durch den Mord, den er gerade begangen hatte, ein wenig gelindert worden. Während Bin Mautlauq erzählte und mit glühenden, geröteten Augen über die Ebene starrte, sah ich die Szene in grauenhafter Deutlichkeit vor mir: die kleine langhaarige Gestalt im weißen Lendentuch zusammengekrümmt auf dem Boden, die immer größer werdende Blutlache, die begierigen Fliegen, das verzweifelte Klagen der dunkelgekleideten Frauen, die verschreckten Kinder, das schrille, unaufhörliche Geschrei eines Säuglings.

Auf dem ganzen Ritt verfolgte mich der Gedanke an das ermordete Kind, während die Araber um mich her sich zu schwätzenden Gruppen zusammenschlossen und wieder auflösten und dabei aufmerksam in die Runde spähten. Wenn die Sai’ar uns überfielen, hatte jeder einzelne meiner Begleiter sein Leben verwirkt. So gnadenlos das uralte Gesetz des Auge-um Auge und Zahn-um-Zahn auch sein mochte, ich war mir doch klar, daß es bei einem Volk, das keiner höheren Autorität unterstand und ein Menschenleben gering achtete, das einzige Mittel war, um schrankenloses Blutvergießen zu verhindern. Denn niemand wird seine ganze Familie oder seinen Stamm leichtfertig einer Blutfehde aussetzen.

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Die seltsame Zivilisation

Von Fjordman. (Original: The Curious Civilization, Gates of Vienna 21. März 2011). Übersetzung: Lucifex.

Der angesehene Wissenschaftler Toby E. Huff veröffentliche Ende 2010 sein Buch Intellectual Curiosity and the Scientific Revolution: A Global Perspective, das mich zu diesem Essay inspirierte. Er war auch der Autor des modernen Klassikers The Rise of Early Moden Science: Islam, China and the West.

Als der chinesenfreundliche englische Wissenschaftler Joseph Needham die Geschichte der Wissenschaft unter den Chinesen recherchierte, war er schließlich zur Schlussfolgerung gezwungen, dass man „kaum von einer entwickelten Wissenschaft der Physik“ in China vor dem neuzeitlichen Kontakt mit Europäern sprechen kann. Ihm fehlten die systematischen Denker, auf die man in der Geschichte der Mechanik im mittelalterlichen Europa stößt, wo es eine etablierte Tradition der Diskussion über Aristoteles’ Vorstellungen zur Bewegung gab. Darunter sind Namen wie Philoponus, Buridan, Bradwardine und Oresme, die alle zu Entwicklungen beitrugen, die ihren Höhepunkt in Galileos Werk fanden. In China gab es keinen Galileo und auch keine Kepler’schen Gesetze der Himmelsbewegungen, die die Grundlage für Newtons große Synthese bildeten.

1-dunhuangchinesesky  Die kosmologische Sichtweise der Chinesen verband die Erde und vor allem die königliche Familie in organischer Weise mit dem Himmel und der spirituellen Welt. Das Fehlverhalten von Beamten und besonders des Kaisers selbst konnte Hungersnöte, Erdbeben, Dürren oder andere Naturkatastrophen zur Folge haben, weil sie das Missfallen der spirituellen Welt erregt hatten. In ähnlicher Weise wurden Anomalien am Himmel als Vorzeichen der Zukunft aufgefasst und konnten zukünftige Ereignisse vorhersagen, die nur dem Kaiser bekannt sein sollten. Aus diesem Grund gab es im kaiserlichen China eine starke Tendenz, die Himmelsbeobachtung unter dem Schleier der Geheimhaltung auf die offizielle Bürokratie beschränkt zu halten.

Die chinesische astronomische Theorie war verglichen mit jener der alten Griechen nie sehr hoch entwickelt, ganz zu schweigen von jener, die sich nach der wissenschaftlichen Revolution im modernen Europa entwickelte, aber auf streng praktischer Ebene hatten sie eine reiche Tradition der Himmelsbeobachtung, die direkt mit der Erstellung von Kalendern verbunden war. Wie Huff fragt: warum hatte die Ankunft des Teleskops mit den jesuitischen Astronomen nicht dieselbe befruchtende Wirkung auf die wissenschaftliche Forschung wie in Europa?

