Europäer: Mit Vorurteilen gegen unsere eigenen Vorfahren

Von Fjordman. Original: Europeans: With Prejudice Against Our Own Ancestors, erschienen am 1. September 2008 auf EuropeNews.
Übersetzung: Lucifex

Menschen europäischer Herkunft wird ständig vorgeworfen, Vorurteile gegen Menschen anderer Kulturen zu hegen. Aber je mehr ich über europäische Geschichte lese, desto mehr glaube ich, dass manche der schlimmsten Vorurteile in Wirklichkeit gegen unsere eigenen Vorfahren gerichtet sind, besonders jene des Mittelalters.

Buchstäblich jeder junge Westler, den Sie fragen, wird antworten, dass die Moslems, die Chinesen… (füllen Sie die Leerstellen aus) im Mittelalter weit höher entwickelt waren als die rückständigen Europäer. Dies trifft in manchen Fällen zu, aber nicht in anderen.

In seinem interessanten Buch Technology in World Civilization behauptet Arnold Pacey, dass die Song-Dynastie „eine für die chinesische Technologie besonders kreative Periode war. Im Jahr 1100 war China unzweifelhaft die technisch ‚fortgeschrittenste’ Region der Welt, besonders hinsichtlich der Verwendung von Koks für die Eisenverhüttung, den Transport auf Kanälen und landwirtschaftlicher Geräte. Die Brückenkonstruktion und Textilmaschinen hatten sich ebenfalls schnell entwickelt. In all diesen Bereichen waren im China des elften Jahrhunderts Techniken in Gebrauch, die bis um 1700 keine Parallele in Europa hatten.“

Tatsächlich war die Song-Dynastie (960 – 1279) eine der dynamischsten Perioden in der chinesischen Geschichte, und China hat vielleicht niemals eine größere globale technologische Führung genossen als im elften Jahrhundert. Pacey gibt jedoch zu, dass diese technologische Führung in späteren Jahrhunderten weniger ausgeprägt wurde. Nach dem sechzehnten Jahrhundert

waren die bedeutsamsten Entwicklungen in Asien die technischen Bücher, die während des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts in Japan veröffentlicht wurden, eine Handvoll chinesischer wissenschaftlicher Arbeiten und sehr vereinzelte Episoden in Indien wie die Verwendung von Modellen beim Entwurf des Tadsch Mahal in Indien in den 1630ern und die systematische Verwendung maßstäblicher Zeichnungen durch manche Schiffbauer um das Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Aber solche Beispiele waren wenig und isoliert. Das große Übergewicht neuen technologischen Potentials, das durch die gesteigerte Fähigkeit zur Konzeptualisierung technischer Probleme erzeugt wurde, erwuchs im Westen.

China war in angewandter Technologie immer bedeutend besser als in den theoretischen Wissenschaften. Und nein, Wissenschaft und Technologie verschmolzen erst im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, und dann nur in Europa. Laut Toby E. Huff in seinem exzellenten Buch The Rise of Early Modern Science blieben die Chinesen, wenn man als die Hauptbereiche wissenschaftlicher Forschung Astronomie, Physik, Optik und Mathematik betrachtet, nicht nur hinter den Europäern zurück, sondern ab dem elften Jahrhundert, wenn nicht früher, auch hinter den Moslems.

Selbst Joseph Needham kam in seinem monumentalen Science and Civilization in China zu dem Schluss: „Die Chinesen hatten auf diesem Gebiet sehr wenig systematisches Denken.“ Während man “chinesisches physikalisches Denken” finden kann, kann man “kaum von einer entwickelten Wissenschaft der Physik sprechen.”

Viele Westler sind bis zum heutigen Tag davon überzeugt, dass die mittelalterlichen Europäer dachten, die Erde sei flach. Das glaubten sie nie, zumindest nicht die Gebildeten. Hier ist David C. Lindberg in seinem Buch The Beginnings of Western Science:

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Amerika, wohin: Elitismus oder Rassismus?

Von William Pierce, übersetzt von Deep Roots. Das Original Whither America: Elitism or Racism? erschien am 18. Juni 2013 auf Counter-Currents Publishing/North American New Right (Ersterscheinung: Attack! no. 57, 1977)

 

An unseren Universitäten und auf den Seiten der wissenschaftlichen Journale wird heute ein Kampf geführt zwischen Wissenschaftlern, die sich mit Rassenangelegenheiten befassen, auf der einen Seite – Biologen, Psychologen und Anthropologen von beruflicher Integrität – und Pseudowissenschaftlern, die sich der Aufrechterhaltung des fundamentalen liberalen Dogmas der universalen menschlichen Gleichheit widmen, auf der anderen Seite. Trotz der gut verschanzten Position der Pseudowissenschaftler und ihrer mächtigen Verbündeten in der Politik und in den Kommunikationsmedien werden von den Wissenschaftlern ermutigende Fortschritte gemacht. Stück für Stück kommt die Wahrheit zum Vorschein, und die Kräfte der Zensur, moralischen Einschüchterung und liberalen Bigotterie verlieren an Boden. Auf diesen Kampf wurde in einem Artikel über Soziobiologie in einer kürzlichen Ausgabe von Attack! Bezug genommen.

Der Kampf ist jedoch weit davon entfernt, gewonnen zu sein, selbst auf den Seiten der wissenschaftlichen Journale. Und an der allgemeinen Front herrschen die Pseudowissenschaftler immer noch ohne Widerspruch. Dieselben müden alten Lügen über Rasse werden Sekundarschülern und Collegestudenten durch ihre Lehrbücher und ihre gehirngewaschenen Lehrer verabreicht, und der allgemeinen Öffentlichkeit durch ihre Fernsehempfänger und ihre Tageszeitungen. Der langsame und schmerzliche Fortschritt, der an der wissenschaftlichen Front gemacht wird, sickert nicht zum Mann auf der Straße durch.

Und er wird nie zu ihm durchsickern, wenn ein gefährlicher Trend, der jetzt im Gange ist, nicht gestoppt wird. Dieser Trend ist kosmopolitischer Elitismus, und er gedeiht in höchst ungesunder Weise in genau jenen Segmenten unserer Gesellschaft, wo der größte Fortschritt gegen die pseudowissenschaftlichen Egalitären gemacht worden ist.

Man betrachte zum Beispiel die Wissenschaftler selbst. Gegen ihren Unterricht ist an Universitäten demonstriert worden, und sie sind von Banden von Juden, Chicanos, Negern und anderer nichtweißen Studenten, die ihnen vorgeworfen haben, rassistisch zu sein, durch Zwischenrufe gestört und manchmal tätlich angegriffen worden. Die allzu häufige Reaktion auf diese Einschüchterung ist die Behauptung der belästigten Wissenschaftler gewesen, daß sie keine Rassisten seien; daß sie nicht an der Förderung von Rassismus interessiert seien, sondern nur an der Feststellung der Wahrheit in Rassenangelegenheiten. William Shockley, ein Nobelpreisträger an der Stanford University, der vom Arzt zum Genetiker wurde; Arthur Jensen, ein Psychologe an der University of California in Berkeley, und Richard Herrnstein, ein jüdischer Psychologe an der Universität von Harvard, stehen alle an vorderster Front des Kampfes gegen den Gleichheitsmythos, und alle haben wiederholt verkündet, daß sie keine Rassisten sind.