2-jesuitastronomers  Die Zahl der von europäischen Astronomen präzise katalogisierten Sterne stieg durch den Gebrauch des Teleskops während des siebzehnten Jahrhunderts auf mehr als das Dreifache. Aber trotzdem westeuropäische Augengläser um das sechzehnte Jahrhundert in bedeutenden Mengen in den Nahen Osten und bis nach China exportiert worden waren, führten Asiaten mit solchen Gläsern keine Experimente durch, die zu ihrer eigenen Konstruktion von Teleskopen geführt hätten. Noch seltsamer ist, dass asiatische Nationen, nachdem sie in den 1600ern mit dem europäischen Teleskop bekanntgemacht worden waren, überraschend langsam dabei waren, es für die Gewinnung neuer astronomischer Einsichten zu verwenden. Huffs provokante Behauptung lautet, dass sie an etwas litten, das er ein Neugierdefizit gegenüber den Europäern nennt.

3-lenssalesman  Der Nahe Osten hatte eine sehr alte Tradition der Glasherstellung für dekorative Zwecke. Die Region hatte auch theoretische Studien optischer Phänomene hervorgebracht, die von altgriechischen Arbeiten inspiriert waren, welche jenen Ost-, Südost- oder Südasiens überlegen waren. Und doch leisteten die Moslems, nachdem sie mit europäischen Glaslinsen konfrontiert wurden, fast keine eigenen kreativen Beiträge. Abgesehen von einigem begrenztem Interesse an der Verwendung von Teleskopen für militärische Zwecke oder für Spionage gegen die Ungläubigen gab es in islamisch beherrschten Ländern wenig Reaktion auf dieses neue europäische Gerät:

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Israel müssen die Freuden der Bereicherung gebracht werden

Archiv des verbotenen Wissens

Nachdem inzwischen erwiesen ist, welch unglaubliche Bereicherung die Anwesenheit herzlicher Zuwanderer aus der Dritten Welt für uns Europäer darstellt, wäre es ungerecht, nicht alle Mühen auf sich zu nehmen, um auch die in Israel lebenden Juden in diesen Genuss kommen zu lassen. Daher: Offene Grenzen für Israel!

Unter anderem sind Facebook und Twitter Plattformen, die die Verbreitung dieser Forderung ermöglichen (auch dort kann man übrigens anonyme Konten mit Tor einrichten).

OpenBordersForIsrael-6 Menschen sind nicht derart unterschiedlich. Warum können wir nicht dieselben Rechte in Israel haben?

OpenBordersForIsrael-8 Der Multikulturalismus hat Europa unvergleichbar bereichert. Israel verdient dieselbe freudige Bereicherung.

OpenBordersForIsrael-9 The Times of Israels: „52% der israelischen Juden stimmen überein: afrikanische Zuwanderer sind ‚ein Krebsgeschwür'“ – „Rabbi fordert die Vernichtung der Araber“; The Jerusalem Post: „Yosef: Die Gojims existieren nur, um den Juden zu dienen“ –  Alle lieben und beschützen die Juden. Warum hassen die Juden alle anderen?

OpenBordersForIsrael-11 Als Mittelmeeranrainer ist es Israels Pflicht…

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Israel, das Diaspora-Judentum und wir

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Von Deep Roots und Osimandia, ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“.

Von Judeophilen wird oft das Argument angeführt, daß Israel unser Verbündeter sei, unser „Bollwerk gegen den Islam“, und daß wir es Israels konstantem Abwehrkampf gegen den moslemischen Dschihad verdanken würden, daß London, Paris, Berlin und Wien frei bleiben. Wenn wir Israel kritisieren, seien wir daher undankbar, heißt es von Seiten dieser Leute, und wir würden Israel dafür auch noch ins Gesicht spucken.