Für die Störer ist es natürlich Rassismus, wenn man die Wahrheit feststellen will; der einzige Weg, kein Rassist zu sein, besteht im inbrünstigen Glauben an den Gleichheitsmythos. Übernehmen wir für unsere Diskussion hier eine etwas weniger extreme Definition von Rassismus; definieren wir ihn als eine subjektive Vorliebe dafür, unter den Mitgliedern der eigenen Rasse zu leben, zu lernen und zu lieben – als eine spirituelle und emotionale Bindung zwischen den Mitgliedern einer rassischen Gruppe. Das ist eine Definition, der die meisten vernünftigen Menschen zustimmen werden. Das ist die Definition, die die meisten Wissenschaftler im Sinn haben, wenn sie behaupten, sie seien keine Rassisten: sie behaupten, daß sie keine subjektive Vorliebe für Mitglieder ihrer eigenen Rasse haben.

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Spekulationen über Wasserwelten in habitablen Zonen

Von Paul Gilster; Original: Speculations on Habitable Zone Waterworlds, erschienen am 26. April 2017 auf Centauri Dreams („Imagining and Planning Interstellar Exploration“).

Übersetzt von Cernunnos

Was soll man von Fergus Simpsons neuem Artikel über Wasserwelten halten, der behauptet, daß die meisten Planeten in habitablen Zonen von diesem Typ sind? Falls solche Welten häufig sind, könnten wir herausfinden, daß die meisten Planeten in den habitablen Zonen ihrer Sterne zur Entwicklung von Leben fähig sind, aber mit geringer Wahrscheinlichkeit technologische Zivilisationen beherbergen. Eine Erklärung für das sogenannte „Fermi-Paradox“? Möglicherweise, aber es gibt alle möglichen Dinge, die erklären könnten, warum wir keine anderen Zivilisationen sehen, die meisten davon werden von Stephen Webb in seinem Buch If the Universe Is Teeming with Aliens … Where Is Everybody? (2. Ausgabe, Springer 2015) behandelt, das 75 Lösungen für das Problem anbietet.

Simpson (Universität von Barcelona) legt seine These auf den Seiten von Monthly Notices of the Royal Astronomical Society dar und argumentiert, daß das Gleichgewicht, das von einer Planetenoberfläche mit großen Mengen von Land wie auch Wasser gehalten wird, empfindlich ist. Die Bayes’sche statistische Analyse des Autors deutet darauf hin, daß die meisten Planeten entweder von Wasser oder Land dominiert werden, am wahrscheinlichsten von Wasser. Die Erde könnte also eine Art Ausreißer sein, während die meisten Planeten zu über 90 Prozent von Wasser bedeckt werden.

Kontinente auf anderen bewohnbaren Welten könnten damit zu kämpfen haben, über das Meeresniveau zu kommen, wie der Großteil Europas in dieser Illustration, die die Erde mit einer geschätzten 80%igen Bedeckung durch Ozeane darstellt. Bild von Antartis / Depositphotos.com.

Die Unwahrscheinlichkeit, daß ein Planet ein Gleichgewicht wie das der Erde bewahrt, gibt dem Artikel seine Ausrichtung. Simpson gibt ein pädagogisches Beispiel für den Bayes’schen Ansatz:

…stellen Sie sich vor, sie betrachten die Arbeitsplatte einer Küche und bemerken ein paar verschüttete Kaffeekörnchen. Eines dieser Körnchen, ein beliebig ausgewähltes, liegt innerhalb von 0,1 mm vom Rand der 600 mm breiten Arbeitsplatte entfernt. Diese Nähe könnte natürlich völlig zufällig sein. Aber es ist viel wahrscheinlicher, daß der Großteil der Körnchen auf den Boden gefallen ist und daß das, was Sie sehen, bloß das Schwanzende der Verteilung ist.

Befindet sich der Planet Erde am Schwanzende der Verteilung? Wir haben nicht genug Daten über Exoplaneten, um das zu wissen. Aber das statistische Modell hier beachtet, was wir in unserer Erforschung des äußeren Sonnensystems gelernt haben. Denken Sie an Titan, wo Stanley Dermott und Carl Sagan 1995 vorhersagten, daß der Umstand, daß die Umlaufbahn des Mondes nicht durch ozeanische Gezeiteneffekte kreisförmig gemacht wurde, auf eine weitgehend trockene Oberfläche anstelle einer von einem ausgedehnten Ozean bedeckten Oberfläche hindeutete. Wir wissen jetzt, daß das Duo recht hatte: Titans flüssige Kohlenwasserstoffe machen etwa 1 Prozent der Gesamtoberfläche aus.

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Problemlösungen

Von Kevin Alfred Strom, übersetzt von Deep Roots. Das Original Problem Solving erschien am 27. Oktober 2008 in Kevin Alfred Stroms Essays. (Bildauswahl vom Übersetzer)

(Ursprünglich veröffentlicht am 4. Juni 2006 als Radiosendung von American Dissident Voices)

 

Manche Menschen sind Problemverursacher, und manche sind Problemlöser. Eine Gesellschaft zu haben, die in größerem Ausmaß als je zuvor aus letzteren besteht, könnte eines Tages für das menschliche Überleben absolut notwendig sein.

DIE ERDE WIRD REGELMÄSSIG von Objekten aus dem Weltraum getroffen.

Manche dieser Objekte sind groß genug, um massive Zerstörungen zu verursachen, die selbst die eines ausgewachsenen Atomkrieges zwergenhaft erscheinen lassen. Ein paar dieser Ereignisse sind der Auslöschung allen Lebens auf Erden schmerzlich nahegekommen und haben tatsächlich das Aussterben Tausender von Spezies verursacht – einschließlich der dominanten Lebensformen jener Zeiten.

Ich erwähne diese Tatsachen nur, um Ihnen ein einziges Beispiel dafür zu geben, warum kreative Intelligenz – die Art von Intelligenz, die der westliche Mensch im höchsten Maße besitzt, und die Art von Intelligenz, die wir aus uns herauszüchten, indem wir primitivere Rassen importieren und uns mit ihnen vermischen – von solch absolut entscheidender Wichtigkeit ist.

Erst 1908 prallte ein Objekt aus dem Weltraum auf unsere Welt. Es explodierte über dem russischen Sibirien und kam dem Einschlag auf der Erde bedrohlich nahe. Selbst so, wo es in der Luft explodierte, machte es 1.200 Quadratmeilen [knapp 500 km²] Wald platt, wobei riesige alte Bäume – 60 Millionen davon – sofort wie Streichhölzer abgebrochen wurden. Nahe dem Zentrum wurden Bäume und Tiere verdampft oder sofort eingeäschert. Man glaubt, daß dieses Ereignis, genannt Tunguska-Ereignis, von einem sehr kleinen Asteroiden verursacht wurde, von dem man meint, daß er bloß einen Durchmesser von 60 yards [54 m] hatte. Er explodierte drei bis vier Meilen hoch in der Luft [5 – 6,5 km].

Der Feuerball bewirkte mehr, als Bäume plattzumachen. Obwohl das Gebiet spärlich bevölkert war, beschädigte er in einer Entfernung von Hunderten Meilen Gebäude und schmetterte Menschen zu Boden. Sogar 300 Meilen vom Zentrum des Ereignisses entfernt berichteten Zeugen, sie hätten einen „ohrenbetäubenden Knall“ gehört und eine riesige feurige Wolke gesehen. Manche Zeugen beschrieben eine „Säule bläulichen Lichtes, nahezu so hell wie die Sonne“. Der Staub von dem Ereignis erhellte 48 Stunden lang den Nachthimmel in London, England – nach manchen Berichten mit genug Licht, um dabei zu lesen. Die New York Times vom 3. Juli 1908 berichtete, daß „Dienstag und Mittwoch nachts am Nordhimmel bemerkenswerte Lichter beobachtet wurden.“

Der Aufprall des Asteroiden auf der Erdatmosphäre allein erzeugte einen überhitzten Wind, der alles auf seinem Weg zerstörte.