Sehen wir uns einmal die Routen an, auf denen Moslems nach Europa kommen:

– von Marokko aus zu den Kanarischen Inseln, über die Straße von Gibraltar oder zu den Balearen;

– von Tunesien und Libyen aus nach Lampedusa, Linosa, Pantelleria oder Sizilien (siehe dazu auch Heerlager der Heiligen: Eine Strategie für die Kapitulation von Baron Bodissey);

– von der Türkei aus mit dem Boot zu nahegelegenen  griechischen Inseln, wo sie die geplagten Einwohner zur Verzweiflung bringen, bis sie aufs griechische Festland transportiert werden, oder über den Grenzfluß Evros nach Griechenland, von wo sie per Autostopp (oder mit eigens präparierten Lastwagen und Bussen) über den Balkan nach Österreich und in andere EU-Länder weiterreisen, oder sich auch von türkischen Fischkuttern aus dem Golf von Patras an die italienische Küste bringen lassen (Lesetip: Südländer mit Europa-einfach-Ticket aus der Weltwoche);

– per Linienflug aus dem Libanon (z. B. angeblich „unbegleitete“ Palästinenserkinder, die man dann aus rechtlichen Gründen im Land behalten muß) oder aus Pakistan oder sonstigen islamischen Ländern (aus Großbritannien fliegen jedes Jahr etwa 400.000 Pakis über die Ferien nach Pakistan, damit die Kinder die Herkunftskultur kennenlernen und nicht zu verwestlicht werden)

– etc.

Keinen dieser Wege blockiert Israel, das also gar nicht unser „Bollwerk gegen den Islam“ sein kann, weil es schon mal nicht in der geographischen Position dazu ist. Darüber hinaus will Israel auch gar nicht unser Bollwerk sein. Nicht nur, daß es die massive amerikanische Unterstützung nicht mal durch die Gewährung auch nur eines Stützpunktes für US-Luft- oder Seestreitkräfte honoriert, sondern es fördert im Verbund mit jüdischen Organisationen und Individuen in der Diaspora die – nicht nur moslemische – Einwanderung nach Europa und Nordamerika und übt beträchtlichen politischen Druck aus, wenn ein europäisches Land auch nur bescheidene Minimalschritte in Richtung einer nationalen, einwanderungsfeindlichen Politik setzt.

So gab es z. B. nach dem starken Wahlerfolg der FPÖ bei den österreichischen Nationalratswahlen von 1999 (Platz 2 vor der ÖVP!) und der Anfang 2000 darauf folgenden Regierungsbildung gleich recht scharfe Wortmeldungen aus Israel, die der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, zunächst noch als überzogen zurückgewiesen wurden, mit dem Zusatz, es gäbe kein österreichisch-jüdisches oder österreichisch-israelisches Problem. Wenig später jedoch wurde behauptet, es hätte schon Wochen vor der Wahl häufig verbale Anfeindungen und sogar Übergriffe gegen jüdische Bürger gegeben, über die zu der Zeit nur zwecks Vermeidung einer Aufheizung des politischen Klimas nicht in den Medien berichtet wurde (ha! Als ob die Linke es sich entgehen lassen hätte, solche Sachen vor der Wahl gegen die FPÖ zu instrumentalisieren, wenn sie wirklich vorgefallen wären!). Daß Israel wie auch das Diaspora-Judentum bei den nachfolgenden internationalen Sanktionen gegen Österreich eine wesentliche Rolle gespielt haben, kann man daraufhin annehmen.

Die Judeophilen stellen hierzu die Frage, warum Israel und das internationale Judentum eine moslemische Einwanderung nach Europa und Nordamerika fördern sollten, wo die Moslems doch erklärte Feinde der Juden sind und eine Islamisierung westlicher Länder die dort lebenden Juden gefährden würde; sie argumentieren, daß man die Juden aufgrund dessen als Verbündete gegen die Islamisierung gewinnen müßte, indem man ihnen diese Gefahr klarmacht, sofern sie sie nicht selber sehen.

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Weißer Nationalismus & jüdischer Nationalismus

Von Greg Johnson, übersetzt von Deep Roots. Das Original White Nationalism & Jewish Nationalism erschien am 5. August 2011 bei Counter-Currents Publishing/North American New Right.

 

Guillaume Fayes Rede auf der Konferenz von American Renaissance 2006 war recht ereignisreich. Die meisten Menschen haben von dem schändlichen Fall Michael Hart gehört [1]. Aber etwas meiner Meinung nach viel Bedeutsameres fiel während Fayes Rede vor, etwas, das mir später als aufschlußreich erschien.