Nun stellen Sie sich vor, das Tunguska-Ereignis wäre über New York City oder Paris geschehen statt über Sibirien. Nikolai Wassiljew von der Russischen Akademie der Wissenschaften hat gesagt: „Wäre solch ein kosmischer Körper über Europa explodiert statt über der verlassenen Region Sibiriens, dann hätte die Zahl der menschlichen Opfer 500.000 oder mehr betragen, ganz zu schweigen von der anschließenden ökologischen Katastrophe. Vor zwei Jahren passierte ein Asteroid von wahrscheinlich mehreren hundert Metern Durchmesser die Erde in einer Entfernung von nur 700.000 Kilometern. In astronomischem Maßstab ist das sehr nahe. Die Tunguska-Episode stellt den einzigen Fall in der Geschichte des zivilisierten Menschen dar, daß die Erde mit einem wirklich großen Himmelsobjekt zusammengestoßen ist, obwohl in der geologischen Vergangenheit unzählige solcher Kollisionen stattgefunden haben. Und viele weitere werden zwangsläufig geschehen.“

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Wissenschaftler, der Pluto killte, schlußfolgert nun, daß es einen neunten Großplaneten gibt

Von John Timmer; Original: Scientist who killed Pluto now concludes there is a ninth major planet, erschienen am 20. Januar 2016 auf ars technica. Übersetzung: Cernunnos.

Die Degradierung von Pluto zum Zwergplaneten ist nicht wegen irgendeiner Entdeckung über Pluto selbst zustandegekommen. Vielmehr wurde sie durch die Entdeckung ausgelöst, daß Pluto einer von wahrscheinlich einer großen Zahl von Körpern ist, die weit jenseits von Neptun umlaufen. Diese Kuipergürtel-Objekte (KBOs, von Kuiper Belt Objects), von denen manche größer als Pluto sind, neigen dazu, ungewöhnliche Umlaufbahnen zu haben, die außerhalb der Ebene des Sonnensystems verlaufen, wobei ihre Ellipsen auf einer Seite hinausgestreckt sind, während sie auf der anderen näher an der Sonne vorbeilaufen.

Aber in den letzten Jahren haben Wissenschaftler einige seltsame Muster in den Umlaufbahnen von KBOs bemerkt. Bei vielen von ihnen findet ihre engste Annäherung an die Sonne dort statt, wo sie die Umlaufebene der inneren Planeten kreuzen. Nun hat der Forscher, der einige der ersten KBOs zu identifizieren half, einen Artikel veröffentlicht, in dem er eine mögliche Ursache dieser Muster identifiziert: einen fernen, neptungroßen Körper, der die Planetensumme unseres Sonnensystems wieder auf neun bringen würde.

Unentdeckte Planeten haben eine lange Geschichte, die bis zur Vorhersage der Existenz von Neptun auf der Grundlage einiger Seltsamkeiten in Uranus‘ Orbit zurückreicht. Dieser Erfolg führte jedoch zu einer Anzahl fruchtloser Suchen, eine nach einem inneren Planeten, der die Merkurbahn dazu bringen könnte, sich zu benehmen, und eine zweite nach etwas jenseits von Neptun. Während die letztere Suche Pluto ergab, war dieser zu klein, um Neptuns Umlaufbahn zu beeinflussen, bei der weitere Beobachtungen ergaben, daß sie auch ohne irgendwelche zusätzlichen Reparaturen in Ordnung war.

Seit damals sind noch skizzenhaftere Behauptungen hinsichtlich ferner Planeten oder sogar Sterne aufgestellt worden, oft beruhend auf der relativen Regelmäßigkeit von Massenaussterbeereignissen. Aber wenige Wissenschaftler haben diese ernst genommen.

Unwahrscheinliche Ähnlichkeiten

Diese neue Behauptung wird wahrscheinlich anders sein, beruhend auf dem, wie sie erstellt wurde und wer das getan hat. Dies ist ein Team von Caltech-Astronomen, Konstantin Batygin und Mike Brown. Brown, der einen Kavli-Preis für seine Arbeit bei der Feststellung gewann, daß Pluto bloß einer von vielen KBOs ist, ist wahrscheinlich am besten für sein Buch How I Killed Pluto and Why It Had It Coming [„Wie ich Pluto killte, und warum er es verdiente“] bekannt.

Die neue Arbeit von Batygin und Brown wurde von einem Artikel von 2014 inspiriert, der feststellte, daß eine Anzahl der KBOs, die entdeckt worden waren, ein seltsames Muster bei ihren Umlaufbahnen gemeinsam hatten: ihre engste Annäherung an die Sonne fand ungefähr zu derselben Zeit statt, wo sie die Ebene der inneren Planeten des Sonnensystems kreuzten. Das ist seltsam, denn gravitative Wechselwirkungen mit inneren Planeten sollten alle diese kleinen KBOs mit der Zeit allmählich aus dieser Ausrichtung drängen. Das deuten wiederum darauf hin, daß irgendetwas sie wieder zurück auf Linie zwingt. Die Forscher, die dies entdeckten, schlugen vor, daß ein noch unbeobachteter Planet dies tun könnte.

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Marsianische Lavaröhren

Längsschnitt einer marsianischen Lavaröhre mit Skylight

Längsschnitt einer marsianischen Lavaröhre mit Skylight

Eine Übersetzung des englischen Wikipedia-Artikels Martian lava tubes, zu dem es noch keine deutsche Wiki-Version gibt. Übersetzt von Deep Roots.

 

Marsianische Lavaröhren sind natürliche, unter der Oberfläche befindliche Lavaröhren-Höhlen auf dem Mars, von denen man glaubt, daß sie sich als Ergebnis schnellfließender basaltischer Lavaströme in Verbindung mit Schildvulkanismus bilden. Lavaröhren entstehen für gewöhnlich, wenn die äußere Oberfläche der Lavakanäle schneller abkühlt und eine ausgehärtete Kruste über Lavaflüssen im Untergrund bildet. Der Fluß hört schließlich auf und entleert sich aus der Röhre, wobei er einen rohrförmigen leeren Raum hinterläßt, der gewöhnlich mehrere Meter unter der Oberfläche liegt. Lavaröhren treten typischerweise in Verbindung mit extrem fließfähiger Pāhoehoe-Lava auf. Die Schwerkraft auf dem Mars beträgt etwa 38 % jener der Erde, was ermöglicht, daß marsianische Lavaröhren vergleichsweise viel größer sind.

Querschnitt einer marsianischen Lavaröhre

Querschnitt einer marsianischen Lavaröhre

Entdeckung und Zugang

Lavaröhren und damit verwandte Fließstrukturen wurden erstmals bei der Untersuchung von Bildern der Viking-Orbiter erkannt und später unter Verwendung von Orbiter-Bildern von Mars Odysssey, Mars Global Surveyor, Mars Express und Mars Reconnaissance Orbiter identifiziert. Lavaröhren können visuell auf zwei Arten aufgespürt werden. Die erste sind als „Rillen“ bekannte gewundene Mulden, von denen man glaubt, daß sie die Überreste eingestürzter Lavaröhren sind. Die zweite Methode der möglichen Identifizierung ist die durch Beobachtung von Höhlen-„Skylights“ oder Pitkrater oder Schachtkrater, die als dunkle, nahezu kreisrunde Gebilde auf der Marsoberfläche erscheinen. Im Juni 2010 half eine Gruppe von Wissenschaftsstudenten an der Evergreen Middle School in Cottonwood, Kalifornien, die am Mars Student Imaging Project teilnahmen, den Forschern bei der Entdeckung einer neuen Reihe von Lavaröhren nahe Pavonis Mons, indem sie ein Skylight identifizierten, das auf einen Durchmesser von 190 x 160 Meter und mindestens 115 Meter Tiefe geschätzt wird. Es ist erst das zweite Skylight, von dem man weiß, daß es mit diesem Vulkan in Verbindung steht. Zusätzlich zu Bildern aus der Umlaufbahn könnten Lavaröhren aufgespürt werden durch:

  • Bodenradar
  • Gravimetrie
  • Magnetometermessungen
  • Seismographie
  • Atmosphärische Effekte
  • Lidar
  • Infrarot
  • Erforschung durch Menschen oder Roboter
Gewundene Kette von Einsturzgruben, die in einen durchgehenden, nicht eingestürzten Abschnitt einer lunaren Lavaröhre übergehen. Die Kette ist etwa 50 km lang.

Gewundene Kette von Einsturzgruben, die in einen durchgehenden, nicht eingestürzten Abschnitt einer lunaren Lavaröhre übergehen. Die Kette ist etwa 50 km lang.

Es hat ein gesteigertes Interesse an der Identifizierung und Untersuchung von Lavaröhren gegeben, weil Wissenschaftler dadurch Informationen hinsichtlich der geologischen, paläo-hydrologischen und vermuteten biologischen Geschichte des Planeten geben könnte. In einer Aussage über lunare Lavaröhren erklärt Dr. William „Red“ Whittaker, der Leiter von Astrobotic Technology: „Etwas so Einzigartiges an den Lavaröhren ist, daß sie das eine Ziel sind, das die Dreierkombination aus Wissenschaft, Erkundung und Ressourcen vereinigt.“ Zugang zu nicht eingestürzten Abschnitten von Lavaröhren kann erreicht werden, indem man am Ende der Rille hineingeht, oder durch Skylights, oder möglicherweise indem man durch die Decke einer Lavaröhre bohrt oder sprengt. Die anfängliche Erkundung von Lavaröhren wird höchstwahrscheinlich mit Rovern erfolgen, aber da wird es viele Herausforderungen geben. Direkt unter traditionellen Skylights gibt es große Schutthaufen (wie im ersten Bild zu sehen), die für den Rover zu einem extremen Hindernis werden könnten. Der tiefe senkrechte Fall, den der Rover ausführen müßte, wäre ebenfalls zu berücksichtigen, wie auch die Fähigkeit des Rovers, mit Geräten an der Oberfläche oder im Orbit in Verbindung zu bleiben. Fehlendes Sonnenlicht könnte ebenfalls ein Problem sein, falls Solarenergie die Hauptenergiequelle des Rovers ist.

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Der tote Raumfahrer – Teil 5

Von James Patrick Hogan. Das Original „Inherit the Stars“ wurde 1977 veröffentlicht, die deutsche Fassung (übersetzt von Andreas Brandhorst) erschien 1981 im Moewig-Verlag (ISBN 3-8118-3538-6) und ist heute in der Originalausgabe nur noch in Gebrauchtexemplaren sowie ab 30. Dezember 2016 auch wieder in einer überarbeiteten Neuausgabe erhältlich. (Bilder von mir – Lichtschwert – eingefügt; Titelbild aus der Manga-Version zu „Inherit the Stars“ [Abschnitt Inherit the Stars 5 – Jupiter-5].)

Letzter Teil; zuvor erschienen: Der tote Raumfahrer – Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4

20

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Die riesigen Schiffe, die im Zuge des fünften bemannten Unternehmens zum Jupiter fliegen würden, waren in über einem Jahr in der Mondumlaufbahn gebaut worden. Außer dem Leitschiff waren hoch über der Mondoberfläche allmählich sechs Frachter entstanden, von denen jeder in der Lage war, dreißigtausend Tonnen an Versorgungs- und Ausrüstungsgütern zu transportieren. Während der letzten zwei Monate vor dem geplanten Starttermin war das wie Weihnachtsbaumlametta wirkende dahintreibende Durcheinander aus Maschinen, Werkzeugen, Containern, Fahrzeugen, Tanks, Kisten, Zylindern und den tausend anderen Posten zusammengestellten Gerätschaften langsam im Innern der Schiffe verschwunden. Die Wega-Fähren, Fernraumkreuzer und anderen Schiffe, die ebenfalls für dieses Projekt vorgesehen waren, wurden im Verlaufe mehrerer Wochen von ihren jeweiligen Mutterschiffen aufgenommen. Während der letzten Wochen lösten sich die Frachter in regelmäßigen Abständen aus der Mondumlaufbahn und setzten Kurs auf Jupiter. Als die Passagiere und letzten Besatzungsmitglieder von der Mondoberfläche hinaufgebracht wurden, war nur noch das Leitschiff übrig; einsam und verlassen schwebte es in der Leere. Mit dem Näherrücken der Stunde Null zog sich die Schar von Wartungsschiffen und Begleitsatelliten zurück. Ein paar Kilometer entfernt verdichtete sich ein Pulk aus Geleitschiffen, und ihre Kameras übertrugen die Bilder via Luna in das Welt-Nachrichtennetz der Erde.

Als die letzten Minuten heranrückten, zeigten Millionen Bildschirme einen eindrucksvollen, fast zwei Kilometer langen Schatten, der sich fast unmerklich über dem Sternenhintergrund bewegte. Die Stille dieses Schauspiels schien irgendwie die unvorstellbare Kraft anzukündigen, die entfesselt werden sollte. Genau nach Zeitplan beendeten die Flugkontrollcomputer die letzte Endcountdown-Überprüfung, erhielten vom Hauptprozessor der Bodenkontrolle eine „Grün“-Bestätigung und aktivierten die thermonuklearen Haupttriebwerke. Sie flammten in einem Blitz auf, der selbst von der Erde aus zu sehen war.

Das Jupiter-Fünf-Unternehmen hatte begonnen.

In den nächsten fünfzehn Minuten gewann das Schiff an Geschwindigkeit und schraubte sich immer höher hinauf. Dann schüttelte es mit müheloser Leichtigkeit die restlichen Gravitationsfesseln des Mondes ab. Jupiter-Fünf setzte dazu an, die Flotte der Frachter, die zu diesem Zeitpunkt bereits eine sich über Millionen Kilometer hinziehende Reihe bildete, einzuholen und sich ihr hinzuzugesellen. Nach einer Weile kehrten die Geleitschiffe zum Mond zurück, und die Bildschirme auf der Erde zeigten einen stetig blasser werdenden Lichtpunkt, der von den Orbitalteleskopen eingefangen wurde. Bald war auch der verschwunden, und nur noch die Fernortungen und Lasertaster blieben übrig, um den elektronischen Datenaustausch über den sich vergrößernden Ozean aus Leere fortzusetzen.

Während die Minuten verstrichen, beobachteten Hunt und die anderen UNWO-Wissenschaftler auf dem Wandbildschirm der vierundzwanzigsten Messe des Leitschiffes, wie der Mond zu einer vollen Scheibe zusammenschrumpfte und die der Erde dahinter teilweise verdeckte. In den folgenden Tagen verkleinerten sich die beiden Globen weiter und verschmolzen zu einem einzelnen, strahlenden Fleck, der wie ein Leuchtsignal am Himmel stand, das ihnen den Weg nach Hause wies.