Fayes Ansicht nach ist der „globale Süden“, organisiert unter dem Banner des Islam, der Todfeind Europas. Die Vereinigten Staaten, die die Islamisierung Europas begünstigen, sind nicht der Hauptfeind Europas, sondern bloß ein Widersacher. Faye stuft die jüdische Gemeinschaft jedoch überhaupt nicht als einen Feind oder Widersacher Europas ein. Stattdessen sieht Faye die Juden als einen potentiellen Verbündeten gegen die Islamisierung.

Daher sagte Faye an einem bestimmten Punkt seiner Rede, als er die möglichen negativen Konsequenzen des ungehinderten Vormarschs des Islams aufzählte: „Der Staat Israel könnte zu existieren aufhören.“ Aber zu seinem offenkundigen Erstaunen wurde diese Aussage von enthusiastischem Applaus begrüßt.

Nun, um fair zu sein gebe ich zu, daß ich mich ebenfalls dem Applaus angeschlossen habe, aus einem Geist purer Schadenfreude heraus. Aber später besann ich mich eines Besseren. Immerhin, wie ein Freund hervorhob: „Wenn die Juden Israel verlieren, was glauben diese Leute, die da klatschen, wohin die Juden gehen werden? Sie werden alle hier oder in Europa sein. Wollen sie das wirklich?“ Ich wußte das natürlich, und ich bin sicher, daß eine Menge der anderen Leute, die klatschten, das auch wußten.

Aber manche Leute hassen die Juden mehr, als sie ihr eigenes Volk lieben. Sie hassen die Juden so sehr, daß sie ihnen Schaden wünschen, selbst wenn uns das auch schadet – selbst wenn es uns mehr schadet. Nennt es die weiße Version der „Samson-Option“. Aber wenn wir rational über das jüdische Problem nachdenken wollen, werden wir zuerst diesen Zug selbstmörderischer Schadenfreude identifizieren und isolieren müssen, der offenkundig mit kühlen Kalkulationen darüber in Konflikt steht, wie wir unsere langfristigen rassischen Interessen verfolgen.

Ich möchte einige Bemerkungen über weißen Nationalismus und jüdischen Nationalismus machen, um meine Gedanken darzulegen und Material für Diskussionen zu liefern.

1) Als Ethnonationalisten glauben wir an das Prinzip „Ein Volk, ein Reich“: „Ein Volk, ein Staat“ (zumindest ein Staat pro Volk, obwohl es mehr als einen geben könnte). Dies bedeutet, daß wir zumindest im Prinzip den Nationalismus aller Nationen unterstützen, die ethnische Selbstbestimmung aller Völker. Wir stellen uns eine Art klassischen Liberalismus für alle Nationen vor, in dem jedes Volk seinen eigenen Platz hat, dessen legitime Rechte nicht den legitimen Rechten aller anderen Nationen entgegengesetzt zu sein brauchen. Wenn diese Vision zustande käme, hätten wir eine Welt des ewigen Friedens. Es ist ein reizvolles Ideal, auch wenn es unüberwindliche Hindernisse zu seiner Verwirklichung geben mag.

2) Der Zionismus ist eine Spezies des Ethnonationalismus. Er wurde während der Blütezeit des europäischen Ethnonationalismus im 19. Jahrhundert als eine Lösung der sogenannten „Judenfrage“ konzipiert. Die Idee war die, sich der zugrundeliegenden Ursachen des Antisemitismus anzunehmen, indem man ein souveränes jüdisches Heimatland schuf und eine jüdische Sammlung dort förderte, eine Umkehrung der Diaspora.

3) Als Ethnonationalist lehne ich nicht Israel oder den Zionismus per se ab. Ja, ich lehne unsere Außenpolitik gegenüber Israel und seinen Nachbarn ab, die mehr von israelischen Interessen diktiert ist als von US-Interessen. Ja, ich lehne Auslandshilfe an Israel ab, die nicht US-Interessen dient. Aber machen wir uns hier völlig klar: Dies sind keine Probleme mit Israel per se. Es sind Probleme mit der jüdischen Diaspora-Gemeinde in den Vereinigten Staaten.