Als aus Tagen Wochen wurden, schrumpfte auch dies zusammen, bis es nur noch ein Staubkörnchen unter Millionen anderen war. Ungefähr nach einem Monat konnten sie es nur noch mit Mühe ausmachen.

Hunt gewöhnte sich nur langsam an die Vorstellung, Teil einer winzigen künstlichen Welt zu sein, um die herum sich der Kosmos in die Endlosigkeit erstreckte. Die Entfernung zu allem, was ihm vertraut war, nahm in jeder Sekunde um knapp zwanzig Kilometer zu. Nun hing ihr Leben gänzlich von der Kompetenz derjenigen ab, die dieses Schiff entworfen und gebaut hatten. Die grünen Hügel und blauen Himmel der Erde waren fürs Überleben nicht länger wichtig und schienen sich immer mehr als Phantasieprodukt zu erweisen. Sie waren wie der Nachhall eines Traums, dessen Realität nur Illusion war. Hunt begann die Wirklichkeit als relative Qualität zu betrachten – nicht als etwas Absolutes, das man eine Weile hinter sich lassen und zu dem man dann zurückkehren konnte. Das Schiff wurde zur einzigen Wirklichkeit. Das, was sie hinter sich gelassen hatten, hatte – zeitweise – aufgehört zu existieren.

Stundenlang verweilte er in den Aussichtskuppeln auf der Außenhülle. Und während er auf das einzige hinausblickte, das noch vertraut war – die Sonne -, fand er sich langsam mit der neuen Dimension ab, die seiner Existenz hinzugefügt worden war. Die ewige Präsenz der Sonne, ihr unablässiger Strom lebensspendenden Lichts und Wärme schenkte ihm Beruhigung. Hunt dachte an die ersten Seeleute, die sich nie aus der Sichtweite der Küste hinausgewagt hatten. Auch sie hatten etwas Vertrautes gebraucht, an dem sie sich festklammern konnten. Aber bald würde der Mensch seinen Bug auf das offene Meer richten und in die Leere zwischen den Galaxien eintauchen. Dort existierte keine Sonne, die ihn beruhigen konnte. Dort gab es überhaupt keine Sterne. Selbst die Galaxien würden nur noch verwaschene Flecken sein, die auf dem Weg in die Unendlichkeit verstreut waren.

Welche fremden Kontinente harrten auf der anderen Seite dieser Ozeane ihrer Entdeckung?

Danchekker verbrachte eine seiner Freizeitperioden in der Nullgravitationssektion des Schiffes und sah einem dreidimensionalen Rugbyspiel zu, das zwischen zwei Mannschaften dienstfreier Besatzungsmitglieder ausgetragen wurde. Das Spiel basierte auf dem amerikanischen Football und fand in einer gewaltigen Kuppel aus transparentem, elastischem Kunststoff statt. Die Spieler sausten hinauf und hinunter, in alle Richtungen, prallten aufeinander und krachten gegen die Wand. Es war eine prächtige Keilerei, die – ganz nebenbei – auch dem Zweck diente, den Ball durch eines der kreisförmigen, sich gegenüberliegenden Tore zu werfen. In Wirklichkeit diente die ganze Sache nur als Vorwand, Dampf abzulassen und die Muskeln zu trainieren, die während der langen, monotonen Reise zu erschlaffen begannen.

Ein Steward tippte dem Wissenschaftler auf die Schulter und informierte ihn, daß in der Videozelle außerhalb des Sportdecks ein Anruf auf ihn wartete. Danchekker nickte, löste die Sicherheitsöse seines Gürtels vom Ankerpunkt des Sessels und hakte sie ins Geländer ein. Mit einem einzelnen mühelosen Stoß schickte er sich auf die Reise und schwebte anmutig auf die Tür zu. Hunts Gesicht sah ihm entgegen.

Er rief aus einer Entfernung von fast einem halben Kilometer an. „Guten Morgen, Dr. Hunt“, meldete sich Danchekker. „Oder welche Zeit auch immer wir gerade in dieser Höllenkiste haben.“

„Hallo, Professor“, gab Hunt zurück. „Ich habe mir einige Gedanken über die Ganymeder gemacht. Da sind ein oder zwei Punkte, über die ich gern Ihre Meinung hören würde. Können wir uns irgendwo treffen, um einen Happen zu essen? Sagen wir in der nächsten halben Stunde oder so?“

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Der tote Raumfahrer – Teil 4

Von James Patrick Hogan. Das Original „Inherit the Stars“ wurde 1977 veröffentlicht, die deutsche Fassung (übersetzt von Andreas Brandhorst) erschien 1981 im Moewig-Verlag (ISBN 3-8118-3538-6) und ist heute nur noch in Gebrauchtexemplaren über Amazon erhältlich.

Zuvor erschienen: Der tote Raumfahrer – Teil 1, Teil 2 und Teil 3

15

Caldwell trat einen Schritt näher heran, um das knapp drei Meter große Plastikmodell eingehender zu betrachten, das im Zentrum eines der Laboratorien des Biologischen Instituts von Westwood stand. Danchekker gab ihm reichlich Zeit, die Details in Augenschein zu nehmen, bevor er fortfuhr.

„Eine lebensgroße Kopie eines Ganymederskeletts“, sagte er. „Aufgrund der von Jupiter hierher übermittelten Daten konstruiert. Die erste unbestreitbar fremde intelligente Lebensform, die jemals von Menschen untersucht werden konnte.“ Caldwell sah zu dem in die Höhe ragenden Knochengerüst auf und schürzte in einem lautlosen Pfiff die Lippen.

Hunt rührte sich nicht und ließ in sprachloser Faszination seinen Blick über die ganze Größe des Modells auf und ab gleiten.

„Diese Körperstruktur ist in keiner Weise mit der irgendeiner noch existierenden oder ausgestorbenen Lebensform verwandt, die auf der Erde jemals untersucht wurde“, informierte sie Danchekker. Er zeigte auf das Modell. „Sie basiert auf einem inneren, aus Knochen bestehenden Skelett. Wie Sie sehen können, bewegte sich das Wesen aufrecht wie ein Zweifüßler, und der Kopf befand sich oben auf dem Rumpf. Aber abgesehen von solchen äußerlichen Ähnlichkeiten: Es entstammt zweifelsfrei einer völlig fremden Evolution. Nehmen Sie den Kopf als ein deutliches Beispiel. Die Gliederung des Schädels kann in keiner Weise mit der irgendeines bekannten Wirbeltieres in Übereinstimmung gebracht werden. Das Gesicht ist nicht wie bei uns in den unteren Schädelteil zurückgewichen, sondern nach wie vor eine lange, nach unten deutende Schnauze, die sich oben erweitert, um breite Zwischenräume für Augen und Ohren zu schaffen. Ferner hat sich der Hinterkopf vergrößert, um, wie beim Menschen, ein sich entwickelndes Hirn unterzubringen. Aber anstatt eine abgerundete Form anzunehmen, wölbt er sich über den Hals hinweg, um ein Gegengewicht zum hervorstehenden Gesicht und Kinn zu bilden. Und sehen Sie sich die Öffnung im Schädel an, mitten auf der Stirn. Ich glaube, hier könnte ein Wahrnehmungsorgan untergebracht gewesen sein, das wir nicht besitzen – möglicherweise in Infrarotdetektor, der von einem nachtaktiven, fleischfressenden Vorfahren geerbt wurde.“

Hunt trat bis an die Seite Caldwells vor und betrachtete eingehend die Schultern. „Die haben ebenfalls mit nichts Ähnlichkeit, was ich jemals gesehen habe“, kommentierte er. „Sie bestehen aus… einer Art sich überlappender Knochenplatten. Ganz und gar nicht wie unsere.“

„Eben“, bestätigte Danchekker. „Wahrscheinlich die Überbleibsel der Körperpanzerung eines Vorfahren. Und der Rest des Rumpfes ist ebenfalls völlig fremdartig. Zwar existiert, wie Sie sehen können, ein Rückgrat mit einer unterhalb der Schulterplatten gelegenen Rippengliederung. Aber die unterste Rippe – unmittelbar über der Bauchhöhle – hat sich zu einem massiven Knochenreifen mit diametralen Streben entwickelt, die aus einem vergrößerten Rückgratwirbel entspringen. Nun, beachten Sie die an den Seiten des Ringes gelegenen zwei Gruppen kleinerer, miteinander verbundener Knochen…“

Er deutete auf die entsprechende Stelle. „Wahrscheinlich dienten sie zur Unterstützung des Atmungsvorgangs, indem sie halfen, das Zwerchfell auszudehnen. Meiner Meinung nach sind sie degenerierten Überbleibseln einer zweigliedrigen Struktur verdächtig ähnlich. Mit anderen Worten: Obwohl dieses Wesen wie wir zwei Arme hatte und sich auf zwei Beinen bewegte, gab es irgendwo unter seinen frühen Vorfahren Tiere mit drei anstatt zwei Extremitätenpaaren. Allein das reicht aus, um sofort jeder Verwandtschaft mit irgendeinem Wirbeltier dieses Planeten auszuschließen.“

Caldwell bückte sich, um das Becken in näheren Augenschein zu nehmen. Es bestand nur aus einer Anordnung von dicken Riegeln und Streben, die die Gelenkpfannen der Oberschenkel aufnahmen. Nichts deutete auf die gewölbte schüsselartige Form des unteren menschlichen Torsos hin.

„Muß auch besondere Eingeweide gehabt haben“, meinte er.

„Es könnte sein, daß die inneren Organe mehr durch die Aufhängung an dem darüber gelegenen Knochenring getragen wurden als durch einen Halt darunter“, vermutete Danchekker. „Betrachten Sie schließlich die Glieder. Beide unteren bestehen wie auch die unsrigen aus zwei Knochen. Oberarm und Oberschenkel aber sind anders beschaffen – sie weisen ebenfalls eine Doppelknochen-Anordnung auf. Das hat die Flexibilität in hohem Maße gesteigert und die Ganymeder in die Lage versetzt, eine ganze Reihe von Bewegungen auszuführen, zu denen ein menschliches Wesen nicht in der Lage wäre. Die Hand verfügt über sechs Finger, von denen sich zwei gegenüberstehen. Ihr Besitzer hat sich also des Vorteils, zwei Daumen zu besitzen, erfreuen können. Er wäre in der Lage gewesen, sich beide Schuhe bequem mit einer Hand zu schnüren.“

Danchekker wartete, bis Caldwell und Hunt jedes Detail des Skeletts gründlich studiert hatten. Als sie sich wieder ihm zuwandten, fuhr er fort: „Seit das Alter der Ganymeder ermittelt ist, tendiert jedermann zu der Ansicht, ihre Entdeckung sei ein purer Zufall und es bestünde kein direkter Zusammenhang mit der Lunarierfrage. Meine Herren, ich glaube nun in der Lage zu sein, Ihnen demonstrieren zu können, daß den Ganymedern in der Tat eine sehr reale Bedeutung in dieser Frage zukommt.“

Hunt und Caldwell sahen ihn erwartungsvoll an. Danchekker schritt zu einer Bildschirmkonsole an der Wand des Laboratoriums, tastete einen Code ein und sah zu, wie sich der Schirm erhellte und das Bild eines Fischskeletts offenbarte. Zufrieden wandte er sich um und sah sie an.

„Was fällt Ihnen auf?“ fragte er.

Einige Sekunden lang starrte Caldwell gehorsam auf den Schirm. Hunt nahm das Bild schweigend in sich auf.

„Es ist ein komischer Fisch“, sagte Caldwell schließlich. „In Ordnung, sagen Sie’s mir.“

„Es ist nicht auf den ersten Blick zu sehen“, entgegnete Danchekker. „Aber mittels eines detaillierten Vergleichs ist es möglich, die Struktur dieses Fisches Knochen für Knochen mit der des Ganymederskeletts in Beziehung zu setzen. Beide entstammen der gleichen evolutionären Linie.“

„Der Fisch ist einer von denen, die in der Lunarierbasis auf der Mondrückseite gefunden wurden“, sagte Hunt plötzlich.

„Genau, Dr. Hunt. Der Fisch ist knapp fünfzigtausend Jahre alt und das Ganymederskelett rund fünfundzwanzig Millionen. Eine anatomische Untersuchung macht deutlich, daß sie verwandt sind und zu einer evolutionären Linie gehören, die sich irgendwann in ferner Vergangenheit bei einem gemeinsamen Vorfahren verzweigte. Daraus ergibt sich, daß sie auch den Ursprungsort gemeinsam haben. Wir wissen bereits, daß sich der Fisch in den Meeren Minervas entwickelte. Also kommen auch die Ganymeder von Minerva. Auf diese Weise haben wir einen Beweis für etwas erhalten, das einige Zeit nur reine Spekulation war. Unsere frühere Vermutung war nur in dem einen Punkt unrichtig, als wir nicht in der Lage waren, die zeitliche Lücke zwischen der Anwesenheit der Ganymeder auf Minerva und der der Lunarier genau abzuschätzen.“

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Der tote Raumfahrer – Teil 3

Von James Patrick Hogan. Das Original „Inherit the Stars“ wurde 1977 veröffentlicht, die deutsche Fassung (übersetzt von Andreas Brandhorst) erschien 1981 im Moewig-Verlag (ISBN 3-8118-3538-6) und ist heute nur noch in Gebrauchtexemplaren über Amazon erhältlich.

Zuvor erschienen: Der tote Raumfahrer – Teil 1 und Teil 2

10

Die Dienste der Sonderauftragsgruppe L wurden sofort in Anspruch genommen, als die neue Abteilung offiziell eingerichtet wurde, und innerhalb der folgenden Wochen nahm die Arbeitsbelastung rapide zu. Gegen Ende des Monats war Hunt mit Anträgen und Anfragen regelrecht überhäuft und gezwungen, mehr Mitarbeiter anzufordern, als er zuerst vorgehabt hatte. Ursprünglich war es sein Plan gewesen, eine Zeitlang mit einer Stammannschaft zurechtzukommen. Zumindest so lange, bis er eine Vorstellung davon hatte wie viele Mitarbeiter er benötigte. Als Caldwell zum ersten Mal von der Gründung einer neuen Sektion sprach, hatte es ein oder zwei Fälle von Eifersucht und Verstimmung gegeben. Aber schließlich setzte sich die Einschätzung durch, daß Hunt einige überlegenswerte Ideen eingebracht hatte und es deshalb nur vernünftig sei, ihn auf Dauer zum Projekt hinzuzuziehen. Nach einer Weile mußten selbst die Opponenten widerwillig einräumen, daß mit der Hilfe der Gruppe L die Dinge glatter liefen. Einige vollführten schließlich eine völlige Kehrtwendung und wurden zu enthusiastischen Befürwortern dieser neuen Einrichtung, als sie zu begreifen begannen, daß die Kommunikationskanäle zu Hunts Leuten auch in der anderen Richtung funktionierten und daß für jedes Informationsbit, das sie in diese Kanäle einspeisten, zehn aus der anderen Richtung zurückkamen. Als Caldwells Koordinierungsmaschine auf diese Weise geschmiert wurde und sich als produktiv erwies, wurde sie auf volle Touren gebracht, und plötzlich begannen sich die Mosaiksteinchen zusammenzufügen.