Ich bin nicht gegen die Existenz Israels. Ich bin gegen die jüdische Diaspora in den Vereinigten Staaten und in anderen weißen Gesellschaften. Ich würde gerne erleben, daß die weißen Völker der Welt die Macht der jüdischen Diaspora brechen und die Juden nach Israel schicken, wo sie lernen werden müssen, eine normale Nation zu sein.

4) Aber was ist mit den Palästinensern? Erstens, laßt mich unmißverständlich sagen, daß ich mit den Palästinensern mitfühle, weil ich auch unter zionistischer Besatzung lebe. Zweitens muß ich auch sagen, daß ich die Palästinenser bewundere, weil ihnen anders als den Amerikanern und Europäern voll bewußt ist, daß sie ein besetztes Volk sind. Drittens, und was am wichtigsten ist, die Palästinenser kämpfen gegen ihre Unterdrücker, und ich wünschte, mein Volk würde dasselbe tun.

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Das Goldene Zeitalter des Islam – ein archäologisches Nichts

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Von John J. O’Neill, übersetzt von Deep Roots.

Das Original Islam’s Golden Age: An Archaeological Nonentity erschien am 27. Februar 2010 bei „Gates of Vienna“.

In meinem kürzlich erschienenen Buch “Holy Warriors: Islam and the Demise of Classical Civilization” habe ich detailliert argumentiert, daß der Islam, weit davon entfernt, eine Kraft der Aufklärung im sogenannten Dunklen Zeitalter zu sein, tatsächlich verantwortlich war für die Zerstörung der alphabetisierten und städtischen Zivilisation, die wir jetzt die klassische nennen, und daß es, wenn überhaupt, der Islam war, der Europas Abstieg in die Rückständigkeit während des Mittelalters verursachte. An derselben Stelle habe ich im Detail argumentiert, daß das islamische Goldene Zeitalter des späten siebten bis mittleren zehnten Jahrhunderts, in dem der Islam sich angeblich im Licht der Wissenschaft und Gelehrsamkeit gesonnt hat, ein kompletter Mythos ist, und daß keine solche Epoche jemals existierte. Die Beweise dafür sind archäologischer Natur.

Bis zum neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert waren Gelehrte gezwungen, sich hinsichtlich ihres Wissens über die Welt der Antike und des Mittelalters gänzlich auf schriftliche Quellen zu verlassen. Der kompetente Historiker hatte natürlich immer die entscheidende Fähigkeit gehabt, zwischen Fakten und Fabeln zu unterscheiden, zwischen Propaganda und ehrlicher Berichterstattung. Es gab auch ab dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert eine ausgereiftere Form der Textkritik. Dennoch, egal wie kritisch der Gelehrte war, am Ende war alles, womit er arbeiten konnte, das geschriebene Wort. Aber dies alles begann sich im neunzehnten Jahrhundert zu ändern. Von da an hatten die Gelehrten etwas Unabhängiges, mit dem sie die Behauptungen der Chronisten und Annalenschreibe von einst überprüfen konnten: die Wissenschaft der Archäologie.

Bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hatten die Archäologen begonnen, ein recht umfassendes Bild der Archäologie Europas und des Nahen Ostens zusammenzufügen. In der Tat gehörten und gehören mehrere Gebiete des Nahen Ostens, wie Ägypten, Palästina und der Irak, zu den am gründlichsten durch Ausgrabungen erforschten Regionen der Erde.

Mittelalterkundler waren natürlich sehr daran interessiert gewesen, etwas Licht auf die romantische, wenn auch anscheinend fabelhaft reiche und kultivierte islamische Welt des siebten, achten und neunten Jahrhunderts zu werfen. Seltsame und wundersame Geschichten wurden über diese Epoche erzählt, wenngleich alle darin übereinstimmten, daß es ein Zeitalter hoher Zivilisation war. In der Tat wurde das siebte bis zehnte Jahrhundert, wie wir sahen, als das islamische Goldene Zeitalter betrachtet. Dies war das Zeitalter der Omayyaden- und Abbasidenkalifen; die romantische Epoche von Scheherazade und Harun al-Raschid, dem fabelhaft reichen Kalifen von Bagdad, von dem es heißt, daß er die Verkleidung eines gewöhnlichen Mannes angelegt und nachts durch die schwach beleuchteten Straßen der Metropole gewandert sei – einer Stadt von angeblich einer Million Menschen. Diese Epoche, und diese allein, soll das Zeitalter der kulturellen Vorherrschaft des Islams markiert haben. Man betrachte die folgende Beschreibung eines englischen Historikers über das Cordoba des achten bis zehnten Jahrhunderts, typisch für das Genre:

„In Spanien … führt die Gründung der Omayyaden-Macht eine Ära beispielloser Pracht herbei, die ihren Höhepunkt im frühen zehnten Jahrhundert erreicht. Die große Universität von Cordoba ist gedrängt voll mit Studenten … während die Stadt selbst das Staunen von Besuchern aus Deutschland und Frankreich erregt. Die Ufer des Gualadquivir sind gesäumt von luxuriösen Villen, und – geboren aus einer Laune des Herrschers – erhebt sich der berühmte Palast der Blume, eine fantastische Stadt der Freuden.“ (H. St. L. B. Moss, „The Birth of the Middle Ages; 395-814“, Oxford University Press, 1935). Alle stimmten darin überein, daß die islamische Welt in späteren Jahren, vom elften Jahrhundert an, schnell hinter den Westen zurückzufallen begann.

Nach dem Wort der geschriebenen Geschichten erwarteten die Archäologen also, von Spanien bis zum östlichen Iran eine blühende und lebhafte Kultur zu finden; eine islamische Welt enormer Städte, ausgestattet mit all dem Reichtum der Antike und dem Beutegut, das in den moslemischen Eroberungskriegen angesammelt worden war. Sie hofften, Paläste zu finden, öffentliche Bäder, Universitäten und Moscheen, alle reich mit Marmor, Keramik und Steinschnittarbeiten verziert.

Tatsächlich fanden sie nichts dergleichen.

Das archäologische Nichterscheinen des islamischen Goldenen Zeitalters ist sicherlich eine der bemerkenswertesten Entdeckungen, die im vergangenen Jahrhundert ans Licht kamen. Es hat nicht für die sensationellen Schlagzeilen gesorgt, die wir erwarten würden, aus dem simplen Grund, daß eine Nichtentdeckung für die Öffentlichkeit weit weniger interessant ist als eine Entdeckung. Andererseits stellten sich die Archäologen vor, während sie vergeblich Ausgrabungsstätte um Ausgrabungsstätte durchsuchten, daß sie nur kein Glück gehabt hätten; daß mit der Ausgrabung des nächsten Tages die fabelhaften Paläste und Bäder enthüllt werden würden. Und dies ist nun schon seit hundert Jahren das Muster gewesen…

In Wirklichkeit ist die islamische Welt über grob drei Jahrhunderte eine buchstäbliche Leerstelle. Im Normalfall finden wir ein oder zwei Fundstücke, die dem siebten Jahrhundert zugeschrieben werden, dann über drei Jahrhunderte nichts, dann ein Wiedererscheinen archäologischen Fundmaterials im mittleren oder späten zehnten Jahrhundert. Nehmen Sie zum Beispiel Ägypten. Ägypten war im frühen Mittelalter das größte und bevölkerungsreichste islamische Land. Die moslemische Eroberung des Landes fand 638 oder 639 statt, und wir sollten erwarten, daß die Invasoren fast sofort angefangen hätten, unter Nutzung des Reichtums des Landes zahlreiche und prächtige Gebetsstätten zu bauen – aber augenscheinlich taten sie das nicht. Nur zwei Moscheen in ganz Ägypten, beide in Kairo, sollen aus der Zeit vor dem elften Jahrhundert stammen: die Amr ibn al-As, 641 n. Chr., und die Ahmad ibn Tulun, 878 n. Chr. Jedoch weist das letztere Gebäude viele Merkmale auf, die man nur bei Moscheen des elften Jahrhunderts findet, daher ist ihre Datierung mit 878 umstritten. Also haben wir in Ägypten eine einzige Gebetsstätte, die Moschee Amr ibn al-As, die aus der Zeit drei Jahre nach der moslemischen Eroberung stammt, dann weitere dreieinhalb Jahrhunderte lang nichts. Warum sollten die Moslems in einer enormen Stadt mit vielleicht bis zu fünf Millionen Einwohnern über dreihundert Jahre warten, bevor sie sich eine Gebetsstätte bauen?

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