Die Mathematik beschäftigte sich noch immer mit den Gleichungen und Tabellen, die man in den Büchern gefunden hatte. Da mathematische Beziehungen völlig unabhängig von den Zeichen waren, mit denen man sie ausdrückte, gestaltete sich ihre Interpretation weitaus weniger willkürlich als die Decodierung der lunarischen Sprache. Durch die Entdeckung der Maßeinheitumrechnungstabellen waren die Mathematiker angespornt worden. Sie richteten ihre Aufmerksamkeit auf die anderen Tabellen desselben Buches und stießen bald auf eine, die eine Reihe von gewöhnlichen physikalischen und mathematischen Konstanten auflistete. Kurz darauf machten sie pi und e, die Basis der natürlichen Logarithmen, und noch ein oder zwei andere Konstanten ausfindig. Allerdings verstanden sie noch immer nicht genug von dem System der Maßgrundeinheiten, um die Mehrzahl von ihnen zu berechnen.

Als die Kartographen schlüssige Beweise für die Einheiten der Kreiseinteilung erbracht hatten, konnten andere Tabellen schnell als Beschreibungen einfacher, trigonometrischer Funktionen erkannt werden. Die Überschriften der Spalten dieser Tabellen bestanden aus den lunarischen Symbolen für Sinus, Kosinus, Tangens und so weiter. Sobald diese bekannt waren, ergaben mathematische Zeichen an anderen Stellen mehr Sinn; einige von ihnen erwiesen sich rasch als Definitionen bekannter trigonometrischer Beziehungen. Diese wiederum halfen, die Zeichen zu finden, die die Grundrechnungsarten und die Exponentialrechnung benannten, was zur Identifikation der Gleichungen führte, die mathematischer Ausdruck für die Gesetze der Gravitation waren. Niemand war überrascht, als diese Gleichungen offenbarten, daß die lunarischen Wissenschaftler die gleichen Gesetze abgeleitet hatte wie auch Newton. Die Mathematiker stießen dann zu Tabellen vor, die die ersten grundlegenden Integrale und Standardgleichungen einfacher Differentialrechnung beinhalteten. Auf anderen Seiten fanden sie Ausdrücke, von denen sie annahmen, daß sie die Gesetze der Resonanz und gedämpften Oszillation beschrieben. Hier führte die Ungewißheit über die Maßeinheiten erneut zu einem Problem: Ausdrücke von dieser Art würden in einer Standardform gehalten sein, die gleichwohl für elektrische, mechanische, thermische oder viele andere physikalische Erscheinungen zutreffen konnten. Bis sie nichts Genaueres über das lunarische Maßsystem wußten, konnten sie nicht absolut sicher sein, was diese Gleichungen bedeuteten, selbst dann nicht, wenn sie sie mathematisch interpretieren konnten.

Hunt erinnerte sich daran, bemerkt zu haben, daß an vielen der elektrischen Anschlüsse in Charlies Rückentornister direkt neben Stöpseln, Steckern und anderen Eingang-Ausgang-Verbindungen kleine Metallschildkennungen angebracht waren. Er vermutete, daß es sich bei einigen der Symbole, die in diese Kennungen eingraviert waren, möglicherweise um Angaben über Stromspannung, -stärke, -frequenz und dergleichen mehr handeln könnte. Er verbrachte einen ganzen Tag in den Labors der Elektronikabteilung, erarbeitete einen kompletten Bericht über die Kennungen und leitete ihn an die Mathematiker weiter. Niemandem war es bis dahin in den Sinn gekommen, sich über diese Dinge in Kenntnis zu setzen.

Die Elektroniker lokalisierten die Batterie in der Armbandeinheit, die das Tycho-Team entdeckt hatte, zerlegten sie in ihre Bestandteile und berechneten mit Hilfe eines Elektrochemikers aus einer anderen Abteilung, welche Stromspannung sie geliefert hatte. Die Linguistiker übersetzten die Beschriftungen auf dem Gehäuse, und das ergab einen Anhaltspunkt für die Einheit, mittels der die Lunarier elektrische Spannung gemessen hatten. Nun, es war ein Anfang.

Die Professoren Danchekker und Schorn waren für die biologische Seite der Untersuchungen verantwortlich. Überraschenderweise zeigte Danchekker keinen Widerstand, mit der Gruppe L zu kooperieren, und er hielt sie mit einem beständigen Informationsfluß auf dem laufenden. Dies war mehr die Folge einer tief in ihm verwurzelten Anständigkeit als einer Wandlung seiner Gefühle. Er war ein Formalist, und wenn die Formalitäten der neuen Regelung eine Informationsweitergabe verlangten, dann würde er sie streng einhalten. Aber er weigerte sich felsenfest, auch nur einen Millimeter von seiner kompromißlosen Überzeugung über den Ursprung der Lunarier abzuweichen.

Wie angekündigt führte Schorn eine Reihe von Untersuchungen durch, die die Länge des Tages von Charlies Heimatplaneten aus den Analysen seiner Körperchemie und seines Zellstoffwechsels ableiten sollte. Er stieß jedoch auf Schwierigkeiten. Er erzielte zwar Resultate, aber sie ergaben keinen Sinn. Einige Tests deuteten auf einen Vierundzwanzigstundentag hin, was bedeutete, daß Charlie von der Erde stammen konnte; andere jedoch führten zu fünfunddreißig Stunden, was dieser These widersprach. Und wieder andere Tests lieferten Werte, die dazwischen lagen. Wenn die Gesamtheit seiner Resultate also überhaupt irgendeine Bedeutung hatte, dann die, daß Charlie gleichzeitig von mehreren verschiedenen Orten kam. Entweder war dies verrückt, oder die Testmethoden waren falsch, oder es gab mehr Faktoren, als sie bisher angenommen hatten.

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Der tote Raumfahrer – Teil 2

Von James Patrick Hogan. Das Original „Inherit the Stars“ wurde 1977 veröffentlicht, die deutsche Fassung (übersetzt von Andreas Brandhorst) erschien 1981 im Moewig-Verlag (ISBN 3-8118-3538-6) und ist heute nur noch in Gebrauchtexemplaren über Amazon erhältlich.

Zuvor erschienen: Der tote Raumfahrer – Teil 1

7

Hunt hob die Arme, lehnte sich weit zurück und gähnte ausgiebig in Richtung Labordecke. Für ein paar Sekunden verblieb er in dieser Haltung, dann sank er mit einem Seufzen nach vorn zurück. Schließlich rieb er sich mit den Fingerknöcheln die Augen, setzte sich aufrecht, so daß er die Konsole vor ihm betrachten konnte, und konzentrierte sich erneut auf die knapp einen Meter große, zylindrisch geformte Glaskonstruktion an seiner Seite.

Das Betrachtungsterminal des Trimagniskops zeigte ein vergrößertes Abbild eines jener Bücher im Taschenbuchformat, die bei Charlie gefunden worden waren und die ihnen Danchekker vor drei Wochen, an ihrem ersten Tag in Houston, gezeigt hatte. Es steckte unter dem auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes befindlichen Abtastmodul des Gerätes. Das Skop war so justiert, daß es auf Veränderungen im spezifischen Gewicht reagierte, die von beschrifteten und nicht beschrifteten Stellen einer Seite hervorgerufen wurden, und nur noch die Zeichen selbst projizierte. Irgendwie erinnerte der ganze Vorgang an einen Eierkarton, bei dem man die obere Hälfte abgeschnitten hatte. Die abgebildeten Symbole waren jedoch in Anbetracht von Alter und Zustand des Buches undeutlich und an einigen Stellen unvollständig. Der nächste Schritt bestand darin, die Skopprojektionen mit Fernsehkameras optisch festzuhalten und den Navkomm-Computerkomplex dann mit diesen Daten zu füttern. Dort wurden die Daten einem speziellen Dekodierungs- und Analyseverfahren, einer statistisch-empirischen Hochrechnungstechnik, unterzogen, mittels der man eine Kopie des Buches herstellte, in der unvollständige oder fehlende Fragmente restauriert beziehungsweise hinzugefügt waren.

Hunt betrachtete die kleinen Monitore auf seiner Konsole, von denen jeder einen vergrößerten Ausschnitt einer bestimmten Seite zeigte, und tippte dann einige Anweisungen in die Tastatur.

„Auf Monitor fünf habe ich ein verschwommenes Bild“, meldete er. „Die Koordinaten sind eins zwo null null zu eins drei acht null auf der X-Achse; Y neun neun null null und, äh, eins null sieben fünf.“

Rob Gray, der ein paar Schritte entfernt vor einer anderen Konsole saß und von Bildschirmen und Kontrolltafeln fast vollständig umgeben war, musterte einige der Zahlenkolonnen, die vor ihm auf den Schirmen flimmerten.

„Z-Modus linear im Feld“, rief er. „Eine Teilverstärkung…“

„Gut. Versuchen Sie’s.“

„Ich gehe auf der Z-Achse von zwei null null auf zwei eins null… steigere die Verstärkung um jeweils einen Punkt… in Schritten von null Komma fünf Sekunden.“

„Verstanden.“ Hunt betrachtete den Schirm. Das Abbild eines Seitenabschnitts aus dem Buch verzerrte sich an einigen Stellen, dann begann es sich zu verändern.

„Jetzt anhalten!“ rief er.

Gray betätigte eine Taste. „In Ordnung?“

Eine Zeitlang betrachtete Hunt das nun modifizierte Bild. „In der Mitte ist nun alles klar“, sagte er schließlich. „Stabilisieren Sie das neue Niveau auf vierzig Prozent. Diese Randverzerrungen stören mich noch immer. Geben Sie mir mal einen Vertikalschnitt durch das Zentrum.“

„Auf welchen Bildschirm?“

„Äh… Nummer sieben.“

„Kommt sofort.“

Auf Hunts Konsole leuchtete eine Kurve auf, die einen Querschnitt durch den schmalen Bereich zeigte, mit dem sie sich beschäftigten. Er betrachtete sie einige Augenblicke, dann rief er: „Nehmen Sie eine Interpolation der Randverzerrung vor! Fangen Sie mit, sagen wir, minus fünf und fünfunddreißig Prozent auf Y an.“

„Parameter sind klar… Interpolator dazugeschaltet“, meldete Gray. „Wird jetzt im Abtastprogramm eingegliedert.“ Wieder veränderte sich das Bild ein wenig. Jetzt wies es eine merkliche Kontrastverbesserung auf.

„An den Rändern noch immer nicht ganz klar“, sagte Hunt. „Versuchen Sie’s mit einer Peripherieverstärkung von plus zehn. Wenn das nichts hilft, müssen wir den Isobandbreitenregler hinzunehmen.“

„Plus zehn auf zwei fünf und sieben fünf null“, wiederholte Gray, während er an der Tastatur arbeitete. „Erledigt. Wie sieht’s aus?“

Auf dem Seitenausschnitt, der auf Hunts Monitor zu sehen war, hatten sich die verschwommenen Symbole auf rätselhafte Weise in deutlich zu erkennende Zeichen verwandelt. Hunt nickte zufrieden.

„Alles klar. Jetzt stabilisieren. In Ordnung – das wäre das. Oben rechts ist noch immer ein unsauberer Punkt. Den nehmen wir uns jetzt vor.“

Seit jenem Tage, an dem das Trimagniskop fertig installiert war, hatte es für die beiden fast nur noch solche Arbeit gegeben. Die erste Woche hatten sie damit zugebracht, eine Reihe von Querschnittsansichten des Körpers selbst herzustellen. Dieses Unterfangen hatte sich als eine nicht so leicht zu vergessende Mischung aus Unbequemlichkeiten und noch unangenehmeren Widrigkeiten erwiesen. Sie mußten in elektrisch beheizten Anzügen arbeiten, weil die Mediziner unbeugsam darauf bestanden, daß Charlie in einer gekühlten, keimfreien Umgebung verblieb. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen waren enttäuschend. Es hatte sich herausgestellt, daß Charlie überraschend – oder nicht so überraschend, das kam ganz auf den Standpunkt an – menschlich war. Während der zweiten Woche nahmen sie sich die persönlichen Dinge vor, die bei Charlie gefunden worden waren, insbesondere die „zerknüllten“ Papiere und die Taschenbücher. Diese Untersuchungen hatten zu wesentlich interessanteren Ergebnissen geführt.

Von den Beschriftungssymbolen auf den Texten hatte man zuerst die Zahlen identifizieren können. Ein Team von Kryptographen, das in der Navkomm-Zentrale zusammengestellt worden war, entschlüsselte bald das Zahlensystem, das auf dem Duodezimal- statt dem Dezimalsystem basierte und links neben der letzten Ziffer eine mathematische Ordnungsbezeichnung verwendete. Die nichtnumerischen Symbole zu dechiffrieren erwies sich als weitaus schwieriger. Linguisten von wissenschaftlichen Instituten und Universitäten verschiedener Länder wurden hinzugezogen. Mit Hilfe einer ganzen Reihe von Computern versuchten sie, aus der Sprache der Lunarier, wie Charlies Spezies angesichts seines Fundortes genannt wurde, schlau zu werden. Bisher hatten ihre Bemühungen nur zu dem Ergebnis geführt, daß das lunarische Alphabet aus siebenunddreißig Buchstaben bestand, die horizontal von rechts nach links geschrieben wurden, und ein Äquivalent zu Großbuchstaben enthielt.

Angesichts der kurzen Zeitspanne konnte man mit dem Erfolg recht zufrieden sein. Die meisten untersuchenden Wissenschaftler waren sich darüber im klaren, daß die Ergebnisse, die man bisher erzielt hatte, ohne die Hilfe des Trimagniskops nicht zustande gekommen wären. Und die Namen der beiden Engländer waren bald in aller Munde. Das Skop erregte große Aufmerksamkeit unter dem technischen Personal der UNWO, und an vielen Abenden ergoß sich ein Strom von Besuchern in das Ocean Hotel, die alle darauf brannten, mit den Erfindern dieses Instruments zu sprechen und mehr über seine Funktionsprinzipien zu erfahren. Bald darauf war das Ocean Hotel der Sitz eines Debattierclubs, in dem jedermann die Zügel schießen und seine wildesten Spekulationen über die Geheimnisse, die Charlie umgaben, äußern konnte – frei vom Zwang der beruflichen Vorsicht und Sorgfalt, der den Wissenschaftlern während der Arbeit auferlegt war.

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